mini|300px|Pfarrkirche Kreuzauffindung

Grafenrheinfeld (unterfränkisch: Rafeld) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt. Sie liegt am östlichen (linken) Mainufer und grenzt im Norden an Schweinfurt. Grafenrheinfeld liegt in einer für Unterfranken untypischen, flachen Landschaft, die von Gewässern und Deichen geprägt wird.

Die Gemeinde ist das westliche Tor der interkommunalen Allianz Schweinfurter Mainbogen, Naherholungsort mit mehreren Badeseen und ein unterfränkisches Reitzentrum.

Der Ort ist überregional durch das 1982 in Betrieb genommene und 2015 abgeschaltete Kernkraftwerk Grafenrheinfeld sowie als ein geplantes Ende der Stromtrasse Suedlink bekannt. Der europäische Stromleitungsknoten liegt jedoch größtenteils auf dem gegenüberliegenden Mainufer, auf Bergrheinfelder Gebiet. Durch die hohen Gewerbesteuereinnahmen durch das Kernkraftwerk wurde Grafenrheinfeld zu einer reichen Gemeinde mit hervorragender Infrastruktur, hoher Lebensqualität und zu einem bevorzugten Schweinfurter Wohnvorort.

Wahrzeichen Grafenrheinfelds sind die Doppeltürme der Pfarrkirche Kreuzauffindung. Bis zu ihrer Sprengung im August 2024 waren die beiden weithin sichtbaren, 143 Meter hohen Kühltürme des Kernkraftwerks ein Erkennungsmerkmal der gesamten südlichen Schweinfurter Region.

Geografie Lage Grafenrheinfeld liegt in einer brettflachen Schwemmebene des Mains, in der Mitte des Schweinfurter Beckens, zwischen Main im Westen und Schwebheimer Wald im Osten. Der 50. Breitengrad verläuft mitten durch den Ort, auf Höhe Hauptstraße Nr. 36.BayernAtlas, Layer: Topografische Karte/Katasterplan, Mausklick: Position Der Ort wird größtenteils von Altwassern des Mains (Altmain) eingerahmt (Altmainschleife Nord und Altmainschleife Süd), einer Natur- und Naherholungslandschaft mit mehreren Badeseen (siehe: Maintal und Naherholung).

Nachbargemeinden Grafenrheinfeld hat fünf Nachbargemeinden, von denen sich mit Ausnahme der kreisfreien Stadt Schweinfurt alle im Landkreis Schweinfurt befinden.

Gemeindegebiet Durch die Mainkorrektion bei Grafenrheinfeld (1823) wurden zwei rechtsmainische Gebiete von Bergrheinfeld linksmainisch und waren fortan nur noch von Grafenrheinfeld aus erreichbar, wobei das von der Altmainschleife Nord umgebene Gebiet mit einem größeren, östlichen Teil Grafenrheinfeld zugeschlagen wurde. Die Gemeindegrenze verläuft dort schnurgerade über den Glöcklesee (siehe: Seen und Schutzgebiete), während das Gebiet um die Altmainschleife Süd komplett zu Bergrheinfeld gehört (siehe: Bergrheinfeld, Bergrheinfelder Insel).

Das ganz im Norden gelegene, von der inzwischen völlig verlandeten Oberndorfer Altmainschleife umgebene, Gebiet wurde durch die Mainkorrektion hingegen rechtsmainisch. Das von Grafenrheinfeld abgetretene Areal kam durch Umgemarkung zur Gemarkung Oberndorf, die seit 1919 zur Stadt Schweinfurt gehört.

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern musste die Gemeinde Grafenrheinfeld am 1. Mai 1978 ein bis dahin unbebautes und unbewohntes Gebiet von 2 Quadratkilometern an die Stadt Schweinfurt als Raum für ihre industrielle Entwicklung abtreten. Dort entstand der Industrie- und Gewerbepark Maintal.

Gemeindegliederung Außer dem Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Es gibt nur die Gemarkung Grafenrheinfeld. Sie hat eine Fläche von 11,344 km² und ist in 2509 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4521,43 m² haben.

Ortsbild Das Ortsbild wird vom 1987 restaurierten bzw. neu gestalteten Kirchplatz geprägt, mit dem weithin sichtbaren Wahrzeichen Grafenrheinfelds, der Kirche Kreuzauffindung mit ihren Doppeltürmen.

Etymologie Rheinfeld

Der ahd. Name Roumfeld wandelte sich über die Jahrhunderte schließlich zu Rheinfeld. Dieser Name war anfänglich die gemeinsame Bezeichnung für die vier Orte Bergrheinfeld, Grafenrheinfeld, Obernrheinfeld (Oberndorf) und Rothrheinfeld (Röthlein).

Grafenrheinfeld Ende des 13. Jahrhunderts wurden die Orte erstmals namentlich unterschieden. 1294 wurde die Bezeichnung „Ranvelt in monte“ für Grafenrheinfeld erwähnt und 1295 „Ruinevelt uffen Berge“ für Bergrheinfeld.

