mini|Ansichtskarte mit Bild- und Adressseite (Poststempel von 1911) mini|Moderne Ansichtskarte mit mehreren Farbfotos (1984) Eine Ansichtskarte oder Ansichtspostkarte ist eine Postkarte mit einem Bilddruck auf der Rückseite, oder sie selbst ist ein fotografisches Papierbild.Ansichtspostkarte. In: Ullrich Häger: Großes Lexikon der Philatelie. Bertelsmann Lexikon Verlag 1973, S. 23. Entsprechend hat eine Ansichtskarte eine Bildseite mit einem oder mehreren Bildmotiven und wenig bis keinem Text sowie eine zu beschriftende Adressseite, die Raum für die Anschrift des Empfängers, einen kurzen Text und die Briefmarke bietet. Heute gibt es Karten, die mitunter zusätzliche Abbildungen auf der Adressseite haben. Im weiteren Sinne gehören nicht nur bedruckte, sondern auch gemalte beziehungsweise gezeichnete Exemplare hierzu. Die Ansichtskarte dient primär der schriftlichen illustrierten Korrespondenz, wird aber auch als Andenken verwendet oder als historisches Bilddokument gesammelt. Der Begriff Bildpostkarte wird manchmal synonym zu Ansichtskarte verwendet, ist allerdings in manchen Fällen nicht identisch, da es auch eine eigenständige Form der Postkarten mit dieser Bezeichnung gibt.

Anfänglich beauftragten Ansichtskartenverlage Künstler und Lithografen, Entwürfe für ihre Ansichtskarten zu gestalten. Später kam das Bildmaterial üblicherweise von Fotografen, wie es auch heute noch der Fall ist. Da die Versandkosten der Ansichtspostkarte zumeist niedriger als die eines Briefes waren, stellte sie lange Zeit die kostengünstigste Form der schriftlichen Korrespondenz mit Illustration dar. Der Markt für neue Ansichtskarten ist tendenziell rückläufig, weil stattdessen zunehmend modernere Kommunikationsformen (z. B. Instant-Messaging-Diensten, MMS oder E-Mail) genutzt werden.

Das Sammeln und Erforschen von Post- und Ansichtskarten wird als Philokartie bezeichnet.

Geschichte mini|Älteste bekannte deutsche Ansichtskarte (Vorläufer) von Lithograf Wilhelm Schneider, Worms.

Vorläufer Wann und von wem die erste Ansichtskarte gedruckt wurde, ist nicht sicher bekannt. Als erster Hersteller kommt der Kupferstecher Demaison aus Frankreich in Frage, der laut „L’Almanach de la Petite Poste de Paris“ bereits 1777 Karten, die möglicherweise sogar mit Bildern versehen waren, gedruckt haben soll. Weder von diesen Karten existieren heute noch Exemplare noch vom Almanach, der jedoch in anderen QuellenJournal des Philatelistes. 6 me série Nr. 9, 1909, S. 125, laut Kalckhoff 1911 wiederum nach dem Brüssler Journal "Le Soir" zitiert ist mit der Information zitiert wird, es gäbe „gegenwärtig gewisse Gravüren von Karten, die durch die Post mit offen lesebaren Mitteilungen befördert werden. Die neue Erfindung rührt von dem Graveur Demaison her, und man spricht viel davon.“Franz Kalckhoff: Die Erfindung der Postkarte und die Korrespondenz-Karten der Norddeutschen Bundespost. Verlag von Hugo Krötzsch & Co, Leipzig 1911, S. 1.Herbert Leclerc: Ansichten über Ansichtskarten. In: Archiv für deutsche Postgeschichte. Ausgabe 2/1986, S. 6–9.

Als 1840 erstmals in England die Briefmarken eingeführt wurden, wurde dort noch im selben Jahr eine handgemalte bebilderte Karte verschickt.Spieglein, Spieglein, an der Wand – wer ist die Älteste im ganzen Land? Ein Beitrag zur Geschichte der (Bild-)Post-(Ansichts)karte (1). In: philatelie – Das Sammlermagazin des Bundes Deutscher Philatelisten. Ausgabe 308, Februar 2003, S. 49–52, mit ausführlicher Beschreibung.AnsichtsKarten-SammlerBrief. (= Mitteilungsblatt der AnsichtsKarten-InteressenGemeinschaft). Nr. 172, September 2009, S. 3. Diese Karte wurde 2002 für insgesamt 31.750 £ versteigert.Oldest postcard sells for £31,750. In: BBC News. 8. März 2002, abgerufen am 6. Juni 2010.

