mini|Übersichtskarte Limnos ( , Lemnos) ist eine griechische Insel vulkanischen Ursprungs in der nördlichen Ägäis. Seit 2011 bildet die Insel die Gemeinde Limnos () und gemeinsam mit Agios Efstratios den Regionalbezirk Limnos in der Region Nördliche Ägäis. Nach der Volkszählung von 2011 zählte die Insel 16.992 Bewohner,Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB) zehn Jahre später waren es 16.411. Verwaltungssitz sowie wirtschaftliches und kulturelles Zentrum ist die rund 6.000 Einwohner zählende Stadt Myrina am Westrand der Insel.
Geographie Lage und Beschreibung mini|Satellitenbild, 2020 Die vulkanische Insel Limnos liegt in der nördlichen Ägäis zentral zwischen der Halbinsel Athos im Nordwesten und dem kleinasiatischen Festland im Osten. Die nächstgelegenen Inseln sind Samothraki 42 Kilometer nördlich, die türkische Insel Gökçeada 22 Kilometer nordöstlich und Agios Efstratios 31 Kilometer südlich.
Mit einer Fläche von 476 Quadratkilometern ist Limnos die neuntgrößte Insel Griechenlands. Sie erreicht in West-Ost-Richtung ihre maximale Ausdehnung von etwa 35 km. Die Nord-Süd-Ausdehnung im Osten beträgt vom Kap Plaka (Ακρωτήρι Πλάκα) dem nordöstlichsten Punkt der Insel zum Kap Agia Irini (Ακρωτήρι Αγία Ειρήνη) dem südöstlichsten 29 km. Im Westen liegt sie bei 18 km vom Kap Mourtzeflos (Ακρωτήρι Μούρτζεφλος) im Nordwesten zum Kap Tigani (Ακρωτήρι Τηγάνι) im Südwesten. Die schmalste Stelle mit etwa 4 Kilometern liegt zwischen dem tief in die Insel einschneidende Golf von Moudros (Κόλπος Μουδρου) im Süden und dem Golf von Pournia (Κόλπος Πουρνιας) im Norden. Durch drei Buchten weist die Insel eine stark strukturierte Küstenlinie auf, mit dem westlichen Hauptteil und zwei Halbinseln im Osten und Süden. In den ausgedehnten Küstenmarschen der Osthalbinsel liegen die beiden Brackwasserseen Chortarolimni (Χορταρολίμνη) und Asprolimni (Ασπρόλιμνη) sowie die etwa 6,7 km² große Salzlagune Alyki (Αλυκή Λήμνου), die größte auf einer griechischen Insel.
Die Oberfläche ist sanft, überwiegend flach und ohne deutliche Ausprägung des relativen Reliefs. Die wenigen hügeligen Gebiete weisen abhängig von der Geologie und der nachfolgenden Erosion entweder weich gerundete Formen und seltener steile Klippen auf. Limnos erreicht mit der Vigla (Βίγλα) im hügeligeren Nordwesten 470 m, im Südosten 250 m und mit dem Skopos (Σκοπός) auf der Halbinsel Fakos (χερσόνησος Φακός) 319 m Höhe. Die für die Landwirtschaft geeigneten Flächen befinden sich überwiegend im Zentral- und im Ostteil der Insel. Dabei sind die Niederschlagsmengen gering, die meisten Bäche trocknen im Sommer aus. Um die Aliki-Lagune und im Norden der Insel finden sich ausgedehnte Sanddünen, etwa um die Strände von Katalakos und Gomati; die Strände sind rund 260 km lang. Das Hinterland ist von vulkanischen Strukturen und Tafoni gekennzeichnet.Maria V. Triantaphyllou, Nikolaos Firkasis, Theodora Tsourou, Emmanuel Vassilakis, Evangelos Spyrou, Olga Koukousioura, Argyro Oikonomou, Athanasios Skentos: “Geo-Archaeo-Routes” on the Island of Lemnos: The “Nalture” Experience as a Holistic Geotouristic Approach within the Geoethical Perspective, in: Geosciences 2023, 13(5), 143.
