Bergerac (, ) ist eine Stadt in der französischen Region Nouvelle-Aquitaine. Mit Einwohnern (Stand: ) ist Bergerac nach Périgueux die zweitgrößte Stadt im Département Dordogne. Sie ist Sitz einer der drei Unterpräfekturen des Départements und Verwaltungssitz des Gemeindeverbands Communauté d’agglomération Bergeracoise. Die Bewohner werden Bergeracois und Bergeracoises genannt.

Die Stadt ist durch die Weine des umliegenden Anbaugebiets, das ihren Namen trägt, bekannt.

Geografie

Bergerac liegt etwa 84 Kilometer östlich von Bordeaux, etwa 41 Kilometer südsüdwestlich von Périgueux und etwa 58 Kilometer westlich von Sarlat-la-Canéda am Nordufer der Dordogne in der Région naturelle des Bergeracois, Teil des touristisch benannten Landesteils Périgord pourpre. Die Stadt wird außerdem von Nebenflüssen der Dordogne, den Flüssen Caudeau und Conne, von den Flüsschen Gouyne, Marmelet, Ruisseau de Lespinassat, Tortefeyssole, Gaillardet, Ruisseau de Gabanelle sowie von verschiedenen kleineren Fließgewässern entwässert.

Das Département Dordogne liegt auf der Nordplatte des Aquitanischen Beckens und grenzt im Nordosten an einen Rand des Zentralmassivs. Es weist eine große geologische Vielfalt auf. Das Gelände ist in der Tiefe in regelmäßigen Schichten angeordnet, die von der Sedimentation auf dieser alten Meeresplattform zeugen. Das Département lässt sich daher geologisch in vier Stufen unterteilen, die sich nach ihrem geologischen Alter unterscheiden. Bergerac liegt in der vierten Stufe von Nordosten, einem Plateau aus Kieselsandsteinablagerungen und Seekalksteinen aus dem Tertiär. Die im Gemeindegebiet hervortretenden Schichten bestehen aus Oberflächenformationen aus dem Quartär, einige Sedimentgesteinen aus dem Känozoikum, andere aus dem Mesozoikum.

Der südliche und weitaus größte Teil des Gemeindegebiets ist Teil des Tals der Dordogne, der restliche Teil besteht aus Hügeln, deren Höhe sich nach Norden hin vergrößert. Dort ist auch der topographisch höchste Punkt des Gemeindegebietes in der Nähe des Weilers Peyroudal mit Höhe zu finden. Der tiefste Punkt befindet sich im äußersten Südwesten mit Höhe beim Austritt der Dordogne aus dem Gemeindegebiet. Der Ortskern befindet sich an der Kirche Notre-Dame auf etwa Meereshöhe.

53 % der Fläche der Gemeinde werden landwirtschaftlich genutzt, rund 25 % entfallen auf bebaute Flächen, rund 10 % auf Industrie-, Gewerbe- und Verkehrsflächen, rund 8 % sind bewaldet, rund 2 % entfallen auf Binnengewässerflächen, rund 1 % auf künstlich angelegte, nicht landwirtschaftliche Grünflächen, rund 1 % auf Flächen mit Strauch- und/oder Kräutervegetation.

Bergerac wird von folgenden zehn Gemeinden umgeben:

mini|Risikokarte des Quellungs/Schrumpfungsverhältnisses von Tonmineralen in Böden für Bergerac Natürliche und technologische Risiken Naturrisiken manifestieren sich in Bergerac als Überschwemmungen und den mit ihnen assoziierten Schlammströmen und Hangrutschungen, besonders entlang der Dordogne Dürren Waldbrände Bodensetzungen.

Aufgrund der Schäden, die durch Überschwemmungen und Schlammlawinen in den Jahren 1982, 1988, 1993, 1999 und 2008 verursacht wurden, wurde für die Gemeinde der Naturkatastrophenzustand ausgerufen. Im Dossier des Départements über Hauptrisiken sind vorbeugende Maßnahmen zur Reduktion von Hochwasserschäden festgelegt. Dazu gehört u. a. die Ausweisung von Zonen, die nicht oder nur nach Genehmigung bebaut werden dürfen, die Instandhaltung des Wasserlaufs, um Hindernisse zu begrenzen, und die Schaffung von Regenrückhaltebecken.

Vor allem außerhalb des urbanen Teils des Gemeindegebiets besteht zur Vorbeugung von Waldbränden eine rechtliche Pflicht zur Beseitigung von Gestrüpp rund um Häuser, Straßen und andere Einrichtungen oder Geräte sowie eine zeitliche und räumliche Beschränkung von offenem Feuer, beispielsweise beim Verbrennen von Abfällen oder Pflanzen, beim Campen oder beim Feuerwerk.

