mini|Domplatz mit Dom und Michaelskirche mini|Ansicht der Domtürme von der Kuppel
Der Dom St. Salvator zu Fulda (offiziell Hoher Dom zu Fulda) ist die Kathedralkirche des römisch-katholischen Bistums Fulda und als Grabeskirche des heiligen Bonifatius Ziel der Bonifatiuswallfahrt. Er stellt den Mittelpunkt des Fuldaer Barockviertels dar und ist zugleich das Wahrzeichen der Stadt Fulda.
Unter Fürstabt Adalbert von Schleifras wurde der Dom 1704–1712 nach Plänen von Johann Dientzenhofer als dreischiffige Basilika errichtet und am 15. August 1712 auf das Patrozinium Christus Salvator geweiht., abgerufen am 14. November 2014. Der Dom diente zunächst als Abteikirche des Klosters Fulda und wurde 1752 Kathedrale des Bistums.
Geschichte mini|links|Der durch einen Brand im Jahr 1905 beschädigte Nordturm des Doms. Rechts die romanische Michaelskirche.(Fotografie: Albrecht Meydenbauer) mini|Johann Friedrich Schannat: Dioecesis Fuldensis cum annexa sua hierarchia, Joh. Benj. Andreae & Henr. Hort., Frankfurt am Main 1727, nach S. 64 (Digitalisat) mini|links|Blick auf das Kloster (1655). In der Mitte ist die Ratgar-Basilika, Vorgängerkirche des Doms, zu sehen
Die finanzielle Grundlage für die Errichtung des neuen Domes – damals noch Stiftskirche – sowie des neuen Abtsschlosses waren durch die berüchtigte Sparsamkeit des vorherigen Fürstabtes Placidus von Droste geschaffen worden.Michael Mott: Fuldaer Köpfe (Bd. I) Fulda, Verlag Parzeller, , S. 16. ISBN 978-3-7900-0396-3 Die Pläne des Doms wurden im Jahr 1700 von einem der bedeutendsten deutschen Barockbaumeister, Johann Dientzenhofer (1663–1726), der nach einer Studienreise nach Rom 1699 vom Papst als Baumeister empfohlen wurde, im Auftrag von Fürstabt Adalbert von Schleifras angefertigt. Der Dom zu Fulda mit der bewussten Anlehnung seines inneren Systems an den Petersdom ist ein künstlerischer Beweis für Dientzenhofers Studienreise. Der Vorgängerbau, die Ratgar-Basilika, einst größte Basilika nördlich der Alpen, wurde zugunsten des neuen Doms niedergelegt, ehe am 23. April 1704L. Pfaff: Der Dom zu Fulda. Veröffentlicht von J. L. Ath, 1855, Seite 19 der Bau im aktuellen barocken Stil begann. Dabei wurden zum Teil die Fundamente der Ratgarbasilika genutzt. 1707 wurde der Rohbau fertiggestellt, 1708 eingedeckt und bis 1712 im Inneren ausgestaltet. Am 15. August 1712 wurde der Dom geweiht. Auf der von Fürstabt Adalbert von Schleifras gesetzten Weihegedenktafel an der Fassade ist nur Christus Salvator als Titel der Kirche angegeben.Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst. Unterfranken 1949, Seite 280 Der barocke Neubau diente als Abteikirche der Benediktiner und Grabeskirche des heiligen Bonifatius und wurde erst 1752 in den Rang einer Kathedrale erhoben.
Anlässlich des 1150. Todestags des heiligen Bonifatius fand am 4. Juni 1905 ein Feuerwerk statt, bei dem ein Feuerwerkskörper im rechten Domturm vermutlich Dohlennester in Brand setzte. Der Turm brannte völlig aus. Dabei wurden die beiden Glocken „Osanna“ und „Bonifatius“ vernichtet. Andere Teile des Domes kamen nicht zu Schaden. Die juristischen Umstände gingen als Dombrand-Fall in die Rechtsgeschichte ein.
Nach Luftkriegsschäden im Zweiten Weltkrieg konnte die Wiederherstellung 1954 abgeschlossen werden. Papst Johannes Paul II. besuchte am 17. und 18. November 1980 Fulda. Mehr als 100.000 GläubigePapstbesuch in Fulda jährt sich zum 30. Mal auf osthessen-zeitung.de, abgerufen am 14. November 2014. strömten auf den Domplatz, um ihn dort begeistert zu empfangen.
Vom 1. August bis 3. Oktober 2012 zeigte das Vonderau Museum in Fulda die Ausstellung 300 Jahre Dom zu Fulda. Die unter Literatur genannte Veröffentlichung von Gregor K. Stasch war Begleitband der Ausstellung.
