alt=Foto Bernhard Lang (2007)|mini|Bernhard Lang (2007)

Bernhard Lang (* 24. Februar 1957 in Linz) ist ein österreichischer Komponist,Alexander Rausch, Johanna Kohler: Lang, Bernhard. In: Oesterreichisches Musiklexikon online; abgerufen am 30. August 2021. Improvisator und Programmierer musikalischer Patches und Applikationen. Er arbeitet im Bereich der modernen zeitgenössischen Musik.

Biographie Bernhard Lang studierte von 1972 bis 1975 Musik am Brucknerkonservatorium in Linz.Biografie Bernhard Lang. Musikdatenbank von mica – music austria, 6. April 2021; abgerufen am 30. August 2021. Ab 1975 studierte er in Graz Philosophie und Germanistik, Jazztheorie bei Dieter Glawischnig, Klavier bei Harry Neuwirth, Kontrapunkt bei Hermann Markus Preßl sowie Harmonielehre und Komposition bei Andrzej Dobrowolski. Während des Studiums arbeitete er von 1977 bis 1981 als Komponist, Arrangeur und Pianist mit diversen Jazzgruppen. Am Institut für Elektronische Musik (IEM) der Musikhochschule Graz begann seine Auseinandersetzung mit Elektronischer Musik und Computertechnologie. Von 1984 bis 1989 war Lang Lehrbeauftragter am Grazer Johann-Joseph-Fux-Konservatorium und setzte sein Studium bei Georg Friedrich Haas und Gösta Neuwirth fort.

1987 gründete Lang zusammen mit Gerhard Präsent und Jörg-Martin Willnauer die KomponistInnenvereinigung „die andere saite“. Er entwickelte (zu Beginn unterstützt von Winfried Ritsch) die Software CADMUS in C++ (Entwicklungsumgebung für computergestützte Komposition). Ab 1989 lehrte er an der Musikhochschule Graz Tonsatz und Harmonielehre. 1999 zog er als freischaffender Komponist nach Wien. Von 2003 bis 2022 unterrichtete er als außerordentlicher Professor für Komposition erneut in Graz.

Lang gründete 1999 gemeinsam mit Peter Ablinger, Klaus Lang, Nader Mashayekhi und Siegwald Ganglmair den Verlag für Musik „Zeitvertrieb“.

2004–2005 war Lang Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg, 2006 zentraler Komponist bei Wien Modern. Im Juni 2007 folgte ein Arbeitsaufenthalt im Künstleratelier Thomas Bernhard Archiv in Gmunden. 2007–2008 war er Composer in Residence des Theater Basel, 2008–2009 Capell-Compositeur der Sächsischen Staatskapelle Dresden und 2013–2014 Gastdozent für Komposition in Luzern.

Langs Werke wurden auf zahlreichen Festivals aufgeführt, zum Beispiel beim Moskau Alternativa Festival, Moskau Modern, resistance fluctuations Los Angeles 1998, Tage Absoluter Musik Allentsteig I und II, Klangarten, Herbstfestival Lissabon 1998, Steirischer Herbst Graz, Wien Modern, Münchner Opernfestspiele, Darmstädter Ferienkurse, Donaueschinger Musiktage, Salzburger Festspiele, Disturbances – Musiktheaterworkshop Kopenhagen 2003, Moving Sounds Festival New York 2010, Wittener Tage für Neue Kammermusik, ImPulsTanz Wien, MaerzMusik Berlin, Warschauer Herbst, Contempuls Prag, Eclat Stuttgart, Suntory Hall Summer Festival Tokyo, ManiFeste Festival Paris, und Ostrava Days. Seit 2016 verlegt Ricordi Berlin den gesamten Werkkatalog von Bernhard Lang. Seine Werke wurden auf zahlreichen CDs und LPs veröffentlicht, v. a. auf Kairos und GODrec.

Nach einer im Jahr 2017 von der italienischen Musikzeitschrift Classic Voice initiierten Bewertung durch mehr als 100 Experten für zeitgenössische Musik gehört Bernhard Lang zu den zehn wichtigsten lebenden Komponisten.

Er ist Ehrenmitglied des Klangforum Wien und seit 2014 Mitglied der Akademie der Künste Berlin.

Langs Oper Hiob am Stadttheater Klagenfurt (Regie Michael Sturminger) wurde beim Österreichischen Musiktheaterpreis 2024 als beste Erst-/Uraufführung ausgezeichnet.

Die Oper Dora an der Staatsoper Stuttgart (Libretto Frank Witzel) wurde bei der internationalen Kritikerumfrage der Opernwelt zur "Uraufführung des Jahres" 2024 gewählt.Wege ins Freie. Was bleibt von 2023/24? Abgerufen am 27. September 2024.