Geologie mini|Tourkos-Felsen am Agios-Ioannis-Strand nahe Kaspakas nördlich der Hauptstadt Myrina Die Geologie weist Sedimentlagen aus dem Oligozän auf, darüber vulkanischen Fels aus dem frühen Miozän (die zeitliche Grenze verläuft bei etwa 23 Millionen Jahren). Diese Schichten sind im Mittel weniger als 800 m dick. Dabei ist die Fissini-Sardes-Einheit die am weitesten verbreitete auf der Insel; in den tieferen Schichten weist sie Sandstein auf, mit grünlichem Schluff und Schiefer, auch Tuff, ein pyroklastisches Weichgestein. In den mittleren und oberen Schichten finden sich wieder dicke Lagen von Sandstein und Lehm. Die Ifestia-Einheit besteht überwiegend aus grobkörnigem Sandstein und Konglomerat, vor allem aber weist sie eine stark erodierte Oberfläche auf, die in Zusammenhang mit der vulkanischen Aktivität steht. Die Therma-Einheit, die ebenfalls aus Konglomerat besteht, bedeckt nur Teile der östlichen und südöstlichen Insel. Diese hängt mit dem beginnenden vulkanischen Zyklus zusammen, der die Insel über den Meeresspiegel hob. Diese Schicht wird ins mittlere Eozän und das frühe Miozän datiert, wie Fossilien erweisen.Vgl. Fabrizio Innocenti, Piero Manetti, Roberto Mazzuoli, Piero Pertusati. Michael Fytikas, Nikos Kolios, Georges E. Vougioukalakis, Nikos Androulakakis, Salvatore Critelli, Luca Caracciolo: Geological map (scale 1: 50,000) of Limnos island (Greece): explanatory notes, in: Acta Vulcanologica 21 (2009) 123–134 (academia.edu).
Jüngere Untersuchungen konnten erweisen, dass die Schicht aus vulkanischem Sedimentgestein bis zu 2,2 km dick ist, und dass sie zeitlich vom Eozän bis zur besagten Grenzschicht reicht, wo sich auch die Überreste von Lavaströmen zeigen, vor allem im mittleren und südlichen Inselteil. Eine jüngere Phase vulkanischer Aktivität ereignete sich vor rund 18 bis 19 Millionen Jahren.
Orte mini|Myrina, im Vordergrund die venezianische Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts. Auf der antiken Akropolis wurde nach dem Vierten Kreuzzug eine Befestigung errichtet. Die etwas mehr als 16.000 Einwohner verteilen sich sehr ungleichmäßig über die Insel. Allein der Hauptort Myrina () hatte im Jahr 2021 gut 6.000 Einwohner,Αποτελέσματα Απογραφής Πληθυσμού - Κατοικιών 2021, Μόνιμος Πληθυσμός κατά οικισμό (Ergebnisse des Zensus von 2021 durch die griechische Statistikbehörde). seine Geschichte reicht bis in die Frühe Bronzezeit zurück.
Der Ort Poliochni () ist über 6.000 Jahre alt. Seine urbane Phase erstreckte sich gleichfalls über die Frühe Bronzezeit. Archäologische Spuren weisen darauf hin, dass seine Gründer derselben Kultur wie jene Trojas angehörten.
Der Ort Moudros () hat gut tausend Einwohner. Hier wurde am 31. Oktober 1918 der Waffenstillstand zwischen dem Osmanenreich und der Entente geschlossen, womit hier der Erste Weltkrieg endete.
Klima Die geringe Niederschlagsmenge in Verbindung mit starken und häufigen Winden aus Nord bis Nordost geben Limnos ein unverwechselbares trockenes Mesoklima. Das Klima ist subhumid bis fast semiarid. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt etwa 500 Millimeter, mit einem Maximum im Dezember und Januar. In Bezug auf die Windexposition nimmt die Insel eine Sonderstellung ein. Limnos ist in der Verlängerung der Dardanellen gelegen, die ähnlich einem schmalen Windkanal auf die Insel ausgerichtet sind. Im Zeitraum von 1958 bis 2010 lag beim Flughafen Limnos die absolute Höchsttemperatur bei 39,4 °C, die Tiefsttemperatur bei −6,0 °C. Mit 2734 Sonnenstunden nimmt Lemnos selbst in Griechenland einen Spitzenplatz ein.
Flora und Fauna mini|Ein Flamingo auf Lemnos, 2018 Rund 40 % der Fläche der Insel werden vieh- oder landwirtschaftlich genutzt. Während früher der Obstanbau eine größere Rolle spielte, so dominiert heute Weizen, aber auch Wein, bzw. die Haltung von Schafen und Ziegen, aber auch Pferde und Esel. Die einstigen Baumwollfelder in den Küstenebenen, angelegt in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts, unterhalten, verschwanden, als die Baumwollbauern nach Ägypten auswanderten, um dortige Bauern im Anbau von Baumwolle zu „schulen“. Insgesamt ist die Insel sehr stark von menschlichen Einflüssen geprägt, wenn sie auch auf viele Besucher einen „natürlichen“ Eindruck macht.
