mini|Reservate im heutigen Bundesstaat Washington Der Vertrag von Point Elliott ist ein Vertrag zwischen der Regierung der USA und 22 Indianerstämmen im Umkreis des Puget Sound im seinerzeitigen Washington-Territorium, bzw. im heutigen Bundesstaat Washington. Er wurde am 22. Januar 1855 abgeschlossen.

Der Vertrag sah die Einrichtung von Reservaten (reservations) der Suquamish, Tulalip, Swinomish und Lummi vor und garantierte uneingeschränkte Sammel-, Jagd- und Fischfangrechte. Eigenartigerweise fehlen Reservate für die Duwamish, Skagit (Lower und Upper Skagit), Snohomish und Snoqualmie. Die meisten Reservate bestehen bis heute.

Ort der Unterzeichnung war Muckl-te-oh oder Point Elliott, das heutige Mukilteo im Snohomish County. Der Vertrag erhielt seine Rechtsgültigkeit erst durch die Ratifizierung nach mehr als vier Jahren. Für die Suquamish und Dwamish (Duwamish) unterzeichnete Häuptling Seattle, für Snoqualmie und Snohomish Patkanim, für die Lummi Chow-its-hoot, für die Skagit Häuptling Goliah. Insgesamt finden sich Siegel bzw. Zeichen von 83 Indianern. Für die USA unterzeichnete Territorial Governor Isaac Stevens. Dazu kamen 16 weitere Unterschriften, so dass insgesamt 100 Männer den Vertrag abzeichneten.

Hintergrund Seit dem Grenzvertrag zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten, der 1846 den Kontinent entlang des 49. Breitengrades teilte, wuchs die Zahl der Siedler im Nordwesten der USA zunächst langsam an. Um diese Besiedlung zu fördern, öffnete ein Gesetz, der Donation Land Claim Act von 1850, das Oregon-Territorium und später Washington für die Siedler, die dort Land günstig erwerben durften. Den männlichen Siedlern wurde gestattet, 160 Acre (= 64 ha) Land zu erwerben, dazu 160 für ihre Ehefrauen. Siedler, die vor 1850 ansässig waren, durften sogar 640 Acre erwerben, was mehr als 250 ha entsprach. Da zu dieser Zeit keine Reservate eingerichtet waren, stand diese Bestimmung bis 1854/55 auch nicht im Widerspruch zum Intercourse Act von 1834, der weißen Siedlern den Zutritt zu Indianerreservaten untersagte.

Die Neusiedler besetzten das ihnen von Rechts wegen zustehende Land und wurden dabei von Militär und Milizen unterstützt. Die Indianer, denen juristische Abwehrmittel nicht zur Verfügung standen, wehrten sich vor allem in Kleinkriegen. Dazu kam, dass ihnen der private Besitz von Land unverständlich war und dass sich die Unterzeichner, die das fremde Schriftsystem gar nicht und die Sprache der Weißen nur bedingt verstanden, auf die Identität von mündlicher Zusage und schriftlichem Vertrag verlassen mussten – eine Lücke, die Gouverneur Stevens zugunsten der Siedler ausnutzte. Schließlich sind Reservats- und Anerkennungszusagen für einige Stämme einfach ausgelassen worden.

Stevens’ Ziele Allein 1854/55 schloss das Territorium Washington mehrere Verträge, darunter den von Medicine Creek am 26. Dezember 1854, von Point Elliott und Walla Walla am 21. Mai 1855. Bei allen Verträgen ignorierte Stevens Anweisungen aus der Hauptstadt, die Gebietsansprüche der Indianer und der Siedler genau abzugrenzen.

Stevens hatte von Anfang an folgende Ziele: Einrichtung von Reservaten, in denen alle Indianer zu leben hatten, dazu Förderung von Land- und Viehwirtschaft sowie „zivilisierte Gewohnheiten“. Als Kompensation sollte nicht Geld aufgebracht werden, sondern Jahresgaben in Form von Decken und Kleidern. Zur Durchsetzung kultureller Veränderungen sollten Schulen, Farmen, Läden eingerichtet, aber auch Verbote von Kriegen, Sklaverei, Alkohol durchgesetzt werden. Um diesen Prozess durchführen zu können, sollten die Indianer zunächst ihre Fisch- und Jagdrechte behalten und auf unbesetztem Land weiter sammeln und Vieh halten dürfen. Wenn sie sich entsprechend angepasst hätten, sollte das Land an sie vergeben werden, aber nicht an den Stamm, sondern ausschließlich an Einzelpersonen.

Unterzeichner Insgesamt unterzeichneten den Vertrag genau 100 Männer. Die Unterzeichner und Zeugen auf der US-Seite waren:Nach: . James Doty, Schriftführer, George Gibbs, Landvermesser (er hinterließ zahlreiche, heute wertvolle Aufzeichnungen), H. A. Goldsborough, Beauftragter, B. F. Shaw (Übersetzer), Colonel M. T. Simmons. Dazu kamen, überwiegend als Zeugen, M. T. Simmons, Special Indian Agent, H. A. Goldsborough, Beauftragter, B. F. Shaw, Übersetzer, James Tilton, General-Landvermesser und andere.

