Mügeln ist eine Kleinstadt in Sachsen, im Südosten des Landkreises Nordsachsen. Nachbarstädte sind Oschatz (neun Kilometer) und Döbeln (15 Kilometer). Bekanntheit erlangte der Ort als ehemaliger Bischofssitz des Bistums Meißen und im 19. Jahrhundert durch die Schmalspurbahn, deren Bahnhof in Mügeln einst als einer der größten Schmalspurbahnhöfe Europas galt.

mini|Mügeln, Luftaufnahme (2017)

Geographie Geographische Lage Mügeln liegt im Döllnitztal am westlichen Rand der Lommatzscher Pflege, einem intensiv landwirtschaftlich genutzten Hügelland mit fruchtbaren Böden. Durch die Stadt fließt der kleine Fluss Döllnitz. Nördlich der Stadt beginnt der Wermsdorfer Forst, ein Waldgebiet, das sich bis zur Dahlener Heide erstreckt.

Nachbargemeinden Mit ihren Territorien direkt angrenzend sind (im Uhrzeigersinn) die Stadt Oschatz, Naundorf, Jahnatal im Landkreis Mittelsachsen und Wermsdorf.

Stadtgliederung mini|Klimadiagramm von OschatzDeutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990

Klima Mügeln befindet sich mit seinem humidem Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar.Geoklima 2.1 Die nächste Wetterstation befindet sich im nahegelegenen Oschatz. Weitere befinden sich in Torgau und in Dresden. Die durchschnittlich Lufttemperatur in Mügeln beträgt 8,6 °C, der jährliche Niederschlag 572 Millimeter.

Geschichte Deutung und Entwicklung des Ortsnamens Der Ortsname leitet sich vom sorbischen mogyla ab, was Erd- oder Grabhügel bedeutet. Mit dem Suffix -n- (Mogyl-n-) ergibt sich die Entsprechung einer Siedlung bei einem Grabhügel.

Er hatte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Schreibweisen, aber bereits 1590 bildete sich der heutige Name Mügeln heraus.

984 (1012/18) Mogelin(i) (Thietm. IV. 5.), 1003 (1012/18) Mogilina (Thietm. V. 37.), 1161 Sifridus de Mugelin, 1185 Moglin, 1198 Mugelin, 1254 Mogelin, 1319 Mugelin, 1358 Mugelyn, 1551 Mogelln, 1555 Mögeln, 1590 Mügeln

Ortsgeschichte Die erste Besiedlung Eine erste Besiedlung von Mügeln ist bereits für 3000–900 v. Chr. am heutigen Poetenweg nachzuweisen. Bei Grabungen 1994 wurden unter anderem fünf Haus-Grundrisse gefunden. Diese Häuser hatten wahrscheinlich Satteldächer und bestanden aus Holzpfosten mit einem Zweiggeflecht. Gleichzeitig wurden auch Teile dünnwandiger Keramik gefunden. Auf ihrer schwarzen Oberfläche finden sich schmale waagerechte oder kurze senkrechte Riefen und Dreiecke. Diese Verzierungen machten die Einordnung der Siedlung in die jüngere Bronzezeit möglich.Frank Hörügel: Abnahme der kleinen Kirchenglocke, OAZ vom 18./19.03.1995.

Mügelns erste urkundliche Erwähnung im Mittelalter mini|hochkant|Johanniskirche Erstmals urkundliche Erwähnung erfuhr Mügeln 984, als der spätere erste König von Polen Herzog Boleslaw von Böhmen Heinrich den Zänker nach einem Empfang mit seinem Heer durch die Gaue Nisan und Daleminzien bis nach Mügeln begleiten ließ. Mügelns Umgebung war damals noch vorwiegend slawisch besiedelt. Als 1003 Boleslaw die Stadt Strehla und die Lommatzscher Pflege mit Verwüstungen und Brandschatzungen überzog, stand er auch vor den Toren Mügelns. Der Sage nach sollen die Mügelner Bürger eine Verwüstung der Stadt durch eine List verhindert haben, in dem sie versprachen, dem Polenkönig treu ergeben zu sein und sich selbst am Abend vor seinem Lager einfinden zu wollen. Doch Boleslaw konnte seine anschließenden Rache-Pläne auf Grund der ansteigenden Elbe nicht mehr umsetzen und musste mit seinen Truppen abziehen. Am 17. Juni 1025 starb Boleslaw.

