Die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland (ROKA, РПЦЗ, kurz: Russisch-Orthodoxe Auslandskirche) ist eine selbstverwaltete Kirche innerhalb des Patriarchats von Moskau. Ihr Sitz ist in New York. Sie hat Diözesen in Westeuropa, Ozeanien, Nord- und Südamerika. Die Kirche wurde von Exilanten nach der Oktoberrevolution gegründet und war von 1927 bis 2007 eine eigenständige Kirche, 2007 fand die Wiedervereinigung mit der Russisch-Orthodoxen Kirche statt.

Geschichte Die Russisch-orthodoxe Kirche im Ausland ist nach der Oktoberrevolution und dem Bürgerkrieg von russisch-orthodoxen Christen außerhalb der Sowjetunion gegründet worden. Sie entstand aus Gemeinden von Flüchtlingen, die Russland wegen der kommunistischen Christenverfolgung verlassen mussten.Vgl. Als in den 1920er Jahren der Kontakt zur Kirchenleitung in Russland selbst abbrach, forderte der damalige Patriarch Tichon in einem Dekret jene Teile der russischen Kirche, die wegen der politischen Situation ohne Verbindung zur kirchlichen Leitung standen, dazu auf, eine eigene oberste kirchliche Verwaltung einzurichten. Seit 1927 verwaltete sich die Russisch-Orthodoxe Auslandskirche selbst.Vgl. Georg Seide: Die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland unter besonderer Berücksichtigung der deutschen Diözese, S. 23 ff.

Aufgabe und Wesen Während der 70-jährigen Geschichte der Sowjetunion versuchte die Russisch-Orthodoxe Kirche im Ausland, das religiöse Erbe der russischen Orthodoxie zu wahren. Auseinandersetzungen mit dem Moskauer Patriarchat betrafen vor allem politische Fragen, da das Moskauer Patriarchat nach Ansicht großer Teile der russischen Diaspora dem sowjetischen Regime zu nahe stand und teilweise vom KGB unterwandert war. Seinerseits betrachtete das Moskauer Patriarchat die russisch-orthodoxe Auslandskirche während ihrer Selbständigkeit als Kirche mit irregulärem Status, gleichzeitig jedoch als Teil der einen Russisch-Orthodoxen Kirche.

Die ROKA ist seit Jahren bemüht, den orthodoxen Glauben auch unter westlichen, nicht-orthodoxen Gläubigen zu verbreiten, wobei westlich-liturgische Formen weiterhin respektiert werden. So ist in den letzten Jahrzehnten eine Art „Orthodoxie mit westlichem Ritus“ entstanden, den einzelne Pfarreien und Klöster angenommen haben. Nachdem die Abtei St. Petroc in Cascades (Tasmanien), einem Vorort von Hobart, 2012 geschlossen wurde,Vgl. OrthodoxWiki: St. Petroc Monastery (Cascades, Tasmania) (Stand: 1. Mai 2015) sowie der Blog (Stand: 1. Mai 2015). ist die Abtei Christ the Savior, die im Juni 2013 von Hamilton (Ontario), Kanada, nach Niagara Falls (New York) umzog,Vgl. Christminster.org (Stand: 1. Mai 2015). das bedeutendste Kloster der ROKA mit westlichem Ritus.

Oberhaupt Die „Oberste Kirchenverwaltung“ wurde vom „Metropoliten der russisch-orthodoxen Auslandskirche“ geleitet und hatte ihren Sitz zuerst in Konstantinopel, dann ab 1921 in Serbien Sremski Karlovci - Metropolit Antonij (Chrapovicki + 1936) sowie Metropolit Anastasij (Gribanovskij) später Belgrad bis 1944, Metropolit Anastasij 1945 in Füssen. Der Bischofssynod 1945-1950 in München, seit 1950 in New York. Von 1964 bis 1985 Metropolit Philaret (Voznesenskij), 1985-2001 Metropolit Vitalij (Ustinov). Von 2001 bis zu dessen Tod am 16. März 2008 wurde die ROKA von ihrem Ersthierarchen Laurus Schkurla geleitet.Der Name Laurus wird vereinzelt auch als Lawr wiedergegeben, vgl. Лавр.

