alternativtext=Porträg von Paul Krugman aus dem Jahr 2023|mini|Paul Krugman (2023) Paul Robin Krugman [] (* 28. Februar 1953 in Albany, New York) ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler. Er war von 2000 bis 2024 Kolumnist für The New York Times und lehrt als Distinguished Professor of Economics am Graduate Center der City University of New York. 2008 erhielt er den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Beiträge zur New Trade Theory und der Neuen Ökonomischen Geographie.

Karriere Krugman war Professor für Wirtschaftswissenschaft am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und später an der Princeton University. Im Juni 2015 wurde er in Princeton pensioniert und ist dort seitdem emeritiert. Er ist auch Centennial Professor an der London School of Economics. Krugman war 2010 Präsident der Eastern Economic Association. Er zählt zu den einflussreichsten Ökonomen der Welt. Er ist für seine Arbeiten zur internationalen Wirtschaft, Wirtschaftsgeographie, Liquiditätsfallen und Währungskrisen bekannt. Krugman ist Autor oder Herausgeber von 27 Büchern, darunter wissenschaftliche Werke, Lehrbücher und Sachbücher, die sich an ein breites Publikum richten. Er hat über 200 wissenschaftliche Artikel in Fachzeitschriften und Sammelbänden veröffentlicht. Er hat außerdem mehrere hundert Kolumnen zu wirtschaftlichen und politischen Themen für The New York Times, Fortune und Slate geschrieben.

Eine Umfrage von 2011 unter Wirtschaftsprofessoren befand Krugman als den besten lebenden Ökonomen unter 60 Jahren. Als Kolumnist hat Krugman über eine Vielzahl wirtschaftswissenschaftlicher Themen geschrieben, darunter Einkommensverteilung, Steuern, Makroökonomie und internationale Wirtschaft. Krugman betrachtet sich selbst als modernen Liberalen und entwickelt seine politischen Ansichten in seinen Kolumnen und seinem Buch Nach Bush (The Conscience of a Liberal). Seine Kolumnen haben ein großes Publikum und ziehen regelmäßig positive und negative Reaktionen auf sich. Laut dem Open Syllabus Project ist Krugman der am zweithäufigsten zitierte Autor in Lehrplänen für Universitätskurse in Wirtschaftswissenschaft.

Biografie Krugman wuchs auf Long Island in einer amerikanischen Mittelschichtfamilie auf. Sein Vater war Versicherungsmanager, sein Großvater ein jüdischer Einwanderer aus Weißrussland. Nach der High School studierte er Volkswirtschaftslehre und erwarb 1974 einen Bachelor of Arts an der Yale University. Im Jahre 1977 schloss er seine Doktorarbeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit einer Arbeit über flexible Wechselkurse ab. Im September 1977 wurde er Assistenzprofessor an der Yale University. Ab 1979 arbeitete er dann zusätzlich als Gast-Assistenzprofessor auch am MIT. 1980 wechselte er als Associate Professor ans MIT. Gleichzeitig gehörte er von September 1982 bis August 1983 zusätzlich als Berater für volkswirtschaftliche Fragen dem Rat der Wirtschaftsberater der Regierung unter Präsident Ronald Reagan an. Rückblickend betonte er, dass seine kritischen Argumente gegenüber den politischen Entscheidungen während dieser Zeit nur wenig Gehör fanden. 1984 stieg er am MIT zum ordentlichen Professor auf. 1994 wechselte er vorübergehend an die Stanford University, kehrte jedoch 1996 ans MIT zurück. Seit Juli 2000 ist er Professor in Princeton,Lebenslauf (englisch) auf der Unofficial Paul Krugman Web Page. außerdem lehrt er als Centenary Professor regelmäßig an der London School of Economics. (englisch) auf Krugman-Website des Verlags W. W. Norton & Company. 2014/15 wechselte er von Princeton zu der City University of New York, wo er als Professor lehrt und über die Ungleichverteilung von Einkommen und Vermögen forscht.Bloomberg, Lisa Wolfson and Rich Miller, Paul Krugman to Leave Princeton in 2015 to Take Role at CUNY, 28. April 2014

Krugman ist mit der Wirtschaftswissenschaftlerin Robin Wells verheiratet. Zusammen mit seiner Frau veröffentlichte Krugman zwischen 2004 und 2006 Economics, ein Lehrbuch über Volkswirtschaftslehre, sowie je ein Lehrbuch über Mikro- und Makroökonomie.

