mini|hochkant|Gedenktafel an Ľudovít Winter in Piešťany Ľudovít Winter (auch unter dem ungarischen Vornamen Lajos, * 1. November 1870 in Šahy, Königreich Ungarn (heute Slowakei); † 15. September 1968 in Piešťany, in der Tschechoslowakei (heute Slowakei)) baute den Kurbetrieb in Piešťany auf.
Leben Ľudovít Winter wurde am 1. November 1870 in der Stadt Šahy in Königreich Ungarn (heutige Slowakei) als drittes von vier Kindern von Alexander und Henriette Winter geboren. Ľudovít begann ein Studium an der Technischen Hochschule in Wien. Sein Vater pachtete im Jahre 1889 für zunächst 30 Jahre vom Grafen František Erdődy den Kurort Piešťany, der Vertrag wurde später immer wieder verlängert. Ľudovít Winter beendete sein Studium nie, da sein Vater ihn zu sich nach Piešťany zur Unterstützung bei der Leitung seiner Firma zurückrief. Ľudovít musste ab 1890 als 20-Jähriger schon große Verantwortung übernehmen. Im Jahr 1902 heiratete Winter Leona Schauer, die Witwe seines älteren Bruders Ferencz, um die und deren zwei Kinder er sich zu kümmern vermochte. Nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1909 übernahm er schließlich die Leitung der Firma ganz. Unter dem Einfluss von Ľudovít Winter wurden in Piešťany die auch heute noch bedeutendsten Bauwerke errichtet, wie das Arbeiterspital, der Kursalon, die Franz-Joseph-Bäder, Pro Patria und der größte Stolz der Stadt, das Hotel Thermia Palace, sowie das Bad Irma, das bis heute weltweiten Ruf genießt.
Ľudovít Winters Bauwerke in Piešťany Im Jahr 1889 war sein Vater Alexander Winter inzwischen schon 60 Jahre alt, und ihm ging allmählich das Geld aus, ohne dass im Kurort auch nur ein Hotel oder ein Zimmer zusätzlich entstanden war. Schon allein die Restaurierung der bestehenden Gebäude kostete ihn ein Vermögen. Also holte er sich Hilfe von Ľudovít Winter, einem seiner drei Söhne, der zu jener Zeit in Wien an der Technischen Hochschule studierte. Mit seinen 20 Jahren übernahm er die Leitung über das gesamte neue Unternehmen seines Vaters, darunter die Obsorge für 300 Kranke, die zu versorgen waren, die Erhaltung der Disziplin unter 200 Angestellten und die Handhabung der Schulden, die nun auf ihm lastete.
Das Krankenhaus Sein erstes Projekt war der Bau eines Krankenhauses, da Probleme mit Kranken auftraten, die sich den Besuch des Kurorts nicht leisten konnten. Hier siegte die soziale Seite Winters, und er ließ gleich in unmittelbarer Nähe zum Kurort ein Spital errichten. An einer Stelle, an dem sich zu jener Zeit nur Viehställe für Rindern befanden, ließ er das damals so genannte „Krankenhaus für die Arbeiter“ errichten. Bis heute steht in Piešťany dieses damals von Winter erbaute Krankenhaus und heißt heute, benannt nach dem Vater Ľudovíts Nemocnica Alexandra Wintera.Bild des Nemocnica Alexandra Wintera
Der Krückenbrecher miniatur|Krückenbrecher, Kurort Piešťany „Ohne Werbung wird der Kurort keinen Weltruhm erlangen“, waren Winters Gedanken, und er erstellte einen Prospekt in fünf verschiedenen Sprachen. Um ein Plakat zu entwerfen, dachte er über ein geeignetes Logo für den Kurort nach. Der junge deutsche Maler Arthur Heyer wurde von Winter beauftragt, mit einer Figur das Gesundwerden darzustellen. Nach einigen Tagen lag bereits eine Skizze des Krückenbrechers (slowakisch Barlolamač) vor. Der begeisterte Winter ließ diesen sofort patentieren. Später versuchten viele andere Städte, auch in Deutschland, dieses oder ein ähnliches Symbol als Wahrzeichen zu verwenden. Im Jahre 1930 ließ Winter die Figur des KrückenbrechersBild des Krückenbrechers in Bronze gießen, und beim Betreten der Kolonnadenbrücke begrüßt er bis heute alle Besucher der Kurinsel.
