mini|Übersichtskarte des Chiemgaus mini|Chiemgau mit Chiemsee, von den Alpen aus gesehen Der Chiemgau [] ist eine historisch-kulturell gewachsene Landschaft in Südost-Oberbayern mit dem Chiemsee im Zentrum und hat eine Größe von rund 2500 km². Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) lässt sich die geographische Abgrenzung nicht exakt bestimmen.

Geografie Lage und Grenzen mini|Chiemgau um etwa 1875 Der Chiemgau umfasst Gebiete des Landkreises Rosenheim und des Landkreises Traunstein.

Die geographische Ausdehnung reicht (sortiert im Uhrzeigersinn): im Norden bis zum Landkreis Mühldorf im Nordosten bis zum Landkreis Altötting im Osten bis zum Rupertiwinkel im Südosten bis zum Landkreis Berchtesgadener Land im Süden bis zur Landesgrenze Bayerns im Westen bis zum Inntal

Kulturlandschaft „Chiemgau“ Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat 2010 den Entwurf einer Gliederung der Kulturlandschaften in Bayern vorgelegt, der 2013 um „Kulturlandschaftliche Empfehlungen für Bayern“ ergänzt wurde.

Der Bereich zwischen dem Inntal (57) im Westen, dem Rupertiwinkel (60) im Osten, dem Berchtesgadener Land (61) im Süd-Osten der Landesgrenze im Süden und dem Alz-Hügelland (58) im Norden wurde im Jahr 2011 unter der Nummer 59, als Kulturlandschaft mit dem Namen „Chiemgau“ beschrieben: betroffen sind Teile des Landkreises Rosenheim und Traunstein sowie einem geringen Anteil des Landkreises Berchtesgadener Land

folgende Naturraum-Einheiten sind ganz oder teilweise betroffen: 038 Inn-Chiemsee-Hügelland, 027 Chiemgauer Alpen, 015 Loferer und Leoganger Alpen (053 Alzplatte, 039 Salzach-Hügelland)

die Höhenlage reicht von 500 bis 1800 m über NN

Naturräumliche Gliederung Laut dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), wird in einem seiner Landschaftssteckbriefe, das um den Chiemsee gelegene, von Endmoränenrücken und Schmelzwassertälern kleinkuppig gestaltete Jungmoränengebiet zwischen Inn und Traun in 500 bis 650 m ü. NN, als „Chiemgau“ bezeichnet.Landschaftssteckbrief Chiemgau des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), online unter bfn.de. Mit dem Chiemsee im Zentrum wird der Bereich als Gewässerlandschaft (gewässerreiche Kulturlandschaft) eingestuft. Die Gesamtfläche diese Bereiches wird mit 784 km² angegeben.

Kommunalpolitische Gliederung Zum „Chiemgau“ zählen die Gemeinden des Lkr. Rosenheim, die rechts des Inn liegen und alle Gemeinden des Lkr. Traunstein, ausgenommen jene, die zum Rupertiwinkel zählen.Peter Pfarl, Toni Anzenberger: Chiemgau und Rupertiwinkel. Über Königsschlösser, Lüftlmaler und Zauberberge. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2016, ISBN 978-3-7025-0821-0.

Im Westen grenzt der LfU die Kulturlandschaft Chiemgau nach geologischen Gesichtspunkten zur Kulturlandschaft Inntal ab. Der Grenzverlauf folgt den Talhängen des Inns quer durch folgende Gemeinden: Nußdorf am Inn, Neubeuern, Rohrdorf (am Inn), Stephanskirchen, Vogtareuth, Griesstätt, Eiselfing und Babensham.

+ Gemeinden im ChiemgauLkr. Rosenheim Lkr. Traunstein Amerang Nußdorf am Inn 1) Altenmarkt an der Alz Schnaitsee Aschau im Chiemgau Prien am Chiemsee Bergen (Chiemgau) Seeon-Seebruck Babensham 1) Prutting Chieming Siegsdorf Bad Endorf Riedering Engelsberg Staudach-Egerndach Bernau am Chiemsee Rimsting Grabenstätt Surberg Breitbrunn am Chiemsee Rohrdorf (am Inn) 1) Grassau Tacherting Eiselfing 1) Samerberg Inzell Traunreut Eggstätt Schonstett Kienberg (Oberbayern) Traunstein Frasdorf Söchtenau Marquartstein Trostberg Chiemsee (Gemeinde) Stephanskirchen 1) Nußdorf (Chiemgau) Übersee (Chiemgau) Griesstätt 1) Vogtareuth 1) Obing Unterwössen Gstadt am Chiemsee - Pittenhart Vachendorf Halfing - Reit im Winkl - Höslwang - Ruhpolding - Neubeuern 1) - Schleching -1)  nur anteilig nach Übersichtskarte -Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns- des LfUÜbersichtskarte -Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns- des LfU

Geologische Entwicklung Vor etwa 15.000 Jahren hat die Eiszeit den Chiemgau als Voralpen- und Moränenlandschaft geprägt. So ist der Chiemgau eine hügelige Landschaft mit zahlreichen Wiesen-, Wald- und Moorflächen sowie zahlreichen Seen – vom 82 km² großen Chiemsee bis hin zu kleineren Waldseen. Die höchsten Erhebungen im Chiemgau erreichen fast 2000 Meter ü. d. M.

