Framersheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Alzey-Land an.
Geographie Lage Framersheim liegt im Rheinhessischen Hügelland an der Selz, am Fuße des 273 Meter hohen Hornbergs. Knapp 20 Kilometer nördlich von Framersheim liegt Mainz.
Zu Framersheim gehört der Wohnplatz Atzelmühle.
Nachbarorte Die Nachbarorte sind der Alzeyer Stadtteil Schafhausen, die Ortsgemeinden Dittelsheim-Heßloch und Gau-Heppenheim sowie der Gau-Odernheimer Ortsteil Gau-Köngernheim.
Geschichte Frühes Mittelalter Framersheim ist, wie die meisten rheinhessischen Orte auf die Endung -heim, eine fränkische Gründung des 5./6. Jahrhunderts. Der Ort wird mit fünf Schenkungsurkunden an das Kloster Lorsch belegt (Nr. 878, 1402, 1649, 1766, 1787). Die älteste erhaltene Erwähnung findet sich in der Urkunde 1649, aus der Zeit vom Oktober 769 bis zum Oktober 770, mit der Rothdrud alles, was er in „Frigmersheim“ bisher besessen hat, dem Kloster übergibt.
Neuzeit Nach Ende des Heiligen Römischen Reiches gehörte Framersheim 1793 zu der kurzlebigen Mainzer Republik. Noch im gleichen Jahr wurde die Region nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen von Frankreich annektiert.
Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert und Framersheim gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Alzey im Département du Mont-Tonnerre. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Alzey zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit im übrigen Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174 (Digitalisat).
Aufgrund von 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch die Gemeinde Framersheim, zum Großherzogtum Hessen, das das neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Alzey, zu dem er bis 1969 gehörte.
Das Friedensgericht Alzey wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Alzey ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
Am späten Nachmittag des 7. Juli 2015 fegte ein schwerer Sturm über den Ort und beschädigte fast 100 Gebäude, einige davon und viele Dächer wurden zerstört, zahlreiche Bäume knickten um. Der Sachschaden wurde auf rund fünf Millionen Euro geschätzt. Bei Aufräumarbeiten verletzten sich einige Personen. Meteorologen untersuchten das Phänomen. Sie stellten fest, dass es sich wahrscheinlich um eine Fallböe der Stärke F2 gehandelt hat. In: Allgemeine Zeitung. 8. Juli 2015; Bilderstrecke auf allgemeine-zeitung.de vom 8. Juli 2015. auf swr.de vom 8. Juli 2015.Framersheim beseitigt Sturmschäden auf welt.de vom 8. Juli 2015.„Hier geht die Welt unter!“ – Ein Amateurvideo aus Framersheim in Rheinland-Pfalz zeigt die Wucht des Unwetters, das den Ort verwüstet hat. auf spiegel-online.de vom 8. Juli 2015.Gewitterböe zerstört Häuser in Framersheim Stuttgarter Zeitung am 7. Juli 2015.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Framersheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG BVF WGR Gesamt 2024 3 – 9 4 – 16 Sitze 2019 2 – 8 6 – 16 Sitze 2014 3 – 6 7 – 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 4 2 7 – 3 16 Sitze 2004 4 3 8 – 3 16 Sitze mini|Rathaus FWG = Freie Wählergruppe Framersheim e. V. BVF = Bürgerverein Framersheim e. V.
Ortsbürgermeister 1945–1946 Johann Beckenbach 1946–1951 Philipp Rupp II 1951–1960 Philipp Blödel 1960–1973 Ernst Körner 1973–1989 Georg Dornhöfer 1989–2004 Frank Zink 2004–2019 Ulrich Armbrüster 2019– Felix Schmidt
Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde Felix Schmidt mit einem Stimmenanteil von 60,69 % gewählt und folgte damit Ulrich Armbrüster, der nicht mehr kandidiert hatte. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte Schmidt sich mit 70,0 % gegen eine Mitbewerberin durch und wurde damit für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Katholische Kirche Schmerzhafte Muttergottes mini|hochkant|Protestantische Jakobus-Kirche
Bauwerke Wahrzeichen sind die beiden über 100 Jahre alten Kirchen mit ihren mächtigen Türmen und das Rathaus mit Turm und Turmuhr. Sehenswert sind ebenfalls die neu gestalteten Plätze „Freier Platz“ und „Kautzenflecken“ mit ihren Brunnen. Mit der Einweihung des Dorfbackhauses und der Neuanlage des Rathausplatzes ist die Dorferneuerung soweit abgeschlossen. Weitere Bauwerke befinden sich in der Liste der Kulturdenkmäler in Framersheim.
Sport Die Ortsgemeinde verfügt über einen Sportplatz sowie eine große Gestüts- und Reitanlage, die von Dorothee Schneider betrieben wird. Des Weiteren wird nur in Framersheim das Kartenspiel „Färwele“ gespielt.
Kulinarische Spezialitäten „Nationalgericht“ sind die Framerschemer Backesgrumbeere.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Gemeinde ist hauptsächlich vom Weinbau und der Landwirtschaft geprägt. Die Weinlagen gehören im Weinanbaugebiet Rheinhessen zum Bereich Nierstein in der Großlage Petersberg (PDF; 0,7 MB) Die Einzellagen sind im Nordwesten der Framersheimer KreuzwegFramersheimer Kreuzweg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 23. Januar 2024., im Südosten der Framersheimer HornbergFramersheimer Hornberg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 23. Januar 2024. und Framersheimer Zechberg.Framersheimer Zechberg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 23. Januar 2024. Bei ansässigen Winzerbetrieben handelt es sich um so genannte Selbstvermarkter, die in erster Linie eigene Erzeugnisse an den Endverbraucher direkt vermarkten.
Persönlichkeiten mini|hochkant|Dorothee Schneider beim Empfang in Framersheim 2016
Ehrenbürger 2008: Frank Zink (1943–2022), unter anderem von 1989 bis 2004 Ortsbürgermeister und seit 2007 Träger des Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz, für seine Verdienste um die Gemeinde
Söhne und Töchter der Gemeinde
Karl Schloß (1876–1944), Unternehmer und Schriftsteller Friedrich Beyer (1902–1984), hessischer Landtagsabgeordneter
Wahlheimat Ulrike Holzner, Silbermedaillengewinnerin von Salt Lake City 2002, im BobfahrenEin Stück Olympia-Geschichte geschrieben. In: Nachrichten-Blatt der Verbandsgemeinde Alzey-Land vom 23. August 2012, Titelseite. Dorothee Schneider, Silbermedaillengewinnerin von London 2012, Dressur und Doppel-Team-Goldmedaillengewinnerin von Rio 2016, Dressur und Tokio 2020 (2021) Dressur.
Weblinks
Ortsgemeinde Framersheim Geschichtliche Informationen zu Framersheim bei regionalgeschichte.net Kurzfassung der Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Synagoge in Framersheim
Literatur Michael Huyer, Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms: Verbandsgemeinde Alzey-Land (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20,1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-327-5, S. 201–210.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Alzey-Worms Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 769