mini|hochkant=1.3|Schloss Schwetzingen, Gartenseite
Schloss Schwetzingen ist eine ehemalige Residenz der Kurfürsten von der Pfalz in der baden-württembergischen Stadt Schwetzingen. Die barocke Fünfflügelanlage wurde ab 1752 im Auftrag von Karl Theodor von der Pfalz nach Entwurf von Nicolas de Pigage erbaut. Hervorzuheben sind das Hoftheater, die Moschee und der Schlossgarten.
Schloss Baugeschichte mini|Schloss Schwetzingen, Stadtseite mini|Schloss Schwetzingen, Luftbild
Das Schwetzinger Schloss wurde im Jahr 1350 zum ersten Mal als Feste urkundlich erwähnt. Es handelte sich um ein mittelalterliches Wasserschloss. 1427 kam es in den Besitz des Kurfürsten Ludwig III. In der Folgezeit wurde es mehrfach umgebaut, diente als Jagdschloss und wurde gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs zerstört. Kurfürst Karl Ludwig ließ das Schwetzinger Schloss für seine Geliebte Marie Luise von Degenfeld wieder aufbauen. Während eines Besuchs im August 1656 hatte er den Einwohnern von Schwetzingen bereits befohlen, sämtlichen Schutt wegzuräumen, wobei aufgelesene Trümmerteile wie Steine, Hölzer und „altes Eisenwerk“ bei den Untertanen zur eigenen Verwendung verbleiben durften. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Schloss erneut zerstört, die Grundmauern blieben allerdings stehen. Seine heutige Form erhielt das Schloss auf Befehl des Kurfürsten Johann Wilhelm, der in Düsseldorf regierte. Dieser ließ es unter Leitung des Grafen Matteo Alberti – der Erbauer des Schlosses Bensberg – von dem Heidelberger Baumeister Johann Adam Breunig umbauen und durch zwei Flügelbauten wesentlich vergrößern. Das Bauwerk wurde in mehreren Bauabschnitten ab dem Jahre 1697 errichtet und ausgebaut. Im Jahr 1752 wurde eine Gartenerweiterung auf dem damals rund 70 Hektar großen Areal vorgenommen. Im gleichen Jahr wurde auch das Schlosstheater eröffnet. Obwohl das Schloss seit der Verlegung der Residenz des Kurfürsten Karl Theodor von Mannheim nach München im Jahr 1778 kaum mehr benutzt wurde, wurde in der Folgezeit am Garten weiter gearbeitet.
Eine Anfahrt aus Heidelberg liegt auf der geraden Verbindung vom Königstuhl nach Schwetzingen. Die Trasse ist von erhöhter Position aus in der Landschaft noch gut erkennbar, aber nicht durchgehend befahrbar. Vom Königstuhl aus gesehen läuft diese Linie hinter dem Schloss weiter auf die Kalmit zu. Vom Schwetzinger Schlossplatz gelangt man in den Ehrenhof. In den beiden ehemaligen Wachhäuschen am Schlosstor befinden sich heute ein Museumsladen und ein Café. Der Hof wird links und rechts von symmetrischen Wirtschaftsgebäuden flankiert. In der Mitte, an der Westseite, befindet sich das Corps de Logis, der Wohnbau des Schlosses. Auf der Gartenseite wird der Mittelbau von nordöstlich und südöstlich von zwei Zirkelbauten eingefasst. Diese Zirkelbauten sind zwei eingeschossige, dank hoher Fenstertüren mit unmittelbarem Gartenzugang versehene Werksteinbauten, die sich seitlich an das Schloss zu einem Halbrund anschließen und das kreisrunde Gartenparterre gemeinsam mit dem Halbkreis der Wandelgänge aus Lattenwerk umfangen. Der nördliche Zirkelbau wurde in den Jahren 1748/1749 von Alessandro Galli da Bibiena erbaut, der südliche im Jahr 1753 von Franz Wilhelm Rabaliatti. Die Zirkelbauten wurden für die Hofgesellschaften (Speisetafel, Spiele und Konzerte, Bälle) genutzt. Solche zusätzlichen, repräsentativen Räumlichkeiten waren angesichts der beengten