mini|250px|Dionysos und Ariadne; Rotfigurige Lekythos aus Apulien, ca. 375 v. Chr.

Ariadne () war in der griechischen Mythologie die Tochter des kretischen Königs Minos und seiner Gattin Pasiphaë, einer Tochter des Sonnengottes Helios. Sie half Theseus, den Minotauros zu besiegen. Später wurde sie zur Braut des Weingottes Dionysos.

Auf Kreta galt Ariadne auch als Fruchtbarkeitsgöttin. In dieser Eigenschaft wurde sie außerdem auf Naxos, Delos, Zypern und in Athen verehrt.

Mythos Der Mythos von Ariadne ist seit der homerischen Zeit in unterschiedlichen Fassungen verbreitet.

Ariadne und Theseus auf Kreta Ariadnes Geschwister waren Glaukos, Phaidra, Akakallis, Androgeos, Deukalion und Katreus.Bibliotheke des Apollodor 3,1,2,4 Ihr Halbbruder mütterlicherseits war das Ungeheuer Minotauros, ein stierköpfiger Mann aus einer Beziehung Pasiphaës mit einem StierBibliotheke des Apollodor 3,1,4,2, das auf Kreta in dem vom Erfinder und Architekten Dädalus erbauten Labyrinth gefangen gehalten wurde.Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie. Quellen und Deutung. 7. Auflage. Bd. 1, Rowohlt, Reinbek 1974, ISBN 3-499-55113-6, Tafel 9, o. S. sowie S. 275.

Die athenische Version der Sage überliefert, dass Minos Athen unterworfen hatte, nachdem sein Sohn Androgeos dort ermordet worden war. Seitdem waren die Athener verpflichtet, alle neun Jahre sieben Jungfrauen und sieben Jünglinge als Menschenopfer für den Minotauros nach Kreta zu schicken. Als dieser Tribut zum dritten Mal fällig war, schleuste sich der athenische Königssohn Theseus in die Gruppe ein. Auf Kreta verliebte sich aber Ariadne in ihn und erklärte sich gegen sein Eheversprechen bereit, ihm zu helfen, den Minotauros zu besiegen. Als Theseus das Labyrinth betrat, übergab sie ihm auf Dädalus’ Anraten ein Wollfadenknäuel, dessen Ende er am Eingang befestigte. Theseus tötete das Ungeheuer und fand dank des Ariadnefadens unversehrt aus dem Labyrinth heraus.Diodor, Bibliothek 4,61; Plutarch, Theseus 19; Hyginus, Fabulae 42; Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie. S. 305–308.

Ariadne auf Naxos mini|Dionysos findet Ariadne am Strand von Naxos; Mosaik, heute im archäologischen Museum von Thessaloniki

Darauf flüchtete Theseus in Begleitung Ariadnes in Richtung Athen. Die Geschichte wird in den verschiedenen Fassungen unterschiedlich fortgesetzt. Die älteste Erwähnung in der OdysseeHomer, Odyssee 11,321–325 lässt sie – so jedenfalls einige Interpreten – der Eifersucht der Göttin Artemis zum Opfer fallen. Nach Späteren war Ariadne bereits von einer höheren Macht dem Weingott Dionysos zugedacht, so dass ihre Hochzeit mit Theseus nicht stattfinden durfte. Andere Erzähler stellten Theseus’ Eheversprechen als unaufrichtig dar. Jedenfalls wird Ariadne bei einem Zwischenhalt auf der Insel Naxos zurückgelassen. Hesiod und die meisten anderen berichten, dass Dionysos sie am Strand verlassen und schlafend aufgefunden hat. Er verliebte sich in sie und gab ihr als Brautgeschenk eine Strahlenkrone.Hesiod, Theogonie 947–949 Später schleuderte er dieses Diadem hinauf an den Himmel, wo es zum Sternbild der Nördlichen Krone wurde.Ovid, Metamorphosen 8,169–182 Dionysos und Ariadne bekamen mehrere Söhne, unter ihnen Oenopion, der den Weinausbau verkörpert (→ Önologie), und Thoas.

Ariadne blieb trotz ihrer Verbindung mit Dionysos weiterhin auch in Theseus verliebt und beweinte seinen Tod bitterlich. Dennoch holte Dionysos Ariadne nach ihrem Tod aus dem Tartarus zu sich auf den Olymp.

Künstlerische Darstellungen Ariadne wurde in der Literatur, in der Bildenden Kunst und in der Musik vielmals zum Thema genommen. Ein beliebtes Motiv ist der Triumph des Bacchus.