Auf Seiten der Indianer waren 22 Stämme und 83 Unterzeichner beteiligt (die erste Stammesbezeichnungen richten sich nach der Schreibweise im Text, die zweite nach der heute üblichen Transkription):

Dwamish (Duwamish) Suquamish Sk-kahl-mish (Skokomish) Sam-ahmish (Sammamish) Smalh-kamish (Smulkamish / Smalhkamish) Skope-ahmish (Skopamish) Snoqualmoo (Snoqualmie) Skai-wha-mish (Skykomish) N'Quentl-ma-mish Sk-tah-le-jum (manchmal als eine Band der Snohomish betrachtet) Stoluck-wha-mish (Stillaguamish) (vermutlich ursprünglich eine Band der Skagit) Sno-ho-mish (Snohomish) Lummi Skagit (Upper Skagit und Lower Skagit) Kik-i-allus (Kikiallus) (neben den Upper und Lower Skagit eine weitere regionale Skagit-Gruppe) Swin-a-mish (Swinomish) Squin-ah-mish Sah-ku-mehu (Sauk-Suiattle) (ursprünglich eine Gruppe der Upper Skagit) Noo-wha-ha (neben den Upper Skagit, Lower Skagit und Kikiallus eine vierte regionale Skagit-Gruppe) Nook-wa-chah-mish (vermutlich eine Band der Nooksack) Mee-see-qua-guilch und Cho-bah-ah-bish (vermutlich die Tcubaa'bish Band der Skagit)Vgl. .

Aus verschiedenen Gründen waren einige Stämme der Region nicht im Vertrag eingeschlossen. So fehlten die Nooksack, Samish, Semiahmoo, Puyallup und Quileute. Die Rechte der Nooksack wurden durch Häuptling Chow-its-hoot der Lummi wahrgenommen. Die Quileute erhielten noch im selben Jahr einen eigenen Vertrag, den Vertrag vom Quileute River. Alle anderen hatten, bzw. haben bis heute Probleme, die staatliche Anerkennung als Stamm (tribe) zu erhalten.