Wie die Risikokarte zeigt, ist nahezu das gesamte Gemeindegebiet von Bergerac von mittlerer bis starker Gefahr durch Bodensetzungen bei abwechselnden Dürre- und Regenperioden betroffen. Die Erdbebengefahr ist als relativ niedrig einzustufen. Das Gemeindegebiet ist einer schwachen Radongefahr ausgesetzt und wird der Zone 1 zugeordnet.

Ein technologisches Risiko besteht durch einen Bruch des Staudamms von Bort-les-Orgues, der die Dordogne staut. Es ist daher wahrscheinlich, dass die Gemeinde von einer Überflutungswelle betroffen sein wird.

Auf dem südöstlichen Stadtgebiet von Bergerac befinden sich chemische Industrieanlagen, davon zwei mit „hohem SEVESO-Schwellenwert“ (EURENCO und MANUCO) und eine mit „niedrigem SEVESO-Schwellenwert“ (ARY ARM). Als SEVESO-Betriebe gelten Betriebe, die gefährliche, giftige oder umweltschädliche Stoffe in Mengen lagern, verwenden oder produzieren, die bestimmte gesetzlich festgelegte Grenzwerte überschreiten. Die technologischen Risiken aller Anlagen betreffen Explosionen, Feuer und giftigen Ausstoß.

Klima

Die klimatischen Bedingungen in Bergerac sind durch ein warmes und gemäßigtes Klima gekennzeichnet. In Bergerac kommt es das ganze Jahr über zu erheblichen Niederschlägen. Selbst im trockensten Monat Juli fallen noch große Niederschlagsmengen. Gemäß Köppen und Geiger ist dieser Ort als Cfb klassifiziert.

Es gibt eine bemerkenswerte Schwankung beim Niederschlag, mit einer Varianz von 30 mm zwischen dem Monat Juli mit dem geringsten Niederschlag und November mit dem höchsten Niederschlag. Die durchschnittlichen Temperaturen variieren im Jahresverlauf um 16,0 °C. Die Angaben von Temperatur, Niederschlag, Regentagen und Luftfeuchtigkeit basieren auf Daten von 1991 bis 2021, Sonnenstunden auf Daten von 1999 bis 2019.

Etymologie Der Name der Stadt wurde 1100 in der Form Brageyrack erstmals in den Schriften erwähnt, in der Folge in den Formen Braiaracum (1116) und Brageyriacum (1207). Die Veränderung von -ra- zu -er- erscheint erstmals im 14. Jahrhundert belegt mit Berguerac im Jahr 1379.

Üblicherweise geht man von der Namensherkunft von einer gallorömischen Person namens °Bracarius, gefolgt von -acum aus. Dieses Patronym stammt von einer Berufsbezeichnung, bracarius, abgeleitet von einem ursprünglich gallischen Wort, das dem Französischen das Wort braie, dem Namen für eine Hose in der Antike, bescherte. Ein bracarius war demnach ein Schneider für Bracae.

Diese Hypothese wurde diskutiert. Léo Fayolle zog eine Parallele der Etymologie der Gemeinde Berbiguières in Betracht, die als Ausgangspunkt das spätlateinische Wort berbicaria () hat, das zu berbegèra und bergèra wurde. Dagegen spricht, dass die erste Silbe Bra- bis zum 14. Jahrhundert in der Form geschrieben wurde und die Endung -ac von Beginn an. Kein Toponym, das den Namen einer Schäferei im Okzitanischen besitzt diesen Wortanfang in früheren Zeiten. Eine andere Hypothese, die zur Phonetik passt, gibt als Ursprung den Namen einer ursprünglich germanischen Person namens Berger, gefolgt von -iacum an. Der Name kommt von Berg, Berger entspricht „Bergbewohner“.Tanet, Hordé, Seiten 51–54

mini|Karte aus dem Jahr 1893 Geschichte Spuren prähistorischer Besiedlung fand man in Corbiac, wenige Kilometer nordöstlich der Stadt. Im Stadtteil Vaures von Bergerac wurden die Fundamente von mehr als zwanzig Häusern aus der Zeit zwischen 3500 und 3000 v. Chr. und am nordwestlichen Stadtrand eine Nekropole aus der Zeit der Merowinger entdeckt.