Architektur Die doppelchörige Anlage der mittelalterlichen Ratgar-Basilika wurde von Dientzenhofer zugunsten der eindeutigen Ausrichtung nach Westen aufgegeben. Während sich der Chor somit im Gegensatz zur großen Mehrheit europäischer Kirchen im Westen des Kirchenschiffs befindet und darin bewusst dem Vorbild des Petersdoms in Rom folgt, bildet die Hauptfassade zum Domplatz hin demnach die Ostfassade der Fuldaer Kathedrale.
Der Grundriss des Fuldaer Doms hat die Form einer kreuzförmigen, dreischiffigen Pfeilerbasilika mit einem südlichen und nördlichen Querhaus. Dazwischen befindet sich eine Vierung mit der 39 m hohen Kuppel. Dem nach Westen ausgerichteten 99 m langen Langhaus sind neben den beiden 65 m hohen Fassadentürmen im Osten zwei außenliegende Kuppelkapellen (Andreaskapelle und Johanneskapelle) angeschlossen.
Nach der Vierung mit Kuppel setzt sich das Mittelschiff mit dem Hochaltar, dem dahinterliegenden Hochchor und der darunterliegenden Bonifatius-Krypta fort. Die Seitenschiffe verlaufen parallel zum Hauptschiff bis auf die Höhe der Marienkapelle (rechts) und der Sakristei (links). Der Grundriss ist somit zu einem Doppelkreuz erweitert worden. Die Anbauten der Marienkapelle und Sakristei grenzen direkt an das ehemalige Klostergebäude an.
Außenbau Glockentürme Die Fassade wird von zwei 65 Meter hohen Türmen, die eng zusammenstehen, flankiert. Ihre jeweils vier Geschosse werden durch profilierte Gesimse deutlich getrennt. Überlebensgroße Sandsteinplastiken von Andreas Balthasar Weber zeigen rechts Sturmius als Abt mit Mitra, Abtstab und Buch, links Bonifatius als Bischof mit Hirtenstab und mit einer dolchdurchstoßenen Heiligen Schrift. Im dritten Geschoss befinden sich kupferne und vergoldete Uhrziffernblätter für eine mechanische und eine Sonnenuhr. Der Turmhelm besteht aus einer einmal abgesetzten Schweifkuppel, einer offenen Laterne und einer weiteren Schweifkuppel mit einer kleineren Laterne, Spitzhelm, Ananaskopf und Turmkreuz.
Hauptportal mini|Hauptportal Vier massive Dreiviertelsäulen mit begleitenden Halbpilastern flankieren das Hauptportal. Sie tragen den Architrav, den Fries mit Triglyphen und das kräftige Gesims. Auf dem Architrav mit Segmentbogen sitzen zwei große Engel, die das Wappen von Fürstabt Adalbert von Schleifras halten. Das Wappen, ein Werk von Balthasar Esterbauer, besteht aus zwei Feldern mit Fuldaer Stiftskreuz, in den beiden übrigen Feldern befinden sich ein Beil und ein Kesselhaken. Der Scheitelstein unmittelbar über dem Tor trägt eine Bauinschrift des Bauherrn Adalbert von Schleifras.
Die Portaltür ist mit korinthischen Pilastern und Rahmenwerk sowie schmiedeeisernen Beschlägen geschmückt.
Das Obergeschoss der Fassade ist mit massiven Säulen gegliedert. Ein großes Rundbogenfenster ist mit Säulen, Ornamenten im Bogenfeld, Vorhangbogen und Vasen verziert. Das Fenster ist von Sandsteinplastiken, die die Fuldaer Stadtpatrone Simplizius und Faustinus als Ritter zeigen, umgeben. Ihre Schilde zeigen die drei Lilien, das Symbol der Geschwister und das Kreuz, das Wahrzeichen des Hochstiftes. Beides bildet das Fuldaer Stadtwappen.
Die mittlere Fassade wird durch einen mit Vasen besetzten Dreiecksgiebel mit einem Rundfenster abgeschlossen. Auf der Spitze des Giebels steht eine Figur des segnenden Heilands ( Erlöser).
Obelisken Neben den beiden Kuppelkapellen des Doms befinden sich links wie auch rechts jeweils ein etwa 11 Meter hoher Sandsteinobelisk. Neben der schmückenden Bedeutung haben diese die Funktion die Domfassade optisch zu verbreitern. Auf der Abschlussplatte sitzt ein Sockel mit vier springenden Löwen. Über den Figuren befinden sich das Wappen des Bauherrn sowie diverse Inschriften.