Stil und künstlerische Bewertung Langs Werk geht über das akustisch Erklingende hinaus, denn ebenso relevant wie das musikalische Resultat ist die Bedeutung, mit der der Komponist sein Schaffen auflädt. Zusätzlich zu den musikspezifischen Fächern wie Klavier und Komposition studierte Lang auch Philosophie und so bilden philosophische Überlegungen oft den Grundstein für musikalische Werke. Zudem ist der Komponist bekannt für seine groß angelegten Zyklen.

Langs Musik zieht ihre Anregungen aus den unterschiedlichsten Genres: Europäische Avantgarde des 20. Jahrhunderts, historische Europäische Kunstmusik, Jazz, Free Jazz, Rock, Punk, Techno, EDM (Elektronische Tanzmusik), Electronica, Elektronische Musik und Computergenerierte Musik. Seine Werke reichen von Solostücken und kleinen Kammermusikbesetzungen über Chorwerke bis hin zu großen Ensemblestücken, Orchester- und Musiktheaterwerken. Daneben komponierte Lang Musik für Theater, Tanz, Film und Klanginstallationen.

Lang erlangte Bekanntheit durch die Beschäftigung mit dem Phänomen der „Wiederholung“, im Werkzyklus „Differenz/Wiederholung“ (DW), basierend auf der philosophischen Arbeit Gilles Deleuzes, wobei er die reproduzierende und DJ-Kultur beleuchtet und hinterfragt. Soziokulturelle und gesellschaftskritische Fragen („Das Theater der Wiederholungen“, 2003) werden dabei ebenso berührt wie dem Musizieren und der Musikkultur innewohnende Probleme („I hate Mozart“, 2006).

Ein weiteres Betätigungsfeld ist das „Recyclen“ historischer Musiken, die Lang im Rahmen des Werkzyklus Monadologie mittels computergenerierter Verfahren Filter- und Mutationsprozessen unterzieht. In diesen Meta-Kompositionen hat Lang historisches Ausgangsmaterial von Purcell, Beethoven, Bruckner, Wagner u. a. „zellular“ auseinandergenommen und in raumgreifenden Loops und harten Schnitten gefiltert, modifiziert und neu geschichtet.

In der seit 2016 entwickelten GAME-Serie haben die Stücke haben keine durchgehende Partitur mehr, sondern bestehen aus einer Sammlung von Spielregeln, aus der die MusikerInnen Auswahlentscheidungen treffen können. Die Stücke verändern sich mit jeder Aufführung, wobei das Loop-Prinzip weiterverwendet wird.

Sein Instrumentarium umfasst neben dem Ensemble klassischer europäischer Instrumente deren verstärkte und elektrifizierte Pendants (z. B. elektrische Viola) sowie gegeneinander mikrotonal verstimmte Ensemblegruppen. Lang setzt analoge und digitale Synthesizer, Keyboards und Rock-Instrumente ein (E-Gitarre, E-Bass, Drumset), Plattenspieler (als wegweisende Geräte der Reproduktionskultur), Rapper, arabische Sänger, Sprecher und Live-Elektronik (vorwiegend der selbst programmierte „Loop-Generator“).

Auszeichnungen 1986: Musikförderpreis der Stadt Graz 1988: 1. Preis beim Alpe-Adria-Kompositionswettbewerb 1988: Förderungspreis des Musikprotokolls, Graz 1989: Würdigungspreis des Bundesministers für Wissenschaft und Forschung Österreich 2001: Andrej-Dobrowolski-Preis des Landes Steiermark (PDF; 248 KB) 2001: Anton-Bruckner-Stipendium des Landes Oberösterreich 2004/2005: Stipendiat des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg 2005: Niederösterreichischer Kulturpreis (Anerkennungspreis)Kulturpreise des Landes Niederösterreich 2005. ots.at, APA-Meldung, 24. November 2005; abgerufen am 28. November 2015. 2008/2009: Capell-Compositeur der Sächsischen Staatskapelle Dresden 2008: Preis der Stadt Wien für Musik 2009: Erste-Bank-KompositionspreisErste Bank KompositionspreisträgerInnen seit 1989. sponsoring.erstebank.at; abgerufen am 30. August 2021. 2019: Österreichischer Kunstpreis für Musik

