Aue ist seit Januar 2019 ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema im sächsischen Erzgebirgskreis und gehört zum Städtebund Silberberg.Pressemitteilung aus dem Rathaus Aue vom 20. Dezember 2018: Fusion Bad Schlema mit der Großen Kreisstadt Aue. Aue und gleichzeitig der Name der Ortschaft Aue. Die Ortschaft besteht aus der Gemarkung Auerhammer und Teilen der Gemarkung Aue. Als Ortschaft nach der Sächsischen Gemeindeordnung hat sie gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
Der Ortsteil liegt in einem tiefen Talkessel der Zwickauer Mulde und galt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als bedeutende Bergbau- und Industriestadt. Im 16. und 17. Jahrhundert erlebte sie durch den Abbau und die Verarbeitung von Eisen-, Silber- und Zinnerzen sowie von Kaolinerde eine erste Blüte. Durch die Gewinnung von Nickel aus den in der Umgebung vorkommenden Erzen und die Erzeugung von Argentan sowie die Industrialisierung im 19. Jahrhundert siedelten sich bedeutende Betriebe der Metallverarbeitung, des Maschinenbaus und der Textilverarbeitung an und trugen zu einem neuen Aufschwung bei. Eine dritte Blütezeit begann nach dem Zweiten Weltkrieg, als durch die SDAG Wismut der Abbau von Uran vorangetrieben wurde. Aue ist vor allem durch den Fußballverein FC Erzgebirge Aue und den Handballverein EHV Aue überregional bekannt.
Geografie Geografische Lage Aue liegt im südwestlichen Teil des Landes Sachsen südöstlich von Zwickau am nördlichen Rand des Erzgebirges. Es kann von der Bundesautobahn A 72 über die Anschlussstellen Zwickau-Ost und Zwickau-West und dann weiter über die Bundesstraße 93 und die Anschlussstelle Hartenstein und dann weiter über die Staatsstraße 255 erreicht werden.
Geologie mini|Blick über Aue
Aue befindet sich am Zusammenfluss der beiden Hauptwasseradern des Westerzgebirges, Schwarzwasser und Zwickauer Mulde, die sich tief in die nach Norden abdachende Pultscholle eingegraben und einen markanten Talkessel ausgearbeitet haben, dessen tiefster Punkt an der Mulde 330 Meter über Normalnull liegt. Während das Granitgestein durch Erosion stärker abgetragen wurde, blieben die härteren Kontaktschieferzonen als Anhöhen rings um das Tal zurück. Zu diesen zählen der Brünlasberg (514 m) mit dem Hohen Holz, der Heidelsberg (512 m), der Eichert (564 m), der Gemauerte Stein (601 m), der Hirschknochen (517 m) und der Eisenstein (516 m).
Bei Bauarbeiten wurde 1896 an einem Hang der Schneeberger Straße links der Mulde ein durch Verwitterungsschutt zugedecktes Torfmoor aufgeschlossen, das im Pleistozän entstanden und Indiz für eine noch größere frühere Ausdehnung des Talkessels ist. Der Stadtteil Zelle liegt auf einer Felsterrasse, auf der früher das Flussbett des Schwarzwassers in Richtung Lößnitzbach verlief. Der steile Hang in Richtung des Stadtteils Auerhammer ist ein früheres Prallufer der Mulde.
Der Nebenfluss Zschorlaubach arbeitete die Talweitung aus Richtung Auerhammer aus. Der Kuttenbach (auch: Rumpelsbach) schüttete den Niederpfannenstieler Schwemmfächer auf. Der Lößnitzbach bildete mit der Mulde die älteste Flussaue im Tal.
Im Stadtgebiet von Aue befinden sich außer den oben genannten Flussarmen der Mulde und die dargestellten Bäche noch folgende Gewässer: Alberodaer Bach, Floßgraben und Carolateich.
Der Mineralienatlas listet in Aue und Umgebung 13 historische Erzabbaustellen auf. Insgesamt sind auf diesem Gebiet 59 verschiedene Mineralien nachgewiesen.Mineralienatlas – Aue, 2014
Ausdehnung des Ortsteils mini|Wettinerstraße mit Blick auf die Friedenskirche
Der Ortsbereich von Aue hat eine Gesamtfläche von 20,9 Quadratkilometern und durch seine Lage in einem Talkessel und die eingemeindeten Ortsteile eine zerklüftete Struktur. Die Entfernung zwischen dem Erzgebirgsstadion im Nordosten der Stadt bis zum Steinbruch an der Bockauer Straße beträgt etwa 3,3 Kilometer. Die Strecke von Klösterlein Zelle im Nordwesten bis zum südwestlichen Ortsausgang auf der Schwarzenberger Straße ist etwa drei Kilometer lang. Die Ortsbereiche Alberoda (im Norden) und Neudörfel (im Westen) befinden sich etwas außerhalb des Stadtgebiets. Die größte Ausdehnung des gesamten Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung etwa 9 und in Richtung West-Ost etwa 6 Kilometer.Städtebauliches Entwicklungskonzept der Kreisstadt Aue, 2007 (PDF; 1,3 MB) Ab dem 1. Januar 2019 vergrößerte sich das Stadtgebiet um die frühere selbstständige Ortschaft Bad Schlema. Zur Begründung heißt es:
Nachbargemeinden Aue-Bad Schlema bildet mit den angrenzenden Städten Lauter-Bernsbach, Lößnitz und Schneeberg sowie Schwarzenberg einen mittelzentralen Städteverbund.
