Die Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG i.I. (Eigenschreibweise ab 2008 airberlin) mit Sitz in Berlin und Basen auf den Flughäfen Berlin-Tegel und Düsseldorf war eine deutsche Fluggesellschaft. Sie war zuletzt eine hundertprozentige Tochter der börsennotierten Air Berlin PLC, deren größter Einzelaktionär zuletzt die emiratische Etihad Airways war. Im August 2017 beantragte Air Berlin die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, der eigenwirtschaftliche Flugbetrieb wurde mit Hilfe einer Bundesbürgschaft bis Ende Oktober 2017 fortgeführt. Air Berlin war bis dahin die zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands. Teile der Gesellschaft, darunter das Geschäft am Flughafen Tegel und die Tochtergesellschaft LGW, wurden an die Lufthansa und easyJet verkauft.

Geschichte mini|Boeing 707-300 der Air Berlin USA im Jahr 1980 mini|hochkant=0.5|Logo der Air Berlin USA

Gründung und erste Jahre Nachdem der amerikanische Pilot Kim Lundgren im Zuge der Ölpreiskrise seine Arbeit bei der Pan Am verloren hatte, gründete er im Juli 1978 die Air Berlin Inc. als Charterfluggesellschaft unter Zulassung durch die FAA im US-Bundesstaat Oregon, um Flüge von und nach West-Berlin anzubieten, was nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 nur Flugzeugen der Siegermächte gestattet war.Stefan Eiselin: Von der Vorzeigeairline zum Krisenfall. In: Aerotelegraph. 15. August 2017, abgerufen am 18. August 2017 (vormaliger Titel: So wurde Air Berlin groß). Offizieller Sitz der Air Berlin USA war Miami, das zeitweise auch von Berlin aus angeflogen wurde.

Der erste Flug der Gesellschaft führte am 28. April 1979 mit einer Boeing 707 von Berlin nach Palma de Mallorca. 1981 wurden die beiden 707 durch zwei kleinere Boeing 737 ersetzt. Air Berlin spezialisierte sich auf Ziele rund um das Mittelmeer, Palma war lange Zeit das meistangeflogene Ziel der Gesellschaft.

Wachstum nach der Wiedervereinigung Deutschlands ab 1990 mini|Der ehemalige Hauptsitz der Air Berlin in Berlin-Charlottenburg-Nord Nach der deutschen Einheit fiel auch die Lufthoheit der Alliierten, sodass ein Zulassungswechsel zum Luftfahrt-Bundesamt notwendig wurde. Am 16. April 1991 gründeten Joachim Hunold und Kim Lundgren die deutsche Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG und übernahmen die Air Berlin Inc. In der Folgezeit änderte der geschäftsführende Gesellschafter Joachim Hunold das Unternehmensprofil grundsätzlich.

1998 bot Air Berlin erstmals zehn Prozent der Sitzplatzkapazität direkt ohne Pauschalarrangement eines Veranstalters an, gleichzeitig startete ein täglicher Mallorca-Shuttle von Berlin, Düsseldorf und Paderborn. Mit zehn Flugzeugen wurden von neun deutschen Flughäfen sowie von Luxemburg aus Urlaubsziele um das Mittelmeer bedient. Seit 1999 war Air Berlin Mitglied der IATA. Bis 2001 stieg der Anteil der direkt verkauften Sitzplätze auf ein Viertel. Mit 25 Maschinen vom Typ Boeing 737-800 wurden von 14 deutschen Flughäfen Ferienziele angeflogen. Als Reaktion auf die aufkommenden Billigfluggesellschaften begann Air Berlin im September 2002 damit, unter der Bezeichnung „City-Shuttle“ Verbindungen zu europäischen Großstädten mit hohem touristischen Aufkommen anzubieten.

2004 erwarb Air Berlin 24 Prozent der Anteile an der österreichischen Fluggesellschaft Niki. Die Fluggesellschaft Germania, die seinerzeit 577 Mitarbeiter beschäftigte und über eine Flotte von 44 Flugzeugen verfügte, sollte Ende 2005 durch einen Managementvertrag an Air Berlin gebunden werden; Vorbild hierfür war die bereits bestehende Partnerschaft der Air Berlin mit Niki. Air Berlin mietete Flugzeuge von Germania, im Gegenzug stellte Germania die von beiden Gesellschaften stark umkämpften Flüge nach Zürich und Wien ein. Der Vertrag kam jedoch nicht zustande; die Erbengemeinschaft der Germania konnte sich nicht über eine Übernahme durch Air Berlin einigen, Germania blieb daher eigenständig.