Kirchen und Gebetshaus miniatur|links|Katholische Kapelle in Piešťany Winter kümmerte sich um das körperliche Wohl der Menschen, doch wusste er, dass dieses auch eng mit dem geistigen Wohl zusammenhängt, denn der Großteil der Kranken war gläubig. Durch Spendengelder wurde es ermöglicht, diesem Wunsch nachzukommen, und Winter ließ eine römisch-katholische Kapelle errichten, direkt vor der Kolonnadenbrücke.Bild der Kolonnadenbrücke Der Gattin des Oberarztes Dr. Fodor, dessen Gedenktafel noch heute an einem Haus in der Fußgängerzone zu finden ist, ist hauptsächlich der Bau dieser Kapelle zu verdanken. In der Nähe des Spitals wurde auch eine evangelische Kirche erbaut, und erst zur Zeit der Tschechoslowakei bekamen auch die Juden ihr Gebetshaus.
Der Marmorpalast Im Jahr 1898 wurde der Marmorpalast fertiggestellt, er sollte der Stolz der Stadt werden, mit seinen 100 Kabinen und einer Kapazität für 500 Gäste im Renaissance Stil. Benannt wurde er nach Kaiser Franz Joseph, sogar der Botschafter des Kaisers war zur Einweihung des Kurgebäudes gekommen und kürte Winter zum Ritter. Das Gebäude brachte jedoch trotz seiner Schönheit und Berühmtheit einige Probleme mit sich. Wegen seiner ziemlich großen Entfernung zur Thermalquelle und dem Schlamm musste der Schlamm auf Schubkarren zum Hotel transportiert werden und konnte somit nicht mit seiner ursprünglichen Temperatur angewendet werden, was Unzufriedenheit bei den Gästen aufkommen ließ. Im Napoleonbad badeten die Kranken unmittelbar über den kochenden Quellen, was eine stark heilende Wirkung hatte, dies war jedoch im neuen Gebäude nicht möglich. So begannen die Gäste sich mehr und mehr dem eher bescheideneren Napoleonbad zuzuwenden und ließen das luxuriöse Franz-Joseph-Bad außer Acht. 1967 wurde es schließlich gegen den Willen Ľudovít Winters abgerissen. Der Marmor wurde zerschlagen, und das Gebäude fand damals sein Ende. Natürlich schmerzte Winter dieser Vorgang, denn er war der Meinung, dass das Gebäude doch noch für Kurgäste brauchbar gewesen sei, die nur Ruhe und Erholung brauchten und nicht ihre Heilung in den Thermalquellen suchten.
Haus Zelený strom Im Jahre 1902 heiratete Winter seine Frau Leona, geb. Schauer. Im Jahre 1903 kaufte er für sich und seine Familie ein Haus. Es war das ehemalige Hotel Zelený strom (deutsch Grüner Baum).Bild des Zelený strom Das inmitten der heutigen Fußgängerzone auf der Winterstraße stehende Gebäude wurde später verstaatlicht. Winter musste mit seiner Familie ausziehen und hat sein Haus für immer verloren. Mit Leona hatte er drei Kinder Jan, Elisabeth und Maria. Jan musste vor den Nationalsozialisten fliehen und hat sein Glück in den USA gefunden. Dort gründete er eine Familie und war sein ganzes Leben lang als Professor für Romanische Sprachen an der Universität in Ohio tätig. Seine Tochter Dorothy ist eine angesehene Kunsthistorikerin und lebt in den USA. Die Tochter Bözsi heiratete den deutschen Grafen von Leonhardi und musste ebenfalls vor den NS fliehen. Sie hat ihr Leben in Australien verbracht. Ihr Sohn John von Leonhardi lebt dort bis heute. Die jüngste Tochter Maria, verheiratet mit Paul Schulz wurde im Jahre 1945 im KZ Bergen-Belsen umgebracht. Sie hinterließ zwei Kinder – Agnes und Andrej. Beide Enkelkinder hat Ľudovit Winter nach dem Verlust der Tochter zu sich genommen. Der Enkelsohn Andrej Schulz (26. Dezember 1929 – 31. Mai 2012)Bericht über die Familie Winter, abgerufen am 12. September 2017 zog nach Bratislava, studierte und arbeitete dort als Lehrer. Er heiratete Alzbeta Lörinczova (* 1926), aus der langen Ehe stammt die Tochter Andrea Schulz (* 1966). Sie lebt in Deutschland, arbeitet im Management und ist verheiratet mit dem deutschen Physiker/Manager Arthur Steinel.
Andrej Schulz hat als Enkel von Ľudovit Winter seit dem Ende von Kommunismus im 1989 bis zu seinem Tod im Jahre 2011 stets dafür gekämpft, dass die Erinnerung an seinen Großvater nicht verblasst. Er hat sich dafür eingesetzt, dass an seinem Geburtshaus Grüner Baum die Gedenktafel für seinen Großvater Ľudovit Winter angebracht wird und dass die Hauptstraße der Fußgängerzone Winterova ulica (Winterstraße) heißt.