An den Ortsteil grenzen im Norden Hartenstein (Landkreis Zwickau) und Lößnitz, im Osten Lauter-Bernsbach, im Süden Bockau, im Westen Schneeberg und im Südwesten Zschorlau.
Gliederung Aue ist seit 2019 neben Bad Schlema, Wildbach und Alberoda einer der vier offiziellen Ortsteile von Aue-Bad Schlema. Neben dem historischen Siedlungskern von Aue bestehen die Siedlungsgebiete Klösterlein und Zelle bzw. Zeller Berg im Norden und Nordosten, Niederpfannenstiel im Osten, Eichert im Südosten, Auerhammer und Neudörfel im Süden und Brünlasberg im Südwesten.
Klima mini|Klimadiagramm von Aue
Die durchschnittliche Lufttemperatur beträgt 8,0 °C, der jährliche Niederschlag ist mit 790 MillimeterDeutscher Wetterdienst, Normalperiode 1961–1990 etwa auf dem deutschen Durchschnittsniveau und etwas geringer als in den Orten, die flussaufwärts des Schwarzwassers liegen. Durch die relativ hohe Anzahl von Tagen mit Niederschlägen und die niedrigen Durchschnittstemperaturen entsteht vor allem in den Übergangsjahreszeiten eine raue Witterung.
Die Waldgebiete Hirnschädel, Hirschknochen, Eisenstein, Eichert, Heidelsberg und Hohes Holz sorgen im Mikroklima des Auer Talkessels für die Produktion von Frischluft und den Abfluss von Kaltluft.
Flora Auf den Anhöhen um den Auer Talkessel siedelten sich zunächst Pioniergehölze wie Fichten, Buchen, Tannen und Kiefern an. Heute sind die Berge mit Mischwald bewachsen. Am Ufer der Mulde wachsen Rot-Erlen, Bruch- und Sal-Weiden, verschiedene Arten von Farnkräutern und Rohrglanzgras. Entlang des Schwarzwassertals hat sich die aus Spanien um 1850 eingeschleppte Staubige Wucherblume ausgebreitet, die volkstümlich als Schwarzenberger Edelweiß bezeichnet wird. In Flussnähe treten Hochstauden, Schwarze Teufelskralle, Rote Nachtnelke und Knotige Braunwurz auf. An den Gleithängen der Flusskrümmungen wachsen im Frühling Gebirgs-Hellerkraut, Maiglöckchen und Quell-Schaumkresse. Im Sommer herrschen Arten mit kräftigem Wuchs vor, darunter Wald-Engelwurz, Behaarter Kälberkropf, Alantdistel und Wald-Storchschnabel. Gelegentlich finden sich Meisterwurz und Zittergras-Segge sowie einfache einheimische Orchideen wie das Knabenkraut, das Große Zweiblatt oder der Breitblättrige Sitter. Auf den Felsoberflächen breiten sich Flechten und Moose aus, von denen die Rentierflechte, Bartflechten und Islandmoos häufig anzutreffen sind.Um Aue, Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt, S. 55f.Westliches Erzgebirge, Wir-Verlag Walter Weller, Aalen 1991, ISBN 3-924492-56-5, S. 42–45. Die Stadtverwaltung erließ 2003 für ihr Territorium eine Baumschutzsatzung, mit der vor allem die Gliederung des Orts- und Landschaftsbildes, eine „innerörtliche Durchgrünung“, die Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und eine Minimierung schädlicher Einwirkungen durch Luftverschmutzung und Lärm erreicht werden soll.Baumschutzsatzung von 2003 (PDF; 64 kB)
Am 24. April 2007 wurden anlässlich des Tages des Baumes im Trinkwasserschutzgebiet Zschorlauer Wiesen mehr als 1800 von der Hamburger Fielmann AG gestiftete Weißtannen gepflanzt.Info zum Tag des Baumes 2007
Geschichte mini|hochkant|Klösterlein Zelle: Ausgangspunkt für die Besiedlung der Stadt
Erste Besiedlung Eine 1919 im Auer Tal beim Straßenbau gefundene Steinaxt dient neben den Funden einer Spitzhaue und von Keramikscherben als Beleg dafür, dass in der Jungsteinzeit Menschen das Gebiet auf ihren Wegen ins Böhmische Becken durchstreiften. Eine feste Besiedlung zu diesem Zeitpunkt gilt als ausgeschlossen.Um Aue, Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt, S. 12.
