mini|Das Brückenmännchen mit Originalteilen in der Gaststätte „Bonner Stuben“ Das Bonner Brückenmännchen (bönnsch: Bröckemännsche) ist eine Steinskulptur, die im Jahre 1898 beim Bau der ersten Bonner Rheinbrücke am rechten Turm des Beueler Strompfeilers, direkt über dem Fußgängerdurchlass, befestigt wurde und ihren Hintern zur Beueler Seite streckte. Hintergrund war, dass die Brücke ausschließlich von Bonnern finanziert wurde, weil sich die Bewohner der „schäl Sick“ nicht an den Kosten beteiligen wollten.

Die Beueler revanchierten sich mit der Skulptur einer keifenden Waschfrau, die am linken Turm des Beueler Strompfeilers befestigt wurde. Dargestellt wird eine Frau mit grimmigem Blick und erhobenem, wurfbereiten Pantoffel in der Hand. Der Gruß kann auch im Sinne einer Ortsneckerei verstanden werden.Thomas Thiel: Im Gespräch mit dem Brückenweibchen und dem Bröckemännche In: General-Anzeiger, 20. Oktober 2008, abgerufen am 19. April 2022.

Hintergründe Die tieferliegenden Streitgründe bestanden darin, dass Bonn und Beuel sich nicht über den genauen Standort der Brücke einigen konnten und Beuel aus diesem Grund die Zahlungen verweigerte. Die Beueler wollten die Brücke etwas weiter südlich haben, da dort das Beueler Zentrum lag. Die Bonner erbauten die Brücke jedoch wie ursprünglich geplant, was dazu führte, dass die Brücke auf der Beueler Seite mitten in den Feldern endete und es zu Beginn nicht einmal eine Zufahrtsstraße zur Brücke gab. Später wurde man sich jedoch einig. Die Beueler erstellten die notwendigen Wege und zahlten auch ihren Anteil an der Brücke.

Nachdem am 8. März 1945 die alte Rheinbrücke von deutschen Soldaten auf ihrem Rückzug vor den heranrückenden alliierten Kampfverbänden gesprengt worden war, mussten im Sommer 1945 die Trümmer der Brücke geräumt werden. Während der Räumarbeiten fiel das Brückenmännchen von seinem Sockel. Der Gastwirt Philipp Otto aus Beuels „Zum kleinen Museum“ nahm es aus Angst vor Andenkenjägern an sich und vergrub es in seinem Garten in der Rheinaustraße 5 (heute 105). Als man im Februar 1949 das 125-jährige Jubiläum der Weiberfastnacht feierte, lüftete der Wirt sein Geheimnis. Zusammen mit dem Bürgermeister Reuter und Vertretern des Heimatvereins wurde das Brückenmännchen aus seinem Versteck geholt. Zum Umzug während des Bonner Karnevals wurde es zusammen mit dem Brückenweibchen auf einem geschmückten Wagen durch Beuels Straßen gefahren.

Bevor das Brückenmännchen 1949 an der neu erbauten Rheinbrücke angebracht werden konnte, musste es restauriert werden. Diese Arbeit übernahm der Bonner Bildhauer Jakobus Linden. Nach Fertigstellung schrieb er der Stadt Bonn eine typisch rheinische Rechnung: „Dem Bröckemännche de Botz jeflickt“ („Dem Brückenmännchen die Beinkleider geflickt“). Allerdings zeigte die Skulptur nach der Montage, jetzt an dem Brückenpfeiler auf der Bonner Rheinseite, anstatt nach Beuel nun in Richtung Süden. Nachdem die Stadt Bonn gegen Frankfurt in der Hauptstadtfrage gewonnen hatte, entstand daraus das Gerücht, die Skulptur sei absichtlich in diese Position „gedreht“ worden – tatsächlich lag es jedoch daran, dass es nun oberhalb des Straßenbelags keinerlei Mauerwerk mehr gab, in die man sie so wie früher wieder hätte einbauen können.

In der Session 1952/1953 diente das Brückenmännchen dem Festausschuss Bonner Karneval als Ordens- und Plakatmotiv. Den Entwurf für beides schuf der Bonner Maler, Grafiker und Karikaturist André Osterritter.

Am 18. März 1960 wurde das Brückenmännchen von vier Jugendlichen aus Beuel schwer beschädigt und war deshalb für den Außeneinsatz nicht mehr zu gebrauchen. Durch Spendenaktionen konnte eine Kopie der Skulptur hergestellt und neu an der Brücke befestigt werden. Unter Einbeziehung der Überreste der Originalskulptur wurde ein weiteres Brückenmännchen hergestellt und in der Bonner Gaststätte Bonner Stuben (Wilhelmstr. 22) aufgebaut, wo es sich bis heute befindet. 1963 wurde die Rheinbrücke nach dem ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy in Kennedybrücke umbenannt.

