Bad Buchau (bis 1963 Buchau, schwäbisch Buacha) ist ein Kurort am Federsee in Oberschwaben. Bad Buchau liegt an der Schwäbischen Bäderstraße und ist für sein Gesundheitszentrum mit Kliniken, Moorheilbad und Mineralheilbad (Thermalbad) bekannt; außerdem für seine prähistorischen Pfahlbauten, die zum UNESCO-Welterbe gehören; für das Europareservat Federsee und nicht zuletzt für seine Geschichte als Reichsstift und stark von der jüdischen Gemeinde geprägte freie Reichsstadt.

An der Oberschwäbischen Barockstraße liegend, weist Buchau eine große Zahl an Kulturdenkmalen vom Mittelalter bis zum Klassizismus auf. Bekannt ist Bad Buchau auch für die Vorfahren Albert Einsteins. Unter den Festen sind die Fastnet und das Adelindisfest am bedeutendsten. Bekanntestes Unternehmen neben den Kliniken ist die Franz Kessler GmbH.

Zu Bad Buchau gehören der ehemals eigenständige Stadtteil Kappel sowie die Hofsiedlungen Ottobeurer Hof, Bruckhof und Henauhof.

Geografie Lage Bad Buchau liegt auf einer von Süden nach Norden verlaufenden risseiszeitliche Moränenzunge am südwestlichen Rand des Federsees im Zentrum Oberschwabens, etwa zwölf Kilometer westlich von Biberach. Der Federsee ist ein rund 1,5 km² großer See innerhalb eines 33 km² großen Moorgebiets. Auf der höchsten Stelle, an der Nordspitze der Moränenzunge, liegt das Stift.

Bad Buchau liegt an der Schwäbischen Bäderstraße und der Oberschwäbischen Barockstraße.

Gemeindeverwaltungsverband Bad Buchau Bad Buchau und die weiteren selbständigen Gemeinden des Federseegebiets (Alleshausen, Allmannsweiler, Betzenweiler, Dürnau, Kanzach, Moosburg, Oggelshausen, Seekirch und Tiefenbach) bilden seit 1973 den Gemeindeverwaltungsverband Bad Buchau.

Nachbargemeinden Von Westen beginnend grenzt Bad Buchau an die Gemeinden Dürnau, Kanzach, Moosburg, Alleshausen, Seekirch, Tiefenbach, Oggelshausen, die Stadt Bad Schussenried, Allmannsweiler und die Stadt Bad Saulgau im Landkreis Sigmaringen.

Geologie Bad Buchau liegt im Gebiet der Donau-Ablach-Platten, die von einer leicht gewellten Altmoränen-Flachhügellandschaft aus einem ausgeglichenen Mosaik aus Grundmoräne, Endmoränenzügen und Schotterflächen in ehemaligen Schmelzwasserrinnen gebildet wurde.

Adelindis-Quelle Die auf der Schwäbischen Alb an der Erdoberfläche liegende geologische Schicht des Oberjuras fällt zum Alpenvorland ab, in Bad Buchau beginnt sie in rund 550 Meter Tiefe. In dieser Schicht wurde von April bis August 1982 die Adelindis-Quelle, eine sogenannte Akratho-Therme – leicht mineralisiert und mit einer Wassertemperatur über der mittleren Jahrestemperatur der Luft – erbohrt. Das Thermalwasser kommt mit einer Temperatur von 47,5 °C aus einer Tiefe von 795 Metern. Seit 1989 ist sie als staatlich anerkannte Heilquelle ausgewiesen.Katy Cuko: Wettbewerb der Wellnesstempel. Die Angebote der Thermen im Überblick. In: Südkurier vom 6. November 2010Infowand in der Andelindis-Therme.

Schutzgebiete

Das bedeutendste Schutzgut in Bad Buchau ist der Federsee und das ihn umgebende Ried. Folglich hat die Stadt Anteil an den drei Naturschutzgebieten Federsee, Südliches Federseeried und Westliches Federseeried/Seelenhofer Ried, die gleichzeitig Bestandteile des FFH-Gebiets Federsee und Blinder See bei Kanzach und des Vogelschutzgebiets Federseeried sind.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte mini|753x753px|zentriert|Kupferstich von Matthaeus Merian aus „Topographia Sueviae“, um 1643–1650Quelle: Georg Ladenburger: Ur- und Frühgeschichte des Federseeraumes. In: Bad Buchau und der Federsee. Federseeverlag 1987, S. 87. Darstellung 10 × 32,5 cm, Blattgröße 14 × 36 cm. Blick von Südwesten. Zum Reichsstift gehört neben der gotischen Stiftskirche das Palatium (Sitz der Fürstäbtissin), daneben die Häuser der Stiftsdamen, Beamten und Geistlichen. Die Stadt besitzt nur ein Stadttor (im Vordergrund), das Adlertor, ansonsten Wälle und einen Graben. Die südwestliche Straße nach Oggelshausen wurde erst 1791 gebaut, vorher gab es nur eine stiftliche Fähre. Am Ende des Straßendammes links im Bild steht die frühere Wuhrkapelle. Rechts im Bild: der Freihof, der zweite Siedlungskern Buchaus. Das Rathausim Südosten der Stadt vor dem Zugang zum Stiftsbereich ist am Turm zu erkennen. Hinter dem Palatium ist das noch heute erhaltene Badhaus zu erkennen, das 1459 erbaut wurde.

