Gau-Heppenheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Alzey-Land an.

Geographie Gau-Heppenheim liegt in Rheinhessen, ca. 3 Kilometer östlich von Alzey. Die Selz fließt ca. einen Kilometer nördlich der Gemeinde.

Nachbargemeinden von Gau-Heppenheim sind im Norden Framersheim, im Osten Dittelsheim-Heßloch, im Südosten Monzernheim, im Süden Hochborn und im Westen Alzey.

Geschichte Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes als Hepfanheim stammt von 790, als mehrere Güter an das Kloster Lorsch verliehen wurden. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz.Andrea Kraft: Ortsverzeichnis zur Historischen Karte der Pfalz und Rheinhessens 1789. Landesarchiv Speyer 2009, S. 8.

Dem Ort entstammt das regional bedeutende Adelsgeschlecht der Herren von Heppenheim, genannt vom Saal, das 1684 ausstarb und dessen Familienwappen in das Gemeindewappen überging.

Die ehemalige Burganlage, um 1500 erwähnt, wurde 1766 durch Blitz und anschließenden Brand völlig zerstört.

Neuzeit Im Jahr 1793 gehörte Gau-Heppenheim zunächst zu der kurzlebigen Mainzer Republik und wurde dann nach der Einnahme des linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen noch im selben Jahr von Frankreich annektiert. Verzögert durch die Koalitionskriege wurde die Annexion erst nach 1797 konsolidiert und Heppenheim gehörte von 1798 bis 1814 zum Kanton Alzey im Département du Mont-Tonnerre. Gerichtlich war im Bereich des Kantons für die Zivilgerichtsbarkeit das Friedensgericht Alzey zuständig, für die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit im übrigen Notariate.Friedrich Lehne: Historisch-statistisches Jahrbuch des Departements vom Donnersberge für das Jahr 9 der fränkischen Republik. Pfeiffer, Mainz 1801, S. 174 (Digitalisat).

Aufgrund von 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines 1816 zwischen dem Großherzogtum Hessen, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam Rheinhessen, und damit auch die Gemeinde Heppenheim, zum Großherzogtum Hessen, das das neu erworbene Gebiet als Provinz Rheinhessen organisierte. Nach der Auflösung der Kantone in der Provinz kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Alzey, zu dem er bis 1969 gehörte.

Das Friedensgericht Alzey wurde 1879 aufgelöst und durch das Amtsgericht Alzey ersetzt.Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Ortsname Ursprünglich hieß die Gemeinde Heppenheim im Loch. 1903 wurde sie zur Unterscheidung zweier weiterer im Großherzogtum Hessen liegender, gleichnamiger Gemeinden (Heppenheim an der Wiese, Heppenheim an der Bergstraße) in Gau-Heppenheim umbenannt.Bekanntmachung der Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 5. Mai 1903. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt 1903, S. 273.

Religion Die römisch-katholische Kirche St. Urban aus dem 15. Jahrhundert gehört zum Pastoralraum Alzeyer Hügelland. Der Anteil der römisch-katholischen Bevölkerung beträgt lediglich etwa 20 % der Gesamtbevölkerung von Gau-Heppenheim. Die Kirche St. Urban wurde im Juli 2026 im Rahmen der Neubildung pastoraler Räume als Ort für Gottesdienste aufgegeben.Christian Bausch: Zehn Dörfer bald ohne Kirche. In: Wormser Zeitung vom 10. Januar 2026, S. 16. Gottesdienste finden nicht in der ursprünglichen Pfarrkirche Gau-Heppenheim, sondern in der Filialkirche Sieben Schmerzen Mariens in Framersheim statt.Homepage der Kirchengemeinde.

Anton Spiehler war hier katholischer Priester, später Bischofssekretär, Geistlicher Rat und Domkapitular der Diözese Speyer, außerdem Subregens des Diözesanpriesterseminars und Summus Custos (Oberster Hüter) des Speyerer Domes. Er gehörte dem sogenannten Mainzer Kreis an.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Gau-Heppenheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. In der Wahlperiode 2019–2024 waren es nur acht Ratsmitglieder, da die Einwohnerzahl zum Stichtag unter den wahlrechtlich relevanten Grenzwert gefallen war.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl WGMo GHA WGMa Gesamt 2024 9 3 – 12 Sitze 2019 5 3 – 8 Sitze 2014 – 4 8 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 per Mehrheitswahl 12 Sitze WGMo = Wählergruppe Moritz GHA = Gau-Heppenheim Aktiv e. V. WGMa = Wählergruppe Matthäi

Ortsbürgermeister Manfred Becker (bis 2007) Klaus Krieger (2007–2014) Helmut Matthäi (2014–2019) Peter Moritz (seit 2019)

Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde Peter Moritz mit einem Stimmenanteil von 70,18 % gewählt und folgte damit Helmut Matthäi, der nicht mehr kandidiert hatte. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit 78,8 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.