Nach einer widerlegten Hypothese explodierte im 5. Jahrhundert vor Christus über dem Chiemgau ein Komet oder Meteorit, die Bruchstücke sollen zu einem Streufeld geführt haben. Dieses angebliche Ereignis wird Chiemgau-Einschlag genannt.

Siehe auch: Liste der Gewässer im Chiemgau

Geschichte Zum Begriff „Chiemgau“ mini|200px|Unterrichtungstafel an der Autobahn München-Salzburg Die Bezeichnungen „Chiemgau“ und „Chiemsee“ hängen mit dem Ortsnamen Chieming zusammen, der meist von dem althochdeutschen Personennamen „Chiemo“ (7./8. Jahrhundert) abgeleitet wird.Vgl. schon Gotthard Heinrich, Ueber die Ortsnamen in Oberbayern, 1849, S. 20

Am Ende des 8. Jahrhunderts taucht der Name „Chiemgau“ auch erstmals in Urkunden als „Chimingaoe“ auf und bezeichnet damals noch ein kleineres Gebiet um das Dorf Chieming herum. Durch die Jahrhunderte hindurch dehnte sich das Gebiet des Chiemgaus immer weiter aus.

Erst im 11. Jahrhundert wird namenskundlich aus dem Chieminggau durchgängig der Chiemgau.Dotter, Franz/Dotter, Margit: Der Inn und seine Zuflüsse, Stuttgart 1987

Zahlreiche Orte tragen inzwischen zur besseren Unterscheidung die Ergänzung „im Chiemgau“, z. B. Aschau im Chiemgau im Unterschied zu Aschau am Inn, Nußdorf (Chiemgau) im Unterschied zu Nußdorf am Inn. Man spricht von den Chiemgauer Alpen, den Chiemgauer Bergen.

Auch durch das Attribut Chiemgauer wird der Bezug zum Chiemgau betont, und dies nicht nur im Zusammenhang mit der vom „Chiemgauer e. V.“ getragenen regionalen Komplementärwährung Chiemgauer. Mit dieser regionalen Währung kann man parallel zum Euro in mehr als 600 Geschäften der Region bezahlen. Zudem gibt es für den Chiemgauer eine eigene EC-Karte. Die Kontoführung übernehmen Genossenschaftsbanken und Sparkassen in der Region (s. a. Regiogeld).

Für zahlreiche Markenzeichen reicht es sogar, allein „Der Chiemgauer“ zu sagen (z. B. „Chiemgauer Dreher“ als Volkstanz, der „Chiemgauer Hut“ als Trachtenhut usw.).

Vor- und Frühgeschichte Schnittspuren auf dem Skelett des Siegsdorfer Höhlenlöwen sind Zeugnis des Neandertalers im Chiemgau vor ca. 47 000 Jahren.

Funde auf der Krautinsel Erstmals wurden 1930 und 1931 im Westteil der Insel Funde der Jungsteinzeit geborgen. Seit 1993 auch solche der späten Altsteinzeit. Es haben sich also vor rund 11 500 Jahren Menschen auf der Insel aufgehalten. Auch vor etwa 5600 Jahren waren wieder Menschen vor Ort, es wurden Steingeräte aus norditalienischem Feuerstein gefunden. Einige Jahrtausende später, um 2700 v. Chr. war die Krautinsel wiederum bewohnt. Es wurden 3 Steinbeile, Scherben der zeitgenössischen Keramik und ein Kupferbeil gefunden. Es wurden auch Anzeichen von Kupferproduktion entdeckt: Schlacke und Gusskuchen. Zahlreiche Pfeilspitzen kamen zum Vorschein. In der Regel weisen sie Beschädigungen an der Spitze auf, sind also verwendet worden.Alexander Binsteiner, Robert Darga (Hrsg.): Steinzeit im Chiemgau, Verlag Dr. F. Pfeil, München 2012, ISBN 978-3-89937-012-6.

Römerzeit mini|Verwaltungsbezirk des Municipium Claudium Iuvavum Zwischen Inn und Salzach siedelten in den Jahrhunderten um Christi Geburt, Kelten vom Stamm der Alaunen. Sie gehörten zum regnum Norikum einer keltischen Königsherrschaft unter Führung der Noriker, das bereits seit dem Ende des 2. Jahrhunderts vor Chr. rege Handelsbeziehungen zu den Römern pflegte. Als Kaiser Augustus 15 v. Chr. die Reichsgrenzen bis an die Donau verschob wurde das keltische Königreich kampflos übernommen. Die neue Provinz erhielt den Namen Norikum. Das Gebiet östlich des Inn gehörte zum Verwaltungsbezirk Municipium Claudium Iuvavum.

