Die Burg Liechtenstein ist eine Gipfelburg in Maria Enzersdorf im Bezirk Mödling in Niederösterreich. Sie steht auf einem Felsrücken in einer Seehöhe von ca. und wurde 1330 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Das Haus Liechtenstein, nach dem das von ihm begründete Fürstentum Liechtenstein benannt ist, hat dort seinen Stammsitz.
Der Stammvater des Adelsgeschlechts begann um 1130 mit der Errichtung der Burg. Im 13. Jahrhundert fiel sie an andere Familien, 1683 wurde sie bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung größtenteils zerstört. Die Fürsten von Liechtenstein kauften die Ruine 1808 zurück und restaurierten sie im Stil der Neoromanik. Seither ist sie im Besitz des Fürstenhauses Liechtenstein. Die Burganlage war Schauplatz in Film und Literatur und steht unter Denkmalschutz ().
Lagebeschreibung Die Burg Liechtenstein steht südlich von Maria Enzersdorf am Rande des ehemaligen Liechtensteinischen Landschaftsparks in etwa am Rande des Wienerwaldes im Naturpark Föhrenberge, etwa 75 Meter über dem Ortszentrum von Maria Enzersdorf. Sie ist auf einem äußerst schmalen Felsrücken nördlich des Kalenderberges (auch Liechtenstein bzw. Schlossberg) errichtet, der in Ost-West-Richtung verläuft und aus dunklem (jedoch hell verwitterndem) Gutensteiner Kalk, Reichenhaller Rauhwacke und Steinalmkalk besteht.Benno Plöchinger: Die Ergebnisse der geologischen Neuaufnahme des Anninger-Gebietes (Niederösterreich). In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, Band 122, 1979, S. 432 ().Geologische Bundesanstalt:
Am Südfuße des Burgberges, in einer badenischen Konglomerat-Rinne am Nordostrand des Gaadener Beckens, steht das in späterer Zeit erbaute Schloss Liechtenstein.Peter Aichinger-Rosenberger (Bearb.), Christian Benedik (Beiträge), Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Niederösterreich südlich der Donau. Teil 2: M bis Z. Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs, topographisches Denkmälerinventar. Berger, Horn/Wien 2003, ISBN 3-85028-365-8, S. 1308.
Geschichte Vorgeschichte mini|hochkant|Rauchkogel mit heute künstlicher Ruine Ab dem 11. Jahrhundert lag auf dem Großen Rauchkogel, etwa 600 Meter nordwestlich und 20 Meter höher als die heutige Anlage, eine kleine Holzburg auf einem Erdhügel. Dieser Hügel war von einem Wall sowie einem Graben umschlossen. Nach 1100 wurde die Anlage von den „Herren von Engilschalchesdorf“ (heute: Maria Enzersdorf) ausgebaut. (abgerufen am 11. Juli 2019)
Erbauungszeit Hugo I. von Liechtenstein Im Saalbuch des Stifts Klosterneuburg wird Hugo I. in den Jahren 1120/1130 bis 1143 sechsmal als Zeuge genannt, zudem einmal in jenem des Zisterzienserklosters Zwettl. Unter dem Namen „huc de lihtensteine“ tritt er dabei erstmals 1136 auf.Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein von Jakob v. Falke, S. 16 ff. Dreimal erscheint er als Ministeriale im Gefolge des Babenbergers Leopold IV., der zunächst Markgraf von Österreich und 1139–1141 auch Herzog von Bayern war. Vermutlich ist er identisch mit dem 1114 und 1122 genannten Hugo von Leuisdorf. Schloss Leesdorf liegt etwa 10 km südlich der Burg Liechtenstein bei Baden und war vermutlich sein erstes babenbergisches Lehen. Nahe dem historischen Zentrum von Baden liegt auch das Schloss Weikersdorf, ein weiterer Besitz Hugos, nach dem er ebenfalls einmal benannt wird. Damit lässt sich die Errichtung der Burg Liechtenstein in die Jahre zwischen 1122 und 1136, als Hugo I. sich zum ersten Mal nach ihr benannte, datieren.Der Erbauer der Burg - Hugo von Liechtenstein, Website der Burg Liechtenstein Es handelte sich wohl zunächst nur um einen steinernen Wohnturm mit Burgkapelle, der aber bereits im 12. Jahrhundert zu einer mehrgliedrigen Anlage ausgebaut wurde.