Vorgeschichte Archäologen erforschen seit mehr als 120 Jahren die Umgebung der Stadt und des Federsees. Es gibt zahlreiche Funde von eiszeitlichen Rentierjägern und Pfahlbauern der Steinzeit bis hin zur Keltenzeit. Auf diesem Gebiet fand man die ältesten Holzräder Europas.

In der späten Bronzezeit lag rund zwei Kilometer südöstlich der heutigen Stadt eine befestigte Feuchtbodensiedlung, die heute so genannte Wasserburg.

Der Name der Stadt wie des Sees sind keltischen Ursprungs: buches – Melkplatz, feath – großer Sumpf.

Haddellind (Adelindis I). und Attalint (Adelindis II.) mini|Buchau, Federsee und Bussen im frühen 20. Jahrhundert Um 700 n. Chr. lag am Nordwestrand der buchenbestandenen Insel ein alemannischer Adelshof und wahrscheinlich eine Burg.rep.adw-goe.de (PDF; 7,3 MB) S. 55

Im Eritgau, zu dem das Federseegebiet gehört, amtierte in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts Graf Warin aus einer Hochadelsfamilie, die vermutlich in den Verwandtenkreis der Widonen gehört. Warin war mit Haddellind (Adelindis I.) verheiratet, beide gründeten um 770 das Kloster Buchau. Hadellind wird als Tochter des Hildebrand, Herzog von Spoleto, und der Regarde angegeben, die wiederum eine Schwester des bayerischen Herzogs Odilo gewesen sein soll,Andreas Thiele: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte. Band 1, Teilband 1. Frankfurt am Main : R. G. Fischer 1991, ISBN 3-89406-460-9, Tafel 27. auch wenn die Buchauer Gründungslegende Hildebrand als schwäbischen Herzog und Regarde als bayerische Herzogin und Schwester von Hildegard, der Ehefrau Karls des Großen, bezeichnet, sowie Adelindis als erste Äbtissin bis in die Zeit um 809 amtieren lässt.siehe Artikel zum Kloster Buchau

Adelindis II., auch Attalint genannt (855–915), war die Tochter von Heinrich von Ostfranken und mit dem Grafen des Eritgaus aus dem Geschlecht der Welfen, Atto oder Hatto, verheiratet. Gemeinsam pflegten sie das Kloster Buchau. Nach dem Tode ihres Mannes im Kampf mit den Ungarn auf den Feldern vor Buchau (Plankental – „Tal der Tränen“) wurde sie ab etwa 900 Äbtissin.

Ludwig der Deutsche Die älteste Nachricht zu Puachava-Buchau findet sich in einer im Kloster Reichenau aufbewahrten Urkunde König Ludwigs II. des Deutschen vom 28. April 857, bei der es sich allerdings um eine gegen die Ansprüche des Vogtes gerichtete Fälschung des 12. Jahrhunderts im Auftrag des Stifts handelt. Die Urkunde enthält aber vermutlich einen wahren Kern.rep.adw-goe.de (PDF; 7,3 MB) S. 45 Aus ihr geht hervor, dass Ludwig das Kloster Buchau seiner Tochter Irmengard übergeben hat. Die Frauen des Klosters lebten bis zum Jahre 1209 nach der Regel des hl. Benedikt. Danach war das Stift verweltlicht und die Vorsteherin selbständige Landesherrin und Fürstin. Aus dem Kloster wurde damit ein kaiserliches, gefürstetes und freiweltliches Damenstift. Die Stiftsfräulein (Chorfrauen) bekannten sich aber nach wie vor zur Regel des hl. Benedikt. Die Fürstäbtissin hatte als Reichsfürstin Sitz und Stimme auf den Reichstagen.

Reichsstadt und Reichsstift im Hochmittelalter Unabhängig von diesem Stift, ja sogar in jahrhundertelanger gegenseitiger Abneigung einander zugetan, entwickelte sich die Bürgerschaft Buchau. Der Ursprung der Siedlung ist in Dunkel gehüllt, da das Rathaus im Jahr 1387 oder 1412 mit 46 anderen Gebäuden den Flammen zum Opfer fiel. Wohl nirgends sonst sind auf so engem geografischen Raum zwei reichsunmittelbare Herrschaften installiert gewesen. Im Jahr 1014 (oder 1022) wird eine Münz- und Marktstätte Buchau von St. Gallener Mönchen erwähnt.

