Nontron () ist eine französische Stadt im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine (vor 2016 Aquitanien) mit Einwohnern (Stand ). Die Stadt ist Sitz der Unterpräfektur (frz. Sous-préfecture) des Arrondissements Nontron. Sie gehört zum Kanton Périgord Vert Nontronnais und zum Gemeindeverband Périgord Nontronnais. Die Einwohner werden Nontronnais bzw. Nontronnaises genannt.

Etymologie Der Ursprung des Stadtnamens ist etwas diffus. Angeblich soll die Namensentwicklung etwas phantasievoll von Natadun über Nattun, Nantrun und Nontroun nach dem jetzigen Nontron verlaufen sein, wobei Natadun angeblich aus dem Phönizischen stammt (Nata = Tal, Dun = Berg).

Andere Erklärungsmöglichkeiten berufen sich auf gallorömische Eigennamen wie beispielsweise Nantirius (womöglich von Nantius), Nantironius oder Nantirionius.

Sehr wahrscheinlich ist auch das Proto-Keltische nantos mit der Bedeutung Fluss bzw. Tal in Betracht zu ziehen – wobei hiermit der Bandiat gemeint ist, der unterhalb der Stadt zu einer großen Schleife ansetzt.

Geschichtlich belegt sind Castrum Netronense im Jahr 785, Nontronium, Nantronum und Nancronum im 8. Jahrhundert, Centena Nontronensis im Jahr 921, Villa Nuntrum im Jahr 1199 (was identisch mit der okzitanischen Aussprache ist) und Castellania de Nontronio im Jahr 1365.

Geographie Nontron wird von folgenden sieben Nachbargemeinden umgeben:

mini|Topographische Karte der Gemeinde Nontron

Das Gemeindegebiet Nontrons umfasst zahlreiche verstreut liegende Weiler, allein liegende Höfe, Mühlen, einstige Ziegeleien und Geländepunkte wie beispielsweise Azat, Balassou, Barouffières, Bois d’Azat, Bord, Brégout, Broillac, Chez le Maire, Chez Pouge, Chez Roderie, Faubourg Magnac, Fonladier, Fontaine de l’Age, Gaumondières, Goulat, Goulières, Gourbelières, La Bardinie, La Chapoulie, La Côte, La Francherie, La Maladrerie, La Mondinaude, La Mothe, La Paulinie, La Petite Tuilière, La Picaudie, La Roderie de Bord, La Serve Verte, La Truffière de Bord, La Tuilière, La Tuilière de Bord, Lacaud, Lafarge, Lamandeau, Le Centre Aéré, Le Châtenet, Le Mas de la Roche, Le Meynissou, Le Moulin Blanc, Le Moulin du Bord, Le Pic, Le Puy, Le Puy de Fleury, Le Reclaud, Le Ruisseau de l’Étang, Le Vieux Manoir, Les Belles Places, Les Champs, Les Farges, Les Fourneaux, Les Granges, Les Justices, Les Loges, Les Mines du Puy, Les Nouailles, Les Petites Granges, Les Salles, Les Truffières, Moulin de Puissèché, Papelebre, Poperdu, Pré de Bellevue, Puymezier und Puyrigard.

Das 24,67 Quadratkilometer große Gemeindegebiet hat in etwa die Form eines Rechtecks, dessen lange Achse in die Südost-Richtung gedreht ist und 6,5 Kilometer misst. Die kurze Achse zeigt nach Nordost und beträgt 3,8 Kilometer. Hiervon abgesetzt schließt sich eine kleine Exklave im Nordnordwesten um Poperdu und La Chapoulie an.

Die Gemeinde Nontron nimmt eine durchschnittliche Meerhöhe von 230 Meter über N. N. ein, ihr tiefster Punkt mit 152 Meter liegt am Bandiat direkt südlich unterhalb der Stadt, ihr höchster Punkt mit 308 Meter nördlich vom Weiler Brégout im Osten. Die maximale Höhendifferenz beträgt 156 Meter. Das Stadtzentrum mit dem Rathaus (L’Hôtel de Ville) befindet sich auf 212 Meter Meerhöhe.

Verkehrsanbindung mini|Ehemalige Eisenbahnbrücke über das Bandiattal

Nontron liegt abseits der großen Verkehrsachsen, fast gleich weit (etwa 50 Kilometer) von Périgueux, Angoulême und Limoges entfernt. Diese geographische Isolierung hat bisher immer den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt verhindert.

Über die D 675 von Brantôme nach Saint-Junien hat die Stadt Zugang nach Périgueux einerseits und in das Département Haute-Vienne andererseits.

Ferner zweigen von dieser Nord-Süd-Achse hier mehrere Départementsstraßen ab, so die D 75 nach Angoulême, die D 707 nach Thiviers und die D 85 nach Châlus und Limoges. Über die D 707 besteht Anschluss nach Mareuil und über die D 3 nach Villars. Es gibt außerdem noch einige kleinere Verbindungen zu umliegenden Nachbargemeinden.