Für Grafenrheinfeld wandelten sich die Namen von „Grauenrheinfeld“ (1554), „Greuenrheinfeld“ (1557), „Gräuenrheinfeld“ (1601), „Gräfenrheinfeld“ (1627) und „Grävenrainfeld“ (1635) schließlich zu Grafenrheinfeld. J. Freppon: Aus Grafenrheinfeld’s alter und neuer Zeit. Verlag Deutsche Gaue, Kaufbeuren 1928

Es gab auch die Bezeichnungen „Niederrhanfeld“ und „Grabenreinvelt“. Diese Namen werden von Niederung und Graben (althochdeutsch: graban) abgeleitet und bedeuteten das in einer Niederung gelegene Rheinfeld. Der einstige Besitz (bis 1179) der Grafen von Rieneck könnte Anlass zur Namensveränderung von „Grabenreinvelt“ zu „Grafenrheinfeld“ mit leichterer Aussprache geführt haben. Daneben gab es für die Orte noch weitere Schreibweisen und etwas abgewandelte Bezeichnungen.

Geschichte Mittelalter

mini|Marktplatz

Grafenrheinfeld entwickelte sich aus der einstigen Siedlungs- und Gemarkungseinheit bzw. gemeinsamen Pfarrei Rheinfeld (siehe auch: Etymologie).

1470 wurde Grafenrheinfeld domkapitalisches Amt mit hoher und niederer Gerichtsbarkeit (bis 1803).

Frühe Neuzeit 1688 erhielt Grafenrheinfeld das Marktrecht. 1755 wurde der Grundstein der katholischen Pfarrkirche Heilig Kreuz gelegt.

mini|Territorien am Ende des Heiligen Römischen Reichs: Gelb: Reichsstadt Schweinfurt (evang.). Beige: Reichsdörfer (evang.). Braun: Reichsritterschaften (evang.). Grün: Grafen von Schönborn (kath.).Rosa: Hochstift Würzburg (kath.) u. a. m. Rot: Deutscher Orden (Brönnhof).

Grafenrheinfeld mit seinem geistlichen Zentrum am Kirchplatz und Bergrheinfeld waren die katholischen Orte des Hochstiftes Würzburg, die der protestantischen Region um Schweinfurt im Südwesten am nächsten lagen. In der Gegenreformation förderten die Würzburger Fürstbischöfe diese Vorposten aus Sorge vor der lutherischen Lehre auch durch die Aufstellung von Bildstöcken, beispielsweise mit dem Grafenrheinfelder Kreuzigungsbildstock von 1619.

Moderne Im Jahr 1818 entstand die politische Gemeinde.

mini|hochkant|Feldkapelle, Kapellenweg Neugotisch (1885)

Das Urkataster (um 1836) enthält sechs Straßennamen: „Unteres Thor“ (heute: Hauptstraße), „Oberes Thor“ (heute: Marktplatz und Schweinfurter Straße), „Bühl“ (heute: im Süden Bühlstraße, im Norden Kirchplatz) und die unveränderten Namen „Maingasse“, „Herrngasse“ und „Linsengasse“ im Norden des alten Dorfkerns.BayernAtlas, Layer: Historische Karte

Der Ort war ursprünglich ein Rundling. 1928 war der den Ort umgebende Wall mit Hecken, Graben und Weg (Hag nach dem Wort für Hecke genannt) um den Ort noch weitgehend erhalten, nicht zu verwechseln mit dem historischen Deich (siehe: Historischer Ringdeich). Der Wall hatte drei Zugänge mit hölzernen Toren und je einem zweistöckigen Turm. Die letzten beiden Türme wurden 1870 abgerissen. Im Jahre 1927 wurde eine Neunummerierung und Beschilderung der Häuser vorgenommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ort durch Bombenangriffe größtenteils zerstört. Am Nachmittag des 24. Februar sowie in der Nacht zum 25. Februar 1944 wurde Grafenrheinfeld im Rahmen der Big Week von zahlreichen Flüssigkeitsbomben, Sprengbomben, Luftminen und einer Unmenge von Stabbrandbomben getroffen. Bei den beiden Angriffen waren 35 Todesopfer zu beklagen. 71 Wohnhäuser brannten nieder, 65 Wohnhäuser wurden schwer, 106 leicht beschädigt, 136 Scheunen und 116 Nebengebäude wurden ein Raub der Flammen.Schweinfurter Tagblatt vom 24. Februar 1984

Bei den Angriffen auf die Orte in der Umgebung Schweinfurts, wie auf Sennfeld, sollten die Wohnungen von Berufspendlern in die Schweinfurter Großindustrie getroffen werden, dem europäischen Zentrum der Wälzlager-Industrie, einer kriegswichtigen Schlüsselindustrie. Durch die beiden Angriffe wurde Grafenrheinfeld zu 80 % zerstört, während Schweinfurt, das über die beste Luftverteidigung Deutschland verfügte, in 22 Angriffen nur zu 45 % zerstört wurde. Im Gegensatz zu Grafenrheinfeld gelang es den Alliierten in Schweinfurt nicht, einen Feuersturm zu entfachen, sondern sie hatten dort ihre schwersten Luftniederlagen.

