mini|Autogramm von Jürgen Grabowski aus der Saison 1978/79 Jürgen „Grabi“ Grabowski (* 7. Juli 1944 in Wiesbaden; † 10. März 2022 ebendaWeltmeister Jürgen Grabowski gestorben. In: Der Tagesspiegel, 11. März 2022, abgerufen am 11. März 2022.) war ein deutscher Fußballprofi. Der Mittelfeldspieler verbrachte nahezu seine gesamte Karriere bei Eintracht Frankfurt und wird als eine der größten Legenden der Vereinsgeschichte angesehen. Mit der deutschen Nationalmannschaft gewann er die Europameisterschaft 1972 sowie die Weltmeisterschaft 1974. Grabowski galt als technisch versierter Mittelfeldspieler.

Jugend Jürgen Grabowski wurde am 7. Juli 1944 in Wiesbaden geboren und wuchs gemeinsam mit seinen Eltern und zwei Schwestern im Stadtteil Biebrich auf. Nach dem Besuch der Mittelschule absolvierte er eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann.Deutsche Biografie: Jürgen Grabowski Seine fußballerische Laufbahn begann er 1952 in den Jugendmannschaften des SV Biebrich 1919. Im Jahr 1960 wechselte er als 16-Jähriger zum FV Biebrich 02, der aufgrund seiner erfolgreichen Jugendarbeit als Anlaufstelle für talentierte Nachwuchsspieler galt. Mit der A-Jugend des Vereins erreichte Grabowski 1962 das Finale um die Hessenmeisterschaft, das jedoch gegen den KSV Hessen Kassel mit 1:3 verloren ging.

Vereinskarriere Zwischen 1962 und 1965 spielte Grabowski als Amateur für den FV Biebrich 02 in der damals drittklassigen Hessenliga.

1965 wechselte Grabowski zu Eintracht Frankfurt und erhielt dafür 12.000 DM Handgeld sowie ein Monatsgehalt von 1.000 DM. Sein Bundesligadebüt gab er am 14. August 1965 beim 2:0-Heimsieg gegen den Hamburger SV am ersten Saisonspieltag.Spieldaten Eintracht Frankfurt - Hamburger SV"Als die Eintracht anklopfte, gab es kein Halten mehr" Trainer Elek Schwartz setzte auf ein 4-2-4-System und vertraute von Beginn an auf den jungen Grabowski, den er als Rechtsaußen aufbot. Bereits in seiner ersten Bundesligasaison 1965/66 überzeugte „Grabi“ mit seiner herausragenden Technik, Dribbelstärke und Torgefahr. Der Neuzugang etablierte sich sofort als Stammspieler, erzielte in 27 Einsätzen zehn Tore und wurde bereits nach acht Monaten erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen. Schon in jungen Jahren entwickelte er sich zu einer prägenden Persönlichkeit der Mannschaft und übernahm 1969 das Kapitänsamt. Dabei trat Grabowski nicht als lautstarker Anführer auf, sondern gewann durch seine Autorität, Professionalität und sein vorbildliches Auftreten auf und neben dem Platz Respekt. Ein lukratives Transferangebot des FC Bayern München lehnte er ab.Der Weltmeister, der Bayern absagte Seine Vereinstreue trug wesentlich dazu bei, dass er zur Identifikationsfigur von Eintracht Frankfurt wurde.

Gemeinsam mit Spielern wie Bernd Hölzenbein, Bernd Nickel und Karl-Heinz Körbel gehörte Grabowski in den 1970er Jahren zu den prägenden Figuren der Frankfurter Mannschaft.Das Gesicht der EintrachtDer Anführer der Eintracht Zwar platzierte sich die Eintracht regelmäßig im oberen Drittel der Bundesliga, doch fehlte ihr die Konstanz, um ernsthaft um die deutsche Meisterschaft mitzuspielen. Einerseits begeisterte die Mannschaft mit attraktivem Offensivfußball, wie etwa beim 6:0-Erfolg gegen den FC Bayern am 22. November 1975.Spieldaten Eintracht Frankfurt - Bayern München Andererseits zeigte sie immer wieder unerklärliche Leistungsschwankungen, die ihr den Beinamen „Diva vom Main“ einbrachten. Zu Beginn der 1970er Jahre rückte Grabowski von der rechten Außenbahn ins zentrale Mittelfeld und gewann als klassischer Spielmacher noch größeren Einfluss auf das Frankfurter Spiel. Seine elegante Spielweise, sein präzises Ballgefühl und seine Fähigkeit, Gegenspieler scheinbar mühelos auszudribbeln, machten ihn zu einem der attraktivsten Offensivspieler der Bundesliga – und das noch bis weit in seine Dreißiger hinein.Der Mann der EintrachtDer größte Künstler, den die Eintracht je gesehen hatMit dem Jürgen Das Fachmagazin Kicker listete ihn in der Rangliste des deutschen Fußballs erstmalig als Weltklasse (Winter 1977/78). Mit Eintracht Frankfurt gewann Grabowski 1974 und 1975 zweimal in Folge den DFB-Pokal.Vor 50 Jahren: Das Pokalfinale von Düsseldorf In der Saison 1974/75 erreichte die Mannschaft zudem den dritten Platz in der Bundesliga, 1976/77 hatten sie als Vierter nur zwei Punkte Rückstand auf Meister Borussia Mönchengladbach.