Ersthierarchen Antonius Chrapowizki (1922–1936)Von ihm stammt eine stark antisemitische und anti-freimaurerische Schrift vom 28. August 1932, genannt Hirtenbrief des Konzils der rechtgläubigen Russischen Erzbischöfe im Ausland, Ortsangabe Sremskije Karlowzy, Jugoslawien, Deutsch zugänglich in Hans Krebs Hg.: Die Weltfront. Stimmen zur Judenfrage. Folge 1. Nibelungen, Berlin und Leipzig 1935, sowie online in einer Dokumentation des antisemitischen deutschen Gutachters Ulrich Fleischhauer im Berner Prozess um die Echtheit der Protokolle der Weisen von Zion, genannt „Sachverständigengutachten: Die echten Protokolle …“ S. 439–445. Antonius’ Schrift wird hier als Beweis für die Echtheit der Fälschung herangezogen. Die kompletten Berner Prozessunterlagen im Bezugsartikel zu den „Protokollen“ als Weblink. Fleischhauer Anastasius (Gribanowski) (1936–1964) Philaret (Wosnessenski) (1964–1985) Vitalis (Ustinow) (1986–2001) Laurus (Schkurla) (2001–2008) Hilarion (Kapral) (2008–2022) Nicholas (Olhovsky) (2022–)

Bischofskonzil Beschlüsse von gesamtkirchlicher Bedeutung wurden durch das von allen Bischöfen gebildete Bischofskonzil gefällt.

Diözesen Die Russisch-orthodoxe Auslandskirche umfasste etwa 450 Gemeinden und Eparchien in Nord- und Südamerika, Westeuropa, Großbritannien und Deutschland. Seit 1990 gibt es auch in Russland Gemeinden der Auslandskirche.

Diözese von Ostamerika und New York Diözese von San Francisco und Westamerika Diözese von Chicago und Mittelamerika Diözese von Montreal und Kanada Diözese von Caracas und Südamerika Diözese von Großbritannien und Westeuropa Diözese von Berlin und Deutschland – so der offizielle deutsche Titel – ist die größte Diözese der ROKA und zugleich die älteste orthodoxe Diözese in Deutschland. Sie wird derzeit von Erzbischof Mark Arndt geleitet und umfasst auch Gemeinden in Großbritannien, Dänemark und Österreich.Ausführliche Informationen über die deutsche Diözese auf der Internetseite der Der Sitz dieser im 18. Jahrhundert gegründeten Diözese ist München. Vgl. Additional Information auf der Internetpräsenz der Russisch Orthodoxen Kirche im Ausland. Vikar der deutschen Diözese ist Bischof Hiob Bandmann von Stuttgart. Insgesamt gibt es in Deutschland über 70 aktive russisch-orthodoxe Gemeinden.

Diözese von Sydney, Australien und Neuseeland

Daneben gibt es einen eigenen Bischof für die zurückgekehrten Altgläubigen, da sie zu keiner der Diözesen gehören, sondern eine Art eigene Personaldiözese bilden. Bis 2010 war dies Bischof Daniel von Erie (USA).

Nach dessen Tod übernahm Bischof Johannes (Berzins) von Caracas und Südamerika die Aufgabe der Seelsorge für die Jedinowerzy-Gemeinden.

Bildungseinrichtungen Kleriker werden im 1948 gegründeten Holy Trinity Seminary in Jordanville ausgebildet, welches das einzige russisch-orthodoxe Priesterseminar außerhalb Russlands ist. In einem fünfjährigen Studiengang erwerben sie dort einen theologischen Abschluss. Seit 2001 ist dem Seminar auch die Holy Trinity School als eine Einrichtung für Fernstudien angegliedert. Vgl. https://www.synod.com/synod/engrocor/eneducation.html Die Diözese von Detroit und Mittelamerika verfügt ferner über eine Pastoral School zur Ausbildung von vorwiegend Laienmitarbeitern. Diese Pastoral School bietet ein anerkanntes Fernstudium der orthodoxen Theologie mit dem Schwerpunkt der Pastoraltheologie und -arbeit an. Vgl. http://www.orthodoxtheologicalschool.org/, Kirchliche Schulen, teilweise mit Internat, bestehen in San Francisco, Nyack NY, Toronto, Sydney, Brüssel, Buenos Aires und Bethanien (Israel).

Klöster Zur Russisch-orthodoxen Auslandskirche gehören weltweit einige Klöster.

USA und Kanada Holy Trinity Stavropighial Kloster in Jordanville Stavropighial Konvent der Entschlafung, „Novo Diveevo“, in Nanuet, New York Einsiedelei in Mahopac, New York Heilig-Kreuz-Skite in Wayne (West Virginia) Konvent St. Elisabeth in Mohawk, New York Kloster des Allbarmherzigsten Heilands in Vashon Island, WA Konvent der Geburt der Jungfrau Maria in Wayne, WV Maria-Schutz-Konvent in Bluffton, Kanada

Europa Lesna Konvent der Allheiligen Gottesmutter in Provemont, Frankreich Kloster des heiligen Edward des Märtyrers in England Verkündigungskonvent in London, England

Deutschland Kloster des Heiligen Hiob von Potschajew in München Kloster der Hl. Neumärtyrerin und Großfürstin Elisabeth in Buchendorf bei München, Gauting Benediktinerkloster Mariae Himmelfahrt in Eisbergen / Porta Westfalica, unter dem Omophorion von Metropolit HilarionROCOR Western Rite Geplantes Kloster auf dem Schloss Seyfriedsberg bei ZiemetshausenSeyfriedsberg wird russisch-orthodoxes Kloster. In: Augsburger Allgemeine, erschienen am 18. September 2024, Seite 40.

