mini|hochkant|Pauline Viardot-García Michelle Ferdinande Pauline Viardot-García, geb. García, (* 18. Juli 1821 in Paris; † 18. Mai 1910 ebenda) war eine spanische (französische ?) Opernsängerin (Mezzosopran, „sopran-e-contralto“„Pour prendre au hasard des exemples, nous citerons ... comme parcourant avec une égale puissance les deux échelles de voix, c’est-à-dire comme sopran-e-contralti, la Malibran et Pauline Garcia.“ S. 602–603 in: Revue des deux mondes XXV. 1841 (online bei Wikisource).), Komponistin, Pianistin, Gesangspädagogin, Salonière und Herausgeberin.

Biografie Kindheit und Ausbildung mini|hochkant|Pauline Viardots Mutter Joaquina Sitchèz (Briones) Pauline Viardot-García wuchs in einer spanischen Musikerfamilie auf: Sie wurde 1821 in Paris als jüngste Tochter des berühmten Tenors und Komponisten Manuel del Pópulo Vicente García (1775–1832) und der Schauspielerin und Opernsängerin Joaquina Sitches (1780–1864; Künstlername: Joaquina Brionès)Vgl. Beatrix Borchard: Pauline Viardot-Garcia: Fülle des Lebens. Böhlau Verlag, Köln u. a. 2016, S. 80. geboren. Ihre Schwester war die Sängerin Maria Malibran, ihr Bruder der Bariton und Gesangslehrer Manuel Patricio Rodríguez García. Durch die internationale Tätigkeit ihres Vaters und der gesamten Familie erhielt sie von vornherein eine ungewöhnlich kosmopolitische Prägung: Nach den ersten zwei Jahren in Paris ging sie mit ihrer Familie 1823 nach London, zwischen 1825 und 1828 nach Amerika (New York und Mexiko), und wuchs danach teils in Paris (ab 1829),Paulino Capdepón Verdú: Rodríguez Aguilar, Manuel. Manuel del Pópulo Vicente García. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 13. Februar 2025). teils in Brüssel auf (ab 1832).Nach dem Tode ihres Vaters lebte sie mit ihrer Mutter teilweise bei ihrer Schwester und deren Geliebten Charles-Auguste de Bériot in oder bei Brüssel. Booklet-Text zur CD: Maria, mit Cecilia Bartoli u. a., Orchestra La Scintilla, Dir.: Adam Fischer (Decca, 2007), S. 80

Ihr erster Gesangslehrer war ihr Vater; nach dessen Tod im Jahr 1832 übernahm ihre Mutter ihre weitere Ausbildung.Marc Heilbron Ferrer: García Viardot, Micaela Paulina. „La Viardot“. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 23. Februar 2025). Ähnlich wie ihre legendäre Schwester entwickelte sich Pauline Garcia zu einer Sängerin mit einer außergewöhnlichen, von vielen Bewunderern als charismatisch bezeichneten Mezzosopran-Stimme, die mühelos vom Sopran zum Alt wechseln konnte.

Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie bei Marcos Vega, dem Organisten der Kathedrale von Mexiko-Stadt, später bei Sébastien Arnould Meysenberg und Franz Liszt,George T. Ferris: Pauline Viardot. In: Great singers, Bd. II (Second Series, Malibran to Titiens), D. Appleton, New York 1879, S. 109–141, hier: S. 113. Online im Internet-Archiv (englisch; Abruf am 23. Februar 2025). und vermutlich auch Kompositionsunterricht bei Anton Reicha, der auch Lehrer von Franz Liszt, Hector Berlioz und César Franck war. Nach dem frühen Tod ihrer Schwester Maria Malibran mit 28 Jahren 1836 konzentrierte sich die 15-jährige Pauline jedoch stärker auf den Gesang und wurde u. a. bei ihrem Bruder Manuel García junior ausgebildet.Vgl. Eberhard Steindorf: Die Konzerttätigkeit der königlichen musikalischen Kapelle zu Dresden (1817-1858). Baden-Baden 2018, S. 410; vgl. auch Beatrix Borchard: Erben, weitertragen, verwandeln – der Weg zur Selbstbestimmung einer Sängerin. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910). In: Nicole K. Strohmann, Antje Tumat (Hg.); unter Mitarbeit von Lukas Kurz und Juana Zimmermann: Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Hannover 2016, S. 73–91, hier S. 77f.

