Die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko:

Qualifikation Die deutsche Mannschaft traf in der Qualifikation zur WM 1986 auf eine als schwierig eingeschätzte Gruppe mit Schweden, Portugal, der Tschechoslowakei und Malta, wobei sich nur die ersten beiden Teams qualifizieren konnten. Nach dem enttäuschenden Aus bei der EM 1984 stand die Nationalmannschaft unter erheblichem Druck. Das internationale Ansehen hatte stark gelitten, weshalb der DFB mit Franz Beckenbauer als neuem Teamchef einen Neuanfang wagte. Dieser wurde dem zunächst durch DFB-Präsident Hermann Neuberger favorisierten Helmut Benthaus vom VfB Stuttgart vorgezogen.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 330 Beckenbauer, der keine Trainerlizenz besaß und deshalb durch Trainer Horst Köppel unterstützt wurde, führte neue Regeln ein, darunter strikte Pünktlichkeit und Disziplin. Auch das gemeinsame Singen der Nationalhymne wurde zur Pflicht.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 332

Noch vor Beginn der Qualifikation musste Beckenbauer einen personellen Rückschlag verkraften: Mittelfeldspieler Bernd Schuster erklärte seinen erneuten Rücktritt aus der Nationalmannschaft, nachdem sich dieser für Erich Ribbeck als Trainer ausgesprochen hatte und daraufhin von Beckenbauer attackiert worden war.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 331

Die Qualifikation war von erheblichen personellen Problemen geprägt. Beckenbauer musste in den acht Spielen insgesamt 24 verschiedene Spieler einsetzen und konnte nie zweimal in Folge die gleiche Mannschaft aufbieten. Wichtige Leistungsträger wie Rudi Völler, Pierre Littbarski und später auch Uwe Rahn fielen längerfristig aus und erschwerten die Planungen. Eine positive Entdeckung war dagegen das offensive Abwehrduo Berthold/Frontzeck.kicker: WM Sonderheft Mai bis Juni 1986, S. 68, Olympia-Verlag, abgerufen am 10. November 2024

Dennoch gelang unter dem neuen Teamchef, der die Mannschaft neu ausrichtete, ein vielversprechender Start mit einem 2:0-Heimsieg gegen Schweden durch Tore von Rahn und Karl-Heinz Rummenigge sowie einem 3:2-Auswärtserfolg in Malta. Beckenbauers Spielphilosophie zielte auf mehr Tempo und Spielwitz ab, wobei besonders das schnelle Überbrücken des Mittelfeldes im Fokus stand.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 332

Nicht alle taktischen Ideen des neuen Teamchefs gingen dabei jedoch auf: Als verunglücktes Experiment erwies sich etwa der Versuch, gleich in seinem ersten Länderspiel im September 1984 in Düsseldorf gegen Argentinien (1:3) erstmals eine Viererkette einzuführen – ein System, das für die Spieler völlig neu war und mit nur zwei Tagen Vorbereitungszeit erfolgte. Nach der Rückkehr zum bewährten Libero-System mit zwei Manndeckern stellten sich die Erfolge ein. Diese offensive Ausrichtung zeigte sich beim 6:0-Rückspielsieg gegen Malta und gipfelte in einem beeindruckenden 5:1-Auswärtserfolg in der Tschechoslowakei, der als Sternstunde des deutschen Fußballs gefeiert wurdekicker: WM Sonderheft Mai bis Juni 1986, S. 68, Olympia-Verlag, abgerufen am 12. November 2024 und vom Fachmagazin Kicker die Bewertung „Weltklasse“ erhielt.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 334 Während der Qualifikationsphase stießen neue Spieler wie Olaf Thon (FC Schalke 04), Thomas Allofs (1. FC Kaiserslautern), Stefan Reuter (1. FC Nürnberg) oder Jürgen Kohler (SV Waldhof Mannheim) zur Beckenbauer-Truppe hinzu.Dietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 334

Eine erfolglose Testspielserie – zunächst beim Mexiko-Cup im Juni 1985 und dann zwei Monate später in Moskau – welche mit drei Niederlagen und ohne eigenen Treffer endete (0:2 gegen Mexiko, 0:3 gegen England, und 0:1 gegen die UdSSR) offenbarte jedoch noch deutliche Schwächen des Teams.

Nach zunächst 10:0 Punkten (Beckenbauer: „Die hatte uns in dieser schweren Gruppe zuvor niemand zugetraut“)kicker: WM Sonderheft Mai bis Juni 1986, S. 68, Olympia-Verlag, abgerufen am 10. November 2024 wurde die Qualifikation zur WM schließlich durch ein 2:2 in Schweden gesichert. Im vorletzten, bereits bedeutungslosen Qualifikationsspiel kassierte die deutsche Mannschaft beim 0:1 gegen Portugal die erste Niederlage einer DFB-Auswahl in einer WM-Qualifikation überhaupt. Das abschließende 2:2 gegen die Tschechoslowakei hatte keine Auswirkungen mehr auf die Tabelle. Deutschland beendete die Gruppe als Erster vor Portugal.