In West-Ost-Richtung durchquerte den Chiemgau die römische Fernstraße Via Julia von Augsburg (Augusta Vindelicorum) nach Salzburg (Iuvavum). Der Streckenverlauf ist weitgehend durch Funde gesichert. Nördlich von Rosenheim bei Pfaffenhofen am Inn dem Pons Aeni wird der Inn überquert, dann geht's durch die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte zum Nordufer des Chiemsee. In Seebruck dem römischen Bedaium wird die Alz überquert. Der Streckenverlauf der St2095 zwischen Ising und Erlstätt folgt der historischen Trasse.Via Julia BayernAtlas. Abgerufen am 16. August 2026. Der Verlauf im Bereich Traunstein ist unbekannt. Erst ab Lauter ist der Verlauf nach Osten wieder gesichert. Südlich Freilassing wird die Saalach überquert. Die Inschriften erhaltener Meilensteine bürgen von einer Bauzeit ums Jahr 200 nach Chr.August Obermayr: Römersteine zwischen Inn und Salzach. Pannonia-Verlag, Freilassing 1974, ISBN 3-7897-0526-8.

Die Romanisierung der einheimischen Bevölkerung wurde von den Römern gefördert. Der keltischen Aristokratie wurden Aufgaben in der Verwaltung übertragen. Personen, die sich um die Interesse Roms verdient gemacht haben, wurden die römischen Bürgerrechte verliehen.

Erhaltene Weihesteine bezeugen, dass auch unter der Verwaltung der Römer, weiter die Keltischen Gottheiten verehrt wurden. Bedaio Aug(usto) / et Alounis / sacr(um) / …

Dem erhabenen Bedaius / und den Alounen / geweiht! / ...

Bedaius, eine Gottheit die besonders am Chiemsee verehrt wurde. Alaunus, eine keltische Gottheit.

Das Militärdiplom von Geiselprechting (Vachendorf), datiert auf den 15. Juni 64 n. Chr., wurde beschrieben als das älteste exakt datierbare Schriftdenkmal Bayerns.Christian Soika: Funde aus der Römerzeit von Erlstätt, Grabenstätt und Holzhausen. Schrift zur Sammlung Multerer. Herausgeber Albert Multerer, Grabenstätt 1982, S. 52–56.bavarikon: Militärdiplom Geiselprechting, abgerufen am 18. August 2016

Abseits der Fernverbindung entstanden beachtliche Landsitze, Villa Rustica. Funde von Erlstätt sind im Römermuseum Grabenstätt ausgestellt. In Holzhausen lassen sich die ausgegrabenen Reste der Fußbodenheizung Hypokausten bestaunen.

Mittelalter mini|Chiemgau vom Ende 8. Jahrhundert bis 10. Jahrhundert Geschichtlich spricht man vor allem zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert von sog. „Chiemgaugrafen“ bzw. Grafen im Chiemgau. Der Chiemgau war dann lange Zeit sowohl den bayerischen Herzögen als auch den Fürsterzbischöfen von Salzburg verbunden. Erstere waren die Landesherren, letztere waren kirchliche Macht und oft auch örtliche Grundherren.

Neuzeit: Säkularisation, Anschluss an Bayern Erst nach der Säkularisation 1803 kam der Chiemgau vollständig in bayerische Hand.

Kultur Kulturelle Traditionen Im Chiemgau wird Brauchtum und Trachtenpflege besonders anschaulich ausgeübt. Dies spiegelt sich unter anderem im Namen des Chiemgau-Alpenverbands wider, in dem ein Teil der Chiemgauer Trachtenvereine zusammengeschlossen ist. Die meisten Trachtenvereine des Chiemgaus gehören allerdings zum Gauverband I. Der „Chiemgau Alpenverband für Tracht und Sitte e. V.“ bildet einen Zusammenschluss der Chiemgauer Trachtenvereine.

Neben dem noch mehr oder weniger ausgeprägten bayerischen Dialekt der Rosenheimer und Traunsteiner Einheimischen bilden die Chiemgauer Tracht samt Lederhose sowie das Chiemgauer Volkstheater eigene kulturelle Markenkennzeichen der Region. In diesem Zusammenhang sind auch noch die als Museumsbahn betriebene Chiemgauer Lokalbahn und das Chiemgauer Schulmuseum zu erwähnen. Von 1922 bis 1933 existierte eine „Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler e. V.“ und der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Grabenstätt hat „Chiemgauer“ als Vereinsnamen. Seit 2008 hat die Zirmstiftung Schusterhof in Bergen/Chiemgau ihren Sitz. Die Zirmstiftung veranstaltet auf dem neu aufgebauten Schusterhof Trachtenausstellungen des Gauverbands I sowie eine historische Krippenausstellung, deren Exponate auch in Wanderausstellungen an anderen Orten gezeigt werden. Zweck der Stiftung ist der Erhalt bayerischer Kultur und Traditionen.

Drehort-Motiv für TV- und Kinofilme