Wirtschaftspolitische Standpunkte Krugman bezeichnet sich selbst als „free-market Keynesian“ (Keynesianer und Befürworter freier Märkte). Er möge freie Märkte, befürworte aber gleichzeitig Staatseingriffe, um Marktversagen zu korrigieren und Stabilität zu bieten. Einzelne seiner marktfreundlichen Kommentare hätten die politische Linke erzürnt und seien Milton Friedman und Margaret Thatcher gegenüber freundlich gewesen.MY CONNECTION WITH ENRON, ONE MORE TIME.

Mit dem Essay Who Was Milton Friedman?,Paul Krugman: Who Was Milton Friedman?, The New York Times Book Review, Vol. 54, No. 2, 15. Februar 2007 der sich kritisch mit dem wissenschaftlichen Erbe Friedmans auseinandersetzt, stieß Krugman Anfang 2007 eine lebhafte Debatte an.Vgl. auch Bericht im Handelsblatt vom 26. November 2007 In dem Essay beschreibt er Friedman als „großen Ökonomen und großen Mann“, kritisiert aber gleichzeitig Friedmans öffentliches Auftreten, bei dem es „einige ernsthafte Zweifel an seiner intellektuellen Redlichkeit“ gegeben habe. In einer umfassenden Betrachtung von Friedmans wissenschaftlichen Leistungen und ihrer politischen Implementierung kommt Krugman zu dem Schluss, dass der Monetarismus überholt und nur noch „ein Schatten seines früheren Selbst“ sei. Es könne außerdem mit gutem Grund gesagt werden, dass der „Friedmanismus“ als „Lehre und bei seiner praktischen Anwendung“ zu weit gegangen sei.

2007 veröffentlichte Krugman Conscience of a Liberal, das sich mit der Geschichte der Einkommensverteilung und Vermögensverteilung in den USA des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt, worüber Emmanuel Saez und Thomas Piketty intensiv geforscht haben. Krugman vertritt die Auffassung, dass anders als vielfach angenommen, die seit den 1980ern entstandene Vermögens- und Einkommensungleichheit großteils aus politischen Entscheidungen – insbesondere Besteuerung – resultiert (Reagan hatte 1981 den langjährig hohen Spitzensteuersatz der Einkommensteuer auf 28 % reduziert, siehe Reaganomics). In diesem Zusammenhang unterscheidet Krugman vier wichtige Phasen der US-Wirtschaftsgeschichte: The Long Gilded Age The Great Compression Middle class America The great Divergence Die erste Phase ist von einer großen Einkommens- und Vermögensungleichheit geprägt. Die zweite Phase, beginnend mit dem New Deal führt zur bisher größten Angleichung von Einkommen und Vermögen in den USA, die zur dritten Phase beiträgt. Die vierte Phase habe seit den 1980er-Jahren bis zum heutigen Tag zu einer noch größeren Einkommens- und Vermögensungleichheit geführt als Anfang des 20. Jahrhunderts.Vgl. auch https://krugman.blogs.nytimes.com/2007/09/18/introducing-this-blog/

In der aktuellen Auseinandersetzung um die wirtschaftspolitische Bewältigung der Wirtschaftskrise wirft Krugman den vorherrschenden ökonomischen Modellen vor, keine adäquate Antwort auf die aktuellen Probleme zu haben, da die Modelle zu starke Annahmen bezüglich der Rationalität der Akteure hätten.Paul Krugman: How Did Economists Get It So Wrong? The New York Times, 2. September 2009. Krugman befürwortet zwar grundsätzlich die Verwendung von volkswirtschaftlichen Modellen, da sie die Möglichkeiten der Einsichten deutlich vergrößern. Auch hat Krugman kein Verständnis für Menschen, die unrealistische Annahmen von Modellen kritisieren, und es ihrerseits vermeiden, ihre eigenen Annahmen präzise zu definieren. Laut Krugman sind Modelle Metaphern, aber nicht die Wahrheit.Homepage Paul Krugman: How I work. Er warnt aber davor, Formalisierung und Mathematisierung zu einem Selbstzweck zu machen. Modelle müssten auf einer realistischen Beschreibung menschlichen Verhaltens basieren; so sollten Modelle z. B. berücksichtigen, dass Menschen nicht nur rational agieren. Paul A. Samuelsons 1948 veröffentlichtes Lehrbuch Economics passe besser auf die aktuelle Wirtschaftskrise als viele moderne Studien.Nobelpreisträger Krugman will alte VWL-Weisheiten „beerdigen“. Handelsblatt, 11. Januar 2010.