Die erfolgreiche Qualifikation und die durchaus positive spielerische Entwicklung unter Beckenbauer konnten den allgemeinen Trend des nachlassenden öffentlichen Interesses nicht aufhalten. Zudem erschwerte der aufkommende Tennis-Boom der 1980er Jahre die Situation für den Fußball zusätzlich. So verfolgten beim abschließenden Heimspiel gegen die Tschechoslowakei im November 1985 lediglich 22.000 Zuschauer die Partie im Münchner OlympiastadionDietrich Schulze-Marmeling: Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft, Die Werkstatt, 2004, ISBN 3-89533-443-X, S. 335 – ein deutliches Zeichen dafür, dass der angestrebte Imagewandel der Nationalmannschaft noch nicht gelungen war.

Rang LandTorePunkte 1 BR Deutschland 22:9 12:4 2 Portugal 12:10 10:6 3 Schweden 14:9 9:7 4 Tschechoslowakei 11:12 8:8 5 Malta 6:25 1:15

17.10.84 Köln BR Deutschland – Schweden 2:0 (0:0) 16.12.84 Attard Malta – BR Deutschland 2:3 (1:1) 24.02.85 Porto Portugal – BR Deutschland 1:2 (0:2) 27.03.85 Saarbrücken BR Deutschland – Malta 6:0 (5:0) 30.04.85 Prag Tschechoslowakei – BR Deutschland 1:5 (0:4) 25.09.85 Stockholm Schweden – BR Deutschland 2:2 (0:2) 16.10.85 Stuttgart BR Deutschland – Portugal 0:1 (0:0) 17.11.85 München BR Deutschland – Tschechoslowakei 2:2 (1:0)

Torschützen

17. Oktober 1984 in Köln, BR Deutschland – Schweden 2:0 (0:0) – Tore: 1:0 Rahn (75.), 2:0 Rummenigge (85.) 16. Dezember 1984 in Attard, Malta – BR Deutschland 2:3 (1:1) – Tore: 1:0 Busuttil (11.), 1:1 Förster (43.), 1:2 Allofs (69.), 1:3 Allofs (85.), 2:3 Xuereb (87.) 24. Februar 1985 in Porto, Portugal-BR Deutschland 1:2 (0:2) – Tore: 0:1 Littbarski (28.), 0:2 Völler (37.), 1:2 Diamantino (57.) 27. März 1985 in Saarbrücken, BR Deutschland – Malta 6:0 (5:0) – Tore: 1:0 Rahn (10.), 2:0 Magath (14.), 3:0 Rahn (17.), 4:0 Littbarski (18.), 5:0, 6:0 Rummenigge (44., 66.) 30. April 1985 in Prag, Tschechoslowakei – BR Deutschland 1:5 (0:4) – Tore: 0:1 Berthold (8.), 0:2 Littbarski (22.), 0:3 Matthäus (36.), 0:4 Herget (43.), 0:5 Allofs (82.), 1:5 Griga (82.) 25. September 1985 in Stockholm, Schweden – BR Deutschland 2:2 (0:2) – Tore: 0:1 Völler (23.), 0:2 Herget (40.), 1:2 Corneliusson (63.), 2:2 Magnusson (89.) 16. Oktober 1985 in Stuttgart, BR Deutschland – Portugal 0:1 (0:0) – Tore: 0:1 Carlos Manuel (54.) 17. November 1985 in München, BR Deutschland – Tschechoslowakei 2:2 (1:0) – Tore: 1:0 Brehme (1.), 1:1 Novák (52.), 1:2 Lauda (61.), 2:2 Rummenigge (87.)

