Puchheim ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck. Sie gliedert sich in den alten, eher ländlich geprägten Ortskern Puchheim Ort und das erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene, vorstädtisch geprägte Puchheim Bahnhof. Die Gemeinde wurde mit Wirkung zum 17. Mai 2011 zur Stadt erhoben. mini|Zentrum von Puchheim-Bahnhof
Geographie Lage Puchheim liegt im äußersten Osten des Fürstenfeldbrucker Landkreises, etwa 8 Kilometer östlich von Fürstenfeldbruck und 18 Kilometer westlich des Münchner Zentrums.
Nachbargemeinden Im Nordosten grenzt Puchheim direkt an Gröbenzell. Beide Orte gehen nahtlos ineinander über. Im Osten liegt die Stadt München, im Süden Germering. Im Südwesten liegt das Gemeindegebiet von Alling, im Westen Eichenau und im Norden Olching.
Klima Puchheim liegt im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen kontinentalen Klima. Weitere wesentliche wetterbestimmende Faktoren sind die Alpen als mitteleuropäische und die Donau als regionale Wetterscheide. Aufgrund dieser Konstellation ist das Wetter relativ wechselhaft. Der Föhn bringt das ganze Jahr hindurch aus südlicher Richtung immer wieder warme und trockene Luftströmungen nach Puchheim. Damit verbunden ist eine gute Fernsicht, so dass auch die Bayerischen Alpen deutlich zu sehen sind.
Geschichte Siedlungsgeschichte Erste Siedlungsspuren reichen in die Römerzeit zurück, aus der eine Villa rustica sowie Münzfunde um 15 v. Chr. belegt sind. Die urkundliche Ersterwähnung findet sich in Freisinger Kirchenurkunden zwischen 948 und 957 als Puohheim. 1494 wird der Verkauf eines Burgstalls von Puchheim an das Kloster Fürstenfeld erwähnt.
Das Gebiet des heutigen Puchheim Bahnhof war über die Jahrhunderte ein landwirtschaftlich kaum genutztes Niedermoor. Den Puchheimern diente diese Gegend lediglich als Fluchtort in Krisenzeiten. So vor allem in den Kriegsjahren 1808/1809 des Fünften Koalitionskriegs, als französische Truppen die Region plünderten. Ab 1840 wurde das Moor zunehmend für den Torfstich genutzt. In den 1870er Jahren begannen die umliegenden Bauern, Grünland zu gewinnen und Ackerland zu kultivieren. Gleichzeitig entstanden die ersten ständigen Niederlassungen durch so genannte Kolonisten.
Hausmüllverwertung (1898–1949) 1869/1870 entstand die Bahnlinie nach Memmingen. Eine erste Haltestelle für Vorortzüge wurde 1896 eingerichtet. Der 1899 begonnene Ausbau des Bahnhofs führte am 1. Mai 1900 zur vollen Ernennung für Güterverkehr und Ganzbetrieb. Die Bahnlinie war der entscheidende Wachstumsfaktor für den Ortsteil Puchheim Bahnhof. Bereits 1898 entstand mit der Hausmüllverwertung München GmbH einer der ersten Industriebetriebe im Landkreis. Für Teile der rund 200 Arbeiter wurden auch Unterkünfte gebaut.
Flugfeld Puchheim (1910–1914) mini|Ansichtskarte vom Puchheimer Flugplatz und Umgebung Neben der Hausmüllfabrik prägte das Flugfeld Puchheim die Geschichte des Ortes zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Als erster Flugplatz Bayerns wurde er von dem Münchner Verein „Akademie für Aviatik“ errichtet und am 22. Mai 1910 eröffnet. Zuvor hatte der Verein für rund 60.000 Reichsmark 38 ha Mooswiesengelände im Gebiet zwischen der heutigen Lager-, Birken- und Alpenstraße aufgekauft. Insgesamt wurden nach Angaben der Presse etwa 250.000 Reichsmark investiert, unter anderem für eine 4 km lange Betonmauer um das Gelände. Das Flugfeld hatte eine Ausdehnung von circa einem Quadratkilometer und verfügte über acht Flugzeugschuppen und eine Werkstatt. Eine 80 m lange hölzerne Startbahn diente als Starthilfe. Um den Ansturm an Besuchern bewältigen zu können, wurde der Bahnhof Puchheim erweitert, der rund einen Kilometer entfernt lag. Zu den Flugschauen kamen nach Angaben der Behörden, der Staatsbahn und der Presse bis zu 50.000 Besucher. Ein für 300 Personen berechnetes Restaurant auf dem Flugfeld diente zur Bewirtung der Gäste (Franziskaner-Leistbräu; Schottenhamel). Zusätzlich standen fünf große Zelte bereit, so dass insgesamt rund 3.000 Gäste bewirtet werden konnten.Erich Hage: Flugfeld Puchheim. Bayerns erster Flugplatz. München 2010, S. 51. Vor allem die Vorführungen des französischen Kunstfliegers Adolphe Pégoud, der 1913 erstmals Loopings und Sturzflüge zeigte, waren Publikumsmagneten. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das Flugfeld aufgegeben und im November 1915 von der Akademie verkauft. Militärisch wurde es nicht genutzt, wenngleich sich militärische Interessen auch hier beobachten lassen.