Wappen Blasonierung: „Gespalten von Blau und Silber; rechts ein silberner Balken begleitet von drei silbernen Wecken (2:1), links zwei blaue Trauben an grünem Rebstock mit grünem Blatt“.

Das Ortswappen zeigt rechts das Wappen der Familie von Heppenheim, gen. vom Saal, und links einen Rebstock mit zwei blauen Trauben.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die ursprünglich romanische katholische Kirche St. Urban besitzt noch eine Sakristei aus dem Jahr 1505. An der Flachdecke von 1726 befinden sich Malereien, die erneuert wurden. Nur noch ein Bogenansatz in der Sakristei, die Nordwand und die Giebelmauer im Westen sind aus der Romanik erhalten. Der spätgotische Chor ist höher als das Langhaus und ohne Strebepfeiler ausgeführt. Er besteht aus einem Joch und einem Abschluss aus fünf Seiten eines gedachten Achtecks. Im Inneren fällt das feinprofilierte Sterngewölbe auf, das denen in der evangelischen Kirche in Armsheim (ehemalige Wallfahrtskirche Zum Heilgen Blut Christi) und der katholischen Kirche St. Alban in Gabsheim ähnelt. Die Orgelempore des 18. Jahrhunderts mit schönen Ständern, darauf die Orgel um 1760 aus der Werkstatt des Joseph Anton Onimus, die seit 1917 ihrer Pfeifen und weiterer Teile beraubt ist. Nach dem Vorbild dieses Gehäuses rekonstruierten 1993 Förster & Nicolaus den Spieltisch der Onimus-Orgel in St. Walburga, Friesenheim (Rheinhessen) und 2012 Rainer Müller Orgelbau Merxheim (Nahe) den Spieltisch der Kohlhaas-Orgel in Großwinternheim. Eine sehr detailreiche barocke Heiligenfigur, den Attributen – Kelch auf einem Buch stehend – zufolge ein St. Alban, fällt im Inneren auf.

Das Schiff der evangelischen Pfarrkirche wurde im Jahr 1726 errichtet. Im Inneren ist eine Kanzel aus dem Jahr 1730 zu sehen.

Das stattliche Pfarrhaus oberhalb der katholischen Kirche entstand um 1580.

Wirtschaft und Infrastruktur Die Gemeinde ist hauptsächlich vom Weinbau und der Landwirtschaft geprägt. Die Weinlagen gehören im Weinanbaugebiet Rheinhessen zum Bereich Nierstein in der Großlage Petersberg (PDF; 0,7 MB) Die Einzellagen sind im Süden der PfarrgartenGau-Heppenheimer Pfarrgarten – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 3. April 2024. und im Osten der SchloßbergGau-Heppenheimer Schloßberg – Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 3. April 2024..

Literatur Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart: Geschichte der bestehenden und ausgegangenen Städte, Flecken, Dörfer, Weiler und Höfe, Klöster und Burgen der Provinz Rheinhessen. Roth, Gießen 1905, S. 166–167. Nachdruck: Weidlich, Würzburg, 1985, ISBN 3-8035-1265-4. Michael Huyer, Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms: Verbandsgemeinde Alzey-Land (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 20,1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-327-5, S. 219–227. Herrmann Scholl: Chronik von Gau-Heppenheim: Häuser – Höfe – Heppenheimer. Rheinhessische Druckwerkstätte, Alzey 2004, ISBN 978-3-87854-185-1. Achim Seip: Alte und neue Orgeln im Bistum Mainz (= Neues Jahrbuch für das Bistum Mainz. Jahrgang 2003). Publ. Bistum Mainz, Mainz 2003, ISBN 3-8053-2838-9, S. 38.

Weblinks

Kurzporträt über Gau-Heppenheim bei SWR Fernsehen Geschichtliche Informationen zu Gau-Heppenheim bei regionalgeschichte.net

Einzelnachweise

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