mini|Wesley K. Clark, ca. 1997–2000
Wesley „Wes“ Kanne Clark (* 23. Dezember 1944 in Chicago, Illinois) ist ein General a. D. der U. S. Army. Als Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) war er 1999 auch Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte im Kosovokrieg. 2004 bemühte er sich um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, gab aber nach nur mäßigen Erfolgen in den Vorwahlen auf. Er ist seit 2022 Ehrenvorsitzender der Prague Society for International Cooperation.
Frühe Jahre Als er knapp vier Jahre alt war, starb sein Vater, Benjamin J. Kanne, der demokratischer Stadtrat von Chicago, Veteran des Ersten Weltkriegs und Jurist war. Im Alter von sieben Jahren begann er Russisch zu lernen, weil seine Familie von russischen Einwanderern abstammte und er die andere Seite des Kalten Krieges verstehen lernen wollte.
1954 heiratete seine Mutter wieder, er wurde von seinem Stiefvater adoptiert. Er wuchs als Baptist in Little Rock auf und ging auf eine öffentliche Schule.
Militärische Laufbahn Im Juli 1962, im Alter von 17 Jahren, ging Clark an die US-Militärakademie in West Point. Hier lernte er auch seine zukünftige Frau, Gertrude Kingston, kennen. Er schloss die Akademie im Juni 1966 ab. Als einer der besten Absolventen seines Jahrgangs konnte er sich seine erste Verwendung aussuchen und wählte die Panzertruppe. Sein Abschlussjahrgang verzeichnete die höchsten Kriegsverluste im Vietnamkrieg. Clark erhielt ein Rhodes-Stipendium und konnte am Magdalen College der Universität Oxford Philosophie, Politik und Wirtschaft studieren. Dieses Studium schloss er mit einem Master ab. Danach absolvierte er die Grundausbildung für Panzeroffiziere an der US Army Armor School in Fort Knox und danach den Army-Rangers-Kurs an der Infanterieschule in Fort Benning (heute: Fort Moore).
Vietnamkrieg Im folgenden Jahr kommandierte Clark eine Kompanie des 4. Bataillons, 68. US-Panzerregiment der 82. US-Luftlandedivision in Fort Riley, Kansas. Im Mai, auf dem Höhepunkt des Vietnamkrieges, wurde er nach Vietnam abkommandiert. Er war dort Generalstabsoffizier G3 (Operationen) des Hauptquartiers und der Stabskompanie der 1. US-Infanteriedivision. Im Januar 1970 wurde Clark zum Captain befördert und übernahm das Kommando über eine Panzergrenadierkompanie, A-Kompanie, 1. Bataillon, 16. US-Infanterieregiment der 1. US-Infanteriedivision.
Im Februar 1970 wurde Clark viermal von einem Scharfschützen des Vietcong getroffen. Er hatte Verwundungen an der rechten Schulter, der rechten Hand, der rechten Hüfte und dem rechten Bein. Dennoch schaffte er es, Befehle an die Truppen zu geben, die daraufhin einen Gegenangriff starteten und den Gegner besiegten. Für diese Aktion wurde er mit dem Bronze- und dem Silver Star ausgezeichnet. Clark wurde auf Anraten der Ärzte ausgeflogen, um sich von seinen Verletzungen zu erholen. Bis heute humpelt er stark, kann das aber meist mit Erfolg kaschieren.
Weitere Laufbahn Vom Mai bis September 1970 kommandierte Clark die C-Kompanie des 6. Bataillons, 32. US-Panzerregiment der 194. US-Panzerbrigade in Fort Knox. Danach führte er bis zum Mai 1971 das 1. Bataillon, 77. US-Panzerregiment der 4. US-Infanteriedivision in Fort Carson. Nach dieser Truppenverwendung wurde er nach Washington, D.C. versetzt und war im Büro des Generalstabschefs des Heeres als Spezialist im Entwicklungsprogramm für die Umstrukturierung der US Army zur Freiwilligenarmee.
mini|Major General Clark (1992) mini|Clark (links) als neuer SACEUR mit dem SFOR-Befehlshaber General William Crouch im Juli 1997 in Bosnien-Herzegowina
Danach absolvierte er das National War College, das Command and General Staff College sowie die Weiterbildung für Panzeroffiziere, den Army-Ranger-Kurs und die Luftlandeschule. Von 1975 bis 1976 war Clark ein White House Fellow und diente als Spezialassistent des Direktors der Finanzen. Später war er Ausbilder und Assistenzprofessor für Sozialwissenschaft an der US-Militärakademie.