Hugo war einst als freier Gefolgsmann des Markgrafen Diepold III. von Vohburg und Cham (aus dem Hause der Diepoldinger-Rapotonen) nach Österreich gekommen und von diesem mit dem Markt Petronell – an der Donau zwischen Wien und Preßburg, nahe der damaligen Grenze zum Königreich Ungarn – belehnt worden. Dies geht aus einer Urkunde König Konrads III. vom Mai 1142 hervor, worin der König den Markt Petronell, den ihm Diepold als königlicher Lehnsnehmer zuvor zurückgegeben hatte, mit allem Zubehör nunmehr dem bisherigen Unterlehnsnehmer Hugo – ohne Zunamen –, seinem „Getreuen“ (fidelis), als freies Eigen übertrug.Der Erbauer der Burg - Hugo von Liechtenstein, Website der Burg Liechtenstein Zu Petronell gehörte neben der Burg Petronell umfangreicher Grundbesitz, der sich von der Donau bei Petronell bis zur Burg Rohrau an der Leitha im Süden erstreckte. Petronell und Rohrau wurden im Hochmittelalter zu Hauptsitzen der Liechtensteiner.
Markgraf Diepold III. besaß neben Vohburg an der Donau auch die Mark Cham und die Mark Nabburg an der Grenze zu Böhmen und erweiterte dort seine Herrschaft durch Landesausbau im Egerland. Außerdem besaß er Ländereien im Chiemgau und im Herzogtum Schwaben.Geschichte der Familie der Diepoldinger auf GenMa Es ist unbekannt, aus welcher dieser Regionen Hugo stammte. Jedenfalls machte ihn Diepold mit der Belehnung von Petronell zu seinem Dienstmann und vermutlich bald danach erhielt er auch die babenbergischen Lehen Leesdorf und Weikersdorf bei Baden und schließlich das Gebiet um Maria Enzersdorf am Abhang des Wienerwaldes gegen das Wiener Becken, 45 km westlich von Petronell, wo er die Burg Liechtenstein erbaute. Sein damit bewirkter Eintritt auch in die Dienstmannschaft der Babenberger (und somit sein Übertritt vom Edelfreien zum Ministerialen) könnte durch die landesherrliche Genehmigung zum Bau der Burg Liechtenstein erkauft worden sein.Der Erbauer der Burg - Hugo von Liechtenstein, Website der Burg Liechtenstein Die nahe der älteren Burg auf dem Großen Rauchkogel von Hugo errichtete neue Burg dürfte daher auf Grund und Boden gebaut worden sein, den Hugo von den Babenbergern zu Lehen erhalten hatte. Die Burg Mödling, ganz in der Nähe der Burg Liechtenstein, war einst ein wichtiger Stützpunkt der Vohburger in Österreich gewesen, spätestens seit 1114 war sie aber im Besitz der Babenberger. Hinter jenem Hugo von Mödling, der nur einmal um 1140 im Traditionsbuch von Klosterneuburg genannt wird, verbirgt sich wohl ebenfalls der erste Liechtensteiner. Zuletzt wird Hugo aber mit dem Namen Hugo von Petronell erwähnt, da letzteres – anders als die Burg Liechtenstein – inzwischen kein Lehnsbesitz mehr war, der ihn zum Vasallen machte, sondern seit 1142 sein Eigenbesitz. Markgraf Diepold III., sein alter Gefährte und Gönner, starb 1146, im Jahr darauf heiratete seine Tochter den späteren Kaiser Friedrich Barbarossa. Hugo starb 1156.
Die frühe Burg Die Burg bestand anfangs lediglich aus einem steinernen Wohnturm mit anschließender Burgkapelle. Die romanische Kapelle und einige, teilweise stark überarbeitete Mauern der unteren Geschoße sind noch erhalten. Die Burg wurde zunächst nach der hellen Färbung des Felsens („lichter Stein“) Lichtenstein benannt. Nach Errichtung der Burg benannte sich dieser Hugo nach ihr Hugo von Lichtenstein. Somit gilt er als Stammvater des Hauses Liechtenstein, dessen heutige Schreibweise erst später aufkam.
Die Burg Liechtenstein war Teil eines „Festungsgürtels“ aus mehreren Burganlagen, der am Ostrand des Wienerwaldes, der Thermenlinie, verlief, um Angriffe aus dem Osten abzuwehren. Außerdem war es Aufgabe der Burg, die Straße von Wien über Heiligenkreuz ins Triestingtal zu überwachen und zu schützen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg als „haus ze Liechtenstain“ im Jahr 1330. Es ist jedoch nicht gesichert überliefert, ob die Burg damals noch im Besitz der Familie Liechtenstein war. Heinrich von Liechtenstein erhielt am 14. Jänner 1249 von Ottokar II. von Böhmen die Herrschaft Nikolsburg als Lehen. In der Folge verlagerten sich die Interessen der Familie Liechtenstein zunehmend nach Südmähren und in den Grenzraum zwischen Ostarrîchi (Geschichte Niederösterreichs im Mittelalter) und Südmähren. Ihre Stammburg Liechtenstein mit den Ländereien südlich von Wien (Mödling, Weikersdorf, Leesdorf) sowie nahe der ungarischen Grenze an der Donau (Petronell, Rohrau) verloren damit an Bedeutung.
