mini|Urkunde in einem Park in Tuzla vom bosnischen Ban Kulin aus dem Jahr 1189 an Dubrovnik
() ist eine Industriestadt im Nordosten von Bosnien und Herzegowina. Sie liegt in einem Seitental der Spreča am Fluss Jala. Tuzla ist die Hauptstadt des nach ihr benannten Kantons der Föderation Bosnien und Herzegowina. Die Stadt ist mit etwa 110.000 Einwohnern die viertgrößte des Landes. Die Fläche des eigentlichen Stadtgebietes beträgt 15 km², die der Kommune 303 km². Der Kanton Tuzla ist mit rund 445.000 Einwohnern der bevölkerungsreichste Kanton des Landes.
Geographie und Klima mini|links|hochkant=1.2|Ansicht der Stadt Tuzla
Tuzla ist in einem hügeligen Gelände südöstlich des Majevica-Gebirges gelegen.
Der südwestlich der Stadt gelegene Stausee Modračko jezero ist das größte Naherholungsgebiet der Stadt. Er entstand 1964 und wird als Wasserspeicher für die umliegende Industrie genutzt. Er besitzt eine Wasserfläche von ungefähr 900 Hektar, eine maximale Tiefe von 20 Metern und eine mittlere Tiefe von 7 Metern.
Das Klima in Tuzla ist gemäßigt geprägt, jedoch eher ein Kontinentalklima mit kalten Wintern und heißen Sommern. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 10 °C; der durchschnittliche jährliche Niederschlag beträgt 895 mm.
Die tiefste jemals gemessene Temperatur lag bei −25,8 °C am 24. Januar 1963, die höchste bei 39,5 °C am 6. Juli 1988.
Geschichte Frühgeschichte Wie archäologische Ausgrabungen zeigen, reicht die Geschichte Tuzlas bis in die Jungsteinzeit zurück. Früheste Nachweise der Besiedlung durch slawische Stämme reichen bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. Auf Grund der in der Gegend häufig anzutreffenden salzhaltigen Quellen wurde die Siedlung zunächst Soli (slawisch für Salz) genannt.
In Gornja Tuzla, rund 10 km vom Stadtzentrum Tuzlas entfernt, legten Ausgrabungen eine Siedlung der Starčevo-Kultur frei, die als ältestes Zeugnis dieser Kultur in Bosnien und Herzegowina gilt und auf 3000–2000 v. Chr. datiert wird.Franz N. Mehling (Hrsg.): Knaurs Kulturführer in Farbe Jugoslawien. Droemer Knaur, München und Zürich 1984, ISBN 3-426-26135-9, S. 397 f. Die restaurierten Reste einer Pfahlbausiedlung, älteste ihrer Art im Raum des ehemaligen Jugoslawien, können heute auf dem Gelände des künstlich angelegten Salzsees der Stadt besichtigt werden.
Mittelalter Im frühen Feudalismus, also zu Zeiten des mittelalterlichen bosnischen Staates, war die Herstellung von Salz unerheblich und diente offensichtlich nur für die Verwendung der lokalen Bevölkerung. Dies lässt sich am besten aus der Urkunde des Ban Kulin (Povelja Kulina bana) aus 1189 schlussfolgern, mit dessen Unterschrift der Ban faktisch das Monopol mit dem Salz den Dubrovnikanern übergab. Dabei erlaubte er ihnen Freihandel auf den von ihm beherrschten Gebieten. Die Urkunde des Ban Kulin stellt das älteste bosnisch-herzegowinische Staatsdokument dar.
Osmanisches Reich Im Jahr 1463 wurde die Stadt von Osmanen eingenommen und erhielt den an das türkische Wort für Salz (tuz) angelehnten Namen Tuzla. Bis dahin hieß Tuzla bzw. .
Mit der Ankunft der Türken nimmt die Herstellung des Salzes organisierte Formen zum Zweck von Handel an. Aus 1478 stammt die älteste Angabe über die Jahresherstellung von Salz im oberen und unteren Tuzla (Gornja i Donja Tuzla). Damals wurden insgesamt 13 Tonnen Salz produziert. Die höchste Menge der Jahresherstellung wurde im Jahr 1991 mit 205.005 Tonnen aufgezeichnet.
Die türkische Macht erteilte Einzelnen das Recht, die Salzförderung zu betreiben. Davon musste ein Teil dem Staat abgegeben werden. Dies wurde in einem dafür extra angefertigten Gesetz aus dem Jahr 1548 geregelt. Die Salzherstellung steigerte sich in der osmanischen Epoche von 13 bis zu 640 Tonnen im Jahr 1875. Dies war kurz vor dem Ende der osmanischen Verwaltung in Bosnien und Herzegowina.