Nach der Entlassung von Gyula Lóránt betreute Grabowski die Eintracht im Dezember 1977 für drei Pflichtspiele als Interimstrainer. Mit einem Sieg und zwei Unentschieden blieb die Mannschaft ungeschlagen, bevor Dettmar Cramer am 9. Dezember als neuer Trainer vorgestellt wurde.Welt- und Europameister Grabowski gestorbenDer Ringtausch

Ein besonders folgenschweres Foul ereignete sich am 15. März 1980 im Heimspiel gegen Mönchengladbach. Kurz vor Spielende wurde der mittlerweile 35-jährige Grabowski fernab des eigentlichen Spielgeschehens vom jungen Lothar Matthäus durch eine Grätsche hart attackiert und musste verletzt ausgewechselt werden.Eine Legende - nicht nur am Main Zwar gewann die Eintracht die Partie mit 5:2, doch das Ergebnis geriet angesichts der Folgen in den Hintergrund: Grabowski sollte nie wieder auf den Fußballplatz zurückkehren. Als Eintracht Frankfurt am 21. Mai 1980 mit dem Gewinn des UEFA-Pokals den ersten internationalen Titel der Vereinsgeschichte feierte, saß Grabowski am Spielfeldrand. Nach dem Schlusspfiff nahm Bernd Hölzenbein die Trophäe entgegen und reichte sie unter dem tosenden Jubel der Zuschauer unmittelbar an seinen langjährigen Mitspieler weiter – ein bewegender Moment, der Grabowskis besondere Bedeutung für den Verein unterstrich.

Für Eintracht Frankfurt bestritt Grabowski von 1965 bis 1980 insgesamt 555 Pflichtspiele (151 Tore). Mit 441 Bundesliga-Einsätzen liegt er vereinsintern hinter Rekordspieler Karl-Heinz Körbel (602) auf Rang zwei. Mehr Bundesliga-Tore als er (109) erzielten nur Bernd Hölzenbein (160) und Bernd Nickel (141).

Am 12. November 1980 verabschiedete sich Grabowski mit einem offiziellen Abschiedsspiel im Waldstadion vor rund 45.000 Zuschauern. Dabei gewann die aktuelle Eintracht-Mannschaft mit 6:4 gegen die Weltmeister-Auswahl von 1974; Grabowski spielte eine Halbzeit für jedes Team und erzielte das erste Tor der Partie."Natürlich sind Tränen geflossen"

Nationalmannschaft mini|Grabowski (Mitte) mit dem WM-Pokal nach dem Finalsieg 1974. Zusammen mit Wolfgang Overath (links) und Gerd Müller (rechts) dreht er im Münchener Olympiastadion eine Ehrenrunde

Bereits während seiner ersten Profi-Saison wurde Grabowski für die deutsche A-Nationalmannschaft nominiert und gab am 4. Mai 1966 gegen Irland (4:0) sein Länderspieldebüt.DFB-Datencenter Irland-Deutschland Anschließend berief Bundestrainer Helmut Schön ihn in das Aufgebot für die Weltmeisterschaft 1966, allerdings kam Grabowski während des Turniers, das noch ohne Auswechselungen stattfand, nicht zum Einsatz. Die deutsche Mannschaft wurde nach der Final-Niederlage im Wembley-Stadion gegen England (2:4) Vizeweltmeister.

Nachdem Grabowski längere Zeit nicht nominiert worden war, gehörte er 1970 wieder zum deutschen WM-Kader. Beim Turnier in Mexiko war der Dribbelkünstler Reinhard Libuda als Rechtsaußen gesetzt, allerdings kam auch Grabowski regelmäßig zum Einsatz. Dabei brachte er nach seinen Einwechselungen frischen Wind in das deutsche Spiel und brauchte auf dem rechten Flügel keine Anlaufzeit. Insbesondere für seine Leistung im Viertelfinale gegen Titelverteidiger England (3:2), als er beim Stand von 0:2 nach 57 Minuten eingewechselt wurde, erhielt er die Bezeichnung „bester Einwechselspieler der Welt.“Kein Tag wie jeder andere: Die Revanche für Wembley zwischen Deutschland und England bei der WM 1970 am 14. Juni 1970Mehr Klassiker geht nicht Im legendären Halbfinale gegen Italien, das als „Jahrhundertspiel“ in die Geschichte einging, spielte Grabowski von Beginn an und bereitete den 1:1 Ausgleichstreffer von Karl-Heinz Schnellinger mit einer Flanke vor, der Deutschland in die Verlängerung brachte. Dort siegten die Italiener nach einer dramatischen Partie mit 4:3.Liveticker JahrhundertspielDas Jahrhundertspiel Deutschland beendete das Turnier als WM-Dritter.

