Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft Aktiengesellschaft in München (tritt seit 2009 unter dem Markennamen Munich Re, zuvor Münchener Rück, auf) mit Sitz in München ist eine weltweit agierende deutsche Rückversicherungsgesellschaft. Sie gilt als einer der größten Rückversicherer der Welt. Zur Gesellschaft gehört außerdem die Ergo Group, die das Erstversicherungsgeschäft betreibt.

Die Aktien der Gesellschaft sind an allen deutschen Wertpapierbörsen und im elektronischen Xetra-Handel notiert. Sie sind unter anderem Bestandteil des DAX, DivDAX und des Dow Jones Euro Stoxx 50.

Die Münchener Rück erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 gebuchte Bruttobeiträge von 60,4 Mrd. Euro und einen Konzernüberschuss von 6,1 Mrd. Euro. Von den 43.982 Mitarbeitern des Konzerns arbeiten 24.467 bei der Ergo Group und 16.515 in der Rückversicherung. 850 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen beim Vermögensverwalter MEAG.

Im Dezember 2025 verkündete das Unternehmen seine neue Mehrjahresstrategie Ambition 2030.

Hauptgebäude Das Hauptgebäude in der Königinstraße 107 entstand 1912/13 nach den Entwürfen der Architekten Oswald Eduard Bieber und Wilhelm Hollweck. Der von ionischen Säulen umstellte Eingangshof und die aufwendige Innenausstattung sollen den Anspruch des Unternehmens repräsentieren. Seit 1973 steht das von Jugendstil und Klassizismus geprägte Gebäude unter Denkmalschutz. Seit 2025 bis voraussichtlich 2028 wird es einer umfassenden Renovierung unterzogen. mini|links|Hauptgebäude mit Schmuckhof in der Königinstraße

Geschichte mini|Aktie über 200 RM der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft vom Februar 1929

1880 gründete Carl von Thieme, seit 1870 bayerischer Generalagent der Versicherungsgesellschaft Thuringia, bei der sein Vater als Direktor fungierte, mit Hilfe des Industriellen und Finanziers Theodor von Cramer-Klett und dessen Vertrauten, vor allem Wilhelm von Finck (Teilhaber des Bankhauses Merck Finck & Co) und Hermann Pemsel (seit 1872 Generalbevollmächtigter von Cramer-Klett), sowie der Darmstädter Bank für Handel und Industrie die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft. 1890 folgte die Gründung der Allianz-Versicherungs-Aktiengesellschaft. Carl von Thieme leitete die Gesellschaft bis 1921, Wilhelm von Finck war bis 1924 Vorsitzender des Aufsichtsrates.

Viel Prestige erwarb die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft durch ihr Verhalten beim San-Francisco-Erdbeben von 1906, bei dem sie zunächst zurückhaltend, später sehr kulant die Schäden regulierte.

Während der Zeit des Nationalsozialismus profitierte die Münchener Rück indirekt von der Verfolgung jüdischer Kunden, die gezwungen waren, Lebensversicherungen mit finanziellen Verlusten vorzeitig aufzulösen sowie Immobilien unter Marktwert zu veräußern. Ab 1940 war das Unternehmen zudem über Rückversicherungen an Geschäften der Allianz mit der SS beteiligt: Die betreffenden Verträge versicherten Baracken und Betriebe in sieben Konzentrations- und Vernichtungslagern. Der spätere Vorstandsvorsitzende Kurt Schmitt trat im Jahr 1933 der SS und NSDAP bei und diente zwischenzeitlich als Reichswirtschaftsminister im Kabinett Hitler. Von 1938 bis Kriegsende war Schmitt Vorstandsvorsitzender der Münchener Rück. Mit Alois Alzheimer war ein weiteres Vorstandsmitglied in der NSDAP. Die übrigen vier Vorstandsmitglieder, die zum Zeitpunkt des Kriegsendes amtieren, waren nicht Mitglieder der NSDAP.

In den 1970er Jahren baute Gerhard Berz den Bereich Elementargefahren auf, der später in GeoRisikoForschung umbenannt wurde und den Ruf eines weltweit führenden Instituts auf dem Gebiet der Georisiko-Forschung in der Versicherungswirtschaft erlangte.

Die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft ist seit 2002 Gesellschafter bei der Extremus-Versicherung, einem deutschen Spezialversicherer für Großschäden durch Terrorismus.

Seit 2009 tritt die Münchener Rück unter der Marke „Munich Re“ auf. Der Namensbestandteil „Re“ ist eine Abkürzung des Begriffes „reinsurance“.

Im September 2018 übernahm Münchener Rück das Berliner IoT Sensorik-Startup Relayr für 300 Millionen US-Dollar.

Die Münchener Rück und das Deutsche Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) gaben im Januar 2019 den Erwerb eines Gesellschaftsanteils des DFKI durch die Münchener Rück bekannt. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht.