Unterzeichnet, bzw. gesiegelt wurde von den folgenden Personen: mini|Michael Troutman Simmons (1814–67) war einer der Unterzeichner des Vertrages als Indianeragent, obgleich er Analphabet war Issac I. Stevens, Governor and Superintendent Seattle, Chief der Dwamish und Suquamish tribes Pat-ka-nam, Chief der Snoqualmoo, Snohomish und andere tribes Chow-its-hoot, Chief der Lummi und andere tribes Goliah, Chief der Skagits und anderer verbündeter tribes Kwallattum, oder General Pierce, Sub-chief des Skagit tribe S'hootst-hoot, Sub-chief der Snohomish Snah-talcBetty Lou Gaeng: Chief Napoleon Bonaparte of the Snohomish People, in: Sno-Isle Genealogical Society (Hrsg.): The Sounder 23,1 (2009)., oder Bonaparte, Sub-chief der Snohomish Squush-um, oder The Smoke, Sub-chief der Snoqualmoo See-alla-pa-han, oder The Priest, Sub-chief der Sk-tah-le-jum He-uch-ka-nam, oder George Bonaparte, Sub-chief der Snohomish Tse-nah-talc, oder Joseph Bonaparte, Sub-chief der Snohomish Ns'ski-oos, oder Jackson, Sub-chief der Snohomish Wats-ka-lah-tchie, oder John Hobtsthoot, Sub-chief der Snohomish Smeh-mai-hu, Sub-chief der Skai-wha-mish Slat-eah-ka-nam, Sub-chief der Snoqualmoo St'hau-ai, Sub-chief der Snoqualmoo Lugs-ken, Sub-chief der Skai-wha-mish S'heht-soolt, oder Peter, Sub-chief der Snohomish Do-queh-oo-satl, Snoqualmoo tribe John Kanam, Snoqualmoo sub-chief Klemsh-ka-nam, Snoqualmoo Ts'huahntl, Dwa-mish sub-chief Kwuss-ka-nam, oder George Snatelum, Sen., Skagit tribe, Hel-mits, oder George Snatelum, Skagit sub-chief S'kwai-kwi, Skagit tribe, sub-chief Seh-lek-qu, Sub-chief Lummi tribe S'h'-cheh-oos, oder General Washington, Sub-chief des Lummi tribe Whai-lan-hu, oder Davy Crockett, Sub-chief des Lummi tribe She-ah-delt-hu, Sub-chief des Lummi tribe Kwult-seh, Sub-chief des Lummi tribe Kwull-et-hu, Lummi tribe Kleh-kent-soot, Skagit tribe Sohn-heh-ovs, Skagit tribe S'deh-ap-kan, oder General Warren, Skagit tribe Chul-whil-tan, Sub-chief des Suquamish tribe Ske-eh-tum, Skagit tribe Patchkanam, oder Dome, Skagit tribe Sats-Kanam, Squin-ah-nush tribe Sd-zo-mahtl, Kik-ial-lus band Dahtl-de-min, Sub-chief der Sah-ku-meh-hu Sd'zek-du-num, Me-sek-wi-guilse sub-chief Now-a-chais, Sub-chief der Dwamish Mis-lo-tche, oder Wah-hehl-tchoo, Sub-chief der Suquamish Sloo-noksh-tan, oder Jim, Suquamish tribe Moo-whah-lad-hu, oder Jack, Suquamish tribe Too-leh-plan, Suquamish tribe Ha-seh-doo-an, oder Keo-kuck, Dwamish tribe Hoovilt-meh-tum, Sub-chief der Suquamish We-ai-pah, Skaiwhamish tribe S'ah-an-hu, oder Hallam, Snohomish tribe She-hope, oder General Pierce, Skagit tribe Hwn-lah-lakq, oder Thomas Jefferson, Lummi tribe Cht-simpt, Lummi tribe Tse-sum-ten, Lummi tribe Klt-hahl-ten, Lummi tribe Kut-ta-kanam, oder John, Lummi tribe Ch-lah-ben, Noo-qua-cha-mish band Noo-heh-oos, Snoqualmoo tribe Hweh-uk, Snoqualmoo tribe Peh-nus, Skai-whamish tribe Yim-ka-dam, Snoqualmoo tribe Twooi-as-kut, Skaiwhamish tribe Luch-al-kanam, Snoqualmoo tribe S'hoot-kanam, Snoqualmoo tribe Sme-a-kanam, Snoqualmoo tribe Sad-zis-keh, Snoqualmoo Heh-mahl, Skaiwhamish band Charley, Skagit tribe Sampson, Skagit tribe John Taylor, Snohomish tribe Hatch-kwentum, Skagit tribe Yo-i-kum, Skagit tribe T'kwa-ma-han, Skagit tribe Sto-dum-kan, Swinamish band Be-lole, Swinamish band D'zo-lole-gwam-hu, Skagit tribe Steh-shail, William, Skaiwhamish band Kel-kahl-tsoot, Swinamish tribe Pat-sen, Skagit tribe Pat-teh-us, Noo-wha-ah sub-chief S'hoolk-ka-nam, Lummi sub-chief Ch-lok-suts, Lummi sub-chief

M. T. Simmons, Indian agent C. H. Mason, Secretary of Washington Territory Benj. F. Shaw, Dolmetscher Chas. M. Hitchcock H. a.[sic] Goldsborough mini|Der Jurist, Landvermesser, Naturforscher und frühe Ethnologe George Gibbs (1815–1873) galt als Kenner der Sprachen und Gebräuche des Nordwestens. Auch sammelte er Vokabeln der Klamath. Er plädierte angesichts der divergierenden Sprachen und Sitten für die Einrichtung vieler kleiner Reservate, was der Gouverneur jedoch ablehnte. Später arbeitete er an der Smithsonian Institution in New York. George Gibbs John H. Scranton Henry D. Cock S. S. Ford, jr. Orrington Cushman Ellis Barnes R. S. Bailey S. M. Collins Lafayette Balch E. S. Fowler J. H. Hall Rob't Davis

Offenbar wurde bei der Reihenfolge der Unterzeichner eine bestimmte Hierarchie beim Rang der Stämme und der Häuptlinge beachtet. Ähnliches galt, soweit erkennbar, auch bei der Reihenfolge der US-Amerikaner.

Kernbestimmungen

Unter der Einschränkung, dass der Präsident Reservate aufheben, verlegen oder in Individualbesitz auflösen könne, falls das Wohl der Indianer oder die Interessen des Territoriums dies erfordere, oder auch Stämme in ein Reservat zusammenfügen könne, wurde Folgendes festgehalten: Der Handel der Indianer mit Vancouver Island wurde untersagt – womit traditionelle Handelsrouten zerschnitten wurden. Das Gleiche galt für ausländische, der Lage nach im späteren Kanada lebende Indianer, die ohne Genehmigung des Supintendents oder Agents nicht in den amerikanischen Reservaten leben durften – womit enge Verwandtschaftsbeziehungen stark gestört wurden.

Der Vertrag unterschied bei den Unterzeichnern, in dem Versuch, der internen Struktur und ihren Begrifflichkeiten mittels europäischer Vorstellungen und englischer Begrifflichkeiten nahezukommen, zwischen den Stämmen und verbündeten (allied) und untergeordneten (subordinate) Stämmen und Gruppen (tribes und bands). mini|Admiralty Inlet