In Umweltfragen plädiert Krugman für eine engagierte marktbasierte Klimaschutzpolitik. Er betont, dass Klimaschutz die Wirtschaft nur geringfügig belasten wird, und verweist in diesem Zusammenhang auf eine StudieCongressional Budget Office (2009): Congressional Budget Office Cost Estimate: H.R. 2454 American Clean Energy and Security Act of 2009, (PDF; 137 kB) des Congressional Budget Office. Die Behauptungen von politisch konservativer Seite über angeblich drohende hohe Kosten durch Klimaschutzpolitik hält Krugman für eine „politische Masche“. Die Konservativen würden ihr übliches Vertrauen in die Innovationskraft der Märkte verlieren, wenn sie der Wirtschaft nicht zutrauten, mit Klimaschutzpolitik zurechtzukommen. Bei der Frage nach dem bestgeeigneten Modell favorisiert Krugman den Emissionsrechtehandel, da er eine Lösung über Besteuerung in den USA derzeit nicht für politisch durchsetzbar hält. Auf internationaler Ebene schlägt er vor, mit CO2-Zertifikaten und -Zöllen positive und negative Anreize zu setzen, um Schwellenländer wie China in eine globale Klimaschutzpolitik einzubinden. Krugman warnt nachdrücklich vor den Folgen von Untätigkeit. Einer Argumentation von Martin Weitzman folgend, plädiert er dafür, dass in erster Linie die bestehende Möglichkeit einer Klimakatastrophe die politische Entscheidungsfindung leiten sollte.Paul Krugman: Building a Green Economy, in: New York Times, 7. April 2010

In seiner 1998 erschienenen Essay-Sammlung The Accidental Theorist (deutscher Titel: Schmalspur-Ökonomie) kritisierte Krugman Aspekte einer angebotsorientierten Wirtschaftspolitik und den Goldstandard, befürwortet jedoch auch Niedriglöhne in Entwicklungsländern und kritisierte bestimmte staatliche Eingriffe in den Arbeitsmarkt.Paul Krugman: The Accidental Theorist. W. W. Norton & Company, 1999.

Zu Beginn der weltweiten Finanzkrise ab 2007 empfahl Krugman der US-Politik einen wohlwollenden Blick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa, das er nach Jahren wirtschaftlicher Probleme als „Comeback Continent“ sah.Paul Krugman: The Comeback Continent The New York Times, 11. Januar 2008 In der Eurokrise kritisiert Krugman eine an deutsche Austeritätspolitik gebundene Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und sprach sich 2010 dagegen für eine antizyklische Finanzpolitik aus.„Axel Weber wäre ein Risiko für den Euro“ Handelsblatt, Interview durch Thomas Hanke und Torsten Riecke, 21. Juni 2010. Dass Griechenland und Irland durch die auferlegte Sparpolitik in Depression verfielen, sah Krugman 2011 als volle Bestätigung der Einsichten von Keynes an.Paul Krugman: Keynes Was Right The New York Times, 29. Dezember 2011 2012 hielt er ein Ausscheiden Griechenlands aus der europäischen Währungsunion für unausweichlich: „Griechenland war wahrscheinlich dem Untergang geweiht, seitdem wir das erste Mal die Wahrheit über den Haushalt des Landes gehört haben“.Dem Untergang geweiht, Der Spiegel, 21. Mai 2012 Krugman gehörte 2015 zuerst zu den Unterstützern der neuen von Alexis Tsipras geführten Regierung. Später zeigte er sich enttäuscht von der Kompetenz der Regierung.

Krugman warnte 2016, dass die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten eine globale Rezession auslösen würde. Tatsächlich setzte sich auch in den Jahren nach Trumps Wahl der Aufschwung der US-amerikanischen Wirtschaft fort. Krugman lobte Trump später für seine Erhöhung der Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten.

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