mini|Hitlergruß der Reichstagsabgeordneten in der Krolloper in Berlin, 1941
Der Hitlergruß, offiziellDeutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hrsg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion Mainz vom 23. Februar 1935, Nr. 9. Bekanntmachung Nr. 94, S. 35. und im nationalsozialistischen Sprachgebrauch auch als Deutscher Gruß bezeichnet, war in der Zeit des Nationalsozialismus die übliche Grußform. Übernommen vom Saluto romano des Italienischen Faschismus wurde er Ausdruck des nationalsozialistischen Personenkults um Adolf Hitler. Es handelte sich zunächst um den Gruß der NSDAP-Mitglieder, der nach der Machtergreifung 1933 zum offiziellen Gruß aller „Volksgenossen“ wurde.
Beim Hitlergruß wurde der rechte Arm mit flacher Hand auf Augenhöhe schräg nach oben gestreckt. Dazu wurden meist die Worte „Heil Hitler“ oder „Sieg Heil“ gesprochen. Wenn der Gruß Adolf Hitler persönlich entboten wurde, lautete die Grußformel „Heil mein Führer“ in Anlehnung an die Anrede „Mein Führer“. In schriftlicher Form wurden beispielsweise die Worte „Heil Hitler“ unter einen Brief gesetzt.
In Deutschland und Österreich ist das Zeigen des Hitlergrußes verboten.
Ursprünge Der „Heil“-Ruf wurde bereits im Kaiserreich und in Österreich-Ungarn unter Großdeutschen benutzt. Während der Weimarer Republik verwandten verschiedene politische Lager den „Heil“-Ruf als politischen Gruß, in Formen wie „Frei Heil“ (Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold), „Heil Brüning“ (Zentrum), „Treu Heil“ (Sturmschar), „Heil Hugenberg“ (DNVP) usw. mini|Einwohner von Eger im Oktober 1938 beim Einrücken der Wehrmacht mini|Deutsche Christen bei der Nationalsynode in Wittenberg, September 1933 mini|Heil Hitler! als Schlussformel eines amtlichen, maschinschriftlichen Briefs der ADERSt, Zweigstelle Meran, von 1942
Der Hitlergruß war ab etwa 1925 die übliche Grußform in den nationalsozialistischen Kreisen des Deutschen Reiches. Der früheste Nachweis ist ein Münchner Polizeibericht vom 28. April 1926, in dem irrig aber noch das Ballen der Faust als Teil der Geste beschrieben wird. Hitler und die NSDAP hatten ihn um 1926 von Benito Mussolinis Saluto romano (Römischer Gruß) übernommen,Tilman Allert: Der deutsche Gruß. Geschichte einer unheilvollen Geste. Fischer, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-596-29604-0, Kapitel 5 dessen Schwarzhemden diese Geste um 1919 von der irrenditistischen Freischärlergruppe der Arditi unter Gabriele D’Annunzio kopiert hatten. D’Annunzio wiederum soll sie aus zeitgenössischen Antik- und Sandalenfilmen für Zwecke der politischen Propaganda adaptiert haben.Il falso mito del „saluto romano“. archeome.it, 24. September 2020, abgerufen am 6. August 2022 Zeitgleich wurde in den Vereinigten Staaten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts der identische Bellamy-Gruß praktiziert. Auch die französische Militärsportschule Joinville pflegte eine identische Grußform, die als Olympischer Gruß weitere Verbreitung erfuhr.Karl Lennartz: Olympischer oder Faschistengruß? Einige Aspekte zur Geschichte des Einmarsches der Nationen bei den Olympischen Spielen zwischen den beiden Weltkriegen. In: Olympisch bewegt: Festschrift zum 60. Geburtstag von Prof. Dr. Manfred Lämmer. Köln 2003, S. 177–194 (Zusammenfassung)
1926 wurde der Hitlergruß parteioffiziell befohlen. Hitlers Sekretär Rudolf Heß rechtfertigte dies im Juni 1928 in der Zeitschrift Der S.A.-Mann: Es handele sich keineswegs um eine Übernahme aus dem italienischen Faschismus. Vielmehr sei er in der NSDAP bereits seit 1921 üblich gewesen. Und selbst wenn es eine Übernahme wäre, sei das nicht weiter schlimm, da der Bolschewismus und die Freimaurerei ja ebenfalls ihre Symbole und Erkennungszeichen hätten.Albrecht Tyrell (Hrsg.): Führer befiehl … Selbstzeugnisse aus der „Kampfzeit“ der NSDAP. Grondrom Verlag, Bindlach 1991, S. 129 f.
