Ostbevern (plattdeutsch Austbiäwern) ist eine Gemeinde im Kreis Warendorf / Nordrhein-Westfalen.
Geographie mini|Ortsteile (rot) und Bauerschaften (orange) von Ostbevern mini|Luftaufnahme des Ortskerns von Ostbevern (2014) Ostbevern liegt im Nordosten des Münsterlandes, etwa 20 km nordöstlich von Münster und 15 km nordwestlich von Warendorf an der Bever. Die nordöstliche Grenze bildet die Landesgrenze von Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen. Flüsse sind die Bever, die Aa. Bäche sind Wöstengosse, Langfortsbach, Breddewiesenbach, Frankenbach, Bockhorner Bach, Riedenbach. Der Gellenbach bildet eine fünf Kilometer lange Grenze zu Telgte; die Lütke Beeke die drei Kilometer lange Grenze zu Ladbergen. Wälder sind der Kattmanns Kamp, Loburger Park, Schirlheide, Hülsheide, Hülshorst. Flure sind: Schultenheide, Philippsheide, Schlichtenfeld, Schlangenbrink, Lilienvenn, Witthagen, Stoltebeensvenn, Rottwinkeler Heide, Brüskenheide, Pottheide, Wurzliche Heide.
Naturschutz Der Grünland-/Gehölzkomplex bei Ostbevern und die Brüskenheide sind Naturschutzgebiete. Die Fleiergosse soll im Landschaftsplan Ostbevern zu einem Biotop erklärt werden.
Ortsteil Der einzige Ortsteil ist Brock, welcher nicht mit der gleichnamigen umliegenden Bauerschaft verwechselt werden darf.
Bauerschaften An der Aa Brock (sprich „Brook“): Bezeichnet die nördlichste Bauerschaft. Sie umschließt auch den Ort Brock. Brock kommt von Bruch. Deppengau Dorfbauerschaft: Bezeichnet die am Dorf liegende Bauerschaft. Sie liegt zwischen Lehmbrock und Brock. Im Zweiten Weltkrieg wurde hier eine Flakbatterie installiert, deren Unterstände und Unterkünfte noch sichtbar sind. Haselheide Kattmannskamp Lehmbrock (sprich „Lehmbrook“): Brock kommt von Bruch und bezeichnet eine lehmhaltigen Bruch. Loburg: Die Bezeichnung Lo-Hus oder Lo-Hof (mundartl. „lo“, wie das eng. „low“) besagt so viel wie niedrig, sumpfig, feucht. Dennoch besitzt die Bauerschaft, als Produkt einer Endmoräne, den höchsten Punkt Ostbeverns mit . Dort findet man das Schloss Loburg sowie den Loburger Park. Ploogsvenn Schirl: Es ist die östliche Bauerschaft. „Schier loh“ setzt sich zusammen aus „schier“ im Sinne von „nur“ oder „ausschließlich“ und „loh“, wie niedrig, sumpfig, feucht. Durch die Entwässerung ist das Gebiet heute eine trockene Heidelandschaft. Schlichtenfelde Überwasser: Es ist vom Ortskern aus gesehen die südlichste Bauerschaft. Ihr Name stammt wahrscheinlich daher, dass sie trotz des jährlichen Hochwassers der Bever immer über Wasser lag. Nach einer anderen gängigen Theorie stammt der Name daher, dass man zum Erreichen der Bauerschaft die Bever überqueren musste, also über das Wasser musste.
Nachbargemeinden Schwege als ein OT von Glandorf Schmedehausen als ein OT von Greven Moorsiedlung als OT von Ladbergen Kattenvenne als ein OT von Lienen Milte und Einen als ein OT von Warendorf Vadrup und Westbevern als OT von Telgte Telgte
Geschichte Ostbevern wurde erstmals um 1088 urkundlich unter dem Namen Beverne erwähnt. Ein in Bevern gelegener Hof (curtem in Beverne) wurde an das Kloster Iburg übertragen. Das Kirchspiel gehörte zum Hochstift Münster, vertreten durch die Herren von Bevern. 1608 stiftete Hermann Schenking aus dem Haus Bevern ein Armenhaus. Seit 1611 ist auf dem Kirchhof ein Schulgebäude belegt. Der Dreißigjährige Krieg traf auch Ostbevern schwer. 1636 wurde das Dorf von schwedischen Truppen besetzt, die große Zerstörungen anrichteten. Generalleutnant Peter Melander von Holzappel hat sich in das Pfarrhaus einquartiert, was er „zum Dank“ in Brand stecken ließ.
Nach dem Reichsdeputationshauptschluss fiel die Gemeinde zunächst an das Königreich Preußen, dann an das Großherzogtum Berg und gehörte der Kanton Ostbevern ab 1811 als ein Teil des Département de l’Ems-Supérieur dem französischen Kaiserreich an. 1811 wurden unter dem Maire Friedrich Clemens von Beverförde mit Hilfe von 300 Mann und 15 zweispännigen WagenFranz Meyer: Geschichte der Gemeinde Ostbevern, Ostbevern 2000, ISBN 3-00-006943-7, S. 129. die Hauptstraße und Teile der heutigen Bundesstraße 51 gebaut. Sie war Teil der „routes impériale“ N 3: Paris–Lüttich–Wesel–Hamburg, einer Haupttrasse im französischen Kaiserreich. 1812 erhielt Ostbevern eine Poststation, die Saxenrast.