Nun übernahm er das Kommando über das 1. Bataillon, 77. US-Panzerregiment, 4. US-Infanteriedivision in Fort Carson, Colorado und trainierte dieses dort und in Deutschland. Er wurde Direktor des Programms für die Ausbildung zum Kampfkommando (Battle Command Training Program). Während des Zweiten Golfkriegs wurde Clark Kommandeur des US Army National Training Center und gruppierte die drei Einsatzkontingente der 1. US-Kavalleriedivision um, die dann während der Operation Desert Storm in Kuwait eingesetzt wurden. Vom Juli 1992 bis zum März 1994 führte er als Generalmajor die 1. US-Kavalleriedivision.
Stabsverwendungen 1994 wurde Clark zum Generalleutnant befördert und Direktor (J-5) für Strategie, Planung und Richtlinien im Joint Staff. Während dieser Dienstzeit sicherte er die Zusammenarbeit der Vereinten Nationen und des US-Verteidigungsministeriums bei der Invasion von Haiti. Vom Juni 1996 bis zum Juli 1997 diente er als Kommandierender General des US Southern Command. Danach übernahm er von 1997 bis 2000 das Kommando über das US European Command und damit gleichzeitig den Posten des Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), des Oberbefehlshabers der NATO.
Während der Jugoslawienkriege vertrat Clark 1995 unter der Führung von Richard Holbrooke das US-Militär während der Friedensverhandlungen von Dayton, die den Frieden für Bosnien und Herzegowina bedeuten sollten.
mini|links|Clark während einer Pressekonferenz im Jahr 2000
Während seiner Dienstzeit als SACEUR zog sich das jugoslawische Militär nach einer 78-tägigen Bombardierung aus dem besetzten Kosovo zurück – NATO-Truppen unter Clarks Kommando bildeten schließlich die KFOR und übernahmen die Verwaltung des Kosovo. Bemerkenswert dabei waren die Vorgänge um den sogenannten 'Vorstoß nach Priština'. Im Dezember 2003 während der Verhandlung gegen Slobodan Milošević vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag sagte auch Clark aus. Seine Aussage wurde jedoch von der US-Regierung vor ihrer späteren Veröffentlichung geprüft – eine Maßnahme, die bei der Aussage von Außenministerin Madeleine Albright nicht angewendet wurde. Es wurde spekuliert, dass diese Aktion der Bush-Regierung sicherstellen sollte, dass Clark nicht allzu viel Öffentlichkeit bzw. Sendezeit bekam, da er im darauffolgenden Jahr bei den Vorwahlen zur US-Präsidentschaft antreten wollte. Clarks Aussage vor dem Strafgerichtshof war erforderlich, da er in seiner Funktion als SACEUR während der Dayton-Verhandlungen mehr als 100 Stunden mit Milošević konferiert hatte.
Entlassung Clark wurde von Verteidigungsminister William Cohen vorzeitig aus dem Amt des SACEUR entlassen. Gründe dafür waren unter anderem sein Befehl im Juni 1999 an den britischen NATO-Kommandeur, Generalleutnant Sir Michael Jackson, die Landebahnen des Slatina-Flugfeldes bei Priština zu blockieren, um die dort nach dem Abzug der serbischen Streitkräfte im Eilmarsch eingetroffene russische SFOR-Brigade aus Bosnien zu isolieren und durch die Sperrung des Flugfeldes eine Verstärkung der russischen Truppen aus der Luft zu verhindern (siehe auch: „Vorstoß nach Pristina“). General Jackson verweigerte den Befehl mit den Worten „I'm not going to start the Third World War for you“ (dt.: „Ich werde für Sie nicht den Dritten Weltkrieg beginnen“) und verhinderte damit eine mögliche militärische Eskalation mit Russland, unterminierte jedoch auch die Kommandokette. (PBS.org, 15. Juni 2001, englisch) Confrontation over Pristina airport (BBC-News, 9. März 2000, englisch)
Hätte Jackson den Befehl ohne direkte Zustimmung aus London ausgeführt und britische Soldaten wären in bewaffnete Auseinandersetzungen mit russischen Truppen verwickelt worden, hätte er – aufgrund seiner Doppelrolle als Oberbefehlshaber der britischen Truppen – wegen Insubordination entlassen werden können. Auf der anderen Seite bedeutete, sich Clark zu widersetzen, eine Befehlsverweigerung gegenüber einem direkten Vorgesetzten. Das Ziel, die Landebahn des Flughafens zu blockieren, wurde dennoch indirekt erreicht, da verhindert werden konnte, dass Russland eine Luftraumfreigabe der Nachbarländer erhielt. Die russische Brigade musste daraufhin abziehen, da die Versorgung ihrer dort isolierten 200 Soldaten über Land nicht zu gewährleisten war.
