mini|hochkant|John Sebastian Helmcken, ca. 1854, im Helmcken House, Victoria John Sebastian Helmcken (* 5. Juni 1824 in Whitechapel, London; † 1. September 1920 in Victoria auf Vancouver Island) war Arzt, Politiker und Händler der Hudson’s Bay Company. Er gilt als entscheidender Förderer des Anschlusses der Provinz British Columbia an das entstehende Kanada (und damit nicht an die USA) sowie der Erhebung Victorias zur Provinzhauptstadt. Er gründete mehrere medizinische Institute und war von erheblicher Bedeutung für die First Nations sowie für die Einwanderungspolitik in British Columbia.

Helmcken heiratete am 27. Dezember 1852 Cecilia Douglas (1834–1865), eine Tochter des Gouverneurs James Douglas in Victoria, mit der er vier Söhne und drei Töchter hatte. Sein Wohnhaus ist das älteste erhaltene Gebäude in Victoria (unmittelbar neben dem Royal British Columbia Museum) und birgt heute ein ihm gewidmetes Museum, das Helmcken House.

Leben Herkunft und Jugend John Sebastian Helmcken war der älteste Sohn von Claus Helmcken (1781–1839) und Catherine Mittler (1795–1869), die am 17. September 1817 in London heirateten und zusammen acht Kinder hatten. Sie waren Lutheraner. John Sebastian hatte drei ältere Schwestern und eine jüngere sowie drei jüngere Brüder, doch verlor er weitgehend den Kontakt zu ihnen.

Sein Vater Claus Helmcken arbeitete bis 1825 in einer Londoner Zuckerfabrik (Messrs. Bowman’s), in der viele Deutsche beschäftigt waren, später war er Lebensmittelhändler im nahe gelegenen White Swan Public House. Er war nach Einschätzung seines Sohnes kränklich, litt unter Gicht und trank zu viel, spätestens, nachdem sein Laden pleitegegangen war. So lag die Sorge für die Kinder überwiegend bei der Mutter. Helmcken beschrieb sie als liebevoll, bewunderte ihre Umsicht und Ordnungsliebe sowie ihre Abneigung gegen Verschwendung.

Ausbildung John Sebastians Eltern schickten den für schwächlich gehaltenen Jungen 1828 zur St George’s German and English School in London. Dort wurden die Kinder ausschließlich in Englisch, Deutsch, Schreiben, Arithmetik und Geographie unterrichtet. Dort galt „Ordnung als des Himmels erstes Gesetz“, wie sich Helmcken später erinnerte.

Mit 14 ging Helmcken als Laden- und Botenjunge zu Dr. William Henry Graves, für den er schon als Schüler seit 1837 Medikamente ausgetragen hatte. Dort bewährte er sich so gut (und lernte zudem Latein bei einem Kleriker), dass Dr. Graves ihn zum Apotheker und Drogisten ausbildete. Binnen fünf Jahren wurde er Arzt, wobei er sein Studium am Guys Hospital aufnahm (1844). Während dieser Zeit verstarb sein Vater an Wassersucht. 1847 wurde der junge Helmcken als Licentiate of the Worshipful Apothecaries Company of London zugelassen. Diese Gesellschaft war für die Zulassung aller im praktisch-medizinischen Bereich Tätigen zuständig. mini|Eingang zum Royal College of Surgeons of England Im Juni 1847 bot ihm der Schatzmeister Harrison eine Stellung als Schiffsarzt an. Im Sommer segelte er für die Hudson’s Bay Company (HBC) mit dem Schiff Prince Rupert zur York Factory an der Südwestecke der Hudson Bay. Dort traf er erstmals auf Händler der Inuit und kehrte im Herbst zum Krankenhaus zurück, wo er 1848 die Aufnahmeprüfung am Royal College of Surgeons of England ablegte. In diese Gesellschaft wurde er im März aufgenommen.

Auf der Schiffsreise hatte er den Chief Factor Hargraves und seine Frau kennengelernt. Über weitere Kontakte gelangte er auf das Schiff Malacca, das nach Bombay fuhr. 18 Monate lang segelte er auf dem Passagierschiff durch die Sunda-Straße, zwischen Sumatra und Java, Richtung Formosa und Hongkong, dann an der chinesischen Küste entlang. Durch die Straße von Malakka ging es über Ceylon und Bombay wieder zurück nach England.

Hudson’s Bay Company und Familiengründung Am 12. Oktober 1849 wurde Helmcken für fünf Jahre von der Hudson’s Bay Company (HBC) engagiert. Am 24. März 1850 erreichte er auf der Norman Morrison Esquimalt an der Südwestküste von Vancouver Island. Doch, wie er notierte, war dort nichts „außer Land, Wasser, Kanus und Indianer“.