Jerusalem Ölbergskonvent in Jerusalem Gethsemane-Konvent, Kirche der Heiligen Maria Magdalena

Australien Russisch-Orthodoxer Konvent Unserer Lieben Frau von Kasan, „Novoye Shamarino“ in Kentlyn Skite von der Verklärung des Erlösers in Bombala Kloster des Erzengels Michael in Marrickville, N.S.W. Schwestern der Darstellung des Herrn in Bungarby, N.S.W.

Anderswo Skite des heiligen Chariton in Wadi Fara

Abspaltungen Von der Russischen Orthodoxen Kirche gab es mehrere Abspaltungen

Russische Orthodoxe Kirche im Ausland unter Witali (Ustinow) (ROKA (W), Русская Православная Церковь Заграницей под омофором Метрополита Виталия (Устинова), РПЦЗ (В)), auch Russische Orthodoxe Kirche im Exil (Russian Orthodox Church in Exile), 2001 gegründet, mit Hauptsitz in Mansonville in Kanada, Gläubigen aber hauptsächlich in Russland, der Ukraine, Moldawien, gegründet von Witali Ustinow. (englisch, russisch)Russian Orthodox Church in Exile Orthodoxwiki (englisch)Vitaly (Ustinov) Orthodoxwiki (englisch) Aus dieser gingen mehrere Abspaltungen hervor: Russische Orthodoxe Kirche im Ausland unter dem Metropoliten in Moldawien (ROKA (M)), offiziell Wahre Orthodoxe Kirche Moldawiens, seit 1997, in Moldawien, mit Gemeinden in Birmingham, Paris, Brüssel, erst 2007 offiziell registriert nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten Russische Orthodoxe Kirche im Ausland (Antonius) (ROKA (W-A), Русская православная церковь зарубежная (Антония), РПЦЗ (В-А)), offiziell Russische Orthodoxe Kirche (Российсская Православная Церковь), seit 2006, in Russland, Belarus, Ukraine und anderen Staaten, entstanden nach internen Streitigkeiten um Bischofsbesetzung

Außerdem entstand Russische Orthodoxe Kirche im Ausland unter Arthangelos (Paschkowski) (ROKA (A), Русская Православная Церковь Заграницей под омофором Агафангела (Пашковского), РПЦЗ (А)), 2007 gegründet von Gläubigen, die die Einigung der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland mit dem Patriarchat von Moskau ablehnten

Wiedervereinigung mit Moskauer Patriarchat Seit dem politischen Umbruch Anfang der 1990er Jahre strebte die russisch-orthodoxe Auslandskirche die Wiederherstellung der vollen Kircheneinheit an und führte seit 2003 offizielle Gespräche mit der russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Im Mai 2006 beschloss die Auslandskirche auf ihren IV. Bischofskonzil die Aufhebung der Kirchenspaltung und die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit. Hierbei spielte in der BRD aufgewachsene Erzbischof Mark eine wesentliche Rolle, weil aufseiten der Auslandskirche starke Ressentiments gegen das Moskauer Patriarchat wegen dessen Kollaboration mit dem Sowjetregime vorhanden waren.Vgl. KIRCHE/512: Russische Orthodoxie beendet Spaltung (Herder Korrespondenz) Ein großes Problem war, dass viele Gläubige der Auslandskirche eine offizielle Verurteilung des sog. Sergianismus verlangten, also jener Loyalität des Moskauer Patriarchats dem Sowjetstaat gegenüber (benannt nach Metropolit Sergij Stragorodskij, 1867–1944). Vgl. den Beitrag Vereinigung mit Schönheitsfehlern von Gerd Stricker in der Herder-Korrespondenz Nr. 4/2007.

Die offizielle Wiedervereinigung erfolgte am 17. Mai 2007 in Moskau mit der Unterzeichnung eines „Aktes der kanonischen Gemeinschaft“ durch beide Kirchenoberhäupter.Vgl. den genauen Wortlaut auf der Internetpräsenz der Maria-Obhut-Kirche in Düsseldorf Auf Seiten des Moskauer Patriarchats unterzeichnete Patriarch Alexius II. und für die ROKA unterschrieb Metropolit Lavr (Laurus). Hierdurch unterstellte sich die Russisch-Orthodoxe Auslandskirche der übergeordneten Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats als selbstverwaltete Kirche. Im Hinblick auf ihre administrativen Angelegenheiten bleibt die Auslandskirche dabei weitgehend selbständig.Vgl. Radio Vatican: Russland: Wiedervereinigung unter Orthodoxen.

Positionen