Im Rahmen von Bauarbeiten an der Brücke wurde das Brückenmännchen im Jahr 2007 von seinem Brückenpfeiler abmontiert. Das Heimatmuseum Beuel hat daraufhin zusammen mit einem Beueler Steinmetz das Brückenmännchen und das Brückenweibchen nach alten Originalfotos neu erstellt. Zwischenzeitlich befanden sich Brückenmännchen und Brückenweibchen auf der Beueler Seite in Höhe der Fähre an der neu erstellten Hochwasserschutzwand. Nach Beendigung der Bauarbeiten nahmen beide ihre angestammten Plätze wieder ein. Die feierliche Enthüllung des neuen Brückenmännchens fand am 19. Januar 2008 durch die Beueler Wäscherprinzessin der Karnevals-Session 2008 statt. Die Informationstafeln aus Bronze am Brückenmännchen und am Brückenweibchen gestaltete die Königswinterer Künstlerin Sigrid Wenzel.Sigrid Wenzel – Bronzetafeln am Rheinufer in Bonn-Beuel

Bröckemännche-Preis Der Bonner Medienclub verleiht seit 2000 jährlich eine Nachbildung des Brückenmännchens als Preis an Persönlichkeiten, die „gegen den Stachel löcken“ (eigentlich wider den Stachel löcken – sich sträuben, widerspenstig sein) und sich durch nonkonformistisches, mutiges Verhalten einen Namen in der Bonner Region gemacht haben.

Preisträger 1999: Friedel Drautzburg (Gastronom) (Gaststätte „Ständige Vertretung“ in Berlin) – Laudatio: Karin Hempel-Soos 2000: Franz-Josef Antwerpes (früherer Regierungspräsident von Köln) – Laudatio: Konrad Beikircher 2001: Wilfried Schumacher (Stadtdechant von Bonn) – Laudatio: Burkhard Müller 2002: Karin Hempel-Soos (Schriftstellerin und Leiterin des Hauses der Sprache und Literatur in Bonn) – Laudatio: Wolfgang Clement 2003: Norbert Blüm (Politiker) – Laudatio: Horst Ehmke 2004: Hans-Jürgen Biersack (Direktor der Klinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Bonn) – Laudatio: Franz Xaver Ohnesorg 2005: Johannes B. Kerner (Fernsehmoderator) – Laudatio: Erik Bettermann 2006: Hans Riegel (Unternehmer) – Laudatio: Thomas Gottschalk 2007: Wilfried Gatzweiler (ehem. Kaufmännischer Geschäftsführer der Bundeskunsthalle) – Laudatio: Hermann Schäfer 2008: Wolfgang Wiedlich (Präsident der Telekom Baskets Bonn) – Laudatio: Bärbel Dieckmann 2009: Monika Piel (Intendantin des WDR) – Laudatio: Friedrich Nowottny 2010: Wolfgang Clement (ehem. Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und ehem. Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit) – Laudatio: Friedhelm Ost 2011: Manfred Lütz (Psychiater, katholischer Theologe und Schriftsteller) – Laudatio: Henryk M. Broder 2012: Thomas Sattelberger (Personalvorstand der Deutschen Telekom) – Laudatio: Sylvia Löhrmann 2013: Wolfgang Bosbach (Politiker) – Laudatio: Franz Müntefering 2014: Dieter Engels (Präsident des Bundesrechnungshofs) – Laudatio: Jürgen Fohrmann 2015: Monika Wulf-Mathies (Gewerkschafterin, Politikerin, EU-Kommissarin sowie Vorsitzende des Vereins der Festspielhaus-Freunde Bonn) – Laudatio: Barbara Hendricks 2016: Der Bonner Karneval; stellvertretend: Festausschuss Bonner Karneval – Laudatio: Monsignore Wilfried Schumacher 2017: Andrea Niehaus, Leiterin des Deutschen Museums BonnWDR: 2018: Ulrich Kelber, (Politiker, SPD, MdB) - Laudatio: Andreas Etienne 2019: Nike Wagner (deutsche Publizistin und Dramaturgin) – Laudatio: Isabel Pfeiffer-Poensgen 2020: Ludwig van Beethoven (posthum) 2021: Horst Burbulla (Unternehmer und Oscar-Preisträger) – Laudatio: Rainer Pause und Norbert Alich 2022: Cornelia Weigand (Landrätin des Landkreises Ahrweiler) – Laudatio: Sven Plöger 2023: Germanwatch (Entwicklungs- und Umweltorganisation) – Laudatio: Katja Dörner (Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn) 2024: Jörg Haas (Unternehmer) – Laudatio: Michael Hoch 2025: Ernst-Ludwig Hartz (Konzertveranstalter) – Laudatio: Wolfgang Niedecken

Weblinks

Webseite zum Bröckemännche-Preis Kölner Stadt-Anzeiger: Ein altes Paar kommt wieder zusammen

Einzelnachweise

Kategorie:Skulptur (Bonn) Kategorie:Geschichte Bonns Kategorie:Steinskulptur Kategorie:Skulptur (1898) Kategorie:Sitzbild Kategorie:Kunstwerk im öffentlichen Raum in Bonn