Kriegsgefangenenlager (1914–1920) mini|Russischer Friedhof an der Lagerstraße Bereits im Oktober 1914 internierte man auf dem Gelände des ehemaligen Flugfeldes die ersten Kriegsgefangenen. Zwischen 700 und 850 Franzosen wurden in den Hangars einquartiert. Der Ausbau zum regulären Kriegsgefangenenlager erfolgte rasch. Schon im Folgejahr war Puchheim nach Grafenwöhr das zweitgrößte Lager in Bayern. Bis 1917 wurden insgesamt 40 Baracken sowie verschiedene Wirtschaftsgebäude errichtet. Am 21. August 1917 verzeichneten die Listen der Lagerleitung 16.141 Gefangene aus Frankreich, Russland, Italien und England. Die meisten wurden als Arbeitskräfte außerhalb des Lagers abgestellt. Im Puchheimer Gebiet legten sie mehrere Gräben an, um das Moor zu entwässern. Auch der heute noch vorhandene Mühlstetter Graben ist so entstanden. Darüber hinaus wurden die Gefangenen als Bergarbeiter bei Penzberg, beim Bau einer Acetonfabrik der Wacker-Chemie GmbH sowie in der Landwirtschaft eingesetzt. 1918 kamen russische Kriegsgefangene bei der Müllentsorgung in München zum Einsatz.Abfallwirtschaftsbetrieb München: (PDF). Zum Zeitpunkt des Waffenstillstands von 1918 war das Lager mit 24.764 Gefangenen (davon 14.072 Russen und 10.692 Franzosen) sowie einer 3.800 Mann starken Wachmannschaft deutlich überbelegt. Die Auflösung erfolgte mit der Rückführung der letzten Gefangenen erst 1920.
Zwischen 1915 und 1919 starben insgesamt 585 Gefangene, alleine etwa 350 davon zwischen November 1918 und Februar 1919 an der Spanischen Grippe.Michael Scherl: Das Kriegsgefangenenlager in Puchheim im Ersten Weltkrieg. Während französische Verstorbene nach dem Krieg in ihre Heimat überführt wurden, verblieben die Gebeine von 321 Russen auf dem so genannten Russenfriedhof in der Lagerstraße. Am 17. Oktober 1917 besuchte der Apostolische Nuntius Eugenio Pacelli das Lager.Dirk Walter: Kontrollbesuch im Lager
Verwaltungsgeschichte Auch wenn 1442 einmalig ein Dorfgericht erwähnt wird, bildete Puchheim nie eine unabhängige Hofmark. Bis 1852 unterstand der Ort der Starnberger Gerichtsbarkeit. Im Rahmen der administrativen Neugliederung des neu geschaffenen Königreichs Bayern wurde Puchheim 1808 dem Steuerdistrikt Germering zugeschlagen. Mit einer eigenen Pfarrei und rund 250 Einwohnern erfüllte der Ort die Voraussetzungen des zweiten bayerischen Gemeindeedikts von 1818, um als Ruralgemeinde (erweiterte Selbstverwaltungsrechte, Gemeindeversammlung aus allen stimmberechtigten Bürgern) geführt zu werden. Am 1. August 1952 wurden einige Gemeindeteile von Puchheim Bahnhof an die neu gegründete Gemeinde Gröbenzell abgetreten.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 18.398 auf 21.531 um 3.133 Einwohner bzw. um 17 %.
Politik mini| Stadtrat Der Stadtrat von Puchheim setzt sich aus 30 Ratsmitgliedern und dem Ersten Bürgermeister zusammen. Die Gemeinderatswahl am 8. März 2026 führte bei einer Wahlbeteiligung von 59,1 % zu folgendem Ergebnis:AKDB: Wahl des Stadtrats 2026, Puchheim
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CSU 34,2 % 10 Grüne 16,2 % 5 SPD 18,0 % 5 Unabhängige Bürger (ubp) 12,6 % 4 AfD 8,7 % 3 Die Linke 4,3 % 1 Gemeinsam für Puchheim (GFP) 3,7 % 1 FDP 2,3 % 1 Gesamt 100 % 30
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2026 Thomas Hofschuster (CSU). Er erhielt 48 % der gültigen Stimmen. Sein Vorgänger war Norbert Seidl (SPD).
Nach der Kommunalwahl 2026 ist Jean-Marie Leone (SPD) Zweiter Bürgermeister und Hans Knürr (Bündnis 90/Grüne) Dritter Bürgermeister.
