gerahmt|rechts|Verbandslogo Der Verband der Gemeinschaften in der Evangelischen Kirche in Schleswig-Holstein e. V. (Gemeinschaftsverband) ist ein Zusammenschluss von Christen, die innerhalb der Evangelischen Kirche die Anliegen des biblisch-reformatorischen Pietismus vertreten. Der Verein mit Sitz in Kielhttps://www.vg-sh.de/verein/satzung/aktuelle-vg-Satzung/ setzt sich aus 17 Gemeinschaften zusammen, die an vielen Orten in Schleswig-Holstein aktiv sind. Der Gemeinschaftsverband ist Mitglied im Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband e. V.

Geschichte Am 1. Advent 1857 erfolgte die Gründung des „Vereins für Innere Mission in Holstein“ auf dem Hof Bornholdt in Aspern. Als erster „Sendbote“ des Vereins wurde 1860 Hinrich Hieronymus Sommer berufen. Das erste Gemeinschaftshaus wurde 1877 in Elmshorn eingeweiht, ein weiteres 1886 in Neumünster.

1888 war die Einberufung der ersten „Gnadauer Pfingstkonferenz“ in Gnadau bei Magdeburg. Im gleichen Jahr erfolgte die Einweihung des Waisenhauses „Elisabethheim“ in Havetoft, dessen Gründer Pastor Johannes Witt war. Pastor Johannes Röschmann aus Itzehoe wurde 1891 zum ersten Inspektor des Vereins berufen.

1892 wurde die heute noch bestehende Vereinsbuchhandlung G. Ihloff & Co. in Neumünster gegründet. 1892 erfolgte die Ausgabe des ersten einheitlichen Liederbuchs der Deutschen Gemeinschaftsbewegung („Reichs-Lieder Deutsches Gemeinschafts-Liederbuch“).

Aus dem ehemaligen „Deutschen Evangelisationsverein“, der zwischenzeitlich noch andere Bezeichnungen trug, wurde 1897 der „Deutsche Verband für evangelische Gemeinschaftspflege und Evangelisation“ („Gnadauer Verband“) gegründet. Zwischen 1897 und 1904 erfolgte die Einweihung der Gemeinschaftshäuser in Uetersen, Barmstedt, Kiel, Lübeck, Glückstadt, Sonderburg, Bredstedt, Möllmark und Wilster. Am 18. Dezember 1904 war die Gründung des Jugendverbandes „EC-Nordbund“.

Am 24. Juli 1907 kam es zur Eintragung des Vereins für Innere Mission unter dem Namen „Gemeinschaftsverein in Schleswig-Holstein“ im Vereinsregister des Amtsgerichts Neumünster unter der Nummer 2. Er gehört somit zu den ältesten Vereinen Schleswig-Holsteins.

Ab 1960 wurde ein Gelände in Karlsminde an der Eckernförder Bucht gepachtet. In den Folgejahren entstand hier ein Freizeitlager. Am 22. Mai 1981 kam es zur Eröffnung des „Erholungs- und Rüstzentrums“ am Wittensee (später: „Erholungs- und Bildungszentrum Wittensee“) in Bünsdorf.

Nach Öffnung der deutsch-deutschen Grenze entwickelten sich in den Jahren 1989/90 Partnerschaften zwischen Gemeinschaften aus dem Mecklenburgischen Gemeinschaftsverband und dem Schleswig-Holsteinischen Gemeinschaftsverband.

1996 fand ein Kongress der Willow Creek Community Church in Hamburg statt. In der Folge dieses Kongresses gewinnen Gottesdienste und andere Veranstaltungen in den Gemeinschaften in den Folgejahren an Kreativität.

Mit einer Satzungsänderung im Jahre 2006 wurde der Vereinsname in „Verband der Gemeinschaften in der Evangelischen Kirche in Schleswig-Holstein e. V.“ geändert.

Väter der Gemeinschaftsbewegung

Hinrich Hieronymus Sommer (1804–1861) Hinrich Hieronymus Sommer wurde am 23. März 1804 in Husum geboren. Er lernte ebenso wie sein Vater das Schuhmacherhandwerk. Am 26. Mai 1835 heiratete er in Husum. Hinrich Hieronymus Sommer zählt zu den Gründern des entstehenden Vereins der Inneren Mission in Schleswig-Holstein. In dessen erstem Statut wurde er als „Wortführer“ benannt, der als Sprecher des Vorstandes 1857 wesentlich an der Zusammenführung der im Lande verstreuten Gemeinschaftskreise teilhatte. Der Verein berief ihn 1860 zum ersten fest angestellten „Sendboten“. Sommer zog durch das ganze Land, besuchte in zehn Monaten 131 Orte, predigte und hielt Vorträge. Neben seinem aufreibenden Reisedienst lernte er noch Dänisch, Englisch und auch Griechisch, um das Neue Testament in der Muttersprache lesen zu können. Doch die Strapazen der Reisetätigkeit zehrten an seiner ohnehin schwachen Gesundheit. Am 20. Dezember 1861 starb Sommer in seiner Heimatstadt.

