mini|Hessen im Jahr 1930 mini|Karte der Provinz Starkenburg
Der Kreis Bensheim war ein Kreis im Großherzogtum Hessen und ab 1918 im Volksstaat Hessen. Er bestand vom 20. August 1832 bis zum 1. November 1938.GenWiki Kreis Bensheim Kreisstadt war Bensheim.
Geografische Lage Der Kreis Bensheim lag im Süden der Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen.
Geschichte Territorialgeschichte Vorgeschichte Nach der Gründung der Provinzen im Großherzogtum Hessen 1815 wurden die überkommenen Ämter als unterste staatliche Verwaltungseinheit zunächst beibehalten.
Nach der Verkündigung der Verfassung des Großherzogtums Hessen am 17. Dezember 1820 folgte am 14. Juli 1821 eine umfassende Justiz-, Verwaltung- und Gebietsreform. Rechtsprechung und Verwaltung wurden getrennt und die Aufgaben der überkommenen Ämter in Landratsbezirken – zuständig für die Verwaltung – und Landgerichten – zuständig für die Rechtsprechung – neu organisiert. Dabei entstand auch der Landratsbezirk Bensheim.
Gründung 1832 folgte eine weitere Gebietsreform: Viele Landratsbezirke wurden mit anderen zusammengelegt.Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376 (365); Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (563). Aus dem Landratsbezirk Bensheim und dem Landratsbezirk Heppenheim entstand der Kreis Bensheim.
Heppenheim sollte dabei ursprünglich in den Kreis Bensheim eingegliedert werden. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels und neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet, die Stadt Heppenheim mithin nicht in den Kreis Bensheim eingegliedert wurde.Bekanntmachung, die Vereinigung der Stadt Heppenheim mit dem Kreise Lindenfels betreffend vom 21. September 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 82 vom 6. Oktober 1832, S. 673.
Entwicklung In der Folgezeit kam es zu einer Reihe territorialer Veränderungen:
1839 1839 wurden mit Wirkung zum 15. Januar 1840 die folgenden Orte des Schönberger- und Zeller-Tals vom Kreis Heppenheim getrennt und dem Kreis Bensheim zugeschlagenBezirks-Veränderung hinsichtlich der Kreise Bensheim und Heppenheim, sowie der Physikate Bensheim, Fürth und Waldmichelbach betreffend vom 20. Dezember 1839. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 37 vom 31. Dezember 1839, S. 480.Schönberg, Zell, Gronau, Elmshausen, Wilmshausen, Reichenbach, Hohenstein (heute ein Forsthaus in der Gemarkung Reichenbach), Lautern, Gadernheim, Ober- und Unter-Raidelbach mit den zugehörigen Höfen, Mühlen und einzelnen Häusern.
Die gleiche Verordnung verfügte, dass die Orte Viernheim und Lampertheim mit Hüttenfeld vom Kreis Bensheim in den Kreis Heppenheim eingegliedert wurden.
1848 / 1852 Im Zuge der Revolution von 1848 im Großherzogtum Hessen wurden die beiden Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim vereinigt. Diese Verwaltungsreform wurde im Zuge der Reaktion 1852 jedoch prinzipiell rückgängig gemacht. Dabei entstand ein neu abgegrenzter Kreis Bensheim aus Teilen der Landgerichtsbezirke Gernsheim und Zwingenberg.Edict die Organisation der dem Ministerium des Innern untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 12. Mai 1852. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 30 vom 20. Mai 1852, S. 221–223.
Ende 1852 lebten im Kreis Bensheim in 38 Orten 29.832 Einwohner.Philipp Alexander Ferdinand Walther: Das Großherzogthum Hessen nach Geschichte, Land, Volk, Staat und Oertlichkeit 1854, S. 288
1874 Im Zuge der 1874 im Großherzogtum Hessen nach preußischem Vorbild vorgenommenen Reform der Kreisverfassung kam es erneut zu Gebietsänderungen: Die Gemeinde Malchen wechselte aus dem Kreis Bensheim in den Kreis Darmstadt. Die Gemeinden Gernsheim und Klein-Rohrheim wechselten aus dem Kreis Bensheim in den Kreis Groß-Gerau. Die Gemeinden Bobstadt, Bürstadt, Groß-Hausen, Hofheim, Klein-Hausen, Lampertheim und Lorsch wechselten aus dem Kreis Heppenheim in den Kreis Bensheim. Die Gemeinden Glattbach, Knoden, Kolmbach, Laudenau, Lindenfels, Schannenbach, Schlierbach, Seidenbach, Seidenbuch, Winkel und Winterkasten wechselten aus dem aufgelösten Kreis Lindenfels in den Kreis Bensheim.
1937 Die damals geschaffene Struktur hatte mehr als sechs Jahrzehnte Bestand. Am 3. Oktober 1937 wurde der neu entstandene Erbhöfeweiler Rosengarten, der auf Teilgebieten von Bürstadt, Hofheim und Lampertheim entstanden war, aus dem Kreis Bensheim ausgegliedert und in die Stadt Worms eingemeindet.