Chief Factor James Douglas sandte ihn im Mai nach Fort Rupert (beim heutigen Port Hardy), wo die Gesellschaft eine Kohlengrube unterhielt. Vom Gouverneur der Provinz, Richard Blanshard, erhielt er im Juni den Auftrag, unter den dortigen Arbeitern für Ruhe zu sorgen, denn viele wollten ihren Vertrag brechen und sich nach Kalifornien begeben, um Gold zu suchen (siehe Kalifornischer Goldrausch). mini|Der älteste Teil des dreigliedrigen Helmcken-Hauses, des ältesten Hauses in Victoria Ende des Jahres sollte Helmcken nach Victoria zurückkehren, um dort als Arzt zu arbeiten. Am 27. Dezember 1852 heiratete er die älteste Tochter des inzwischen zum Gouverneur aufgestiegenen James Douglas, der zugleich Chief Factor der HBC blieb. Er hatte Cecilia bereits bei seinem ersten Besuch 1850 kennen gelernt. Sie erbauten auf Land, das ihnen der Schwiegervater zur Hochzeit geschenkt hatte, ein Haus, die Arbutus Lodge.Zum Bau vgl. . Ein erstes Kind kam am 29. Oktober 1853 zur Welt. Es erhielt den Namen Claude Douglas und wurde am 11. Dezember getauft, doch starb der Junge kurz danach. Am 10. Juni 1855 kam die älteste Tochter, Catherine Amelia (Amy, 1875–1922) zur Welt; sie erhielt die Vornamen der Großmütter. 1856 wurde Margaret Jane (Daisy genannt) geboren, doch verstarb sie schon 1858 an Diphtherie. Entsprechend ihrem Kosenamen legte Helmcken ein Oval aus Gänseblümchen – Daisies – auf ihr Grab. Im selben Jahr wurde James Douglas (1858–1919) geboren, der seinen Namen von Cecilias Vater erhielt, und der Jimi genannt wurde, im Dezember 1859 kam Henry Dallas zur Welt, den man Harry nannte (gest. 1912). 1862 folgte Edith Louisa, die die Familie Dolly nannte (gest. 1939), schließlich 1865 Cecil Roderick, der Claus genannt wurde.

Doch wenige Tage nach der Geburt dieses siebenten Kindes starb Cecilia überraschend an einer Lungenentzündung. Sie wurde ebenfalls im Garten beigesetzt. Von ihren sieben Kindern wurden nur vier erwachsen. Amy, Dolly, Jimi und Harry wuchsen überwiegend bei den Haushälterinnen auf, zunächst „Mrs. Wilde“, später „Mrs. Foreman“. Auch die jüngere Schwester der Verstorbenen, Martha, kümmerte sich um die Kinder.

Helmcken eröffnete eine Arztpraxis. Wie die Familie Douglas gehörte Helmcken der Anglikanischen Kirche an, wechselte aber während des Schismas von 1875 zur Reformed Episcopal Church.

Sprecher der Gesetzgebenden Versammlung (1856 bis 1871) Im Juli 1856 wurde er in die erste Gesetzgebende Versammlung der Kolonie Vancouver Island gewählt, um Esquimalt und den Victoria-Distrikt zu vertreten. Er wurde schon in der ersten Sitzung am 12. Juli zum Sprecher gewählt, ein Amt, das er bis 1866 bzw. 1871 innehatte. Außerdem war er gewählter Vorstandspräsident des Royal Jubilee Hospital von Februar 1862 bis März 1873.

Die britische Regierung ließ der Hudson’s Bay Company in der Provinz weitgehend freie Hand. Doch sah London eine erhebliche Gefahr durch die zahlreichen Neuankömmlinge, die als Goldsucher gekommen waren. Auch im übrigen Britisch-Nordamerika geriet die Kolonialherrschaft ins Wanken, und es machte den Anschein, als würde das britische Gebiet an die USA fallen. London versuchte gegenzusteuern, indem es größere und selbstständigere Gebiete schuf. So vereinigte man die westlichsten Kolonien Vancouver Island und das Festland zur neuen Kolonie British Columbia, und am 1. Juli 1867 wurden die östlichen Kolonien zur Kanadischen Konföderation vereinigt. Als größtes Problem stellte sich heraus, dass es nicht leicht war, die übrigen britischen Gebiete von den Vorteilen eines Anschlusses zu überzeugen.