Jasper von Oertzen (1833–1893)

Als Sohn des mecklenburgischen Ministerpräsidenten wurde Jasper von Oertzen am 10. August 1833 in Rostock geboren. Nach beruflichen Tätigkeiten in der österreichischen Armee, die er wegen einer Lungenkrankheit aufgeben musste, und als Landwirt auf einem Gut, das ihm sein Vater gekauft hatte, entdeckte Johann Hinrich Wichern die menschenfreundlichen Qualitäten des Adligen und gewann ihn als Diakon und Hausvater für das Rauhe Haus in Hamburg. Dort arbeitete von Oertzen mit viel Liebe und Geschick unter Jugendlichen, die ähnlich schwer zu erziehen waren, wie er es in seiner Jugend war. Von 1875 bis 1884 leitete er die von Wichern gegründete Hamburger Stadtmission. Baron Jasper von Oertzen lagen – wie seinem Förderer Wichern – die Menschen und die Innere Mission ebenso am Herzen wie die Beheimatung in der lutherischen Kirche. Beides qualifizierte ihn für die Leitung des Gemeinschaftsvereins. Von 1875 bis zu seinem Tod im Jahre 1893 war er dessen Vorsitzender. Zugleich war er Vorsitzender im Norddeutschen Jünglingsbund (ab 1880), Vorsitzender des Christlichen Vereins junger Männer (ab 1885), Mitglied im Vorstand des Rauhen Hauses, Mitbegründer und Vorsitzender der ersten drei Gnadauer Konferenzen von 1888, 1890 und 1892, Vorsitzender des Deutschen Evangelisationsvereins, Vorsitzender der Evangelistenschule Johanneum, Vorsitzender im Deutschen Komitee für evangelische Gemeinschaftspflege und Vorsteher des Trinkerasyls Sophienhof in Mecklenburg. Bei der Leitung des damaligen Vereins für Innere Mission war es Baron Jasper von Oertzen wichtig, dass der Gemeinschaftsverein eine innerkirchliche Bewegung bleibt. Er blickte über den Tellerrand des Wirkungsbereiches des eigenen Gemeinschaftsvereins hinaus und wirkte auch bei der Zusammenführung der Gemeinschaftsbewegung in ganz Deutschland mit. Die Beauftragung und Förderung von Mitarbeitern war ihm ebenfalls ein wichtiges Anliegen. So hat er z. B. die Zahl der „Sendboten“ kontinuierlich von zwei auf zwölf erhöht. Baron Jasper von Oertzen starb am 14. November 1893.

Johannes Röschmann (1862–1901) Johannes Röschmann wurde am 12. Oktober 1862 geboren. Er absolvierte nach seinem Abitur ein Theologiestudium in Kiel und Erlangen. Anschließend wurde ihm eine Pfarrstelle in Itzehoe übertragen. Johannes Röschmann pflegte einen engen Kontakt zum Gemeinschaftsverein und wurde 1891 erster Inspektor der Vereinsgeschichte. Auf Röschmanns Anregung wurde die Vereinsbuchhandlung gegründet, und auch ein eigenes Gesangbuch brachte er gemeinsam mit dem Verlagsleiter Gustav Ihloff auf den Markt: Die „Reichslieder“ wurden über Jahrzehnte das gefragteste Liederbuch in der deutschen Gemeinschaftsbewegung. 1893 übernahm Röschmann eine neue Aufgabe in Hamburg. In den wenigen Jahren bis zu seinem frühen Tod 1901 baute er dort eine beachtliche Gemeinschaftsarbeit auf. Diese brachte unter anderem das stattliche Vereinshaus am Holstenwall sowie das Krankenhaus „Elim“ hervor. Pastor Johannes Röschmann starb am 17. Juli 1901.