Pauline Viardot-García sprach sechs Sprachen: Spanisch war ihre Muttersprache; Französisch wegen ihres Geburts- und Heimatlandes Frankreich; Englisch durch ihre teilweise in London und New York verbrachte Kindheit; Italienisch wegen ihrer Karriere als Opernsängerin; Deutsch, weil sie nicht nur Gastspiele in Deutschland gab, sondern auch etliche Jahre dort lebte; und Russisch wegen ihrer engen Beziehung zur russischen Kulturszene.Vgl. Beatrix Borchard: Erben, weitertragen, verwandeln – der Weg zur Selbstbestimmung einer Sängerin. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910). In: Nicole K. Strohmann, Antje Tumat (Hg.); unter Mitarbeit von Lukas Kurz und Juana Zimmermann: Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Hannover 2016, S. 73–91, hier S. 78.

Karriere als Sängerin und Pianistin, 1830er bis 1850er mini|hochkant|Viardot 1860 als Orpheus in Glucks Orphée et Euridice 1837 gab Pauline García in Brüssel ihr Debüt als Konzertsängerin, zusammen mit ihrem Schwager, dem Geiger Charles-Auguste de Bériot, sowie am 9. Mai 1839 in London als Desdemona in Rossinis Otello – eine der ehemaligen Paraderollen ihrer Schwester Maria Malibran.Carmen de Reparaz Madinaveitia: García Siches, María Felicia. María Malibrán, la Malibrán. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 24. Februar 2025). Wenige Monate später erhielt sie ihr erstes Engagement am Théâtre-Italien in Paris,Vgl. ; vgl. auch Beatrix Borchard: Erben, weitertragen, verwandeln – der Weg zur Selbstbestimmung einer Sängerin. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910). In: Nicole K. Strohmann, Antje Tumat (Hg.); unter Mitarbeit von Lukas Kurz und Juana Zimmermann: Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Hannover 2016, S. 73–91, hier S. 79. dessen Direktor ihr späterer Ehemann Louis Viardot (1800–1883) war,Vgl. Eberhard Steindorf: Die Konzerttätigkeit der königlichen musikalischen Kapelle zu Dresden (1817-1858). Baden-Baden 2018, S. 410. und wo sie wiederum bei ihrem Antritt die Desdemona sang.

Am 18. April 1840 heiratete sie den wesentlich älteren Viardot, der daraufhin seine Tätigkeit als Direktor am Théâtre-Italien aufgab und ihr Manager wurde.Vgl. Beatrix Borchard: Erben, weitertragen, verwandeln – der Weg zur Selbstbestimmung einer Sängerin. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910). In: Nicole K. Strohmann und Antje Tumat (Hg.); unter Mitarbeit von Lukas Kurz und Juana Zimmermann: Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Hannover 2016, S. 73–91, hier S. 82, 84. Ihre gemeinsame Tochter Louise Héritte-Viardot (1841–1918) wurde ebenfalls Sängerin und Komponistin. Ihre weiteren auch musikalisch erzogenen Kinder waren Claudie (* 1852), Marianne (* 1854) und Paul (* 1857).Vgl.

Als Opernsängerin trat die Viardot-Garcia zunächst in die Fußstapfen ihrer Schwester, mit der sie erhebliche Repertoire-Überschneidungen hatte, wie die Hauptrollen in den Rossini-Opern Tancredi, La donna del lago, Semiramide, La gazza ladra und Il barbiere di Siviglia, später auch in Bellinis La sonnambula und Norma sowie den Romeo in I Capuleti e i Montecchi.Zu den Rollen der Malibran siehe: Carmen de Reparaz Madinaveitia: García Siches, María Felicia. María Malibrán, la Malibrán. In: Dicionario Biografico espanol (DBe). Real Academia de la Historia, 2022 (spanisch; Abruf am 24. Februar 2025). Zu ihrem Repertoire gehörten des Weiteren Halévys La Juive, Valentine in Meyerbeers Les Huguenots und sogar Donizettis Lucia di Lammermoor.