Nach dem Fall des Kommunismus in der Slowakei haben die Enkelkinder in einem jahrelangen Gerichtsstreit, im Rahmen der landesweiten Restitution versucht, das Elternhaus zurückzubekommen. Dies ist nicht gelungen und es diente als staatliches Sanatorium für gehbehinderte Kinder. Zurzeit steht das Haus leer.Stammbaum der Familie Winter in Erinnerungen an Piestany
1910–1912: Bau des Thermia Palace und des Bades Irma miniatur|Hotel Thermia Palace in Piešťany Damals schwebte Winter schon seit längerem der Bau eines neuen Kurhotels und Kurbades vor. Er wollte es diesmal nur richtig machen: Er wollte ein Hotel bauen lassen, welches die Kurbesucher vollständig zufriedenstellen sollte, in dem der Weg vom Hotel zu den Bädern unkompliziert und vor allem nicht weit sein sollte. Mit dem jungen Armin Hegedüs als Projektleiter und Architekt verbrachte Winter das ganze Jahr 1910 damit, den Bau des Hotels zu planen. Bei der Namensfindung suchte Winter nach einem Begriff, der auf der ganzen Welt verstanden und zugleich ein heilendes Kurbad beschreiben würde. Hierbei half ihm seine Mutter mit dem Vorschlag „Thermia Palace“.Bild des Thermia Palace Heute ist der Name des Hotels weit bekannt und berühmt. Das sich im Nebengebäude befindende Bad nannte er nach der Gräfin Irma Erdödy „Irma“.Bild des Bades Irma Kurz vor dem Beginn der Bauarbeiten ergaben sich Probleme mit der Baugenehmigung. Das zuständige Amt lehnte das Graben eines so tiefen Loches auf der Fläche der warmen Quellen mit der Begründung ab, die Lage der Quellen könnte sich versetzen, so wie es auch in Teplice in Tschechien geschehen war. Zum Glück hatte damals Sebastian Kovacs, ein Professor der Budapester Polytechnik, einen wunderbaren Einfall. Er schlug vor, das Gebäude des Bades auf einer 1 ½ m dicken Betonplatte zu errichten. So wurde es schließlich auch verwirklicht und noch im selben Jahr, nachdem Winter noch einige Kredite bei Banken ausgehandelt hatte, begann man mit den Bauarbeiten. Sein Argument bei den Banken war, der Stadt mit dem Bau eines neuen Hotels nicht nur Devisen, sondern auch Bekanntheit und Ruhm zu verschaffen. Im April 1912 war das Kurhotel bereits für Gäste zugänglich, und der erste berühmte Gast war der bulgarische Zar Ferdinand I.
1914–1918: Zeit des Ersten Weltkriegs Als der Erste Weltkrieg ausbrach, hatte Winter die Idee, die Bäder Piešťanys dem Militär zur Verfügung zu stellen. Gleich drei Tage nachdem er das Telegramm versandt hatte, kam die Antwort aus Wien, das Rote Kreuz wolle mit ihm in Kontakt treten. Schließlich ließ das Rote Kreuz in Piešťany ein Krankenhaus errichten und nachdem alle Vorbereitungen getroffen waren, trafen schon die ersten verletzten Soldaten aus Russland ein. Auch die Einwohner der Stadt boten den Verwundeten ihre Betten an, und so kam es, dass bis zum Ende des Krieges um die 4000 Patienten in Piešťany versorgt wurden. Solch einen Ansturm gab es sonst in keiner anderen Kurstadt, und die Stadt gelangte damals zu großem Ansehen.
In diesen Jahren wurde auf der Kurinsel ein Krankenhaus mit dem Namen „Pro Patria“ errichtet, denn durch ein neues Gesetz wurde die Unterbringung der mit ansteckenden Krankheiten infizierten Personen in separaten Gebäuden, gegebenenfalls auch nur Holzhütten, angeordnet. Winter ließ sich das Geld für den Bau der Holzhütten als Kredit auszahlen und baute auf der Kurinsel ein Spital aus festem Material.
Wegen der unzureichenden Nahrungsmittelversorgung der Soldaten während des Krieges ließ Winter in der Nähe des Bahnhofs eine Mühle bauen, die nach Rószi, seiner Pflegetochter – der Tochter seines verstorbenen Bruders Ferencz Winter (1868–1900), die „Rosa-Mühle“ genannt wurde. Darüber hinaus kaufte die Familie Winter in dieser Zeit mehrere Grundstücke, unter anderem ein ehemaliges Schloss am Ortsrand oberhalb des Flusses Vah, welches unter dem Namen „Villa Bacchus“ als gemütliche Pension und Restaurant umgestaltet und betrieben wurde. Die „Villa Bacchus“ ist heute in Privatbesitz und nicht mehr öffentlich zugänglich.
Nach dem Ersten Weltkrieg