mini|Miskolc um 1840 mini|Luftaufnahme von Miskolc mini|Elisabethbad mini|Der Eisenschmelzofen von Újmassa Miskolc (), der Komitatssitz des Komitats Borsod-Abaúj-Zemplén, liegt im Nordosten von Ungarn. Mit der Einwohnerzahl von 143.502 (2024) ist Miskolc nach Budapest, Debrecen und Szeged die viertgrößte Stadt Ungarns und eine der 25 Städte mit Komitatsrecht. Miskolc liegt an den Ostausläufern des Bükk-Gebirges.
Die Stadt ist das Zentrum von Nordungarn, einer der sieben Regionen in Ungarn.
Geschichte Die ältesten archäologischen Fundstücke aus Miscolc sind 70.000 Jahre alt (Avas). Miskolc war auch in der Jungsteinzeit bewohnt. An der Stelle der heutigen Burg Diósgyőr stand schon vor der Ansiedlung der Magyaren eine Festung.
Die Stadt bekam ihren Namen von der altungarischen Großfamilie Miskóc und wurde in den Gesta Hungarorum eines namentlich nicht bekannten Verfassers um 1200 so erwähnt: „que nunc uocatur miscoucy“ („welche jetzt Miskolc heißt“).Anonymus, Gesta Hungarorum 31,8. Die Familie Miskóc verlor diese Gebiete 1312, weil sie in den Kämpfen gegen König Karl I. Robert den Máté Csák unterstützt hatte. Der König teilte das Land der Familie Széchy zu, unter deren Führung die Ortschaft sich zur Stadt entwickelte.
König Ludwig verlieh Miskolc 1365 die Stadtrechte. Er ließ auch die Burg Diósgyőr renovieren und erklärte sie zum Eigentum der Krone. Die Stadt blieb bis 1848 in königlicher Hand.
Miskolc entwickelte sich schnell. Im 15. Jahrhundert hatte die Stadt schon 2000 Einwohner, doch diese Entwicklung verlangsamte sich während der osmanischen Herrschaft. Die Stadt wurde 1687 von den Ungarn zurückerobert. 1724 wurde Miskolc zum Komitatszentrum von Borsod ernannt. Die erste Volkszählung fand 1786 statt und ergab, dass die Stadt 2414 Häuser und 14.179 Einwohner hatte.
Die wichtigsten Gebäude wurden während des 18. und 19. Jahrhunderts erbaut, so das Rathaus, das Komitatshaus, ein Theater und die Synagoge. Im 18. Jahrhundert gab es eine Holzmühle, eine Papierfabrik, eine Brauerei, eine Schießpulverfabrik und fünfzehn Mühlen am Bach Szinva. Die Glashütten und Eisenöfen entstanden im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Der erste Eisenofen, der um 1770 von Henrik Fazola erbaut wurde, ist nicht erhalten, der zweite, 1813 von Friedrich Fazola erbaut, kann besichtigt werden. Im Bükk-Gebirge wurden mehrere neue Siedlungen für die Arbeitern von Glashütten und Schmelzöfen gegründet. Die Limnoquarzite von Avas wurden zu Flintensteinen verarbeitetK. Simán, Prehistoric mine on the Avas Hill at Miskolc. Archaeologia Polona 33, 1995, 371–382.
Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschleunigte sich die Entwicklung, teils aufgrund der politischen Situation (nach dem Ausgleich), teils aufgrund der neuen Eisenbahnlinie. In Diósgyőr wurden ein großer Hochofen (der zweitgrößte des Landes) sowie mehrere weitere Fabriken gebaut. Der Bergbau gewann weiter an Bedeutung.
Der nach dem Ersten Weltkrieg abgeschlossene Vertrag von Trianon löste eine starke Zuwanderung aus, als Tausende Optanten aus der neu gebildeten Tschechoslowakei nach Miskolc zogen. Im Jahr 1919 war Miskolc kurzzeitig Hauptstadt der Slowakischen Räterepublik, die sich aus Košice zurückgezogen hatte.Hannes Hofbauer/David X. Noack: Slowakei: Der mühsame Weg nach Westen, Wien 2012, ISBN 978-3-85371-349-5, S. 42. Der erste Luftangriff der Roten Armee traf die Stadt am 2. Juni 1944.
Innerhalb von vierzig Jahren verdoppelte sich die Bevölkerung. Die Industrialisierung ließ mit der Vereinigung von Miskolc, Hejőcsaba und Diósgyőr (1945) sowie mehreren umliegenden Städten und Dörfern (zwischen 1950 und 1981) den Großraum Miskolc entstehen. In den 1980er Jahren beschäftigte die Metallfabrik mehr als 18.000 Arbeiter, die Produktion betrug über eine Million Tonnen pro Jahr. Die Einwohnerzahl erreichte einen historischen Rekord (über 200.000 Einwohner), zwei Drittel der Erwerbstätigen arbeiteten in der Schwerindustrie. Zum Beispiel produzierte hier das Stahlwerk Diósgyőr (Lenin-Hüttenwerk), das einer der größten Hüttenkomplexe des Landes und der größte Arbeitgeber der Stadt war. Miskolc eines der Schwerindustriezentrums des Landes. 1949 wurde auf Beschluss des ungarischen Parlaments die Universität Miskolc gegründet. Sie wurde als Technische Universität für Schwerindustrie mit drei technischen Fakultäten (Maschinenbau, Bergbauingenieurwesen und Hüttenwesen) gegründet. Seit den 1980er Jahren wurde die Zahl der Fakultäten erweitert (Jura, Wirtschaftswissenschaften, Geisteswissenschaften und Medizin).