Die erste ganzseitig bebilderte deutsche Karte, die ohne Umschlag verschickt wurde, stammt nach heutiger Kenntnis von 1866. Sie enthält eine Einladung zur Treibjagd, stammt vom Lithografen Wilhelm Schneider aus Worms und ist postalisch gelaufen am 5. Dezember 1866.A. Linke, W. Richter: Ratgeber für Ansichtskartensammler. 2007, S. 17.Ansichtskarten-Sammlerbrief. (= Mitteilungsblatt der Ansichtskarten-Interessengemeinschaft im Bund deutscher Philatelisten). Sonderausgabe 2006/2007, mit ausführlicher BeschreibungWormser Zeitung. 25. Januar 2002, inklusive einer Abbildung der Karte. Diese auf hellgrünem Karton gedruckte Karte lief von Westhofen nach Offstein mit zwei 1-Kreuzer-Freimarken (Thurn-und-Taxis-Post).Arnold Linke: Ansichten und Karten gleich Ansichtskarten. Ergänzendes zur Frühgeschichte der Ansichtspostkarte. In: Post- und Telekommunikationsgeschichte. 1/1997, , S. 63.

Vor der erstmaligen postamtlich-offiziellen Einführung der Postkarte 1869 in Österreich-Ungarn gab es weitere Vorläufer der Ansichtskarte, so beispielsweise in den altdeutschen Postgebieten die sogenannten „Offenen Karten“.Horst Hille: Ansichtskarten sammeln. Phil*Creativ Verlag, Schwalmtal 1993, S. 19. Auf ihnen nahm aber nur sehr selten eine Abbildung eine Kartenseite vollständig ein. Allerdings ist auch diese Karte vor der Einführung der Correspondenzkarten (Postkarten) gedruckt und versandt worden und somit als ein Vorläufer anzusehen. Die älteste Karte dieser Art ist eine 2007 auf einem Flohmarkt entdeckte offene Karte mit Stempel Berlin P.E. No. 12 vom 28. März 1867 und einer Preußenmarke 1 Silbergroschen (Michel Nr. 16).AnsichtsKarten-Sammlerbrief. (= Mitteilungsblatt der Ansichtskarten-Interessengemeinschaft und der Philokartisten Union). Nr. 175, Juni 2010, S. 2.Arnold Linke: Ein bedeutungsvoller Fund. In: Ak Express. Nr. 123, April 2007, S. 54 f.

Erste Postkarten Ursprünglich waren Postkarten nur für rein schriftliche Korrespondenz ohne Illustration vorgesehen, damals wurden sie noch als Correspondenzkarten bezeichnet. Der Oldenburger Drucker und Buchhändler August Schwartz druckte bereits am 16. Juli 1870, also 15 Tage nach der amtlichen Einführung der Correspondenzkarte im norddeutschen Postgebiet, eine Karte mit einer Holzschnittvignette und sandte sie per Post nach Magdeburg.Herbert Wolf: Seit wann gibt es Ansichtskarten? (1. Fortsetzung) In: Gruss aus. (= Deutsche Zeitung für Ansichtskarten- und Heimatsammler). Jahrgang 1, Nr. 2, April 1983, S. 1. Somit war Schwartz der erste Deutsche, der eine illustrierte Postkarte druckte und verschickte.Amand von Schweiger-Lerchenfeld: Das neue Buch der Weltpost. Wien/Pest/Leipzig 1901, S. 443 ff. Allerdings besaß diese Karte keine vollständig bedruckte Seite, sondern nur eine kleinere Abbildung mit einem Artilleriebildchen. Daneben gibt es einige weitere angebliche „Ansichtskartenerfinder“, also Personen, die meinten, sie hätten die Ansichtskarte erfunden, oder dafür gehalten wurden. Obwohl diese Frage nach dem „Erfinder“ seit Beginn der Philokartie schon häufig versucht wurde zu klären, ist es bis heute nicht so eindeutig gelöst. Je nach nationaler oder lokaler Herkunft der Autoren wurden außerdem schon verschiedene Personen dafür gehalten. Es kommt außerdem auf die Definition an, was schon als Ansichtskarte gilt und was noch nicht.