Erst im Mittelalter erlangte Bergerac seine Bedeutung. Zuvor gab es ab dem ersten Jahrhundert v. Chr. nur kleine Siedlungen mit gemischter landwirtschaftlicher und gewerblicher Nutzung, deren Spuren am linken Ufer der Dordogne in den Stadtteilen La Madeleine und La Pelouse, am rechten Ufer an der Place du Temple gefunden hat. Eine Straße aus Vesunna, dem Hauptort der Petrocorier, stieß bei Bergerac auf die Dordogne. Es handelte sich um eine nachgeordnete Strecke, denn die Hauptüberquerung der Dordogne befand sich wahrscheinlich etwa 20 Kilometer weiter flussaufwärts bei Lalinde. Der Gewerbebetrieb entwickelte sich sicherlich zu wenig, um eine Zusammenlegung der Siedlungen herbeizuführen. In der Spätantike entleerte sich das Dordogne-Tal seiner Bevölkerung, die anscheinend in das Hinterland auswanderte. Erst im siebten Jahrhundert waren Anfänge einer Wiederbesiedelung zu erkennen. Der Impuls dazu kam damals durch die Ansiedlung durch die Bischöfe von Périgueux im Rahmen der Evangelisation der Diözese mithilfe einer dem heiligen Martin von Tours geweihten Missionskirche im Caudeau-Tal. Die Ausgrabungen zeigten deutlich die Präsenz einer kontinuierlichen Bestattungssiedlung ab dem siebten Jahrhundert rund um die ursprüngliche Kirche. Sie erlaubten auch die Feststellung des Fehlens einer zusammenfassenden Siedlung im Caudeau-Tal. Die Kirche besaß offensichtlich nicht das ausreichende Potenzial, um die Siedlung zusammenzuhalten, deren Bewohner am Ende des Mittelalters immer noch verstreut und nicht sesshaft waren. Das Element, das stark genug war, um eine Veränderung der Situation herbeizuführen, war die Burg, die im 11. Jahrhundert etwa einen Kilometer entfernt südlich der Kirche am Rand des Caudeaus erbaut wurde. Dort ergaben sich nun die Gründe aus ökonomischer und politischer Sicht, die sicherlich zur Gründung von Bergerac führten: Fruchtbarkeit der Erde in der Ebene, Kontrolle über die Überquerung über die Dordogne, Grenzsituation am Süden der Grafschaft. Ausgrabungen und Schriften zeigen auf, dass sich ab dem Ende des 11. Jahrhunderts ein Dorfkern gebildet hat, wobei sein Zustandekommen unklar bleibt. Das Wachstum des Dorfes hielt im 12. Jahrhundert an. Die Kirche Saint-Martin profitierte nicht von dieser Entwicklung. Im Gegenteil, die Lenkung der Urbanisierung ging von der Burg nach und nach von Mönchen aus, die antrieben, eine Kapelle in der Nähe des Ortskerns zu errichten. Dies erklärt den Ursprung der Kirche Saint-Jacques, die am Rande des Abhangs oberhalb des Burgkerns entlang der Straße errichtet wurde, die die Kirche und das Priorat mit der Burg verband (1186). Neue Faktoren übertrugen die Attraktivität der Burg auf die umliegende Landschaft und verhinderten so wahrscheinlich, dass Bergerac zu einem einfachen Dorf verfiel. Diese Wachstumsfaktoren lagen in großem Maße in den Handlungen der Adelsfamilie Rudel, die gegen 1150 die Vögte von Bergerac verdrängten. Sie nutzten und verstärkten die gewerblichen Möglichkeiten des Standorts und bauten eine steinerne Brücke über den Fluss, die erstmals 1209 in den Schriften erwähnt wurde und nach 1254 restauriert oder neu errichtet wurde.

Die Geschichte der Stadt ist eng mit ihrer verkehrsgünstigen Lage an der Dordogne verknüpft. Mit Gabarren wurden auf dem Fluss Wein nach Bordeaux (z. B. mehr als 96.000 Fässer im Jahr 1869) und von dort Lebensmittel und Baumaterial nach Bergerac gebracht. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn begann der Niedergang der Flussschifffahrt, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts endete. mini|Reste der Bastion Les Carmes (1577–1621) an der Place de la République Im Jahr 1254 wurde Bergerac autonom; von 1322 bis 1904 residierte die Stadtverwaltung im Haus Malbec nahe der Markthalle. Zu Beginn des Hundertjährigen Kriegs wurde Bergerac 1345 von Henry of Grosmont erobert. 1472 bestätigte König Ludwig XI. der Stadt die von seinen Vorgängern zugestandenen Privilegien.