Zwischen 1883 und 1940 war Nontron über die Bahnstrecke Quéroy-Pranzac–Thiviers mit Angoulême verbunden, ab 1892 auch mit Thiviers. Der Güterverkehr auf dieser Strecke in Richtung Thiviers wurde ab 1965 und in Richtung Angoulême ab 1975 eingestellt.

Das ehemalige Bahnhofsgebäude ist noch vorhanden.

Klima Nontron besitzt ein abgeschwächtes ozeanisches Klima, das sich durch folgende Parameter auszeichnet:

Klimaparameter im Zeitraum 1971-2000

Jahresmittel: 11,9 °C Anzahl der Tage unter −5 °C: 4,3 Anzahl der Tage oberhalb 30 °C: 6,9 Maximum im Tages-Temperaturunterschied: 15,0 °C Jahresniederschlag: 1087 mm Niederschlagstage im Januar: 13,1 Niederschlagstage im Juli: 7,5

Durch den Klimawandel zeichnen sich Erhöhungen im Jahresmittel ab, die sich bereits auch bemerkbar machen. So ist beispielsweise an der 58 Kilometer entfernten Wetterstation am Flughafen von Limoges-Bellegarde das langjährige Jahresmittel von 11,2 °C für 1971-2000 über 11,4 °C für 1981-2010 auf 11,8 °C für 1991-2020 angestiegen – ein Zuwachs um 0,6 °C innerhalb von 20 Jahren.

Hydrographie mini|Nontron über der Flussschleife des Bandiats mini|Die beiden Entwässerungsnetze Charente und Isle-Dronne

Nontron ist nördlich hoch über einer Flussschleife des Bandiats erbaut, der hier eine bedeutende Richtungsänderung in seinem Lauf von Nordost-Südwest nach Nordwest zu vollziehen beginnt. Der Bandiat bildet Teil des Entwässerungsnetzes der Charente. Der Fluss fließt auf etwa 160 Meter Höhe und hat sich dabei bis zu knapp 150 Meter tief in die umliegenden Gesteine eingeschnitten. Der Einschnitt erfolgte hierbei steiler auf der Nordwest- als auf der Südostseite. Die Altstadt von Nontron überragt den Fluss um gut 50 Meter. Mit Erreichen der Gemeindegrenze von Nontron im Nordosten verengt sich das Flusstal des Bandiats und der Fluss beginnt zu mäandrieren. In mehreren Flussschleifen von rund 500 Meter Wellenlänge durchbricht er das Kristallin und dreht dann zu Füßen der Altstadt auf Südrichtung. An der Grenze zu Saint-Martial-de-Valette weitet sich sein Tal erneut, bei gleichzeitiger Richtungsänderung auf West.

Neben dem Bandiat als Hauptfluter sind nur unbedeutende Nebenflüsse wie beispielsweise der rechtshändige Ruisseau de Vergnes zu nennen, welcher nach Südwest abfließt und die Gemeindegrenze zu Saint-Martin-le-Pin bildet. Hierzu parallel verlaufen zwei weitere kleine rechtsseitige Bäche – einer unterhalb von La Côte und einer unterhalb von Le Puy de Fleury. Linksseitige, nach Nordwesten herabziehende Bäche finden sich bei Les Farges, Brégout, Azat und an der Südwestecke zu Saint-Martial-de-Valette. Die beiden letztgenannten Talungen sind Trockentäler, die in Kalksedimenten verlaufen.

Am Nordrand der Gemeinde Nontron wird bei Poperdu gerade noch ein namenloser linker Nebenfluss der Doue berührt.

Die Bäche am Südrand der Gemeinde (Täler unterhalb von Goulat und Le Puy) drainieren bereits in generell südöstliche Richtung hin zur Dronne. Das Gemeindegebiet ragt somit über die Wasserscheide zwischen den beiden Flusssystemen Bandiat und Isle-Dronne nach Südosten hinweg.

Die Gesamtlänge des Entwässerungsnetzes beträgt 29 Kilometer.

Geologie

mini|Geologische Karte von Nontron mini|Paragneis von Nontron mini|Massiver Bleiglanz aus einem Quarzgang im feinkörnigen Piégut-Pluviers-Granodiorit. Mine du Cantonnier, südöstlich von Nontron mini|Die Randstörung bei La Côte folgt dem Fußweg nach Nordwest (Streichrichtung N 128). Das Grundgebirge mit dem Granodiorit bildet die rechte Hangkante, links des Wegs folgt bereits rekristallisierter Jura des Aquitanischen Beckens.