In einer Urkunde des Kaisers Friedrich I. vom 7. Mai 1173 wird die Gründung einer Augustiner-Chorherren-Propstei an der Mulde bestätigt,Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, S. 397 die als Ursprung der späteren Stadt gilt. Das Gründungsdatum dieser Celle wird als Entstehungszeit der späteren Stadt betrachtet und gilt als Bezugspunkt für Jubiläen.
Der Name Aue leitet sich von der Bezeichnung für die Feuchtwiese am Zusammenfluss von Schwarzwasser und Zwickauer Mulde ab,Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber, Leipzig 2007, S. 42 f. auf der neben dem Klösterlein Zelle Siedler aus der Herrschaft Schwarzenberg als Bauern sesshaft geworden waren. Dass Bertoldus prepositus de Owa, der 1219 in einer Urkunde als Zeuge im Zusammenhang mit einer Klosterstiftung genannt wird,Codex Diplomaticus Saxoniae Regiae I 3 S. 194–197 Nr. 266, hier S. 196 (Zeile 34) tatsächlich Propst des Zeller Klosters war und das dortige Aue gemeint ist, ist zweifelhaft. Auch bei der auf 1286 datierten Erwähnung von Awe im Fragment der Naumburger BistumsmatrikelCodex Diplomaticus Saxoniae Regiae I, S. b196 handelt es sich nicht um die urkundliche Ersterwähnung, da dieses Dokumentenbruchstück aus der Zeit um 1470 stammt. Vermutlich wurde Aue daher erst 1460/62 im Terminierbuch der Zwickauer Franziskaner zum ersten Mal urkundlich erwähnt.Ernst Költzsch: Gesamtverzeichnis zum Liber benefactorum im Stadtarchiv Zwickau. Terminierbuch der Zwickauer Franziskaner, 1996 (Schriftenreihe der AMF, 18)
Aue entwickelte sich nach seiner Entstehung im Spätmittelalter langsam als kleines Bauerndorf und blieb zunächst ohne größere wirtschaftliche Bedeutung.
17. Jahrhundert bis Ende des 18. Jahrhunderts Verleihung der Marktrechte Mit der Entdeckung abbauwürdiger Eisenerzgänge an den Hängen des Brünlasberges und im Lumbachtal und dem Abbau von Zinn-, Silber- und Kobalterzen ab dem 15. Jahrhundert wandelte sich Aue zu einem Bergarbeiterort. Kurfürst Johann Georg I. vergab 1627 das Marktrecht für einen Jahrmarkt zu Bartholomäus (24. August) am heutigen Altmarkt, 1632 für einen zweiten, den Katharinenmarkt (25. November) am heutigen Neumarkt. Mit der Vergabe der Marktrechte wurde Aue zur Stadt und seit 1635 in Urkunden und im Wappen als solche bezeichnet. Die Einwohner arbeiteten zumeist als Bauern, Bergarbeiter und Fuhrleute.
Dreißigjähriger Krieg und Katastrophen mini|Auer Talkessel um 1628 nach einer Zeichnung von Wilhelm Dilich: Im Vordergrund links die Mulde, in der Bildmitte die Pfarrkirche
Während des Dreißigjährigen Krieges brannten Söldner des Generals Holk aus dem Wallenstein-Heer 1633 das Auer Rathaus mit allen Archivalien nieder. Die Zerstörung des Auer Hammers konnten die dortigen Schmiede verhindern. Nachdem Aue ein weiteres Mal von den kaiserlichen Truppen heimgesucht worden war, war alles „…bis auf drei kleine Häuserlein“ vernichtet.Aue, Mosaiksteine der Geschichte, S. 70–72 Obwohl bereits 1635 ein Friedensvertrag existierte, zogen danach noch schwedische Soldaten durch das Gebirge und plünderten Aue 1637 und 1639. Veit Hans Schnorr, Gründer des Blaufarbenwerkes Niederpfannenstiel und Besitzer des Auer Hammers, wurde 1648 von herumstreifenden russischen Soldaten gefangen genommen und als Bergbaukundiger in den Ural verschleppt.
Der Ortsbereich war bis ins 17. Jahrhundert mehrfach von im Erzgebirge grassierenden Pestwellen betroffen, unter anderem 1599, 1607, 1624–1627 und 1633. 1633 starben in Aue 62 Personen an der Seuche. 1624 und 1627 forderten die ansteckenden Krankheiten Ruhr und Blattern Opfer.Neue Sächsische Kirchengalerie, Ephorie Schneeberg, S. 219 ff.