Wappen und Fahne Puchheim führte lange Zeit kein eigenes Wappen. Erst am 11. September 1962 beschloss der Gemeinderat die Annahme eines solchen. Die Genehmigung durch das Bayerische Staatsministerium des Inneren erfolgte am 6. November 1963.
Der Stadtrat beschloss am 24. Juli 2012 die Annahme einer Gemeindeflagge in der Streifenfolge Blau-Weiß-Grün mit dem aufgelegten Stadtwappen. Zuvor hatte Puchheim inoffiziell eine weiß-blau gestreifte Flagge mit dem Gemeindewappen geführt.
Städtepartnerschaften mini|hochkant| Seit 1991 pflegt Puchheim Partnerschaften mit inzwischen vier Städten in ganz Europa. Im Jahr 2007 zeichnete der Europarat die damalige Gemeinde mit dem Europadiplom für die Vertiefung des Europagedankens aus.Webpage der Stadt Puchheim: Partnerstädte Im Jahr der Stadterhebung 2011 erhielt Puchheim die mit gold bestickte Ehrenfahne des Europarats für ihre langjährigen guten Beziehungen zu ihren Partnerstädten. Vor dem Rathaus wurde nach 1993 ein Denkmal mit einer Gedenkplatte mit den Namen der ersten drei Partnerstädten errichtet. Aus dem Stein ragen für jede Partnergemeinde eine metallene Tulpe mit deren eingeprägten Stadtwappen.
, Ungarn (seit Oktober 1991) , Ungarn (seit Oktober 1991) , Österreich (seit Mai 1993) , Finnland (seit 2011)
Kultur Neben den vielfältigen Veranstaltungen der örtlichen Vereine gestaltet die Gemeindeverwaltung mit einem Kulturprogramm im 1999 eröffneten Puchheimer Kulturcentrum (PUC) das kulturelle Leben am Ort mit. Durch Gastspiele und Eigenproduktionen wird hier ein breites Spektrum abgedeckt.
Seit 2006 veranstaltet das Puchheimer Netzwerk Kultur (ein Zusammenschluss örtlicher Kulturträger) mit dem bislang jährlich stattfindenden Event „Puchheim lebt!“ ein bürgerschaftliches Kulturprojekt, das von der Gemeinde unterstützt wird. Ziel ist es, allen ortsansässigen Kulturschaffenden über Generationen und Milieus hinweg eine gemeinsame Plattform bereitzustellen.
Bauwerke mini|Pfarrkirche St. Josef in Puchheim-Bahnhof mini|hochkant|Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Puchheim-Ort
Eine Kirche bzw. Kirchenbesitz in Puchheim-Ort wurde schon in der Ersterwähnungsurkunde Puchheims (948 bis 957) genannt, der Kirchturm der Kirche Maria Himmelfahrt ist gotischen Ursprungs und mindestens 750 Jahre alt. Die katholische Pfarrkirche St. Josef (Architekt: Günter Eisele) wurde 1966 eingeweiht. Die evangelische Auferstehungskirche wurde 1984 unter Betreuung des Künstlers Karlheinz Hoffmann fertiggestellt.
mini|hochkant| Gegenüber der katholischen Pfarrkirche Sankt Josef befindet sich auf einem erhöhten Plateau, von Geschäften, Restaurants, sozialen Einrichtungen und Wohngebäuden umgeben, der Alois-Harbeck-Platz. In dessen Zentrum befindet sich eine große, von Moos und Flechten bewachsene Brunnenanlage. Am Brunnenrand ist eine Inschrift mit nachfolgendem Text eingelassen: „Diese Marktanlage wurde errichtet von Anna und Alois Harbeck Anno 1972.“ Die Eigentümerin Laura Stieber, die Tochter der Familie Harbeck, plante bereits 2019 den teilweisen Abriss und Neubau bzw. die Kernsanierung des gesamten Ensembles. Peter Bierl: Angst um das Zuhause. In: Süddeutsche Zeitung. 22. Juli 2019 (aufgerufen am 7. August 2020) Anfang 2020 war fast allen Ladengeschäften und den meisten Mietern gekündigt worden. Nach dem im Januar vorgestellte Bebauungsplan bleibt nur die hintere Wohnanlage erhalten. Ein Vollsortimenter mit 1200 Quadratmeter, ein fünfgeschossiges Hotel sowie eine siebenstöckige Wohnanlage soll entstehen.Olf Paschen: Grünes Licht für Umbau am Harbeck-Platz. Merkur.de vom 2. Januar 2020 (aufgerufen am 7. August 2020)
1990 wurde nach Plänen des österreichischen Architekten Manfred Kovatsch die Siedlung Sprengerinstraße errichtet, die zahlreiche Architekturpreise erhielt.