Die Gemeinde Nontron gehört geologisch noch zum Grundgebirge des Massif Central. Sie liegt unmittelbar am Nordwestrand des Variszikums. Direkt unterhalb der Altstadt sind entlang der Südseite des Bandiats flachliegende Jurakalke (mit einem Einfallswinkel von 6 bis 8, maximal 10 Grad in südöstlicher, südlicher und südwestlicher Richtung) des Aquitanischen Beckens anstehend. Diese beiden sehr unterschiedlichen Gesteinsformationen, die Gegenwart der Randstörung und die intensive tertiäre kontinentale Sedimentations- und Erosionstätigkeit sind der Grund für die abwechslungsreiche Landschaft und die recht komplexe Geologie im Gemeindegebiet.

Variszisches Grundgebirge Die Unterstadt und ein Teil der Altstadt wurden auf hochmetamorphem, teils migmatitischem Paragneis (Metatexit – ζ1-2) des Saint-Mathieu-Doms errichtet – einer sehr alten geologischen Formation im westlichen Massif Central aus dem Neoproterozoikum/Kambrium (Nontron-Paragneis). Der Nordteil der Altstadt, das nördlich anschließende Industriegebiet und der gesamte Norden liegen auf dem oberkarbonischen Piégut-Pluviers-Granodiorit (γ3-4 bzw. γ3M) mit seinen recht unterschiedlichen Fazies – grobkörnige Normalfazies, feinkörnige Fazies, Hornblende-führende Fazies und Porphyrfazies. Gelegentlich lagern im Stadtbereich noch Sedimentreste des Unterjuras dem Granodiorit auf.

Um Le Puy im Südosten steht erneut Paragneis an, der sich aber durch seinen höheren Glimmergehalt von den Vorkommen bei Nontron deutlich unterscheidet. Er ist aus wesentlich tonreicheren Sedimenten hervorgegangen, wohingegen der Nontron-Paragneis auf ehemalige Grauwacken zurückgeht. Ganz am Ostrand erscheint bei Fonladier und Maupuy noch eine dritte Paragneis-Varietät, die extrem schiefrig ausgebildet ist. Dieser Savignac-de-Nontron-Paragneis (ζ1) ist aus aluminiumreichen Peliten entstanden und wird tektonisch von den anderen Vorkommen als tiefer liegend abgetrennt. Er erreicht hier die metamorphen Bedingungen der Sillimanit-Muskovit-Zone. Die Foliation der Paragneise ist generell variabel, lässt aber dennoch für die drei Vorkommen deutliche Unterschiede erkennen: so streicht der die südliche Altstadt unterlagernde Paragneis Ostsüdost und fällt mit 40 bis 55° nach Nordnordost ein, der Paragneis von Le Puy streicht Südost und fällt relativ flach mit 24 bis 36° nach Nordost ein und der Paragneis von Savignac streicht um Ost, fällt aber mit 25 bis 42° (in die entgegengesetzte Richtung) nach Süd ein.

Unterer und Mittlerer Jura Die Schichtenfolge des Unterjuras beginnt mit einem 1. Zyklus (Formation l1-4). An der Basis liegen Arkosen des Hettangiums, die aus der Transgression des Jurameeres über das kristalline Grundgebirge hervorgegangen sind. Darüber folgen dann Dolomite (meist stark rekristallisiert) und verkieselte Oolithe des Sinemuriums. Der 2. Zyklus (Formation l5-9) besteht aus detritischem Pliensbachium, grauen Tonen und Mergeln des Toarciums sowie dolomitischem Aalenium. Der Unterjura erscheint neben den Vorkommen der Altstadt in den beiden rechten Seitentälern des Bandiats vor Montagenet, bei Azat, bei Puymezier im Südosten, bei Brégout und am Höhenrücken nördlich von La Maladrerie im äußersten Norden.

Über den Unterjura legen sich schließlich bioklastische und oolithische Kalke des Doggers (Oberes Bajocium der Formation j1b-2a und Bathonium der Formation j2b), die aufgrund ihrer Nähe zur Randstörung oft sehr stark verkieselt vorliegen. Aufschlüsse des Doggers finden sich im Südosten bei Puymezier sowie unterhalb von Chez Pouge.

Die beiden erwähnten Trockentäler im Mittleren Jura beiderseits Chez Pouge verweisen auf eine Verkarstung des Untergrundes. Ihre Bildung dürfte während der Vereisungen des Pleistozäns stattgefunden haben (vielleicht sogar erst in der Würm-Kaltzeit), bedingt durch eine Versiegelung der Talböden durch Permafrost bei gleichzeitig erhöhtem Abfluss. Ferner findet sich in der rekristallisierten Fazies am Bandiat südlich vom Faubourg Magnac eine kleine Höhle.

Die Mächtigkeit des Unterjuras beträgt maximal 40 Meter, die Mächtigkeit des Doggers ist wegen der Rekristallisationen nur schwer abzuschätzen, dürfte aber 50 Meter nicht übersteigen.

Tertiäre Lockersedimente