In den 1970er und 1980er Jahren ist die Bevölkerungszahl der Stadt angestiegen. Zu dieser Zeit wurden an mehreren Stellen in der Stadt Plattenbausiedlungen gebaut, auch im Stadtzentrum. Die größte derartige Wohnsiedlung ist Avas, mit mehr als 10.000 Wohnungen in Plattenbauten. Sie wurde zwischen 1973 und 1985 gebaut.
In den 1990er Jahren verlor Miskolc den Großteil seiner Industrie. Nach dem Regimewechsel wurden viele Fabriken und Staatsbetriebe in der Stadt und Umgebung geschlossen. Daher war die Arbeitslosenquote in den 1990er Jahren hoch. Das Stahlwerk Diósgyőr bestand bis in die 2000er Jahre, wurde dann aber aufgelöst. Die Bevölkerung der Stadt ging zurück. In den letzten Jahren siedelten sich mehrere Unternehmen in der Stadt an, so verfügt beispielsweise auch die Bosch-Gruppe über eine Fabrik. Am Stadtrand entstanden große Einkaufszentren.
Demographie Jahr Einwohnerzahl Bemerkungen178614.179185016.345187021.199189130.408193061.559 Vor dem Vertrag von Trianon (1920) war Miskolc die zwölftgrößte Stadt, danach die sechstgrößte.194177.3621950100.000 Seit 1949 die zweitgrößte ungarische Stadt1960144.2171965163.6001985211.600 Bisher höchste Einwohnerzahl1996191.8852001180.2822005175.7012015159.5542024143.502 mini|420px|Demographische Entwicklung der Stadt Miskolc
Nach den Angaben der Volkszählung im Jahr 2001 hat die Stadt 180.282 Einwohner, von denen 95,7 % Ungarn, 2,2 % Roma, 0,3 % Slowaken, 0,3 % Deutsche, 0,1 % Griechen und 1,4 % sonstige Völkergruppen sind.
2001 gab es in der Stadt 73.508 Wohnungen.
Städtepartnerschaften
mini|Straßenbahn Linie 1 auf der Széchenyi Straße
Asan, Südkorea Aschaffenburg, Deutschland Burgas, Bulgarien Cleveland, USA Kayseri, Türkei Katowice, Polen Košice, Slowakei Ostrava, Tschechien Tampere, Finnland Wologda, Russland Yantai, China
Verkehr mini|Neue Straßenbahn (Typ: Škoda 26T) mini|Neoplan-Bus, Centroliner N4522 Nahverkehr: Netz der Straßenbahn Miskolc innerhalb der Stadt Autobahn: M3/M30 aus Richtung Budapest Eisenbahn: Intercitys und Schnellzüge von/nach Budapest und Debrecen, in die und aus der Slowakei usw., außerdem ein Rangierbahnhof Flughafen: Flughafen Budapest Liszt Ferenc in 180 km, Flughafen Košice (Slowakei) in 80 km, Flugplatz Miskolc
Sehenswertes mini|Waldbahn Lillafüred mini|Der Lillafüred-Wasserfall, der größte Wasserfall Ungarns mini|Die Ruinen der Burg von Diosgyör Ortsteil Lillafüred mit Schlosshotel, Tropfsteinhöhlen und Waldbahn Lillafüred Ortsteil Tapolca mit Thermalquellen und Höhlenbad sowie zahlreichen Hotels und Pensionen Die Burg Diósgyőr (1271 erstmals urkundlich erwähnt) Burgspiele (jährlich im Sommer) Ottó-Herman-Museum Fernsehturm Miskolc-Avas auf dem Avas-Berg Gotische Protestantische Kirche auf dem Avas-Berg Große Synagoge Holzkirche Internationales Opernfestival (jährlich)
Sport 2009 wurden die Orientierungslauf-Weltmeisterschaften in der Region um Miskolc ausgetragen.
Im Motorradsport ist Miskolc durch seine Speedwayrennen überregional bekannt.
Der Eishockeyverein DVTK Jegesmedvék nimmt an der ungarischen Eishockeyliga und der Erste Liga teil. 2015 gewann er das Triple aus MOL Liga, Ungarischer Meisterschaft und Pokalsieg.
Söhne und Töchter der Stadt
Klimatabelle
Literatur Miskolc, in: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Jerusalem : Yad Vashem, 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 485f.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Komitat Borsod-Abaúj-Zemplén Kategorie:Ungarische Hochschul- oder Universitätsstadt Kategorie:Kurort in Ungarn Kategorie:Ersterwähnung 1173 Kategorie:Ghetto Kategorie:Stadt mit Komitatsrecht in Ungarn