Hitler hatte den Gruß aber auch aus seiner österreichischen Heimat mitgebracht, wo „Heil“ als Gruß unter Freunden verwendet wurde – und in den westlichen Landesteilen noch heute verwendet wird –, so wie in Bayern das „Servus“. Allerdings war der „Heil“-Ruf und dessen Bezeichnung „Deutscher Gruß“ schon früh in der DAP sowie in vielen anderen „völkischen“ Gruppen verbreitet gewesen. Zudem sollte vermieden werden, dass darin nicht geschulte Gefolgsleute den militärischen Gruß (Hand mit abgewinkeltem Arm an die Schläfe) nicht korrekt ausführten. Hitler war auch ein begeisterter Anhänger von Richard Wagner, in dessen Oper Lohengrin der erste Auftritt des Titelhelden mit folgenden Worten beginnt:
Hitler kannte das Libretto des Lohengrin auswendig und er kannte sowohl diese Oper als auch den Rienzi, die „Oper voller ‚Heil‘-Rufe“, aus seinen Linzer Jugendjahren.Manfred Ach: Das Nekrodil. Wie Hitler wurde, was er war. 2010.
Rudolf von Sebottendorf reklamierte, dass das „Sieg Heil!“ von „Heil und Sieg!“ abstamme. Dieser Ausspruch wurde unter Mitgliedern der Thule-Gesellschaft in den 1920er Jahren geprägt und seiner Ansicht nach von Hitler in verkürzter Form übernommen.
Für Hitler und den Reichsführer SS Heinrich Himmler war es angeblich nicht unbedeutend, dass sich der Gruß auf „altgermanische“ Vorformen zurückführen ließ: Hitler soll geäußert haben, er betrachte ihn als Demonstration der Waffenlosigkeit, während Himmler ihn als Variante der Schwurgeste mit emporgehobenem Speer angesehen habe.
Zeit des Nationalsozialismus In der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 war der Hitlergruß als Deutscher Gruß im ganzen Deutschen Reich verbreitet. Durch die häufige Verwendung schliff sich die Grußformel bisweilen auf ein knappes „Hitler“ sowie auch „Hei-tler“ ab.
mini|Infobrief von 1935
Während dieser Zeit war der nationalsozialistische Kampfgruß („Heil Hitler“, „Sieg Heil“ oder einfach nur „Heil!“) verbindlich vorgeschrieben und wurde im täglichen öffentlichen Leben von jedem „Volksgenossen“ erwartet, als ein tagtäglich wiederholtes aktives Bekenntnis zum Nationalsozialismus.Klaus Gotto, Hans Günter Hockerts, Konrad Repgen: Nationalsozialistische Herausforderung und kirchliche Antwort. Eine Bilanz. In: Klaus Gotto, Konrad Repgen (Hrsg.): Die Katholiken und das Dritte Reich. 3. Auflage. Mainz 1990, S. 173–190, hier S. 174. Damit wurde die Ausrichtung des Deutschen Reiches als Führerstaat verdeutlicht. Die Nichterwiderung des Hitlergrußes konnte zu erheblichem Ärger führen und wurde in den letzten Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft sogar bestraft. Aus dem Gebrauch oder Nichtgebrauch dieses Grußes wurden Rückschlüsse auf Stimmung und Haltung in der Bevölkerung gezogen. So schrieb z. B. Victor Klemperer am 9. Juni 1941 in sein Tagebuch: „Die Stimmung ist sehr schlecht. Die Arbeiter drehen ab. Sie sagten früher ‚Heil Hitler‘, jetzt sagen sie ‚Guten Tag‘.“ Und am 2. September 1941: „Man zählt, wie viele Leute in den Geschäften ‚Heil Hitler‘, wie viele ‚Guten Tag‘ sagen. Das ‚Guten Tag‘ soll zunehmen.“Victor Klemperer: Tagebücher 1940–1941. 2. Auflage. Aufbau, Berlin 1999, S. 93, 157.
Während der Karnevalstage sollte die Verwendung des Hitlergrußes möglichst unterbleiben, um ihn vor „Herabwürdigung“ zu bewahren. Gemäß dem ehemaligen bayerischen NS-Innenminister Hermann Esser sollte stattdessen zur Begrüßung die rechte Hand ans Herz gelegt werden.
mini|hochkant|Aufruf des Gauleiters Fritz Sauckel zum Hitlergruß als Zeichen der Dankbarkeit, um 1934
An die Art des Grüßens konnten Verdächtigungen anknüpfen. So ermittelte die Gestapo gegen den in Österreich tätigen evangelischen Pfarrer Max Monsky, als gegen ihn eine anonyme Anzeige eingegangen war. Der am Ort des Geschehens zuständige Senior wurde brieflich gefragt: „Ist Ihnen in der Art, wie Pf. Monsky den Deutschen Gruß grüßte, seine Absicht, diesen Gruß zu verspotten oder zu verhöhnen, aufgefallen? Oder haben Sie bemerkt, daß andre Zuhörer eine verhöhnende Absicht erkannten?“Zitiert nach Gustav Reingrabner, Karl Schwarz (Hrsg.): Quellentexte zur österreichischen evangelischen Kirchengeschichte zwischen 1918 und 1945. Wien 1989 (= Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich 104/105, 1988/89), S. 387.