Verhältnisse im alten Wohnbau des Schlosses unverzichtbar. Heute werden die Zirkelbauten als Schlossrestaurant, Café und Theaterfoyer sowie für Konzerte und Ausstellungen genutzt. Das kurfürstliche Hoftheater im frühklassizistischen Stil (oft fälschlich „Rokokotheater“ genannt) wurde am 15. Juni 1753 mit Oper Il figlio delle selve („Der Sohn der Wälder“) von Ignaz Holzbauer eröffnet. Hier wirkten Sänger, Instrumentalisten und Komponisten von internationalem Rang, darunter die Vertreter der Mannheimer Schule. Nachdem Karl Theodor seine Residenz nach München verlegt hatte, fanden nur noch gelegentliche Aufführungen in Schwetzingen statt, wenn der Kurfürst dort zu Besuch war. Auch in der badischen Zeit wurde das Theater nur selten benutzt. Es verfiel und konnte nicht mehr bespielt werden. 1936/37 und 2002/03 wurde das Theater völlig renoviert. Die Brüstungen der leicht ansteigenden Logenränge haben im Grundriss die Form einer Lyra. Die Pfeiler sind reich verziert und von Korbbögen überbrückt, die die Wirkung des Raumes vertiefen.
Nutzungsgeschichte mini|Hoftheater, Außenansicht mini|Hoftheater, Innenansicht
Ursprünglich diente das Schloss vor allem den pfälzischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Jagd- und Sommerresidenz. Die Hofhaltung wurde in den warmen Monaten von Schloss Mannheim nach Schloss Schwetzingen verlegt. Die Schlichtheit der Wohnungen des Kurfürstenpaares und eine größere Informalität der Umgangsformen waren Ausdruck eines vorgeblich einfacheren, unbeschwerten „Lebens auf dem Lande“. An der künstlerischen Ausgestaltung von Schloss und Garten waren nahezu alle am Hof in Mannheim beschäftigten Künstler beteiligt. Dazu gehörten Alessandro Galli da Bibiena und Peter Anton von Verschaffelt. Der Lothringer Nicolas de Pigage war Intendant der Gärten und Wasserkünste sowie der maßgebliche Architekt in der Karl-Theodor-Zeit. Unter ihm entstand die bis heute bestehende, barocke Fünfflügelanlage und der weitläufige Schlossgarten. Pigage erweiterte den Garten in allen Stilwandlungen der Zeit. Der Zweibrücker Hofgärtner Johann Ludwig Petri plante das Hauptparterre und den Zirkel des französischen Gartens. Der erste Hofgärtner, van Wynder, wurde aus Kassel nach Schwetzingen berufen. Der zweite Hofgärtner war Johann Wilhelm Sckell, ein Hauptmitarbeiter Pigages. Sein Sohn Friedrich Ludwig Sckell wurde 1804 nach München berufen, wo er den Englischen Garten anlegte. Der erste badische Gartenbaudirektor war Johann Michael Zeyher, der den Flieder in Schwetzingen einführte. Viele berühmte Persönlichkeiten besuchten im Laufe der Geschichte das Schloss. Voltaire kam im Jahr 1753 zum ersten Mal nach Schwetzingen und war 14 Tage lang Gast des mit ihm befreundeten Kurfürsten. Im Sommer 1758 kam er erneut zu einem kurzen Aufenthalt. Wolfgang Amadeus Mozart wirkte zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester an einem Hofkonzert am 18. Juli 1763 mit. Der Komponist Christoph Willibald Gluck war im Jahr 1774 Gast des Kurfürsten. Friedrich Schiller fand in Schwetzingen Anregungen zu den gegensätzlichen „Aranjuez-Stimmungen“ des ersten Aktes von Don Karlos. Der Schauspieler August Wilhelm Iffland schilderte in einem Brief vom 26. November 1779 eine Jagd bei Schwetzingen, die 50.000 Gulden gekostet hatte und bei der für 9.000 Menschen Zuschauergerüste aufgebaut waren. Kaiser Joseph II. hielt sich im Jahr 1781 unter dem Namen Graf von Falkenstein in Schwetzingen auf.