Innenraum mini|250px|Der Blick in den Innenraum in Richtung Hochaltar Der weiß getönte Innenraum greift Elemente des Petersdoms in Rom und der Lateransbasilika auf. Die prächtige Innenausstattung zeigt Einfluss des römischen Barock und ist laut Georg Dehio „dem Besten der Epoche zuzuzählen“. Die Raumwirkung wird von dem Kontrast zwischen dem Weiß der Mauerflächen und der Stuckierung zum einen und dem schwarz-goldenen Farbakkord der architektonischen Elemente und der Ausstattung zum anderen bestimmt. Giovanni Battista Artari, ein Stuckateur, Ornamentmaler und Bildhauer schuf die Stuckierung des Innenraumes sowie die überlebensgroßen Apostelfiguren aus Stuck. Die Apostelfiguren sind gemäß einem Wort des heiligen Paulus dargestellt. So stehen die Glaubensboten als „Säulen“ () beziehungsweise an den Stützen des kreuzförmigen und dreischiffigen Doms.mini|Blick in die Vierungskuppel
Kuppel mini|Außenansicht der Vierungskuppel Inspirieren ließ sich Johann Dientzenhofer bei seinem Kuppelentwurf von der Il Gesù-Kirche in Rom, welche die Mutterkirche des 1534 durch Ignatius von Loyola gegründeten Jesuitenordens ist. Die Kuppel der neuen Abteikirche zu Fulda sollte ebenso wie in der Il Gesù-Kirche zum optischen Mittelpunkt des Gebäudes werden. In den Zwickeln der Kuppelpfeiler sind heute die gut erhaltenen Fresken von Luca Antonio Colomba zu sehen, die die vier Evangelisten darstellen. In den Nischen der Kuppel stehen überlebensgroße Stuckfiguren von Giovanni Battista Artari: direkt vor dem Hochaltar beginnend mit dem Erzengel Michael, dargestellt mit Waage und Schwert, den Teufel zu seinen Füßen. Ignaz Schwarz schrieb in den „Buchenblättern 1849“ in einem Gedicht die Geschichte dieser Statue:
Dem Meister, der die Wölbung sprengte, und in der Kuppel hoch im Dom, gewaltsam ein den Schlussstein zwängte, erschien erschreckend ein Phantom.
Es sprach: „Für alle Ewigkeiten, mein kühner Mann! Beschimpft du bleibst, ich werde Schande dir bereiten, wenn du nicht dieses unterschreibst“.
Ein Pakt war es, auf Tod und Leben, der Böse ob des Tempels grollt: Ein Seelchen müsse sich ihm ergeben, so nicht die Wölbung weichen sollt!
Doch unbekümmert unter Krachen Der Meister nimmt die Stütze fort; Den Teufel hört man höhnisch lachen An Gott geweihtem heil’gen Ort.
Und im Gebete fromm der Meister Die letzte Stütze eben hält: Steht bei mir alle guten Geister, o Herr, du Schöpfer aller Welt!
So betend sinkt er auf die Knie die letzte Stütze in der Hand. Gott segnete des Meisters Mühe, der Kuppel feste Wölbung stand.
Und durch die Mittelöffnung grimmig Die man schon schauet in dem Dom, fuhr, was bezeuget ward einstimmig hinaus das neidische Phantom.
Gott stets wird diesen Bau erhalten Mit seiner Kuppel wunderbar, weil nicht höllische Gestalten, daran der Teufel tätig war. Ignaz Schwarz: Buchenblätter: Sagen, geschichtliche Vorkommenheiten, Entstehung von Ortsnamen und sonstiges Vaterländisches im ehemaligen Fürstenthume Fulda und dessen Umgebung, Bd. 1, Fulda: Uth, 1849, S. 23–24.
Links Erzengel Gabriel mit einem Lilienstängel, rechts Erzengel Raphael mit Weihrauchfass und hinten ein Schutzengel mit einem Kind, das den Weg zum Himmel gezeigt bekommt. In der Kuppellaterne befindet sich abschließend eine Stuckfigur, die den Heiligen Geist als Taube im Strahlenkranz darstellt.
Ausstattung
Hochaltar
mini|Der Hochaltar aus Marmor ist an Gian Lorenzo Berninis Bronzeziborium im Petersdom und den Hochaltar der Kirche Trinità dei Monti in Rom angelehnt
Der Bildhauer Johann Neudecker und der Stuckateur Giovanni Battista Artari haben gemeinsam das Bildwerk geschaffen. Am 15. August 1712 weihte Fürstabt Adalbert von Schleifras den Hochaltar, der in seiner Form als Baldachin an das Ziborium des Petersdoms und den Altar der Kirche Santa Trinità dei Monti in Rom angelehnt ist. Die schwarzen, marmornen Säulen des Altares enden in goldenen korinthischen Kapitellen und tragen goldene Voluten, die in einer Wolke mit Engeln enden. Diese wird wiederum von einer Marienfigur bekrönt. Hierbei handelt es sich um eine Darstellung der Himmelfahrt Mariens, die an der Decke von einer Dreifaltigkeitsgruppe aus Stuck empfangen wird. Zu besonderen Festtagen findet auf der Mensa des Altares der sogenannte „Silberne Altar“ Platz, der die Schädeldecke des heiligen Bonifatius beherbergt.
Das goldene Rad