Aufmerksamkeit erlangte das „Heil Hitler!“, mit dem Kardinal Theodor Innitzer seinen den Anschluss Österreichs befürwortenden Text schloss. Es wurde im ganzen Deutschen Reich plakatiert.Franz Graf-Stuhlhofer: Der Gau-Akt über Kardinal Theodor Innitzer. Einblicke in Konflikte und Stimmungslage während des 2. Weltkriegs. In: Österreich in Geschichte und Literatur 55, 2011, S. 148–156.
Im behördlichen Schriftwechsel wurde oft auf jeden Schlussgruß verzichtet. Diese Möglichkeit und die anderen beiden Möglichkeiten („Heil Hitler!“, traditioneller Schlussgruß wie „Hochachtungsvoll“) kamen häufig vor, wie sich bei einer Untersuchung von etwa 2200 Briefen von und an die Akademie der Wissenschaften in Wien zeigte. Die Umschreibung durch „Mit deutschem Gruß“ war daneben eher selten.Franz Graf-Stuhlhofer: „Heil Hitler!“ am Schluß von Briefen. Beobachtungen am Schriftverkehr der Wiener Akademie der Wissenschaften. In: Österreich in Geschichte und Literatur 40, 1996, S. 125–128.
Die nationalsozialistische Filmpolitik vermied den Gebrauch des Grußes in Unterhaltungsfilmen. Eine Ausnahme ist die Komödie Der Gasmann von 1941, als sich der von Heinz Rühmann gespielte Gaskassierer von einer Dame, die ihre Gasrechnung nicht zahlen will, ironisch mit „Na dann – Heil Hitler!“ verabschiedet.Florian Odenwald: Der nazistische Kampf gegen das ›Undeutsche‹ in Theater und Film 1920–1945. Herbert Utz, München 2006, S. 333.
Reichswehr und Wehrmacht In Reichswehr und später Wehrmacht wurde der „Deutsche Gruß“ lange nicht als universell verpflichtend eingeführt, sondern war anfangs für uniformierte Soldaten verboten und es wurde stattdessen am traditionellen militärischen Gruß als vorgeschriebener Grußform festgehalten. Allerdings galt dies keineswegs exklusiv. Bereits am 19. September 1933 schrieb ein Erlass des Reichswehrministeriums vor, dass der „Deutsche Gruß“ von Soldaten auszuführen sei, wann immer die Nationalhymne oder das Horst-Wessel-Lied gespielt werde, außerdem bei allen Grußerbietungen an zivile Angehörige der Regierung und Verwaltung. Dieser Erlass schrieb für alle anderen Situationen noch ausdrücklich die „alten militärischen Grußformen“ unabhängig von Bekleidung und Kopfbedeckung des grüßenden Soldaten vor.Tilmann Allert: Der Deutsche Gruß. Geschichte einer unheilvollen Geste. Berlin 2005, S. 115, Anm. 45. Nach bestehendem Reichswehrgebrauch wurde jedoch ohne Kopfbedeckung nur durch Kopfwenden gegrüßt – die „alten militärischen Grußformen“ sahen hier also keine Handbewegung vor. So etablierte sich spätestens in der Wehrmacht ab 1935 die Unterscheidung, dass mit Kopfbedeckung traditionell-militärisch durch Handanlegen an die Kopfbedeckung, ohne Kopfbedeckung jedoch „deutsch“ mit gestrecktem Arm zu grüßen sei, sodass der Hitlergruß bereits zu dieser Zeit faktisch in vielen Situationen Vorschrift war.
Nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde der Hitlergruß für alle Teile der Wehrmacht als jederzeit einzig zulässiger Gruß angeordnet, vermutlich um damit eindringlich deren Loyalität zu Hitler einzufordern.
Noch nach Hitlers Tod forderte Generaloberst Georg Lindemann, Wehrmachtbefehlshaber in Dänemark, für seine Truppen die Beibehaltung des Hitlergrußes, allerdings vergeblich.Ian Kershaw: The End. London 2011, ISBN 978-0-14-101421-0, S. 367. (Kershaw bezeichnet Lindemann als Oberbefehlshaber in Norwegen.) Am 8. Mai 1945 untersagte schließlich Reichspräsident Karl Dönitz den Hitlergruß in der Wehrmacht.
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