Die Entlassung wird auch als Reaktion der US-Regierung auf Clarks offene Kritik an der Weigerung der Regierung Clinton gesehen, im Kosovokrieg Bodentruppen einzusetzen.Deutsche Bank Research (Seite 8, 24. November 2003, englisch; PDF; 328 kB); Americas Nato commander to leave early (BBC-News, 28. Juli 1999, englisch) In seinem Buch „Waging Modern War“Wesley Clark: Waging Modern War, 2002, ISBN 1-58648-139-8, S. 408–412. beschreibt Clark die Geschehnisse wie folgt: Er sei 1999 von General Hugh Shelton, dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs, per Telefon davon in Kenntnis gesetzt worden, dass Verteidigungsminister Cohen entschieden habe, ihn bereits im April, anstatt erst am Ende seiner dreijährigen Dienstzeit als SACEUR im Juli 2000 ablösen zu lassen. Clark führt aus, dass er nicht verstanden habe, warum es zu dieser Entscheidung gekommen sei. Denn der Posten des SACEUR sei eigentlich auf drei Jahre vergeben und dann meist um ein weiteres Jahr verlängert worden. Laut Clark erklärte Shelton ihm daraufhin, dass Joseph W. Ralston, der stellvertretende Vorsitzende des Vereinigten Generalstabs, der einzig mögliche Kandidat für die Neubesetzung des Postens sei. Und da seine vier Jahre als stellvertretender Vorsitzender im Februar endeten, müsse er dem Gesetz nach innerhalb von 60 Tagen einen neuen angemessenen Posten übernehmen oder Shelton müsse ihn vorübergehend zum Generalmajor zurückstufen. Daher müsse Clark seinen Posten früher verlassen – er habe ihn sowieso schon länger als der Durchschnitt innegehabt. (15. Januar 2004, englisch); siehe auch den Abschnitt „Ruhestandregelungen“ im Artikel Streitkräfte der Vereinigten Staaten Clark schreibt dazu in seinem Buch, er sei sich sicher, dass es legale Möglichkeiten gegeben hätte, ihn seine drei Jahre als SACEUR ableisten zu lassen. Ebenso war er sich bewusst, dass die Bemerkung mit der durchschnittlichen SACEUR-Dienstzeit nicht den Tatsachen entsprach.
Politische und wirtschaftliche Laufbahn US-Präsidentschaftswahl 2004 Nach seinem Ausscheiden aus der US Army arbeitete Clark als Analytiker für militärische Fragen und internationale Beziehungen, darunter auch als Kommentator für CNN. 2002 begann er mit den Vorbereitungen auf die Präsidentschaftswahlen 2004.
Im März 2003 begann die Internetseite „DraftWesleyClark.com“ eine landesweite Kampagne, um Clark als Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei zu unterstützen. Bis zum August 2003 entwickelte sich diese Kampagne beträchtlich und sammelte bis zu diesem Zeitpunkt annähernd zwei Millionen US-Dollar an Spenden für den Wahlkampf Clarks.
Am 13. August 2003 zeigte CNN einen Werbespot der Webseite und interviewte Clark. Er verneinte jegliche Verbindung zu den Unterstützungsgruppen, sagte aber, dass er erwäge, sich als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Auch heizte er die Spekulationen mit der Aussage, er sei ein Demokrat, weiter an. Am 17. September kündigte Clark an, sich den Vorwahlen zur Präsidentschaft zu stellen. Sein Wahlkampf griff Themen wie Führerschaft und Patriotismus auf, die bei seinem Lebenslauf nahelagen. Aufgrund seiner steilen Militärkarriere sah ihn die Presse nach dem 11. September 2001 im Vergleich zum amtierenden Präsidenten George W. Bush als außenpolitisch fähiger an. Berater und Unterstützer porträtierten ihn als die wählbarere Alternative zum weiteren Kandidaten Howard Dean.