1320 wurde Buchau Freie Reichsstadt und war unmittelbar und ausschließlich Kaiser und Reich untertan. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches war Buchau eine der flächenmäßig kleinsten Freien Reichsstädte, dank seiner Insellage ohne Mauern und Türme. 1347 wurde Buchau von fremden Gerichten befreit. 1347 wird die Äbtissin erstmals als Reichsfürstin bezeichnet, seit dem 16. Jh. ist sie Reichsstand.

Zwischen 1390 und 1417 wurde das Kloster freiweltliches und hochfürstliches Stift genannt und nahm adelige Töchter auf. 1401 wurde Buchau mit den Stadtrechten von Biberach ausgezeichnet. 1422 wurde eine Mauer um das Kloster errichtet. Das Amt des Ammans der Stadt war unter den Adeligen beliebt. Der Kaiser verpfändete es den Grafen von Helfenstein, der Stadt Ulm, aber auch dem Stift Buchau.

1524 erwarb Buchau selbst das Amt des Bürgermeisters zu seiner Selbstverwaltung. 1577 nimmt Buchau eine jüdische Gemeinde auf, die rasch anwächst und Bedeutung gewinnt. 1643 fertigt Merian einen Stich von Buchau an. 1650 erfolgte die Anlage eines jüdischen Friedhofs. 1672 wurde erstmals die Fasnet erwähnt.

1628 wurde Anna Schilling aus Kappel als Hexe enthauptet und ihr Körper an der Richtstätte verbrannt. Die letzte sogenannte Hexe, Elisabeth Kolb aus Rupertshofen, wurde vom Stiftsgericht im Jahr 1746 zum Feuertode verurteilt und vor „Kappel draußen“ verbrannt. Bekannt wurde die Anklage der Lehner-Kinder 1682 durch den Roman Die Vogelmacherin von Eveline Hasler.

Die erste Synagoge entstand 1730. In den Jahren 1787 und 1808 wurde der Wasserspiegel des Federsees um zwei Meter abgesenkt und damit ging Buchau der Insellage verlustig. Die Erwartungen zur Nutzung des gewonnenen Bodens erfüllten sich nicht. Das Mikroklima verschlechterte sich.Kurt Falch, 2004, S. 55 mini|Buchau, Gemälde von Johann Baptist Pflug um 1820 mini|Buchau um 1820

Säkularisation In der Folge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 fielen sowohl die Stadt als auch das Stift Buchau an die Fürsten von Thurn und Taxis, als Entschädigung für links des Rheins verlorene Einkünfte aus ihrem Postmonopol.

1804 wurde ein Postdienst eingerichtet.

1808 Zweite Seefällung

Aus Stadt, Stift und anderen Gebieten wurde das „Reichsfürstentum Buchau“ gegründet, das aber nur bis 1806 bestand, als das Königreich Württemberg die Oberherrschaft bekam. Das Gebiet des Reichsfürstentums wurde dem Oberamt Riedlingen zugeteilt, das 1934 in Kreis Riedlingen umbenannt und 1938 aufgelöst wurde.

1816 wurde das Bürgermeisteramt durch den Stadtschultheißen ersetzt. Zum ersten Mal wurde ein Stadtrat aus 12 Mitgliedern und ein Bürgerausschuss mit Obmann gewählt.

1821 Die ersten jüdischen Bürger siedeln sich unter Protest von Mitbürgern in der Hauptstraße an, außerhalb der Judengasse.

Württemberg Das Religionsedikt Württembergs brachte 1806 dem Federseegebiet und ganz Oberschwaben die Religionsfreiheit und damit die Erlaubnis der Ansiedlung für evangelische Christen. Evangelische Handwerker, Beamte und Gewerbetreibende kamen nach Buchau. 1839 erfolgte unter Beisein des Königs die Einweihung der zweiten Synagoge, die in klassizistischem Stil errichtet worden war, 1840 die Errichtung des Rabbinats neben der Synagoge. 1851 kam es zur Gründung der evangelischen Gemeinde, der Bau der Gemeindekirche erfolgte 1894.

1868 ließen die Fürsten von Thurn und Taxis die Plankentalkapelle erbauen. 1875 kaufte Buchau dem Fürsten von Thurn und Taxis den „Langen Bau“, Physikatshaus, Großkanonikat, Pfarrwohnung und Garten ab, um dort nach aufwendigen Umbauten sämtliche städtische Schulen und Lehrerwohnungen unterzubringen. Das Amtshaus wurde zum Haus des Stadtpfarrers. mini|Franz Schnorr: Buchau am Federsee um 1840