Dennoch weist Lemnos entsprechend seiner landschaftlichen Vielfalt, aber im Widerspruch zum Augenschein, mindestens 681 Pflanzenarten auf, wie 2012 konstatiert wurde.Konstantinos Thomas, Ricos Thanopoulos, Helmut Knüpffer & Penelope J. Bebeli: Plant genetic resources of Lemnos (Greece), an isolated island in the Northern Aegean Sea, with emphasis on landraces, in: Genetic Resources and Crop Evolution 2012, 59, 1417–1440. Bis 2021 stieg die Zahl der bekannten Arten sogar auf 1050.Erwin Bergmeier, Michael Ristow, Josephin Krause, Stefan Meyer, Maria Panitsa: Phytodiversity of Limnos (North Aegean, Greece) — an update and evaluation, in: Flora Mediterranea 31 (2021) 233–246.
Dabei ist die Insel fast ohne Baumbestände, erst 1981 wurden Überreste eines Eichenwaldes entdeckt, nämlich von Taboreichen (Quercus ithaburensis subsp. macrolepis). Dies wird einerseits auf die agrarische Nutzung der tiefer gelegenen Gebiete zurückgeführt, vor allem aber auf Schafe und Ziegen. Zuvor war die Insel ausgesprochen waldreich, wie zahlreiche, aber kleine Restbestände, manchmal nur einzelne Bäume, annehmen lassen. Es bestehen lediglich wenige Restbestände der Macchia südlich von Ag. Dimitrios (Kermeseiche) und nördlich von Kornos – dort vereinzelte Heideflächen mit Pfriemenginster auf der Anhöhe in der Mitte des westlichen Teils der Insel, sowie einige Eichen in der Nähe von Kondias und Kondopouli, in der Mitte des östlichen Teils.
Zur Fauna gehören diverse Reptilien und zwölf seltene und geschützte Säugetierarten, wie die Mittelmeer-Mönchsrobbe oder auch Delphine. An Schildkröten sind die Unechte Karettschildkröte sowie die geschützte Kaspische Bachschildkröte hervorzuheben. Auch sind mindestens 40 Fischarten nachgewiesen. Schließlich tragen ganze Wiesen von Neptungräsern und Riffformationen zum Ruf von Lemnos als Insel mit dem besterhaltenen Ökosystem in Griechenland bei.
Insgesamt wurden in einer vierjährigen Untersuchung 87 Vogelarten in landwirtschaftlicher Umgebung registriert, von denen 32 auf der Insel brüteten und weitere 38 Zugvögel dort Rast machten. Dabei traten unter den vor Ort brütenden Arten am häufigsten der Weidensperling, die Rabenkrähe, dann Dohlen und schließlich der Haussperling am häufigsten auf.
Mythologie mini|Waffen und Werkzeuge aus Poliochni, 3. Jahrtausend v. Chr., Archäologisches Nationalmuseum Athen
In der griechischen Mythologie war Limnos die Insel des Hephaistos, der in den Vulkanen dieser Insel seine Schmiede hatte. Er wurde besonders bei einem „Erdfeuer“ in der Nähe der Stadt Hephaisteia im Norden der Insel verehrt. Auch die Kabiren, die Söhne des Hephaistos, hatten hier ihren Kult.
Ein anderer Mythos berichtet von dem sogenannten lemnischen Frevel. Demnach brachten die Frauen von Limnos alle Männer um, um selbst zu regieren. Als ihnen dann die Männer zur Fortpflanzung fehlten, versuchten sie, die Argonauten zu verführen – nur mit Mühe konnte Herakles die Männer zur Weiterfahrt überreden. Auf dem Feldzug gegen Troja wurde Philoktet hier von den Griechen zurückgelassen.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|links|Fundstücke von der Grabungsstätte Ouriakos im Archäologischen Museum Lemnos Als ältester Nachweis menschlicher Anwesenheit auf Limnos gilt die 2020 entdeckte Freilandstation Pournias im Norden der Insel, 2 km westlich der Pournias-Bucht. Die 185 steinernen Artefakte, von denen nur 47 vollständig sind, bestehen hauptsächlich aus Chalcedon, zu geringem Anteil aus Radiolarit und Hornstein sowie Kalkstein. Die Gesteinsarten finden sich im Umkreis von 15 km um die Fundstätte. Insgesamt sind 48 Stücke retuschiert, alle Artefakte entstammen, da sie in gleicher Weise bearbeitet wurden, demselben Zeithorizont und sind dem Aurignacien zuzuordnen, der Zeit der frühen Anwesenheit des jungpaläolithischen Menschen. Zu dieser Zeit war Limnos Teil einer kleinasiatischen Halbinsel, da der Meeresspiegel etwa 80 m tiefer lag als heute.Paolo Biagi, Elisabetta Starnini, Yulia Agafonova, Nikos Efstratiou, Nicola Campomenosi, Roberto Cabella: An Aurignacian Assemblage from the Island of Lemnos (Greece): Some Aspects of the Beginning of the Upper Paleolithic in the Northeast Aegean, in: Heritage 2025, 8(4), 141 (online).