Aufgebot Nummer NameHomepage des DFB Aus dem Menü muss noch die WM 1986 ausgewählt werden. Damaliger Verein Geburtstag Länderspiele/Tore Sp. Tor Rot Gelb Torhüter 22 Eike Immel Borussia Dortmund 27.11.1960 4 (0) 0 0 0 0 1 Toni Schumacher 1. FC Köln 06.03.1954 67 (0) 7 0 0 0 12 Uli SteinUli Stein wurde während des Turniers vor dem Viertelfinale gegen Mexiko nach Hause geschickt („Suppenkasper-Affäre“) und reiste am 21. Juni 1986 ab. Hamburger SV 23.10.1954 6 (0) 0 0 0 0 Abwehr 15 Klaus Augenthaler FC Bayern München 26.09.1957 11 (0) 2 0 0 0 14 Thomas Berthold Eintracht Frankfurt 12.11.1964 12 (0) 6 0 1 0 3 Andreas Brehme 1. FC Kaiserslautern 09.11.1960 23 (2) 5 1 0 0 2 Hans-Peter Briegel Hellas Verona 11.10.1955 66 (4) 6 0 0 0 6 Norbert Eder FC Bayern München 07.11.1955 2 (0) 7 0 0 0 4 Karlheinz Förster VfB Stuttgart 25.07.1958 74 (2) 7 0 0 0 5 Matthias Herget Bayer 05 Uerdingen 14.11.1955 21 (2) 1 0 0 0 17 Ditmar Jakobs Hamburger SV 28.08.1953 14 (1) 6 0 0 0 Mittelfeld 13 Karl Allgöwer VfB Stuttgart 05.01.1957 10 (0) 0 0 0 0 7 Pierre Littbarski 1. FC Köln 16.04.1960 40 (12) 5 0 0 0 10 Felix Magath Hamburger SV 26.07.1953 37 (3) 6 0 0 0 8 Lothar Matthäus FC Bayern München 21.03.1961 41 (2) 7 1 0 0 18 Uwe Rahn Borussia Mönchengladbach 21.05.1962 9 (4) 0 0 0 0 21 Wolfgang Rolff Hamburger SV 26.12.1959 17 (0) 2 0 0 0 16 Olaf Thon FC Schalke 04 01.05.1966 10 (0) 0 0 0 0 Angriff 19 Klaus Allofs 1. FC Köln 05.12.1956 40 (13) 7 2 0 0 20 Dieter Hoeneß FC Bayern München 07.01.1953 4 (4) 2 0 0 0 11 Karl-Heinz Rummenigge  Inter Mailand 25.09.1955 88 (44) 7 1 0 0 9 Rudi Völler Werder Bremen 13.04.1960 31 (18) 6 3 0 0 Trainer   Franz Beckenbauer (Teamchef)   11.09.1945   Horst Köppel (Trainerlizenzträger)   17.05.1948

Einen Tag vor dem Abflug nach Mexiko strich Franz Beckenbauer Guido Buchwald, Wolfgang Funkel, Heinz Gründel und Frank Mill aus dem erweiterten Kader.Der Tagesspiegel vom 10. Juni 2010 – Interview mit Guido Buchwald

Werner Vollack wurde als 4. Torhüter auf Abruf nominiert.

Vorbereitung Der frühe WM-Starttermin Ende Mai stellte den deutschen Fußball vor eine besondere organisatorische Herausforderung. Um der DFB-Mannschaft eine bestmögliche Vorbereitung zu ermöglichen, wurde der Bundesliga-Spielplan der Saison 1985/86 außergewöhnlich kompakt gestaltet. Der letzte Spieltag fand bereits am 26. April 1986 statt"Bundesliga heute | Spielplan & Ergebnisse | 34. Spieltag | 1985/86 - kicker". In: kicker.de, abgerufen am 24. Dezember 2024. – etwa fünf bis sechs Wochen früher als damals üblich. Dieser enge Zeitplan führte dazu, dass Teamchef Beckenbauer während der Saison nur wenige Mannschaftszusammenkünfte arrangieren konnte. Bereits nach Ende der Saison 1984/85 absolvierte die Mannschaft eine erste Mexiko-Reise mit Länderspielen gegen Mexiko und England, allerdings noch ohne vorherige spezielle Höhenanpassung. Aufgrund des engen Zeitplans fanden während der Bundesliga-Rückrunde 1985/86 nur drei Testspiele statt: Am 5. Februar 1986 gewann die DFB-Elf mit 2:1 gegen den amtierenden Weltmeister Italien in Avellino, am 12. März folgte ein bemerkenswerter 2:0-Heimsieg gegen Brasilien in Frankfurt am Main – das erste und bislang einzige Länderspiel gegen die Brasilianer ohne Gegentreffer. Am 9. April schloss sich ein 1:0-Erfolg in Basel gegen die Schweiz an.

Die finale Vorbereitungsphase begann mit einem Trainingslager vom 5. bis 10. Mai 1986 in Malente, gefolgt von einem Aufenthalt in der Sportschule Kaiserau. In dieser Phase bestritt die Mannschaft ihre letzten beiden Testspiele: ein 1:1 gegen Jugoslawien in Bochum (11. Mai) und einen 3:1-Sieg gegen die Niederlande in Dortmund (14. Mai). Die positive Bilanz von vier Siegen und einem Unentschieden aus den fünf Vorbereitungsspielen gegen allesamt namhafte Gegner unterstrich die gute Form der deutschen Mannschaft im Vorfeld der Weltmeisterschaft.

Quartier der Mannschaft