Johannes Witt (1862–1934) Johannes Witt wurde 1862 in Paris geboren. Er war zweiter Inspektor des „Vereins für Innere Mission“ und Schwager seines Vorgängers Johannes Röschmann. 1895 zog er mit seiner Frau nach Kiel, wo er im darauf folgenden Jahr die „Kieler Mission“ als deutschen Zweig der „China-Inland-Mission“ gründete und in der örtlichen Gemeinschaft nach dem Bau des Evangelischen Missionshauses als „Gemeinschaftspastor“ wirkte. Nachdem es im Gemeinschaftsverein zu Missstimmungen über seine Person gekommen war und er sich mehr und mehr von der evangelischen Landeskirche distanziert hatte, legte er 1899 das Amt des Inspektors nieder. Bis 1904 war er als Missionsleiter in China tätig und kam anschließend wieder zurück nach Kiel. 1905 spaltete sich die Kieler Gemeinschaft. Witt leitete nun „seine“ Kieler Gemeinschaft bis zu seinem Tode im Jahre 1934. Die „Kieler China-Mission“ führte er als Privatmission bis 1921 weiter. Dann wurde diese an die Breklumer Mission verkauft.

Andreas Graf von Bernstorff (1844–1907)

Andreas Graf von Bernstorff wurde am 20. Mai 1844 geboren. Nachdem er zunächst – ebenso wie sein Vater – im diplomatischen Dienst tätig gewesen war, wirkte er für einige Jahre als Landrat in Ratzeburg, bevor man ihn ins Kultusministerium nach Berlin berief. Dort war das kirchliche Bauwesen sein Ressort. Während seiner Zeit als ehrenamtlicher Vorsitzender der Gemeinschaften in Schleswig-Holstein von 1894 bis 1907 waren ihm auch dort die Baufragen wichtig. Er legte großen Wert darauf, den Verein in eigenen Häusern zu beheimaten und hatte viel Freude daran, fast jedes Jahr ein neues Gemeinschaftshaus zu eröffnen. Daneben kümmerte sich der gelernte Jurist intensiv um die rechtliche Organisation des Vereins. Dank seiner weitreichenden Beziehungen bahnte er für den Verein die Eintragung ins Vereinsregister an. Wenige Monate nach Andreas Graf von Bernstorffs Tod wurde der Verein im Jahre 1907 offiziell rechtsfähig.

Weitere prägende Persönlichkeiten Hans Werner von Tiele-Winckler (1865–1914) Hans Werner von Tiele-Winckler wurde am 22. Februar 1865 geboren. Aufgewachsen in einer wohlhabenden Familie, schenkte ihm sein Vater beim Verlassen des Elternhauses das Gut Rothenmoor (bei Dahmen in Mecklenburg) und eine Zuckerfabrik. Nachdem von Tiele-Winckler Christ geworden war, wurde das Gut zum Treffpunkt vieler Christen, die hier Begegnung und Seelsorge suchten. Von Tiele-Winckler ließ sein Herrenhaus um einen Saal für 200 Besucher erweitern, lud Evangelisten ein und hielt theologische Konferenzen ab. Im Jahre 1907 wurde er Vorsitzender der Gemeinschaftsvereine von Mecklenburg und von Schleswig-Holstein. Kurz nach Beginn des Ersten Weltkrieges starb er im Oktober 1914.

Gustav Ihloff (1854–1938) Gustav Ihloff wurde am 3. August 1854 geboren. Er begann zunächst eine Laufbahn als Beamter im Postdienst. Nachdem er Christ geworden war, zog er 1880 nach Segeberg, um dort eine Aufgabe als „Sendbote“ zu übernehmen. Der damalige Vorsitzende des Gemeinschaftsvereins, Jasper von Oertzen, holte ihn 1882 als Vereinssekretär nach Neumünster. Dort wirkte Gustav Ihloff vielfältig. Er gilt als eigentlicher Gründer der Gemeinschaft Neumünster. 1892 wurde er Verleger in der Vereinsbuchhandlung und gab mehrere Zeitschriften heraus. Zugleich war er ab 1907 Inspektor des Vereins und wurde 1914 in Personalunion auch dessen Vorsitzender. Dass er 1915 völlig erblindete, nachdem in kürzester Zeit drei seiner Söhne im Krieg gefallen waren, hielt ihn nicht davon ab, seine Ämter und Aufgaben auszufüllen. Erst 1923 konnte er die Aufgabe des Inspektors abgeben, 1934 – im Alter von fast 80 Jahren – auch die Aufgabe des Vorsitzenden. Gustav Ihloff starb am 26. Juni 1938 in Neumünster.

Karl Möbius (1878–1962)