Die älteste bekannte österreichisch-ungarische Karte wurde am 19. Mai 1871 als Einschreiben (Reko) von Wien nach Zombor und zurück nach Wien versandt.Rüdiger Wurth: 1885 – Ein Jahrhundert illustrierter Postkarten – 1985. In: Österreichisches Jahrbuch für Postgeschichte und Philatelie. 1986, S. 128–131, mit ausführlicher BeschreibungArnold Linke: Ansichten und Karten gleich Ansichtskarten. Ergänzendes zur Frühgeschichte der Ansichtspostkarte. In: Post- und Telekommunikationsgeschichte. Ausgabe 1/1997, , S. 65, mit Quellverweis auf: PhilippenHerbert Wolf: Seit wann gibt es Ansichtskarten? (2. Fortsetzung). In: Gruss aus. (= Deutsche Zeitung für Ansichtskarten- und Heimatsammler). Jahrgang 1, Nr. 3, Juli 1983, S. 1. Die Karte schickte der Serbe Petar Manojlovic an seinen Vetter, den Advokaten Demeter Manojlovic.Kurt Marholz: Neues über die Ansichtspostkarte. In: Sammler Express. 19. Jahrgang, Heft 21, 1965, S. 491, (mit Quellverweis auf: Schweizer Briefmarken-Zeitung. April 1965) mit ausführlicher BeschreibungMirko Verner, Novi Sad: La première carte postale illustrée fut inventée par Petar Manojlovic de Srbobran en 1871. In: Schweizer Briefmarken-Zeitung. April 1965, S. 107–109. Offiziell wurden Ansichtskarten in Österreich-Ungarn erst ab 1. Januar 1885 zugelassen.Rüdiger Wurth: 1885 – Ein Jahrhundert illustrierter Postkarten – 1985. In: Österreichisches Jahrbuch für Postgeschichte und Philatelie. 1986, S. 119 f. Das einzige bekannte Exemplar galt seit 1936 als verschollen, wurde aber bei einer Versteigerung des Auktionshauses Weissenböck Ende Oktober 2009 für einen Preis von 11.000 Euro versteigert.

Ab 1871 verkaufte die Post Ansichts- und Glückwunschpostkarten. Seit dem 1. Juli 1872 wurden in Deutschland zudem private, nicht von der Post hergestellte Motivpostkarten zugelassen.

Von einem zaghaften Beginn einer Ansichtskartenbranche kann ab etwa 1885 gesprochen werden.Arnold Linke: Ansichten und Karten gleich Ansichtskarten. Ergänzendes zur Frühgeschichte der Ansichtspostkarte. In: Post- und Telekommunikationsgeschichte. Ausgabe 1/1997, , S. 66. Frühere Karten sind sehr selten.

Großer Aufschwung mini|Im späten 19. Jahrhundert wurden eigene Sammelalben populär, hier eine Zeitungsannonce von 1898

Bis zum großen Durchbruch der Ansichtskarten in Deutschland dauerte es noch etwa bis 1896. Außerhalb des deutschsprachigen Raums wurden sie erst wenige Jahre später richtig populär. 1902 wurden in der Schweiz 22 Millionen Ansichtspostkarten aufgegeben.Andrej Abplanalp: Ansichtspostkarten, des Briefträgers liebste Fracht Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 14. Juli 2017 Ein Grund für die zunehmend größere Beliebtheit der Karten war der Einsatz der Chromolithografie, die bunte statt nur schwarz-weiß bedruckte Karten ermöglichte.Das ABC des Luxuspapiers. Katalog zur Ausstellung des Museums für Deutsche Volkskunde Berlin, S. 85. Preisliche Attraktivität und Massenproduktion wurden durch den Einsatz der Schnellpresse ermöglicht.SammlerNet.de: Eine Einführung zu alten Ansichtskarten und deren Geschichte, abgerufen am 1. Mai 2010.

Neben den technischen Möglichkeiten trug auch der anwachsende Tourismus, der durch den Massenverkehr entstand, zum Aufschwung bei. Durch die gestiegene Zugänglichkeit vieler Regionen per Bahn, Schiffsreisen, organisierten Tourismus usw. stieg bei vielen das geographische Interesse. Zudem erwachte Interesse an Ethnologie, Exotischem und „Ursprünglichem“, auch im Sinne von Denkmalschutz und Heimatbewegung. Alle diese Entwicklungen drücken sich in der Vielfalt der Motive der Ansichtskarten um 1900 aus: Sehenswürdigkeiten, historische oder alltägliche Stadtbilder, Kultur- und Naturdenkmäler, Landschaften, Trachten, aktuelle Ereignisse, auch pittoreske, manchmal armutsbestimmte Szenen, aber auch andere Kulturen, überseeische Alltagsszenen (Märkte usw.), Rituale und Ähnliches. Erstmals waren also authentische Aufnahmen aus fast allen Regionen der Welt erhältlich, mit nur wenigen Ausnahmen von Regionen, wo es keine westlichen Reisenden und daher auch keine Abnehmer gab. Zu dieser neuentdeckten geographischen Vielfalt und Unmittelbarkeit kam der neue photographische Blick, der die idealisierten Drucke durch eine neue Ästhetisierung der Wirklichkeit ablöste und den Karten so neben dem dokumentarischen auch einen Wert als besondere Form der historischen Gebrauchskunst verlieh.