Börsengang Im Vorfeld des für 2006 geplanten Börsengangs änderte Air Berlin im Januar ihre Unternehmensform von einer GmbH & Co. KG in eine Limited & Co. KG und überführte dabei die GmbH in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC). In diesem Fall ist die PLC, anstelle einer deutschen juristischen Person, ausländischer persönlich haftender Gesellschafter (Komplementär) der deutschen Kommanditgesellschaft. Als Grund für diese Änderung wurden u. a. bilanzrechtliche Vorteile und bessere Abschreibungsmöglichkeiten sowie die Umgehung der Unternehmensmitbestimmung genannt.

Der Börsengang der Air Berlin PLC war zunächst für den 5. Mai 2006 angesetzt, dann aber kurzfristig verschoben, da die ursprüngliche Preisspanne von 15 Euro bis 17,30 Euro zu hoch angesetzt worden war. Am 10. Mai 2006 wurde der Preis dann mit 12 Euro je Aktie bekanntgegeben, woraus sich ein Gesamterlös von 510 Millionen Euro ergab, rund 360 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant. Die Erstnotierung fand am 11. Mai 2006 statt. Nach dem Börsengang befanden sich 38,41 Prozent im Streubesitz, 16,36 Prozent bei der Deutschen Bank, 8,58 Prozent bei der Ringerike Luftfahrtbeteiligung, 8,40 Prozent bei Hans-Joachim Knieps und weiteren Investoren.

Wachstum durch Übernahmen Im August 2006 übernahm die Air Berlin die deutsche Fluggesellschaft dba von der Intro Verwaltungs GmbH und der Aton GmbH, deren Preis laut dem Nachrichtenmagazin Focus 120 Millionen Euro betragen haben soll. Der Kaufpreis wurde mit Barmitteln beglichen. Zusammen kamen beide Fluggesellschaften 2006 auf ein Passagieraufkommen von 19,7 Millionen nach 17,5 Millionen im Vorjahr. Daran hatte Air Berlin einen Anteil von gut 15,2 Millionen und dba einen Anteil von knapp 4,5 Millionen. Die Marke dba wurde bis April 2007 vom Markt genommen. Die Flugpläne der beiden Gesellschaften wurden mit Beginn des Sommerflugplans 2007 aufeinander abgestimmt; bereits seit November 2006 flogen Teile der Flotte der ehemaligen dba in den Farben von Air Berlin mit dem Zusatz als kleiner Sticker neben der vorderen linken Einstiegstür „powered by dba“. Diesen Sticker fand man auch an jedem Flugzeug der dba. Die dba existierte zunächst als eigenständige Tochtergesellschaft weiter und betrieb neun Flugzeuge. Nachdem die Verwaltung und die Technik der dba schon aufgelöst und von Air Berlin übernommen worden waren, wurde zum 30. November 2008 der Flugbetrieb komplett eingestellt. Bedingt durch einen Warnstreik der dba-Flugbegleiter am 14. November 2008 entzog Air Berlin der dba alle Flugaufträge und legte so den dba-Flugbetrieb noch am selben Tag still; den Arbeitnehmern wurden Stellen bei Air Berlin angeboten.

mini|Airbus A330-200 der LTU in deren letzter Bemalung, die schließlich von Air Berlin übernommen wurde Am 27. März 2007 wurde die Übernahme der deutschen Traditionsgesellschaft LTU durch Air Berlin bekanntgegeben. Der Name LTU sollte damals im Langstreckenverkehr bestehen bleiben, die Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge gingen komplett im damit weiter wachsenden Streckennetz der Air Berlin auf. Des Weiteren wurde die Bemalung der Air-Berlin-Flotte an die damals noch kurz zuvor neu eingeführte Bemalung von LTU angepasst. Von Seiten des Bundeskartellamts wurden zunächst Bedenken hinsichtlich der Übernahme angemeldet. In: Financial Times Deutschland. 21. Mai 2007. Am 8. August 2007 genehmigte das Kartellamt die Übernahme der LTU jedoch ohne Auflagen. Zwischenzeitlich hatte Air Berlin bekanntgegeben, die Marke LTU nicht weiter zu nutzen, die verbliebenen Flugzeuge wurden umlackiert.