1367 bis 1808 mini|Kupferstich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1672
Ob die Liechtensteiner ihre Stammburg an ihren Landesfürsten verloren oder verkauft haben, ist nicht bekannt. 1330 wird jedenfalls nur der Burggraf, nicht der Burgherr selbst erwähnt. Herzog Albrecht III. dürfte die Burg an die Herren von Walsee übergeben haben. 1267 wurde Ulrich de Pair als Verwalter der Burg genannt. Die Ehe der Dietmut von Liechtenstein-Rohrau mit Leutold von Stadeck könnte nach Dietmuts Tod 1295 zum Erbanfall der Herren von StadeckZeittafel der Burg Liechtenstein (abgerufen am 11. Juli 2019) geführt haben, welche die Burg weiter ausgebaut haben. Die Herren von Stadeck verpfändeten die Burg Liechtenstein und deren Güter 1384 an die Grafen Hermann und Wilhelm von Cilli. Unter Herzog Albrecht IV. wurde die Burg als „erledigtes“ Lehen wieder landesfürstlich. In seinem Auftrag besetzte der Söldnerführer Jan Holuberzi die Burg, heiratete die Witwe des ehemaligen Pflegers und übernahm auch die Pflegschaft.
Um das Jahr 1480 wurde die Burg Liechtenstein durch das Heer des ungarischen Königs Matthias Corvinus beschädigt. 1494 verkaufte Maximilian I. die Herrschaft Liechtenstein an die Brüder Sigmund und Heinrich Prüschenk, übergab sie jedoch schon sechs Jahre später an den ehemaligen Innsbrucker Zeugmeister Bartholomäus Freisleben. 1529 wurde die Burg erstmals durch osmanische Streifscharen im Zuge der ersten Wiener Türkenbelagerung erobert. Das Lehen ging 1533 nach der Belagerung an Georg Freisleben unter der Bedingung, die Burg wieder aufzubauen. Bis 1558 war die Burg in seinem Besitz. Der nächste Besitzer, Andreas Freiherr von Pögl, vereinigte die Herrschaft Liechtenstein mit seiner bisherigen Herrschaft Mödling. Aus einem Brief dieses Besitzers stammt eine Skizze der Burg. Da das Poststück mit dem 29. Dezember 1569 datiert ist, ist es die wohl älteste bekannte Darstellung der Burg. Sie zeigt die Wehrhaftigkeit nach dem Wiederaufbau und der Wiedergestaltung nach der Zerstörung durch die Osmanen im Jahr 1529.
Die beiden Herrschaften Liechtenstein und Mödling gelangten 1584 in den Besitz seines Schwagers Wilhelm von Hofkirchen. 1592 kamen sie in die Pfandleihe von Graf Hans Khevenhüller, Freiherrn zu Aichelberg. Er übergab die Burg und die anderen Güter in die Verwaltung von Georg Wiesing. Dieser errichtete am Fuße des Burgberges einen Gutshof, der auf dem Grundstück des heutigen Schlosses Liechtenstein stand. Die Burg selbst dürfte damals bereits nicht mehr bewohnbar gewesen sein. Beim Einfall der Siebenbürgener Woiwoden unter der Führung von Stefan Bocskay wurde die Burg abermals beschädigt. Notdürftige Renovierungen konnten den weiteren Verfall nicht aufhalten. 1613 gelangte die bisherige Pfandherrschaft in das freie Eigen der Familie Khevenhüller. Trotz ihres ruinösen Zustandes wurde die Burg noch 1683 im Rahmen der zweiten Wiener Türkenbelagerung als „wehrhafter Zufluchtsort“ bezeichnet. Auf dem Stich von Georg Matthäus Vischer aus dem Jahr 1672 ist sie jedoch als weitgehend intakte Burg dargestellt. Die Osmanen zerstörten die Burg bei der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 beinahe endgültig und hinterließen eine Ruine. 1684 erwarb die Familie von Waffenberg die Ruine samt Herrschaft. 1777 gelangte sie in den Besitz von Josef von Penkler. Er führte erste Sicherungsmaßnahmen durch und ließ das Objekt 1779 durch Treppen und Gänge zugänglich machen. 1799 gelangte die Ruine in den Besitz von Stanislaus Fürst von Poniatowski, einem Neffen des letzten polnischen Königs Stanislaus II. August Poniatowski.
mini|Burg Liechtenstein, 1825
Burg im Besitz der Familie Liechtenstein mini|Nordansicht der Burg