Wüstungen An der Altmainschleife Nord begann der noch auf Karten des 19. Jahrhunderts eingezeichnete Schmachtenbergspfad, der zur urkundlich erstmals 1425 erwähnten Wüstung Schmachtenberg führte. Der Ort lag an der einstigen Grenze zur Reichsstadt Schweinfurt und wurde wahrscheinlich im 15. Jahrhundert verlassen. 2 km nordöstlich von Grafenrheinfeld, am Schwebheimer Wald, liegt am Senftenhofsee die Wüstung Senftenhof im Grenzgebiet der Gemarkungen von Grafenrheinfeld, Gochsheim und Schweinfurt. Das Dorf war wohl die Nachfolgesiedlung von Schmachtenberg und wurde bis ins 17. Jahrhundert bewohnt. Danach wurde der Ort vermutlich ebenfalls verlassen.

Main- und Deichgeschichte Historischer Ringdeich Das Dorf wurde früher durch den Maindamm geschützt, einen Ringdeich, der ausgenommen im Norden im Abstand von 400 Metern bis 1 Kilometer um den Ort verlief und auch die umgebenden Felder schützen sollte. Er folgte im Norden, Westen und Südwesten nahezu dem historischen Verlauf des Mains. Im Osten, wo er nicht erhalten ist, durchschnitt er willkürlich die Parzellen der Felder und ist dort im südlichen Bereich, in Richtung Röthlein, bereits im Urpositionsblatt von 1836 nicht mehr eingezeichnet.

Auf dem nördlichen, ortsnahen Abschnitt des Maindamms soll eine Deich-Promenade angelegt werden.

Mainkorrektion bei Grafenrheinfeld 1823 und neuer Deich

Der Main bildete bei Grafenrheinfeld mehrere Schleifen. Der Überlieferung nach sollen die Schiffer bei ihrer langwierigen Passage durch die Mainschleifen einen Tag lang die Doppel-Kirchtürme von Grafenrheinfeld gesehen haben.

1823 wurde der Main im Raum Grafenrheinfeld durch die Mainkorrektion der Bayerischen Staatsregierung durch insgesamt vier aufeinander folgende Durchstiche begradigt, wodurch die Mainschleifen zu Altwassern wurden (Altmain) und teilweise verlandeten. Ein Vorläufer des Maindeichs, der dem begradigten Main folgte, wurde an derselben Stelle angelegt. Der innenliegende Ringdeich wurde funktionslos. Die Gefahr ständiger Überschwemmungen Grafenrheinfelds wurde gebannt, die Fließgeschwindigkeit des Mains erhöht und die selbständige Freispülung des Strombetts bewirkt.

Mainbrücke seit 1901

mini|Mainbrücke Bergrheinfeld zwischen Bergrheinfeld (links) und Grafenrheinfeld, hinter der 2009 abgebrochenen Vorgängerbrücke Bergrheinfeld und Grafenrheinfeld sind seit 1901 durch die Mainbrücke Bergrheinfeld verbunden. Sie liegt an einem kurzen Abschnitt des Mains zwischen Altmainschleife Nord und Süd, der durch die Mainkorrektion von 1823 nicht verändert wurde. 1945 wurde die Brücke gesprengt, danach durch eine Notbrücke ersetzt, und 1960 wurde die Nachfolgebrücke dem Verkehr übergeben. 2008/2009 wurde diese Brücke durch eine Stabbogenbrücke ersetzt.

Einstmals verkehrte 600 Meter weiter nördlich (mainaufwärts) eine Fähre über den Main in seinem ursprünglichen Verlauf (Altmainschleife Nord) vor der Mainkorrektion. Darauf weist dort noch der Name der Einzellage Fährhaus auf Bergrheinfelder Gemeindegebiet hin.

Großschifffahrtsstraße und Deichausbau in den 1950er und 1960er Jahren Der Main wurde im Raum Grafenrheinfeld ab den 1950er Jahren zur Großschifffahrtsstraße Main-Donau-Kanal ausgebaut. 1953 wurde die Staustufe Garstadt errichtet und 1956/57 der Main auf 203,10 m ü. NHN aufgestaut. 1958 wurde die Grundwasserabsenkungsanlage für den Ort Grafenrheinfeld fertiggestellt. An Stelle des 1823 erstmals angelegten Maindeichs wurde von 1962/1963 der heutige Deich gebaut und der gesamte Schweinfurter Süden einschließlich Grafenrheinfeld von Hochwasser freigelegt.

Deichsanierung und weiterer Ausbau 2008