1972 gewann Grabowski mit der DFB-Elf seinen ersten internationalen Titel und wurde mit ihr Europameister. Dabei spielte er auch am 29. April 1972 beim legendären 3:1-Sieg über England in Wembley. Die Mannschaft um Franz Beckenbauer, Günter Netzer und Gerd Müller galt aufgrund ihrer innovativen und attraktiven Spielweise als beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten (Wembley-Elf).Mehr Fußball wagenAls Netzer die Tiefe des Raumes entdeckteDeutschland 1972 in Wembley: Ein Spiel, dass es nur einmal gibt Im Endspiel, das 3:0 gegen die Sowjetunion gewonnen wurde, kam Grabowski nicht zum Einsatz.

Die Heim-WM 1974 in Deutschland war das letzte internationale Turnier für Grabowski. Während er bei Eintracht Frankfurt mittlerweile als Spielmacher im zentralen Mittelfeld agierte, setzte ihn Bundestrainer Schön in der Nationalmannschaft aufgrund der Konkurrenz durch Wolfgang Overath und Günter Netzer weiterhin auf dem rechten Flügel ein. Grabowski ging erstmalig als Stammspieler in ein Turnier und stand in den ersten beiden Vorrundenspielen in der Anfangsformation. Wie die gesamte Mannschaft zeigte er jedoch wechselhafte Leistungen. Nach der überraschenden 0:1-Niederlage gegen die DDR nahm Schön mehrere personelle Änderungen vor und Grabowski verlor vorübergehend seinen Stammplatz.Vor 50 Jahren: Als die DDR die Bundesrepublik bei der WM 1974 besiegte Zunächst gehörte er nicht einmal zum Spieltagsaufgebot. Gegen Schweden (4:2) wurde er beim Stand von 2:2 eingewechselt und erzielte in der 66. Spielminute, kurz nach seiner Hereinnahme, das wichtige Tor zur 3:2-Führung.Der Regen, der den Weltmeister machte Im entscheidenden Zwischenrundenspiel gegen Polen (1:0), das aufgrund starker Regenfälle als „Wasserschlacht von Frankfurt“ in die Fußballgeschichte einging, rückte Grabowski wieder in die Startformation und bildete gemeinsam mit Linksaußen Bernd Hölzenbein die Flügelzange.Deutschland - Polen 1974 Auch im WM-Finale gegen die Niederlande im Münchener Olympiastadion gehörten die beiden Eintracht-Profis Grabowski und Hölzenbein zur Startelf. Das Endspiel fand am 7. Juli 1974 statt, dem 30. Geburtstag Grabowskis. Den entscheidenden Treffer zum 2:1 von Gerd Müller, hatte er durch einen Pass eingeleitet.Der Triumph im eigenen Land

Nach der Weltmeisterschaft erklärte Grabowski, nach 44 Länderspielen (5 Tore), seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Aufgrund seiner teilweise herausragenden Leistungen im Trikot der Frankfurter Eintracht in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre, und in Ermangelung eines Spielmachers, versuchte der damalige Bundestrainer Helmut Schön, Grabowski im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien zu einem Comeback in der Nationalmannschaft zu überreden, was dieser nach einiger Bedenkzeit jedoch ablehnte.

Weiteres Leben Jürgen Grabowski heiratete am 28. Dezember 1979 seine Ehefrau Helga (* 1945), eine Angestellte der Deutschen Bundesbank. Das Paar hat keine Kinder.Genealogie Deutsche Biografie

Nach seiner aktiven Spielerkarriere betrieb Grabowski an seinem Wohnort in Taunusstein eine Versicherungsagentur der Gothaer Versicherung.Weltmeister von 1974 - Fußball-Legende Jürgen Grabowski gestorben Daneben gehörte er von 1980 bis 1992 dem Verwaltungsrat von Eintracht Frankfurt an und besuchte regelmäßig die Heimspiele seines langjährigen Klubs."Kaputt, was kaputt sein kann" Im Oktober 1983 betreute Grabowski gemeinsam mit Klaus Mank als Interimslösung für zwei Bundesligaspiele die Profimannschaft der Eintracht (1 Unentschieden, 1 Niederlage). Eine weitergehende Beschäftigung als Trainer oder Fußballmanager lehnte er ab.

Grabowski engagierte sich bei den Schlappekicker der Frankfurter Rundschau.