Im Jahr 2025 zog sich Munich Re aus vier Klimaschutzinitiativen zurück. Als Grund dafür wird die Politik Donald Trumps verantwortlich gemacht. Im April desselben Jahres hatte der Vorstandschef Joachim Wenning die USA unter Trump als Bedrohung für Europa bezeichnet. Im Juli kündigte er seinen Rücktritt zum Jahresende 2025 an.

Konzernüberblick mini|Walking Man vor dem Geschäftsgebäude in der Münchner Leopoldstraße

Die Münchener-Rück-Gruppe ist zum einen in der Rückversicherung und zum anderen mit der Ergo-Gruppe in der Erstversicherung tätig. Darüber hinaus betreut die Munich Ergo Assetmanagement GmbH (MEAG) als Vermögensverwalter einen großen Teil der Kapitalanlagen des Unternehmens sowie Vermögen privater und institutioneller Investoren.

Rückversicherung Die Münchener Rück übernimmt für weltweit rund 4.000 verschiedene Versicherungen Teile des Risikos und berät sie im Versicherungsgeschäft. Neben ihrem Stammsitz in München unterhält die Münchener Rück mehr als 50 Außenstellen. Rückversichert werden unter anderem Lebens-, Kranken-, Haftpflicht-, Unfall-, Kraftfahrt-, Transport/Luftfahrt/Raumfahrt-, Feuer- und technische Versicherungen. Im Jahr 2025 lagen die gebuchten Bruttobeiträge in der Sparte Rückversicherung bei rund 38,7 Mrd. Euro (2016: 31,5 Mrd. Euro). Die Münchener Rück hält 16,27 Prozent Stimmrechtsanteile an der Nürnberger Versicherung.

Teilweise werden firmenintern Erstversicherungsunternehmen der Rückversicherungssparte zugeordnet, dies betrifft insbesondere Spezialversicherer. Diese fallen in den Zuständigkeitsbereich des Anfang 2023 neu eingeführten Vorstandsressorts „Global Specialty Insurance“ (GSI) und umfassen insbesondere die American Modern Insurance Group (AMIG), die Hartford Steam Boiler Inspection and Insurance Company (HSB), Munich Re Specialty Insurance, Munich Re Syndicate und Aerospace und die Great Lakes Insurance (GLISE).

Ergo Group Die Ergo Group bietet als Erstversicherer alle Formen der Lebens- und Krankenversicherung sowie die meisten Formen der Schadens- und Unfallversicherungen an. Die Ergo ist in mehr als 20 Ländern vertreten und betreut rund 35 Mio. Kunden. Zur Ergo Group gehören unter anderem die Versicherungs-Tochtergesellschaften DKV, ERGO Reiseversicherung sowie ERGO Next. Mit gebuchten Bruttobeiträgen von rund 21,7 Milliarden Euro (2016: 17,4 Milliarden Euro) ist die Ergo Group 2025 einer der größten Erstversicherer in Deutschland und Europa.

MEAG 1999 gründeten die Münchener Rück und die Ergo Gruppe den Vermögensverwalter Munich Ergo Assetmanagement GmbH (MEAG). Die MEAG betreut weltweit Vermögen in Höhe von 368 Mrd. Euro (2025).

Aktie und Anteilseigner Das Grundkapital der Gesellschaft ist aufgeteilt in rund 131 Millionen nennwertlose Namensaktien. Der Streubesitz liegt bei 100 %. Die Zahl der im Aktienregister eingetragenen Aktionäre beträgt 366.000 (Stand: 31. Dezember 2025). Private Anleger halten 24,1 % am Grundkapital und institutionelle Anleger 75,9 %. Nach einer Verdopplung des Anteils privater Anleger innerhalb von zehn Jahren seit 2010 (10,5 %), stabilisierte sich deren Anteil bei über 20 %.

Die Aktionärsstruktur setzt sich wie folgt zusammen: AnteilAnteilseigner (Stand: 29.06.2026) 8,21 % BlackRock 3,87 % Goldman Sachs3,05 %Amundi3,05 %The Capital Group3,05 %J.P. Morgan78,77 %Übriger Streubesitz

Die Aktionäre befinden sich hauptsächlich in Deutschland (44,2 %), dem Rest Kontinental-Europas (19,9 %), Nordamerika (18,5 %) und Großbritannien (16,5 %).

Dividendenpolitik Die Münchener Rück zählt zu den zuverlässigsten Dividenden-Zahlern unter den in Deutschland börsennotierten Unternehmen. Die Gesellschaft gibt an, die Dividende jährlich steigern zu wollen, sie zumindest aber auf der Höhe des Vorjahres zu halten. Tatsächlich hat die Münchener Rück seit 1970 keine Kürzung der Ausschüttung vorgenommen oder diese ausgesetzt. Selbst in Jahren mit Gewinnrückgängen wurde die Dividende im Vergleich zum Vorjahr konstant gehalten. In den vergangenen zehn Jahren wurde die Ausschüttung acht Mal angehoben und zwei Mal konstant gehalten. Aufgrund der über die Jahre konstant überdurchschnittlich hohen Dividendenrendite ist die Aktie der Münchener Rück seit September 2005 bis heute ununterbrochen im DivDAX vertreten.