Ebenfalls 2007 erwarb Air Berlin eine 49-prozentige Beteiligung an der Schweizer Fluggesellschaft Belair Airlines vom bisherigen Alleineigentümer Hotelplan. Die Beteiligung wurde am 21. August 2007 von den deutschen und Schweizer Kartellämtern und von der EU-Kommission genehmigt. Durch die Beteiligung verstärkte Air Berlin seine Aktivitäten auf den internationalen Strecken ab der Schweiz. Im November 2007 übernahm Air Berlin alle europäischen Flüge der Belair, während die Maschinen der Belair die Bemalung der Air Berlin bekamen. Alle Flüge aus der Schweiz in Nicht-EU-Länder wurden unter 4T-Flugnummer und mit Belair-Fluggerät durchgeführt. Die Langstreckenflüge der Belair wurden zum Sommerflugplan 2009 eingestellt, die hierfür genutzten Boeing 757 und 767 wurden ausgemustert. Parallel dazu erlangte Air Berlin im Oktober 2009 volle Kontrolle über Belair.Hotelplan: , Pressekommuniqué vom 29. Oktober 2009 mit Erläuterung der Holdingstruktur: Air Berlin übertrug eine im Jahr 2007 vereinbarte Option auf den verbleibenden 51 % Anteil an der Belair einer Schweizer Stiftung; diese Stiftung wurde somit neue Eigentümerin der 51 % der Belair, indem sie die Option gegenüber dem Altaktionär Hotelplan ausübte. Der direkte Anteil der Air Berlin an Belair blieb unverändert bei 49 %, wobei Air Berlin von der Stiftung eine Option auf den Erwerb der 51 % eingeräumt wurde, was der Erlangung der effektiven Kontrolle und Möglichkeit der Konsolidierung bedingt.

Am 20. September 2007 gab Air Berlin bekannt, mit Condor eine weitere deutsche Fluggesellschaft übernehmen zu wollen. Die Thomas Cook Group, Hauptanteilseigner der Condor, wollte dazu bis zum 10. Februar 2009 ihre Anteile an Condor Flugdienst in Air Berlin einbringen und sollte im Gegenzug mindestens 500 Millionen Euro in bar und Aktienanteile an Air Berlin erhalten. Das Bundeskartellamt hatte die Prüfungsfrist mehrmals verlängert. Der Antrag auf Genehmigung der Fusion wurde jedoch am 11. Juli 2008 durch Air Berlin und den Reiseveranstalter Thomas Cook wegen „erheblich veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen“ zurückgezogen.

mini|hochkant|Logo der Air Berlin bis 7. Januar 2008 Mitte Dezember 2007 stellte Air Berlin ihren Mitarbeitern ein neues Logo inklusive neuem Corporate Design auf Basis der noch von LTU kurz vor deren Übernahme eingeführten Flugzeugbemalung vor. Der Grundstil in rot/weiß blieb dabei erhalten, der Rot-Ton wurde jedoch heller und die Form- und Schriftsprache moderner gestaltet. Offiziell wurde das Logo am 7. Januar 2008 der Öffentlichkeit präsentiert. Der Air-Berlin-Schriftzug wird nunmehr klein- und zusammen geschrieben. Ergänzt wird das Logo teilweise durch den Slogan „Your Airline“ ( für „Deine Fluggesellschaft“).

mini|Fokker 100 der Germania in den damaligen Farben der Air Berlin (2007) Im September 2008 bestätigte Air Berlin Fusionsgespräche mit dem Wettbewerber TUIfly, ergänzte die Nachricht jedoch um den Hinweis, „mit allen“ zu sprechen. Air Berlin flog bereits bis 2007 für TUIfly viele Flüge mittels eines Codeshare-Abkommens. Ende März 2009 besiegelten Air Berlin und TUI Travel für ihr deutsches Fluggeschäft eine langfristig ausgerichtete strategische Allianz. Eine Überkreuzbeteiligung der beiden Gesellschaften von ursprünglich jeweils 19,9 Prozent wurde beim Bundeskartellamt zur Genehmigung angemeldet. Nach Bedenken desselben wurde diese Überkreuzbeteiligung nicht umgesetzt. Stattdessen übernahm TUI Travel über eine Tochtergesellschaft im Rahmen einer Kapitalerhöhung im Oktober 2009 einen Anteil von 9,9 Prozent an Air Berlin.

Mit Beginn des Winterflugplans 2009/10 am 25. Oktober 2009 übernahm Air Berlin dann das Städte-Streckennetz der TUIfly von 117 Strecken, 55 davon in Italien. Hierfür vercharterte TUIfly für die Wintersaison 2009/10 zunächst 13 und ab Sommer 2010 dann 14 Flugzeuge über einen langfristigen Leasingvertrag inklusive Besatzungen an Air Berlin.