1063 kam Mügeln durch eine Schenkung der Kaiserin Agnes in den Besitz des Bischofs von Meißen. Die Schenkung bedenkt das Stift mit 50 Hufen Land, sowie allen dazugehörigen Nutzungsrechten. Die Gerichtsbarkeit verblieb zunächst in kaiserlicher Hand und fiel erst ungefähr 200 Jahre später durch eine urkundliche Beglaubigung dem Bischof von Meißen zu. 1135 erfolgte der Bau der Altmügelner Marienkirche, welche anlässlich ihrer Weihe mit Feldern der Schenkung von 1064 ausgestattet wird. Die Einkünfte wurden dem Bischof von Meißen zugesprochen. Für das Jahr 1161 werden die Herren von Mügeln nachgewiesen, welche vermutlich aber bereits im 11. Jahrhundert das Land um den Festenberg als Geschenk vom König erhielten. Sifridus de Mogelin wurde in der Zueignung eines Weinbergs an die Kapelle Egidii in Meißen als Zeuge genannt, wo er seinen Namen unmittelbar hinter den des advocatus von Meißen setzte. 1198 wurde schließlich ein Gerbrand von Mogelin beim Landding am Collm genannt und 1216 wurden in einer Urkunde des Meißner Markgrafen Dietrich der Name Siegfrieds von Mügeln, sowie sein Alter und seine ehemalige adlige Abstammung erwähnt. Dem Sornziger Kloster wurde 1218 eine Burgwartskapelle überwiesen und damit erstmals eine Burgwartskapelle auf dem Festenberg erwähnt. Bischof Heinrich I. von Meißen, ließ 1232 die Mügelner Johanniskirche erbauen, deren Bau als Abschluss der planmäßigen Deutschgründung Mügelns gilt. Die Verleihung des Marktrechts in Mügeln erfolgte im Jahre 1256. Bischof Conrad von Meißen wies an, dass jährlich 6 Mark an das Meißner Kapitel zu überweisen sind.

mini|Schloss Ruhethal 1259 starb Sifridus de Mogelin, welcher der einflussreichste und wohlhabendste Präfekt Mügelns war. Er bebaute während seiner Herrschaft den Festenberg mit der Burg, sowie der Kapelle Ursula und stiftete 1241 das Nonnenkloster des Benediktinerordens Marienthal in Sornzig. 1261 wurde das Schloss Ruhethal erbaut. Am 26. März 1278 übergab Albert, Graf zu Brehna in einer Schenkung die Gerichtsbarkeit über die Stadt Mügeln an den Bischof zu Meißen. 1288 wurde Mügeln Civitates genannt, was auf eine Erwähnung des Stadtrechts schließen lässt. Der Propst und das Kapitel zu Meißen trafen 1311 in einer Urkunde eingehende Bestimmungen über die Verteilung der einzelnen Pfründen und die damit verbundenen Verpflichtungen in Mügeln. Der Gebrauch der sorbischen Sprache wurde 1325 von Amts wegen verboten. Aus der Zeit um 1350 sind die Sangspruchdichtungen eines Heinrich von Mügeln überliefert. Er war Verfasser von mittelhochdeutschen Minneliedern, Gedichten, Fabeln, Chroniken und Sprüchen und trat er an den Höfen der Herrscher von Österreich, Böhmen und Ungarn auf. Conrad von Rochlitz schenkte 1350 dem Bistum Meißen alle seine Güter, welche er vom meißnischen Bischof zum Lehen hatte, um in der Mogeliner Schlosskapelle Zur Heiligen Barbara einen Kaplan unterhalten zu können. Er war damit der letzte bischöfliche Obergerichtsherr in Mügeln. Um 1373 wurde erstmals eine Mügelner Stadtbefestigung erwähnt und 1395 schenkte Bischof Johannes III. der Stadt das Vogteihaus als Rathaus. Er setzte den ersten Bürgermeister Mügelns, sowie sechs Ratsmänner ein. Die Stadt erhielt als äußeres Zeichen das bischöfliche Wappen. Im Jahre 1414 wurde erstmals eine Ratsverfassung bezeugt.

1429 wurden Teile der Stadt durch einfallende Hussiten zerstört, welche auch andere benachbarte Städte und Dörfer bereits niedergebrannt und verwüstet hatten. Sicherlich wurden dabei viele Bewohner erschlagen. Die oft verbreitete Ansicht, Mügeln wäre bereits 1428 von den Hussiten zerstört worden, entstammt der insgesamt sehr fehlerhaften fiedlerschen DarstellungDas XXIII. Capitel: Hussitten-Krieg. In: Johann Fiedler, Otto Daniel Ziessler …: Müglische Ehren- und Gedächtniß-Seule …. Friedrich Lanckischs Erben, Leipzig 1709, S. 89–93 (digitale-bibliothek-mv.de). und ist nach jüngeren Forschungen überholt.Ralph Gundram: Döbeln und die Hussiten – Die Brandkatastrophe einer Stadt im Spannungsfeld historischer Konstruktion und lokaler Legendenbildung. In: Neues Archiv für sächsische Geschichte. Band 79, 2008, S. 10/Anm. 60 und S. 22/Anm. 113 (Zwickauer Rechtsbuch Codex statutorum Zwiccaviensium, III X1 141b, fol. 105b!).

