mini|Die drei Affen von Nikkō
Die drei Affen (jap. , sanzaru/san’en oder , sanbiki no saru) haben ihren Ursprung in einem japanischen Sprichwort und stehen dort für den Umgang mit Schlechtem.
Ursprung Der Spruch „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ wird in Japan als mizaru, kikazaru, iwazaru () ausgedrückt. Es handelt sich einer gängigen Erklärung zufolge um die Paraphrase einer Erläuterung aus dem 12. Buch der Analekten des Konfuzius gegenüber seinem Schüler Yan Yuan (auch Yan Hui genannt) über das Wesen der „Sittlichkeit“ ():
Im klassischen Japanisch wird die grammatische Form (zaru) (Verneinung einer Tätigkeit) ähnlich ausgesprochen wie Affe (, saru). Daher ergibt sich die Verbindung der Affen mit dem moralischen Leitsatz im Japanischen aus einem zufälligen Wortspiel. Wohl auch in diesem Zusammenhang entstand der Glaube von den drei Affen Mizaru (), Kikazaru () und Iwazaru (), die den Göttern an den Kalendertagen des „Metall-Affen“ () über die Menschen berichten sollen. Um diesen Bericht zu verhindern, entstand der Brauch des kōshin-machi, der sich allmählich zu einem religiösen Kult entwickelte (Als Herr der Drei Affen wurde dabei eine synkretistische Gottheit namens Grüngesichtiger Vajra, , identifiziert). Dieses Brauchtum ist heute selbst in Japan kaum mehr bekannt, hat aber zur allgemeinen Verbreitung des Drei-Affen-Motivs geführt.
Vier Affen mini|Vier weise Affen Manchmal wird noch ein vierter Affe dargestellt, Shizaru genannt (; von , „vier Affen“). Er bedeckt mit den Händen seinen Unterleib und hat die Bedeutung „Tu nichts Böses!“, „Habe keinen Spaß!“, „Habe keinen Sex!“.
Heute sind die Affen in Japan als Minai, Kikanai, Iwanai und Shinai (-nai ist die moderne Verneinungsform) bekannte Glücksbringer.
Die drei Affen in der Kunst Ein berühmtes Drei-Affen-Motiv stammt aus dem 17. Jahrhundert und befindet sich nahe der Stadt Nikkō auf der japanischen Hauptinsel Honshū, etwa 140 Kilometer nördlich von Tokio. Es ist als Fassadenschnitzerei an einem eher unscheinbaren Gebäude – einem ehemaligen Stall für heilige Pferde – auf dem Gelände des Tōshōgū-Schreins zu finden.
Bedeutungswandel in der westlichen Welt Während die drei Affen in Japan eigentlich die Bedeutung „über Schlechtes weise hinwegsehen“ haben, werden sie in der westlichen Welt eher als „alles Schlechte nicht wahrhaben wollen“ interpretiert. Aufgrund dieses negativen Bedeutungswandels gelten die drei Affen daher häufig als Beispiel für mangelnde Zivilcourage oder bedingungslose Loyalität.
Wolfgang Mieder macht auf einen Artikel Lutz Röhrichs aus dem Jahre 1957 in der Fachzeitschrift Fabula aufmerksam. Dort versucht der US-amerikanische Parömiologe Archer Taylor einen Kontext zum – im frühen vierzehnten Jahrhundert in England im Gesta Romanorum verzeichneten – mittellateinischen Sprichwort Audi, vide, tace, si vis vivere in pace („Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst!“) herzustellen. Röhrich vertritt die Ansicht, es handelt sich um eine verzwickte Überlieferungsgeschichte, wobei die japanische Variante die vertraute europäische Variante mit der Zeit überlagert haben dürfte. Verstärkt wurde der Ersatz – eines bis Ende des 19. Jahrhunderts bekannten Sprichwortes – durch die ursprünglich aus Nikko stammenden Affensouvenirs. Erste englischsprachige Reiseführer, in denen die Drei-Affen-Kōshin-Steine ausführlicher beschrieben wurden, tauchten bereits ab 1884 auf, erstmals ab 1901 dann auch mit Skizze im Handbook for Travellers in Japan von Basil Hall Chamberlain.Basil Hall Chamberlain: . 1901, S. 50 f., siehe dort Koshin / Three Monkeys Abb. links unten. Sehr schnell wurde Nikko zum Magnet für westliche Touristen und die Mitbringsel verbreiteten sich in der Welt.Wolfgang Mieder: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Die drei weisen Affen in Kunst, Literatur, Medien und Karikaturen. Praesens Verlag, Wien 2005, S. 14–20. Die ursprünglich religiöse Bedeutung ging immer mehr verloren und aus einem englischen Versandhauskatalog von 1927 geht hervor, dass „The Three wise monkeys. Speak no evil, see no evil, hear no evil. Pear group of three monkeys -/14“ als Billigware angeboten wurden. Laut Mieder verbreiteten sich die drei Affen in Deutschland erst nach dem Zweiten Weltkrieg und wurden zunächst direkt aus Japan bezogen – also ohne Englisch als moderne lingua franca. So lässt sich erklären, dass in der deutschen Sprichwortentlehnung „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ ursprünglich keine Rede vom „Bösen“ ist, welche im Englischen prägend ist.Wolfgang Mieder: „Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“. Die drei weisen Affen in Kunst, Literatur, Medien und Karikaturen. Praesens Verlag, Wien 2005, S. 22.
Rezeption Von dem US-amerikanischen Künstler Keith Haring wurde das Bild der drei Affen in Form menschlicher Umrisse Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre aufgegriffen. Er forderte damit zu mehr Zivilcourage im Kampf gegen AIDS auf.
Die Illustratoren Olga Hopfauf und Stephan Baumgarten griffen 2020 das Motiv in Form von sieben Verfassungsfragen auf, um die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Justizministerin Christine Lambrecht bei einer Partnerschaft der Regierungskampagne „Wir sind Rechtsstaat“ mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, zu kritisieren.
Der Künstler Jacques Tilly kritisierte mit einem Wagen-Motiv von drei mannshohen Affen Politik, Bürokratie und Versicherungen für ihr Verhalten nach der Flutkatastrophe im Ahrtal des Jahres 2021.
Unicode-Zeichen Die Affen-Emoji sind im Unicodeblock Smileys enthalten. Mizaru Kikazaru Iwazaru Shizaru 🙈 🙉 🙊 🐵 Augen verschließender Affe Ohren verschließender Affe Mund verschließender Affe Affen-Gesicht SEE-NO-EVIL MONKEY HEAR-NO-EVIL MONKEY SPEAK-NO-EVIL MONKEY MONKEY FACE U+1F648 U+1F649 U+1F64A U+1F435
Literatur
Weblinks
Affen, Würmer und durchwachte Nächte. In: Bernhard Scheid: Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, 2001 (Stand: 4. April 2022).
Einzelnachweise
Kategorie:Buddhismus in Japan Affe Kategorie:Redewendung Kategorie:Bildende Kunst (Japan)