Infolge des Wiener Kongresses kam Ostbevern endgültig zu Preußen. Verwaltungsmäßig wurde es 1816 in den Kreis Warendorf im Regierungsbezirk Münster eingegliedert. 1841 erhielt Ostbevern durch die Westfälische Landgemeindeordnung eine Amtsverwaltung (Amt Ostbevern).Vortrag von Peter Burg zum Amt Ostbevern Zwischen 1906 und 1908 wurden die Chaussee von Ostbevern zum Bahnhof Brock und die Wege nach Lienen und Warendorf ausgebaut. Am 28. Juni 1910 wurde das Luftschiff LZ 7, kurz vor seinem Absturz am Limberg bei Iburg, über Ostbevern von 14:00 bis 16:30 Uhr gesichtet, als es in ein Unwetter geraten war.Kurt Puzicha: Wenn Menschenzungen schweigen, werden Steine reden. In: Trotzdem vorwärts – Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980, S. 19. Am 9. August 1936 in der Zeit des Nationalsozialismus wurde Ostbevern Musterdorf des Gau Westfalen-Nord.Eugen Kotte: Ostbevern, Aufsätze zur Dorfgeschichte. Ostbevern 1987, S. 50. Während des Zweiten Weltkrieges gab es aufgrund des nahegelegenen Flugplatz Münster-Handorf umfangreiche Luftverteidigungseinrichtungen, wie Scheinwerfer- und Flugabwehrkanonen der 22. Flak-Division in der Brandheide der Dorfbauerschaft. Auch waren etwa 200 Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter im Ort ansässig. Viele arbeiteten in der Landwirtschaft und in dem Kasein-Werk am Bahnhof. Beim Tagesangriff auf Münster am 10. Oktober 1943 wurden drei Boeing B-17 über Ostbevern abgeschossen, wobei zehn amerikanische Soldaten starben. Am Abend des 12. September 1944 wurde ein Bomber der Royal Air Force zum Absturz gebracht. Am 19. Februar 1945 schlug eine V-1, die das Ziel verfehlt hatte, in die Beverwiesen vor der Volksschule ein. Am 4. April 1945 wurde Ostbevern nach mehrtägigem Kampf von US-amerikanischen Streitkräften eingenommen. Die Toten ruhen in der Kriegsgräberstätte Ostbevern.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die neuangekommenen Flüchtlinge und Heimatvertriebene in der so genannten Eichendorff-Siedlung angesiedelt, etwa zwei km entfernt.
1946 wurde Ostbevern ein Ort im neugebildeten Land Nordrhein-Westfalen.
Im Sondermunitionslager Ostbevern-Schirlheide wurden von 1964 bis 1991 Atomwaffen der US Army und der British Army gelagert.
Am 1. Januar 1975 gelangte der Ortsteil Brock, der bisher der Gemeinde Westbevern angehörte, im Rahmen der Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen zu Ostbevern. Aus der Amtsverwaltung wurde eine Gemeindeverwaltung.
Archiv Das Archiv der Gemeinde Ostbevern liegt seit 1976 im Kreiszentralarchiv Warendorf.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1841 2.383 1849 2.323 1861 2.334 1871 2.230 1885 2.410 1900 2.432 1919 2.704 1932 2.814 1939 3.027 1944 3.135 1945 4.158 1946 4.051 1950 4.324 1954 4.154 Jahr Einwohner 1961 4.378 1970 5.108 1974 5.307 1975 6.450 1980 6.767 1985 6.847 1990 7.341 1992 7.929 1994 8.450 1996 8.919 1998 9.569 2011 10.625 2014 10.574 2022 11.500 Jahr Einwohner 2024 11.741
Konfessionsstatistik Laut dem Zensus von 2011 gehörten der römisch-katholischen Kirche 6990 und der evangelisch-lutherischen Kirche 1930 Ostbeverner an, was in etwa dem Verhältnis 7/2 entspricht. Mit Stand Jahresende 2021 gehörten 55,6 % (6629) der römisch-katholischen Kirche an und 14,3 waren evangelisch. 30,1 % gehörten einen anderen Glaubensgemeinschaft oder keiner an.Ostbevern Bevölkerungsstrukturen der mit Hauptwohnung gemeldeten Personen, abgerufen am 27. März 2022
Politik
Gemeinderat Bei der Kommunalwahl im September 2025 gewann die CDU alle 13 Wahlbezirke. Auf sie entfielen 53,48 % der Stimmen. Zweitstärkste Kraft wurde das Bündnis 90/Die Grünen mit 20,95 % der Stimmen. Die SPD mit 13,49 % und die FDP mit 12,08 % der Stimmen folgen dahinter.