Im Zweiten Weltkrieg blieb das Schloss unversehrt. Bei einer Restaurierung in den Jahren 1975–1991 wurden die Innenräume des Schlosses wiederhergestellt und mit authentischen Möbeln des 18. Jahrhunderts eingerichtet. In der Beletage verdeutlichen im Rahmen eines Schlossmuseums die Gesellschaftsräume, die Wohnung des Kurfürsten und die Wohnung der Kurfürstin das Funktionsprofil des Schlosses in der Karl-Theodor-Zeit. Von besonderem kunstgeschichtlichen Rang sind die Räume der in badischer Zeit ab 1803 umgestalteten Wohnung der Reichsgräfin Luise Karoline von Hochberg im zweiten Obergeschoss aufgrund der vorzüglich erhaltenen Handdrucktapeten (1804) der Firma Zuber et Cie in Rixheim (Compagniezimmer mit Alpenpanorama „Vues de Suisse“, Schlafzimmer, Grand Cabinet). Im südlichen Flügel des Schlosses ist seit ihrer Gründung 1953 (unter dem damaligen Namen „Rechtspflegerschule“) die Hochschule für Rechtspflege Schwetzingen untergebracht. Aufgrund umfangreicher Umbau- und Renovierungsarbeiten wurde der Studienbetrieb seit September 2009 in ein Ausweichquartier nach Mannheim-Wohlgelegen verlegt. Schloss Schwetzingen zählt heute zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg betreut. Der Garten ist gegen Eintritt öffentlich zugänglich, Schloss und Theater können im Rahmen von Führungen besichtigt werden. Jährlich finden im Schloss die Schwetzinger Festspiele und alle zwei Jahre das Lichterfest statt. Bereits zweimal scheiterten Anträge, das Schloss in die UNESCO-Welterbeliste aufzunehmen. 2007 wurde der Antrag zurückgezogen und 2012 wurde er abgelehnt, da es für eine Ernennung nicht einzigartig genug sei.
Schlossgarten Französischer und Englischer Garten mini|Schlossgarten Schwetzingen, Luftbild
Der Schlossgarten gliedert sich in einen Französischen und einen Englischen Garten. Bei der kunsthistorischen Interpretation des Gartens wird auch unterschieden zwischen dem „Garten der Allegorien“, also jener Gartenteil, in welchem ohne tiefere Bedeutung allegorische Figuren stehen, und dem „Garten der Vernunft“. Zum „Garten der Vernunft“ zählen Minervatempel, Merkurtempel, Moschee, Apollotempel, Tempel der Botanik, das römische Wasserkastell sowie das Arboretum, also jene Gartenteile, in denen im Sinne aufklärerischen Denkens die Vernunft gefeiert wird. Der Schwetzinger Schlossgarten war, mit Ausnahme des Bereiches um das Badhaus, bereits in kurfürstlicher Zeit für die gesamte Bevölkerung zugänglich, damals noch ohne Eintrittsgeld. Eine Parkordnung regelte das angemessene Verhalten der Besucher. Längs der Hauptachse des Gartens blickt man nach Osten auf den Königstuhl im Odenwald und nach Westen auf die Kalmit im Pfälzerwald. Bereits am 8. August 1952 hat das damalige Landratsamt Mannheim den Schlossgarten unter der Bezeichnung Schwetzinger Schloßgarten und Umgebung als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Das Gebiet mit der Nummer 2.26.013 hat eine Größe von rund 190 Hektar und umfasst den historischen Park aus der Kurfürstenzeit sowie das westliche Vorgelände und die historische Jagdanlage am Stern. Aktuell stellen steigende Temperaturen und sinkende Niederschläge durch den Klimawandel den Schlossgarten vor große Herausforderungen.Klimawandel: Grundlegend neue Situation in den Schlossgärten. Pressemeldung der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg vom 26. Juli 2019