Musikwerke (Auswahl) Musiktheater Versuch über Drei Traumkongruenzen von Günther Freitag für einen Schauspieler, eine Sängerin, einen Cellisten und Live-Elektronik. UA Forum Stadtpark Graz 1990 Das Theater der Wiederholungen. Musiktheater. UA Steirischer Herbst, Graz, Helmut-List-Halle 2003 esc#5 Impostors. Musiktheater für 5 Stimmen und verstärktes Ensemble nach einem Text von Jonathan Safran Foer. UA Deutsche Oper Berlin 2005 Schachoper, Konzept Zenita Komad. UA Kunsthalle Wien 2005 Odio Mozart/I hate Mozart. Musiktheater, Libretto Michael Sturminger. UA Wiener Mozartjahr 2006, Theater an der Wien Der Alte vom Berge. Musiktheater für 6 Stimmen und verstärktes Ensemble, UA Schwetzinger Festspiele 2007 Haydn bricht auf: Sieben Tage die die Welt verändern. UA vom Kabinetttheater am Theater an der Wien 2009 Montezuma – Fallender Adler. Musiktheater in drei Abschnitten nach dem gleichnamigen Text von Christian Loidl – ergänzt, kompiliert und erweitert von Peter Leisch – für 6 Stimmen, Chor, Jazz-Combo, Turntables, Ensemble und Zuspielung. Auftrag der Kulturhauptstadt Linz09, UA am Nationaltheater Mannheim 2010 Monadologie XXIV „The Stoned Guest“. Kurzoper für 3 Stimmen, Flöte, Klarinette, Cello, Akkordeon, Percussion. UA sirene Operntheater, Palais Kabelwerk Wien 2013 Re:igen. Musiktheater für 23 Instrumente nach einem Libretto von Michael Sturminger, basierend auf Arthur Schnitzlers Reigen. UA Schwetzinger Festspiele 2014 Sisyphos-Fragmente. Musiktheater für 60 Sirenen. UA sirene Operntheater zur 650-Jahr-Feier der Universität Wien 2015 Der Golem nach Gustav Meyrink. Musiktheater für Großes Orchester, Chor und Stimmen. UA Nationaltheater Mannheim 2016 ParZeFool. Der Tumbe Thor. Musiktheater für Stimmen, Chor, Ensemble und 2 Jazz-MusikerInnen nach Richard Wagners Parsifal. UA bei den Wiener Festwochen am Theater an der Wien 2017 Cheap Opera #1 „Répétitions“. Libretto von Bernhard Lang nach Texten Europäischer Rechtspolitiker (1926–2018). UA Villa Elisabeth Berlin 2019 Der Hetzer. Musiktheater nach Verdis Otello für Stimmen, Großes Orchester und Chor, mit 4 Rap-Interventionen. UA am Theater Dortmund 2021 Cheap Opera #2‚ Playing Trump‘. Musiktheater nach einem Libretto von Dieter Sperl. UA Staatsoper Hamburg 2021 Cheap Opera #3 für 6 Stimmen, Bassklarinette, Video und Live-Elektronik. UA Donaueschinger Musiktage 2022 The End of Creation. Musiktheater – Überschreibung von Haydns Schöpfung – nach Texten von Lord Byron und Jean Paul in einer Libretto-Fassung von André Bücker. UA am Staatstheater Augsburg 2022 Hiob. Oper nach einem Libretto von Michael Sturminger, basierend auf dem Roman Hiob von Joseph Roth und der Theaterfassung von Koen Tachelet. UA am Stadttheater Klagenfurt 2023 Dora. Oper in fünf Akten nach einem Libretto von Frank Witzel. Auftragskomposition der Staatsoper Stuttgart Brünnhilde Brennt. Musiktheater nach einem Libretto von Michael Sturminger. Auftrag der Bayreuther Festspiele und der Oper Dortmund, konzertante UA Bayreuth 2026

Orchestermusik Kohelet für Chor, Orchester und Solisten, UA Belgrad 1988 La Bas à S. für tiefes Orchester, zwei solistische Tenorsaxophone und Solo-Viola, UA Graz 1993 Felder für Streichorchester, UA Konzerthaus Wien 1994 Hommage à Martin Arnold 2 für großes Orchester, UA Grazer Musikverein 1997 DW 7 für Großes Orchester und Loop-Generator, UA Donaueschingen 2002 DW 17 Doubles/Schatten II für E-Viola, E-Cello und Sourroundorchester, UA Donaueschingen 2005 Monadology II: A New Don Quichotte, Auftragswerk der Sächsischen Staatskapelle Dresden (2008) Monadologie I für E-Zither und Grosses Orchester, Kompositionsauftrag der Musica Viva München, UA 2008 Monadologie XXIII „…For Stanley K.“ für Grosses Orchester, Auftrag des RSO für Wien Modern (2013) Monadologie XIII „The Saucy Maid“ für 2 Orchestergruppen im Vierteltonabstand (nach Anton Bruckners Linzer Sinfonie (Das kecke Beserl)) Kompositionsauftrag der Donaueschinger Musiktage 2013 DW 28 „Loops for Davis“ für Bassklarinette, Sampler und Orchester, UA Donaueschinger Musiktage 2017 Monadologie XXXIV „… for Ludvik“, für Orchester und Klavier, UA Beethovenfest Bonn 2018 Monadologie XXXIX für Violine und Orchester, Auftrag der musica viva, UA München 2020 GAME 18 "Radio Loops" für Großes Orchester und Live-Elektronik, nach Pausenzeichen des BR. Kompositionsauftrag der musica viva, UA München 2024 GAME XXII for Three Orchestras, dedicated to Petr Kotík. UA Ostrava August 2025

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