Geschäftszahlen für den Konzern + Wichtige Kennzahlen (nach IFRS) Jahr 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 202320242025 Gebuchte Bruttobeiträge (Mrd. Euro) 38,2 37,4 37,3 37,8 41,4 45,5 49,6 52,0 51,1 48,8 50,4 48,9 49,1 49,1 51,5 54,9 59,6 67,1 57,960,860,4 Operatives Ergebnis (Mio. Euro) 4.156 5.877 5.573 3.834 4.721 3.978 1.180 5.350 4.409 4.027 4.819 4.025 1.241 3.725 3.430 1.986 3.517 3.582 5.7027.9988.876 Ertragsteuern (Mio. Euro) 1.014 1.648 801 1.372 1.264 692 552 −878 −108 312 −476 −760 298 −576 −483 −269 −552 −580 −936 -2.100 -2.507 Konzernergebnis (Mio. Euro) 2.751 3.519 3.923 1.579 2.564 2.430 712 3.211 3.342 3.171 3.122 2.581 392 2.275 2.707 1.211 2.932 3.419 4.5975.6906.121 Kapitalanlagen (Mrd. Euro) 177,2 176,9 176,2 174,9 182,2 193,1 201,7 213,8 209,5 218,9 215,1 219,4 217,6 216,9 228,8 233,0 240,3 219,8 218,5230,7222,7Versicherungstechnische Rückstellungen (Mrd. Euro) 154,0 153,9 152,4 157,2 163,9 171,1 181,2 186,1 187,7 198,4 198,5 202,2 205,8 208,3 217,9 221,5 234,0 232,5 72,476,473,5 Eigenkapital (Mrd. Euro) 24,3 26,3 25,3 21,1 22,3 23,0 23,3 27,4 26,2 30,3 31,0 31,8 28,2 26,5 30,6 30,0 30,9 21,2 29,833,033,0 Eigenkapitalrendite (%) 12,5 14,1 15,3 7,0 11,8 10,4 3,3 12,6 12,5 11,3 10,0 8,1 1,3 8,4 11,7 5,3 12,6 13,5 15,818,218,3 Mitarbeiter am 31. Dezember (Anzahl) 37.953 37.210 38.634 44.209 47.249 46.915 47.206 45.437 44.665 43.316 43.554 43.428 42.410 41.410 39.662 39.642 39.281 41.389 42.81243.58443.982 Dividende (Euro je Aktie) 3,10 4,50 5,50 5,50 5,75 6,25 6,25 7,00 7,25 7,75 8,25 8,60 8,60 9,25 9,80 9,80 11,00 11,60 15,0020,0024,00

Generaldirektoren/Vorstandsvorsitzende Amtszeit Name 1880–1922 Carl von Thieme 1922–1938 Wilhelm Kißkalt 1938–1945 Kurt Schmitt 1945–1950 Eberhard Reininghaus 1950–1969 Alois Alzheimer 1969–1993 Horst Jannott 1993–2004 Hans-Jürgen Schinzler 2004–2017 Nikolaus von Bomhard 2017–2025 Joachim Wenning 2026– Christoph Jurecka

Munich Re Art Collection Die Geschichte der Munich Re Art Collection beginnt mit der Firmengründung durch Carl von Thieme, der für die Ausgestaltung des 1912/13 neu errichteten Unternehmenssitzes an der Königinstraße in München Künstler wie Reinhold Max Eichler und Fritz Erler beauftragte. Die von Beginn an auf zeitgenössische Kunst ausgerichtete Sammlung wurde im Lauf der Jahrzehnte sukzessive mit Werken bedeutender Künstler erweitert. Dazu gehören beispielsweise Werke von Rudolf Belling, Barbara Hepworth, Rupprecht Geiger („Konkav gerundet“, 1973), Norbert Kricke und Joseph Beuys.

Ab Mitte der 1990er-Jahre wurde die Sammlungstätigkeit intensiviert. Seit 1995 steht der Walking Man von Jonathan Borofsky vor einem Geschäftsgebäude der Münchener Rück an der Leopoldstraße. Er ist mittlerweile zu einem Wahrzeichen Münchens geworden. Im öffentlichen Raum finden sich aus der Munich Re Art Collection auch Skulpturen und Installationen von Künstlern wie Ólafur Elíasson und Roxy Paine.

Für das weitverzweigte Netz aus unterirdischen Passagen, welche die Gebäude des Unternehmens in München-Schwabing miteinander verbinden, haben Künstler wie Angela Bulloch und Keith Sonnier Lichtinstallationen entworfen.