Bildende Kunst Malerei

Pier Francesco Mola: Bacchus und Ariadne, um 1548 Sebastiano Ricci: Bacchus und Ariadne, 1700–1710 Evelyn de Morgan: Ariadne in Naxos, 1877 Maurice Denis: Bacchus and Ariadne, 1907 Giorgio de Chirico: Die erwachende Ariadne, 1913 Lovis Corinth: Ariadne auf Naxos, 1913 Michael Triegel: Schlafende Ariadne, 2010

Bildhauerei mini|Ariadne auf dem Panther im Liebieghaus in Frankfurt am Main Einzelskulptur in der Skulpturengruppe Las Incantadas, Thessaloniki, 2. Jahrhundert Johann Heinrich Dannecker: Ariadne auf dem Panther, 1803 Jules Dalou: Bacchus und Ariadne, 1894

Literatur (Belletristik)

Jennifer Saint: Ich, Ariadne. Roman. Ullstein, Berlin, 2021

Musik Der Ariadne-Stoff wurde erstmals 1608 von Claudio Monteverdi als Oper L’Arianna vertont, von der sich allerdings lediglich das Lamento d’Arianna erhalten hat. Weiter sind folgende Werke überliefert:

Opern Johann Georg Conradi: Die schöne und getreue Ariadne, 1691 Benedetto Marcello: Arianna, 1726 Johann Joseph Fux: La corona d’Arianna, 1726 Nicola Antonio Porpora Arianna e Teseo, 1714 (in Wien); Arianna in Nasso, 1733 (in London) Georg Friedrich Händel: Arianna in Creta, 1733 (in London; ein Monat nach Porpora) Heinrich Wilhelm von Gerstenberg: Ariadne auf Naxos. Eine tragische Cantate (Singstück), 1767 Georg Anton Benda: Ariadne auf Naxos, 1789 Joseph Haydn: Arianna a Naxos (Kantate für Sopran und Begleitung), 1789 Jules Massenet: Ariane, 1906 Richard Strauss: Ariadne auf Naxos, 1912 Bohuslav Martinů: Ariane, 1958 Wolfgang Rihm: Aria/Ariadne, 2001 Harrison Birtwistle: Minotaur, 2008

Ballett Albert Roussel: Bacchus et Ariane, 1930

Instrumentalmusik Pietro Locatelli: Il Pianto d'Arianna. Concerto grosso Op. 7 Nr. 6, 1741

Theater Johann Christian Brandes: Ariadne auf Naxos. Duodrama. 1775. Friedrich August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg: Ariadne auf Naxos. Ein Drama mit musikalischen Accompagnements, 1776Autorangabe bei Meyer, Reinhart: Bibliographia Dramatica et Dramaticoum […]. 2. Abteilung. 26. Band. Tübingen 2007, S. 297. August von Kotzebue: Ariadne auf Naxos. Ein tragi-komisches Triodrama. 1803

Ariadne als Namensgeberin Unter anderem wurde der Asteroid (43) Ariadne und eine Serie von Weltraumraketen der ESA nach Ariadne benannt. Unter dem Namen Ariadne wurde zudem eine politische Frauenkrimireihe herausgegeben.

Siehe auch Ariadnefaden Ariadnepfad

Literatur

Fachliteratur Magnus Frisch: Ariadne – eine Frau zwischen Heros und Gott. In: Der Altsprachliche Unterricht. 56, Nr. 4–5, 2013, , S. 26–37. Ekkehard Martens: Der Faden der Ariadne oder Warum alle Philosophen spinnen, Reclam Verlag, Leipzig 2000, ISBN 3-379-01704-3. Vinciane Pirenne-Delforge: Ariadne. In: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Band 1. Metzler, Stuttgart/Weimar 1996, ISBN 3-476-01471-1, Sp. 1075–1077.

Lutz Walther (Hrsg.): Antike Mythen und ihre Rezeption. Ein Lexikon. Reclam, Leipzig 2003, ISBN 978-3-379-20051-6. Hochschulschriften Silke Köhn: Ariadne auf Naxos. Rezeption und Motivgeschichte von der Antike bis 1600 (= Kunstwissenschaften, Band 3). Utz, München 1999, ISBN 3-89675-660-5 (Dissertation, FU Berlin 1996, 281, Seiten mit Illustrationen und graphischen Darstellungen, 21 cm). Nikolaos-Ioannis Koskinas: „Fremd bin ich eingezogen, fremd ziehe ich wieder aus“, von Kassandra, über Medea, zu Ariadne: Manifestationen der Psyche im spätesten Werk Christa Wolfs (= Epistemata / Reihe Literaturwissenschaft, Band 629). Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, ISBN 978-3-8260-3756-6 (Dissertation HU Berlin 2008, 246 Seiten, 24 cm). Jörg Maurer: Untersuchungen zur poetischen Technik und den Vorbildern der Ariadne-Epistel Ovids. Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York, NY/Paris 1990, ISBN 3-631-42596-1 (Dissertation Universität Heidelberg 1989, 187 Seiten, 21 cm). Claudia Marie Wolf: Die schlafende Ariadne im Vatikan: ein hellenistischer Statuentypus und seine Rezeption (= Schriftenreihe Antiquitates, Band 22). Kovač, Hamburg 2002, ISBN 3-8300-0632-2 (Dissertation Universität München 1999, XXXIII, 371, 106 Seiten mit Illustrationen, 21 cm).

Weblinks

Einzelnachweise

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