Der Gemeinderat Ostbevern besteht seit der Kommunalwahl 2025 aus 26 Mitgliedern mit folgender Sitzverteilung:
CDU: 14 SPD: 4 FDP: 3 Bündnis 90/Die Grünen: 5
Bürgermeister bzw. Amtmann bzw. Maire erstellt u. a. nach dem Historiker Peter Burg siehe: Peter Burg das Amt Ostbevern seit 2020 Karl PiochowiakKarl Piochowiak wurde als Kandidat von FDP, SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN im September 2020 mit 50,45 % der Stimmen zum Bürgermeister der Gemeinde Ostbevern gewählt. Auf seinen Mitbewerber um das Amt, Wolfgang Annen, nominiert von der CDU, entfielen 49,55 % der Stimmen. 2014–2020 Wolfgang Annen (CDU)Wolfgang Annen wurde 1966 geboren. Er ist verheiratet und hat 3 Kinder 2009–2014 Joachim Schindler (Parteilos) 1998–2009 Jürgen Hoffstädt (CDU)https://www.cdu-ostbevern.de/lokal_1_1_28_Juergen-Hoffstaedt-hoert-auf.html Internetauftritt der CDU Ostbevern: Jürgen Hoffstädt hört auf; abgerufen am 14. August 2018. (1947–2025) 1988–1998 Hildegard Tünte-Poschmann (CDU)Kulturelles.net 1975–1988 Leo Kordewiner (CDU) Amtmann des Amtes Ostbevern 1964–1975 Karl Schniederbernd (CDU)* 4. Juli 1925; † 18. Februar 2013 in Ostbevern (1925 – 2013) 1956–1964 Heinrich Kock 1948–1956 Wilhelm Rüschhoff 1946–1948 Carl Esser (1901–1972) 1945–1946 Marcus Krüsmann* 11. April 1879 in Bergisch Gladbach, Rheinprovinz, Preußen; † 25. Februar 1964 in Münster, deutscher Jurist und Kommunalpolitiker der Zentrumspartei. 15. September 1945 als juristischer Hilfsarbeiter bei der Preisüberwachungsstelle der Bezirksregierung Münster beschäftigt. Nach dem Ende des Krieges war er vom 16. September 1945 bis zum 3. Mai 1946 Amtsbürgermeister von Ostbevern, danach noch bis zum Anfang des Jahres 1948 Amtsdirektor. (1879 – 1964) 1945–1945 Heinrich Thyron (20.11.1888 – 23.08.1945, seit 19.05.1945 Bürgermeister, verstorben bei einem Verkehrsunfall) 1937–1945 Wilhelm HaaseHeimatverein Warendorf (29.06.1896 – 23.09.1945); Ortsgruppenleiter Heinrich Schwegmann Gemeindevorsteher von Ostbevern 1933–1937 Heinrich Thyron (20.11.1888 – 23.08.1945) 1913–1933 Konrad Freiherr von Weichs 1909–1913 Eichstedt 1907–1909 Thier 1897–1907 Koch 1892–1897 Georg Stamm, Stadtsekretär aus Bocholt 1877–1892 Piper 1842–1877 Hermann Kesseler vorher Bürgermeister in Everswinkel Bürgermeister der Bürgermeisterei (Preußen) 1836–1842 Clemens August Ostman von der LeyeNachfolger Nackes wurde am 2. Juli 1836 Hauptmann a. D. und bisheriger Beigeordneter zu Sassenberg Clemens August Ostman von der Leye mit einem Gehalt von 300 Reichstalern. Die Militärpension betrug 200 Reichstaler. Am 25. Januar 1840 kritisierte Landrat Twickel die Schriftfertigkeit des Bürgermeisters. 1842 wurde er nicht zuletzt wegen Geldunterschlagung des Dienstes enthoben. 1830–1836 Anton Nacke aus Werne 1815–1829 Friedrich Hüger aus Roxelsiehe dazu Theodor Janssen: Schreiben des Telgter Bürgermeisters Schulz vom 13.10.1817 an den Bürgermeister Hüger betr. die Bezahlung der Kosten, welche durch den Besuch des preußischen Königs entstanden sind. (Heimatverein Ostbevern) 1814–1815 Notar Heinrich Burlage aus Telgte Maire des Kanton Ostbevern 1808–1814 Friedrich Clemens von Elverfeldt genannt Beverförde zu Werries
Städtepartnerschaft Partnerstadt Ostbeverns ist die ehemalige Stadt Loburg in Sachsen-Anhalt, die seit dem 1. Januar 2009 Stadtteil von Möckern ist.
Wappen, Flagge und Dienstsiegel Die Gemeinde Ostbevern, die am 1. Januar 1975 die Rechtsnachfolge des aufgelösten Amtes Ostbevern antrat, beschloss am 27. Januar 1975§ 2 der Hauptsatzung der Gemeinde Ostbevern, das dem damaligen Amt Ostbevern am 21. September 1936Heimatverein Ostbevern: Geschichte Ostbeverns durch den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen genehmigte und nachstehend beschriebene Wappen fortzuführen. Der Regierungspräsident in Münster erteilte dazu am 7. April 1975 die Genehmigung. Wappenbeschreibung „In Gelb (Gold) zwei rote Zickzackbalken, belegt mit einem steigenden Biber mit roter Zunge.“