Die Neuzeit mini|Plan von Mügeln und dem Schloss Ruhethal von 1741 mini|Altmügeln, Ortsansicht um 1830 mini|Marienkirche (Altmügeln) 1542 fand der erste evangelischer Gottesdienst in Mügeln statt. 1556 legte Bischof Johannis zu Meißen die Statuten der Stadt Mügeln neu bzw. verändert fest. Das 24 Punkte fassende Statut, welches zum Teil sehr detailliert abgefasst war, befasste sich mit Erb-, Besitz- und Familienrecht. Diesen folgten noch einmal 10 Punkte allgemeiner Stadtordnung.

Während des Schmalkaldischen Krieges zog Kaiser Karls V. 1547 zur Schlacht bei Mühlberg durch Mügeln, aus welcher er am 24. April 1547 siegreich hervorging und somit den Krieg gewann. 1561 wurde der Stadt von Bischof Johann IX. von Haugwitz kirchliche Geleit- und Brückenrechte verliehen. Bischof Johann IX., der letzte katholische Bischof zu Meißen und gleichzeitig Dompropst zu Naumburg, trat 1581 zum Protestantismus über. Er lebte in Mügeln und erhielt das Schloss Ruhethal, welchem er diesen Namen gab, sowie das ehemalige Kloster Marienthal in Sornzig, als Leibrente zur Nutzung. 1572 ließ er die alte Burganlage in Mügeln in ein neuzeitliches Schloss umbauen. Er starb 1595. Ein Jahr später, 1596 kam das Amt Mügeln an die sächsischen Kurfürsten.

Nachdem im Dreißigjährigen Krieg die Mügelner Bürger mehrfach schwedische Angriffe abwehren konnten, wurde der Ort schließlich durch die Truppen des schwedischen Oberst Töbitz geplündert. Jedoch die meisten der damals ungefähr 700 Einwohner fielen in dieser Zeit der Pest zum Opfer. Nur 67 Einwohner der Stadt überlebten die große Pestilenz. Im gesamten Kirchspiel Mügelns gab es ungefähr 1000 Pest-Tote.

Mügeln war 1629 von Hexenverfolgung betroffen. Eine Person geriet in einen Hexenprozess und wurde mit Landesverweis bestraft.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 549f. Im Ortsteil Altmügeln geriet der Zimmermann Paul Richter 1645–1648 in einen Hexenprozess.

Am 24. November 1690 gab es in Mügeln und Umgebung ein Erdbeben, wobei 2 Häuser beschädigt wurden, im Schloss einige Möbel durcheinander fielen und die Glocken von selbst läuteten. Der schwedische König Karl XII. nahm nach dem Frieden von Altranstädt 1707 im Schloss Ruhethal Quartier. 1735 wurden die Stadtprivilegien durch Erhalt der Ober- und Erbgerichte vom kurfürstlichen Amt erweitert. 1831 wurden das Gut und Schloss sächsisches Kammergut. Die Landwirtschaft wurde verpachtet. Das Justiz- und Rentamt hatte seinen Sitz im Schloss. Im Jahr 1834 wurde das letzte Stadttor abgebrochen, sowie eine Mädchenschule eröffnet. Nach einer Verwaltungsreform 1836 umfasste das Amt Mügeln zusammen mit Sornzig 55 Dörfer. 1844 wurde, nachdem bereits ein Jahr zuvor auf dem Mügelner Markt eine Probelaterne aufgestellt wurde, die städtische Straßenbeleuchtung eingeführt.

Nachdem bereits seit 1849 über die Einrichtung einer Sparkasse in Mügeln im Gespräch war, nahm diese im Jahr 1852 langsam Gestalt an und wurde am 12. Januar 1853 eröffnet. Am ersten Kassentag wurden über 1200 Taler eingelegt. Die Stadtkirche wurde 1869 einer Restaurierung unterzogen und am 2. Januar 1869 wieder eingeweiht. Die Kosten der Restaurierung betrugen 5200 Taler; dazu kamen 2300 Taler für eine neue Orgel, sowie 1000 Taler für die neuen Glocken. 1875 wurde Mügeln der Amtshauptmannschaft Oschatz zugeordnet. Im Jahr 1884 erhielt Mügeln an der Schmalspurbahn Oschatz–Mügeln–Döbeln einen Eisenbahnanschluss. Diese Strecke hatte eine Spurweite von 750 Millimetern Spurweite und wurde durch die Königlich Sächsische Staatseisenbahn betrieben. 1888 wurde noch die Schmalspurbahn Mügeln–Neichen eröffnet. Dieses sogenannte „Mügelner Netz“, das noch weitere anschließende Strecken umfasste, brachte der Region einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung. Zusammen mit den Insterburger Kleinbahnen galt das Mügelner Netz als das größte deutsche Schmalspurnetz. Nachdem bereits 1889 Pläne für eine neue Wasserleitung in Mügeln auslagen, wurde diese am 21. Juli 1891 in Betrieb genommen und löste eine alte hölzerne Holzröhrenleitung ab. Das städtische Telefonnetz ging am 20. Juli 1899 mit über 200 Anschlüssen in Betrieb.

Das 20. Jahrhundert