Österreich-Ungarn Mit Beginn der österreichisch-ungarischen Verwaltung 1878 begann eine verstärkte Industrialisierung. 1880 wurde das staatliche Monopol auf Salz verkündet; vier Jahre danach begann der Bau der ersten Fabrik in Simin Han. Die Fabrik Solana wurde 1885 eröffnet, womit die bis heute andauernde industrielle Herstellung von Salz in Tuzla begründet wurde. Wie bedeutend die Solana für die damalige Zentralmacht war, zeigt die Tatsache, dass die Solana in einem kaiserlichen Erlass vom 16. Februar 1885 des Kaisers Franz Joseph I. genannt wurde.
An ihren Anfängen entwickelte sich die industrielle Herstellung von Salz schnell. Dazu trug wesentlich die Erschließung neuer Salzvorkommen bei. Nach der Entdeckung eines Lagers auf dem im Norden der Stadt gelegenen Hügel Trnovac wurde 1891 in Kreka ein neues Werk eröffnet. Dies geschah am Ort der heutigen Fabrik. In 30 Jahren Industrialisierung stieg die Jahresproduktion von 640 Tonnen im vorindustriellen Zeitalter auf gut 20.000 Tonnen Salz im Jahr 1905 an. Im Jahr 1917, vor dem Ende der österreichisch-ungarischen Periode, betrug die erzeugte Menge 43.841 Tonnen.
Meyers Großes Konversations-Lexikon aus 1909 beschrieb Tuzla als Kreisstadt, welche an beiden Ufern der Jala und der Bahnlinie Doboj-T.-Siminhan liegt. Sie war Sitz eines orthodoxen Bischofs, eines Muftis, eines Militär-Platzkommandos und eines Bezirksgerichts. Im Lexikon wird angeführt, dass es drei Brücken, zahlreiche Moscheen (darunter die Behrambeg-Moschee), ein Nonnenkloster und mehrere Kasernen gab. Tuzla hatte damals (1895) 11.034 Einwohner, davon 5984 Muslime. Der Handel war „lebhaft“, besonders mit Vieh und Pferden. Außerdem gab es eine Volks- und Handelsschule, eine Mädchenschule und höhere islamische Schule, ein Spital, den Elisabethpark, und neben den erwähnten Salzquellen auch reiche Kohlenlager. Tuzlas Umgebung soll reich an Bogumilengräbern gewesen sein. Des Weiteren war Tuzla 1225 Hauptstadt der Provinz Soli. 1693 siegte der kaiserliche Feldherr Perčinlija über die Türken. Österreichische Truppen fochten hier vom 9. bis 10. August 1878 mit den Insurgenten.
Franziskanerkloster Im Jahr 1447 wird ein Kloster der hl. Maria (Sv. Marije) im oberen Tuzla bzw. oberen Soli (Gornja Tuzla, Gornji Soli) erwähnt. Die nächste Erwähnung stammt von dem franziskanischen Historiker Luke Wadding, der unter dem Jahr 1506 Kloster im oberen und unteren Tuzla (Gornjoj i Donjoj Tuzli) aufführt. Anschließend wird das Kloster im oberen Tuzla 1514 erwähnt. Eine Kirche im unteren Tuzla findet sich 1533 in türkischen Dokumenten erwähnt. 1548 wurde ein Kloster samt einer Kirche, die dem hl. Peter gewidmet wurde, erwähnt.
In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts waren die bosnischen Franziskaner schweren Vertreibungen ausgesetzt. So wurde 1538 das Franziskanerkloster in Zvornik zerstört und die Kirche in eine Moschee umgewandelt. Sie mussten 1541 dieses Kloster verlassen und besiedelten den Gradovrh zusammen mit den Franziskanern aus Gornja Tuzla. Das Kloster auf dem Gradovrh wurde von der reichen Adelsfamilie Maglašević (diese Familie wird unter mehreren Nachnamen erwähnt: Sić, Soić, Suić, Pavičević i Pavešević) beansprucht. Das Kloster auf dem Gradovrh befand sich in der Nähe des heutigen Tuzla.
Erster Weltkrieg Nach dem Rückzug der Osmanen wurde Tuzla 1878 Teil Österreich-Ungarns. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs gehörte Tuzla fortan zu Jugoslawien.
Die Kroaten in Tuzla gründeten 1907 die Organizacija radnika Hrvata (Organisation kroatischer Arbeiter) und die Hrvatsku narodnu zajednicu (kroatische Volksgemeinschaft), 1913 den Hrvatski nogometni klub Zrinjski (Kroatischer Fußballklub Zrinjski) wie auch viele andere Vereinigung mit kroatischem Vorzeichen.
In der Nähe brach 1920 der Aufstand von Husino aus.
Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg marschierten in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1941 die Ustaše in Tuzla ein; die Stadt fiel an den sogenannten Unabhängigen Staat Kroatien. Die jugoslawische Partisanenbewegung hatte daraufhin eine Stütze in der Bevölkerung Tuzlas. Am 2. Oktober 1943 wurde die Stadt von Partisanen eingenommen.
Das kommunistische Regime Jugoslawiens nahm der katholischen Kirche einen großen Teil ihres Besitzes. Das alte Kloster-Gebäude verloren die Franziskaner aus ihrem Eigentum. Den Nonnen wurde das Kloster Josipovac entrissen; es folgte ihre Vertreibung. Danach wurden zahlreiche Franziskaner und Zivilisten gefangen genommen oder ermordet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Tuzla zu einer bedeutenden Industriestadt im sozialistischen Jugoslawien. Basierend auf den Salz- und Kohlevorkommen in der Umgebung der Stadt, entwickelte sich eine starke chemische und Kraftwerksindustrie. Dies führte zum Zuzug vieler Menschen aus verschiedenen Teilen Jugoslawiens und festigte damit die vorher schon bestehende multiethnische Bevölkerungsstruktur der Stadt.
Bosnienkrieg mini|Innenstadt mit Fußgängerzone und im Bosnienkrieg zerstörtem Gebäude
Während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995 gehörte Tuzla zum von der bosnischen Regierungsarmee dominierten Teil von Bosnien und Herzegowina. Im und nach dem Krieg wurde die Stadt Zuflucht vieler Flüchtlinge.
Nach der Gründung der Hrvatska zajednica Herceg Bosna erfolgte wie in Sarajevo die Gründung der Hrvatske zajednice Usora i HZ Soli (Kroatische Gemeinschaft Usora und HZ Soli).
Im Frühling 1992 wurde die 115. Brigade Zrinski des kroatischen Verteidigungsrates (HVO) gegründet; dies war der erste militärische Verband in Tuzla. Die Brigade hatte 3000 kroatische Freiwillige aus Tuzla, Lukavac und Živinice.
Am 14. Mai 1993 unterschrieben in der Tuzlaer Kaserne Husinska buna der Befehlshaber der HVO-Brigade Zrinski, Zvonko Jurić und Jusuf Šećerbegović, der Befehlshaber der ersten Tuzla-Brigade eine Urkunde, in welcher Fraternisation, militärische und jegliche andere Zusammenarbeit beschlossen wurde. Diesem Vorgang wird eine große Bedeutung zugemessen, sowohl im politischen Sinne wie auch für die Stärkung der Verteidigung der Stadt.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten wurde Tuzla in dieser Zeit aber nie von nationalistischen Parteien regiert und auch während des Krieges arbeiteten bosniakische, kroatische und serbische Bewohner weiterhin zusammen und verteidigten die Stadt auch gemeinsam gegen die Angriffe serbischer Einheiten. Im Winter 1993/1994 war die Stadt zeitweilig ganz von serbischen Truppen eingekesselt, was zu einer teilweise dramatischen Versorgungslage führte. Auch kam es immer wieder zu Granateneinschlägen und damit verbundenen Zerstörungen in der Stadt.
Besonders in Erinnerung bleiben der Überfall auf die Tuzla-Kolonne am 15. Mai 1992 und das Tuzla-Massaker vom 25. Mai 1995. Allein bei diesen beiden Anschlägen starben mindestens 171 meist junge Menschen.
Während des Krieges erlangte Selim Bešlagić als Bürgermeister einige Berühmtheit wegen des erfolgreichen Managements und der Verteidigung der Stadt. Der jetzige Bürgermeister Jasmin Imamović engagiert sich stark in der Entwicklung der Stadt. Nach dem Ende des Krieges mit dem Daytoner Abkommen vom Dezember 1995 erholt sich die Stadt nur langsam und ist weiterhin auf internationale Hilfe angewiesen.
Am 24. Juli 2014 bekam Tuzla vom Parlament der Föderation Bosnien und Herzegowina offiziell den Status einer Stadt (Grad) verliehen.
Bevölkerung Zur Volkszählung 2013 hatte die Großgemeinde Tuzla insgesamt 110.979 Einwohner. Davon lebten 80.570 in der eigentlichen Stadt; die restlichen 30.409 in den umliegenden Ortsteilen. Bei der letzten Vorkriegszählung 1991 waren noch 131.618 Einwohner der Gemeinde gezählt worden, davon 83.770 in der Stadt.Nacionalni sastav stanovništva Republike Bosne i Hercegovine 1991 (PDF; 8,8 MB) auf fzs.ba, S. 111f., abgerufen am 6. Januar 2018.
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