Helmcken stellte 1866 als eine der Bedingungen für die Vereinigung der beiden Kolonien die Forderung, die „repräsentierenden Institutionen“ bestehen zu lassen. Im selben Jahr erreichte eine Petition den Präsidenten der USA, die ihn dazu aufforderte, die Kolonie zu übernehmen.

Die Befürworter des Beitritts British Columbias zum neu gegründeten Kanada hatten starken Rückhalt bei der Hudson’s Bay Company und bei den Angestellten, die auf britische Zahlungen angewiesen waren. Auf der anderen Seite standen Männer, die spätestens seit dem Kauf des russischen Alaska durch die USA hofften, auch British Columbia würde an die USA fallen. Damit würden sich neue Geschäftsmöglichkeiten ergeben, denn der Wall aus britischen Schutzzöllen würde fallen. Außerdem hoffte man, nicht mehr so stark auf Londoner Interessen Rücksicht nehmen zu müssen und dessen Verwaltung loszuwerden.

1868 schloss sich Helmcken einer Bewegung gegen den Beitritt zur Kanadischen Konföderation an. Dies, obwohl er von April 1863 bis 1871 chief trader (Chefhändler) in der HBC war, und im Dezember 1869 von Gouverneur Anthony Musgrave in die Regierung, den Executive Council, geholt wurde.

Im März 1870, als über den Beitritt zum entstehenden Kanada debattiert wurde, meinte Helmcken: „Es kann nicht für unwahrscheinlich gehalten werden, dass letztendlich nicht nur diese Kolonie, sondern das gesamte Dominium Kanada von den Vereinigten Staaten absorbiert wird.“ Das trug ihm den Verdacht ein, ein annexationist zu sein – ein Befürworter des Anschlusses an die USA also –, obwohl er dies strikt von sich wies.

Musgrave wählte ihn als eines der Mitglieder der Delegation aus, die über die Bedingungen eines möglichen Beitritts verhandeln sollten, und die er nach Ottawa entsandte. Helmcken hatte offenbar seine Meinung geändert, möglicherweise, weil er erkannte, welches Potenzial im Eisenbahnbau bestand. Dennoch war seine Bedingung für den Beitritt materieller und geldlicher Gewinn für British Columbia.

Zusammen mit Robert William Weir Carrall und Joseph William Trutch führte Helmcken im Sommer 1870 die Vorverhandlungen in Ottawa. Wegen der gewaltigen Entfernungen war er eher pessimistisch, und so musste für ihn der Bau einer Eisenbahnlinie, die als einzige geeignet war, in annehmbarer Zeit diese riesigen Distanzen zu überwinden, eine unumgängliche Vorbedingung sein. Außerdem sollten die Schutzzölle bestehen bleiben, die bisher British Columbias Wirtschaft die kalifornische Konkurrenz fernhielten. Erst als Ottawa zusagte, den Bau binnen zwei Jahren zu beginnen und binnen zehn Jahren fertigzustellen, dazu halbjährlich 100.000 Dollar für das notwendige Land zu zahlen, wurde Helmcken endgültig ein Verfechter des Anschlusses an die Konföderation.

Die Unterhändler waren offenbar in einer günstigen Verhandlungsposition und nutzten diese Tatsache mit großem Geschick. Kanada übernahm die Schulden der Provinz, zahlte British Columbia einen Ausgleich für die höheren Schulden der anderen Provinzen, dazu 35.000 Dollar sowie 80 Cent pro Kopf der Bevölkerung und Jahr (begrenzt auf maximal 320.000 Dollar). Dazu sollte die Regierung einen vierzehntäglichen Dampfbootbetrieb zwischen Victoria und San Francisco unterhalten und einen zweimal wöchentlichen mit Olympia in Washington. Dazu kamen Gehälter der Staatsdiener und Mittel für die Hospitäler, wie ein Marinekrankenhaus in Victoria, und der Unterhalt der Flottenbasis in Esquimalt. Des Weiteren sollten Pensionen übernommen werden für die, die ihre Position durch den politischen Übergang verlieren würden. Außerdem wollte British Columbia die Zölle erst mit dem Anschluss der verabredeten Eisenbahnlinie anerkennen. Drei Abgeordnete sollten in den Senat, sechs in das Unterhaus einziehen. Die Indianerpolitik, die vor allem Trutch rücksichtslos betrieb, sollte nicht geändert werden, doch sollte Kanada dafür die Verantwortung übernehmen.

Rückzug aus der Politik und Medizinorganisator (ab 1871)

1871 zog sich Helmcken aus seinen politischen Ämtern zurück. Er lehnte alle Angebote ab, als Senator, als Provinzsprecher oder als Vizegouverneur zu arbeiten, denn er wollte sich dem neuen Wahlsystem nicht unterwerfen.