Ende Ab 1936 wurde die bis dahin entstandene innere Struktur des nunmehrigen Volksstaat Hessen schrittweise aufgelöst: 1936 erfolgte die Auflösung der Provinzial- und Kreistage, 1937 wurden die drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen abgeschafft und zum 1. November 1938 in Hessen eine einschneidende Gebietsreform durchgeführt, durch die auch der Kreis Bensheim aufgelöste wurde: Der größte Teil des Kreises wurde dem Kreis Heppenheim zugeschlagen, der in Landkreis Bergstraße umbenannt wurde und Rechtsnachfolger des Kreises Bensheim wurde. Die Gemeinden Alsbach, Balkhausen, Bickenbach, Hähnlein, Jugenheim, Ober-Beerbach und Seeheim wechselten in den Landkreis Darmstadt. Die Gemeinden Biblis, Bobstadt, Bürstadt, Groß-Rohrheim, Hofheim, Lampertheim, Nordheim, Riedrode und Wattenheim wechselten in den Landkreis Worms, der aus dem Kreis Worms in der Provinz Rheinhessen hervorging.
Als „Entschädigung“ für den verlorenen Kreissitz bekam Bensheim die Kreisleitung der NSDAP. Die so geschaffene Kreiseinteilung des Volksstaates hatte zunächst bis zum Kriegsende 1945 Bestand. Nach Kriegsende entbrannte ein Streit zwischen den beiden traditionell rivalisierenden Städten Bensheim und Heppenheim um den Kreissitz. Erst 1956 wurde Heppenheim endgültig als Kreisstadt bestätigt.
Leitende Beamte mini|hochkant|Friedrich Müller, Kreisrat 1859–1863
Nachfolgend gelistete Beamte standen an der Spitze der KreisverwaltungSchnitzer, S. 9–18. Kreisräte 1832–1848 Peter Josef von Rüding Von 1848 bis 1852 gab es im Großherzogtum Hessen keine Kreise. Die Aufgaben wurden von Regierungsbezirken wahrgenommen. 1852–1858 Peter Camesasca 1858–1859 Friedrich Ludwig Johann Schaaf (kommissarisch) 1859–1863 Friedrich Müller 1863–1867 Egid von Rüding 1867–1872 Heinrich Knorr 1872–1888 Julius Usinger 1888–1894 Hermann von Bechtold 1894–1903 Franz Gros 1903 Eduard Wallau (21. Oktober 1903–31. Oktober 1903) 1903–1917 (1924) Kurt Eckstein
Kreisdirektor (1903) 1917–1924 Kurt Eckstein 1924–1934 Theodor Reinhart 1934 Karl Jann 1934–1938 Karl Meisel
Einwohnerentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahlen im Kreis Bensheim: Datum Einwohner 1852 29.832 1900 55.916 1910 65.760 1925 72.863 1933 78.917
Gemeinden Der Landkreis umfasste am 1. Januar 1908 folgende Kommunen: Alsbach (heute zu Alsbach-Hähnlein) Auerbach (heute zu Bensheim) Balkhausen (heute zu Seeheim-Jugenheim) Beedenkirchen (heute zu Lautertal) Bensheim, Stadt Biblis Bickenbach Bobstadt (heute zu Bürstadt) Bürstadt Elmshausen (heute zu Lautertal) Fehlheim (heute zu Bensheim) Gadernheim (heute zu Lautertal) Glattbach (heute zu Lindenfels) Gronau (heute zu Bensheim) Groß-Hausen (heute zu Einhausen) Groß-Rohrheim Hähnlein (heute zu Alsbach-Hähnlein) Hochstädten (heute zu Bensheim) Hofheim (heute zu Lampertheim) Jugenheim (heute zu Seeheim-Jugenheim) Klein-Hausen (heute zu Einhausen) Knoden (heute zu Lautertal) Kolmbach (heute zu Lindenfels) Lampertheim Langwaden (heute zu Bensheim) Laudenau (heute zu Reichelsheim (Odenwald)) Lautern (heute zu Lautertal) Lindenfels, Stadt Lorsch Nordheim (heute zu Biblis) Ober-Beerbach (heute zu Seeheim-Jugenheim) Raidelbach (heute zu Lautertal) Reichenbach (heute zu Lautertal) Rodau (heute zu Zwingenberg) Schannenbach (heute zu Lautertal) Schlierbach (heute zu Lindenfels) Schönberg (heute zu Bensheim) Schwanheim (heute zu Bensheim) Seeheim (heute zu Seeheim-Jugenheim) Seidenbach (heute zu Fürth) Seidenbuch (heute zu Lindenfels) Staffel (heute zu Lautertal) Wattenheim (heute zu Biblis) Wilmshausen (heute zu Bensheim) Winkel (heute zu Lindenfels) Winterkasten (heute zu Lindenfels) Zell (heute zu Bensheim) Zwingenberg, Stadt Wilmshausen wurde von der Gemeinde Elmshausen mitverwaltet und 1907/1910 als Ortsteil nach Elmshausen eingegliedert. Groß-Hausen und Klein-Hausen wurden am 1. April 1937 zur neuen Gemeinde Einhausen zusammengeschlossen. Am 10. Juli 1936 wurde aus Teilen von Bürstadt, Klein-Hausen und Lorsch die neue Gemeinde Riedrode gebildet.
Literatur Kreisausschuß des Kreises Bergstraße (Hg.): Kreis Bergstraße – Geschichte, Wirtschaft und Kultur in zwölf Jahrhunderten. 1988. Paul Schnitzer: Verwaltungsbeamte im Gebiet des heutigen Kreises Bergstraße seit 1821. In: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 6. Laurissa, Lorsch 1973, S. 7–56.
Einzelnachweise
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