Platzierungsvolumen (oder Emissionsvolumen) ist im Bankwesen der Kurswert oder Nennwert einer Neu-Emission, die beim Börsengang an der Wertpapierbörse zur Veräußerung an Anleger bereitgestellt wird.
Allgemeines Das Platzierungsvolumen spielt ausschließlich auf dem Primärmarkt für Aktien und für Anleihen eine Rolle. Es kann nur dann beim Publikum untergebracht werden, wenn die Wertpapierbörse ausreichende Aufnahmefähigkeit durch entsprechende Marktliquidität besitzt.Matthias Schlecker, Credit Spreads: Einflussfaktoren, Berechnung und langfristige Gleichgewichtsmodellierung, 2009, S. 52 Kreditinstitute und Börsen verlangen beim Börsengang ein Mindest-Platzierungsvolumen, das sich auch nach dem Börsensegment richtet, in welchem die Platzierung stattfindet.Ulrich Dieckert/Thomas Wülfing (Hrsg.), Praxishandbuch Multimediarecht, 2011, S. 362 Der platzierte Teil des Platzierungsvolumens wird zum gesamten Handelsvolumen der Börse hinzugerechnet.
Statistik Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht in ihrer Emissionsstatistik die jährlichen Emissionsvolumina:Deutsche Bundesbank, Emissionsstatistiken, 6/2022, S. 5 ff.
Jahr Schuldverschreibungen inländischer Emittenten (Brutto-Absatz, Nominalwert) in Mio. Euro Aktien inländischer Emittenten (Kurswert) in Mio. Euro 2010 1375138 20049 2011 1337772 21713 2012 1340568 5120 2013 1433628 10106 20141362056 18778 2015 1359422 7668 2016 1206483 4409 2017 1047822 15570 2018 1148001 16188 2019 1285541 9076 2020 1870084 17771 20211658004 49066
Hieraus ergibt sich, dass der Börsenumsatz von Anleihen wesentlich größer ist als von Aktien. Der Fremdkapitalbedarf ist in Deutschland mithin wesentlich höher als der Eigenkapitalbedarf. Das liegt vor allem daran, dass die öffentlichen Haushalte im Börsensegment der Schuldverschreibungen enthalten sind (Bundeswertpapiere, Landesanleihen und Kommunalanleihen) und deren Finanzierungsbedarf tendenziell hoch ist.
Wirtschaftliche Aspekte Wesentliche Fragestellungen im Rahmen eines Börsengangs sind die Wahl von Börsenplatz und Börsensegment sowie die Höhe des Platzierungsvolumens. Um das Platzierungsvolumen festlegen zu können, muss bei Aktien der Unternehmenswert ermittelt werden, er ist notwendige Grundlage für die Ermittlung des Emissionspreises.Ulrich Pape, Grundlagen der Finanzierung und Investition, 2011, S. 98 Emissionspreis ist der Börsenkurs, zu dem die Aktien des Emittenten den Anlegern zum Kauf angeboten werden. Aus der Multiplikation der Anzahl der emittierten Stückaktien und dem Emissionspreis ergibt sich das Platzierungsvolumen. Kann es vollständig an der Börse untergebracht werden, wirkt sich dies nicht auf die kurzfristige Kursentwicklung aus. Ist das Volumen zu groß, wird der Kurs am nächsten Börsentag unter den Emissionskurs sinken, was sich negativ auf den Emittenten auswirken kann. Ist die Nachfrage größer als das Platzierungsvolumen, kann die zunächst nicht emittierte Reserve des Greenshoe zusätzlich kursausgleichend angeboten werden.Wolfgang Grundmann/Rudolf Rathner, Prüfungskartei Abschluss Bankfachklasse, 2007, S. 35
Börsen wirken wie ein natürliches Monopol. Deshalb ist für ein hohes Platzierungsvolumen ein bereits vorhandenes hohes Handelsvolumen erforderlich. Große Börsen mit hohem Handelsvolumen sind attraktiv für Emittenten mit hohem Platzierungsvolumen.Mark Wahrenburg, Die Börse: Eine Branche im Umbruch, in: Forschung Frankfurt 1, 2001, S. 53–63
Im Rahmen des Konsortialgeschäftes erhalten die Investmentbanken vom Emittenten eine am Platzierungsvolumen orientierte Provision, die Bonifikation genannt wird.
Das Platzierungsvolumen beeinflusst im Regelfall auch das Handelsvolumen auf dem Sekundärmarkt, wenn die Erstkäufer platzierter Effekten diese weiterveräußern.
Einzelnachweise
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