Auf vielen bedeutenden Opernbühnen Europas feierte sie triumphale Erfolge. Sie trat in ihrer 23 Jahre währenden internationalen KarriereVgl. Beatrix Borchard: Erben, weitertragen, verwandeln – der Weg zur Selbstbestimmung einer Sängerin. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910). In: Nicole K. Strohmann, Antje Tumat (Hg.); unter Mitarbeit von Lukas Kurz und Juana Zimmermann: Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Hannover 2016, S. 73–91, hier S. 82. nicht nur in Paris und London, Wien, Berlin und Dresden auf,Vgl. Eberhard Steindorf: Die Konzerttätigkeit der königlichen musikalischen Kapelle zu Dresden (1817-1858). Baden-Baden 2018, S. 410. sondern auch in Madrid (1842) und in Sankt Petersburg (1843–1846), wo sie neben dem berühmten Tenor Giovanni Battista Rubini sang und auch in Opern russischer Komponisten wie Michail Glinka und Alexander Dargomyschski auftrat.

1843 lernte sie in Sankt Petersburg den russischen Dichter Iwan Sergejewitsch Turgenew kennen, er wurde ein ständiger Begleiter der Viardots, eine lebenslange Dreiecksbeziehung entstand.Vgl. Ursula Keller, Natalja Sharandak: Iwan Turgenjew und Pauline Viardot: Eine außergewöhnliche Liebe. Insel Verlag, 2018, ISBN 978-3-458-17769-2.

Meyerbeer komponierte für die Viardot die Partie der Fidès in seiner Oper Le prophète, die sie 1849 mit überwältigendem Erfolg in der Pariser Uraufführung und später noch über 200 Mal, auch auf anderen europäischen Bühnen, sang. Von da an wurde sie zu einer Art Muse französischer Komponisten, Charles Gounod schrieb unter ihrem Einfluss seine Oper Sapho (Paris 1851), und Hector Berlioz überarbeitete für sie Glucks Orphée et Eurydice, deren ursprünglich für einen Kastraten komponierte Hauptrolle sie 1859 in Paris sang (am Théâtre-Lyrique). Andere Rollen ihrer späten Karriere waren Glucks Alceste und Beethovens Leonore, welch letztere sie bei der Pariser Erstaufführung des Fidelio im Jahr 1860 sang.

Die Viardots, Republikaner, lebten nach dem Sieg von Louis-Napoleon Bonaparte bei den Wahlen 1849 immer häufiger außerhalb Frankreichs.Michelle Perrot: George Sand à Nohant - Une maison d’artiste. Pauline Viardot, la reine du monde. Seuil 2018, ISBN 978-2-02-082076-9 (französisch). Ihr Lebensmittelpunkt lag dann hauptsächlich in London und Deutschland, 1863 verlegte sie ihren Wohnsitz von Frankreich nach Baden-Baden.

Neben ihrer Karriere als Sängerin war sie auf hohem Niveau als Pianistin ausgebildet. Als Duo trat sie einige Male mit ihrer langjährigen Künstlerfreundin Clara Schumann auf.Vgl. Beatrix Borchard: Erben, weitertragen, verwandeln – der Weg zur Selbstbestimmung einer Sängerin. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910). In: Nicole K. Strohmann und Antje Tumat (Hg.); unter Mitarbeit von Lukas Kurz und Juana Zimmermann: Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Hannover 2016, S. 73–91, hier S. 78.

Komponistin, Musikpädagogin und Konzertgeberin in Baden-Baden 1863–1871 mini|hochkant|Büste der Viardot im Baden-Badener Kurpark 1863 zog Viardot mit ihrem Mann und ihren vier Kindern nach Baden-Baden und sorgte damit für die Entwicklung der Kurstadt zu einer internationalen Kulturstadt. Bereits 1862, im Alter von 42 Jahren, hatte sich Viardot von der Bühne zurückgezogen – sie trat aber noch vereinzelt bis 1873 auf sowie bis in die 1880er Jahre in privatem Rahmen.Vgl. Beatrix Borchard: Erben, weitertragen, verwandeln – der Weg zur Selbstbestimmung einer Sängerin. Pauline Viardot-Garcia (1821–1910). In: Nicole K. Strohmann und Antje Tumat (Hg.); unter Mitarbeit von Lukas Kurz und Juana Zimmermann: Bühnenrollen und Identitätskonzepte. Karrierestrategien von Künstlerinnen im Theater des 19. Jahrhunderts. Hannover 2016, S. 73–91, hier S. 86f. 1859 war sie erstmals in Baden-Baden in einem von Hector Berlioz dirigierten Konzert aufgetreten und hatte schon damals mit ihrem Auftritt der Stadt einen besonderen künstlerischen Status verliehen.