mini|hochkant=1.36|Blick von Schloss Sonnenstein über die historische Altstadt, rechts die Marienkirche
Pirna ist eine Große Kreisstadt und der Verwaltungssitz des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Verwaltungsgemeinschaft Pirna im Freistaat Sachsen.
Geographie Geographische Lage mini|Austritt der Elbe aus dem Elbsandsteingebirge in Pirna, links im Hintergrund die Stadtbrücke Pirna
Pirna liegt am oberen Beginn der Elbtalweitung, wo die Wesenitz von Norden und die Gottleuba von Süden in die Elbe münden. Es liegt an der schollentektonischen Nahtstelle von Erzgebirge und Westsudeten, die sich nach Westen zum Grabenbruch des Elbtalkessels weitet.
Pirna ist im Norden durch das Westlausitzer Hügel- und Bergland mit der Lausitzer Verwerfung und im Süden durch das Vorland des Osterzgebirges umgeben. Östlich von Pirna durchquert die Elbe das Elbsandsteingebirge in einem Durchbruchstal, das bis in das Stadtgebiet hineinreicht. Pirna wird daher auch das „Tor zur Sächsischen Schweiz“ genannt. Die 1992 eingeweihte Sächsische Weinstraße führt von hier elbabwärts über Pillnitz, Dresden und Meißen bis Diesbar-Seußlitz. Die Stadt Pirna wurde von den Elbhochwassern im August 2002 und im Juni 2013 schwer getroffen.
Nachbargemeinden Pirna grenzt im Nordwesten an die sächsische Landeshauptstadt Dresden. Angrenzende Gemeinden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind Bad Gottleuba-Berggießhübel (Stadt), Bahretal, Dohma, Dohna (Stadt), Dürrröhrsdorf-Dittersbach, Heidenau (Stadt), Lohmen, Stadt Wehlen (Stadt) und Struppen.
Geschichte Steinzeit Feuersteinwerkzeuge aus dem späten Paläolithikum (etwa 12.000–8.000 v. Chr.) am Ende der letzten Eiszeit sind die ältesten Zeichen einer menschlichen Besiedlung in diesem Gebiet. Durch die klimatisch günstige Lage und fruchtbare Lössböden begünstigt, lebten hier im Neolithikum (5500–4000 v. Chr.) Ackerbauern und Viehzüchter in der Zeit der Bandkeramik und ihre nachfolgenden Kulturen. Nach dem Abzug von germanischen Stämmen aus dem Elbtal, die hier ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. ansässig waren, besiedelten um etwa 600 n. Chr. die slawischen Sorben als Fischer und Bauern dieses Gebiet.
Name Die sich im Wappen der Stadt spiegelnde Deutung des Namens vom Birnbaum ist ein späterer romantisierender Versuch. Umgangssprachlich wird Pirna auch „Birne“ genannt. Der heutige Forschungsstand der Namensdeutung bezieht sich nach einer Darstellung von Ernst Eichler auf die slawische Form von pirno oder pirna. Das Wort pir bedeutete „glühende Asche“ in der slawischen Sprache. Geografisch könnte es eine Feuer-Rodungsstelle oder Opferstätte mit Feuer bedeuten.
Mittelalter mini|Kupferstich von Merian (1650), der die städtebauliche Situation zwischen 1605 und 1639 darstellt
Mit der Eroberung des elbslawischen Gebietes und der Gründung der Mark Meißen durch die Ostfranken (929 gründete Heinrich I. die Burg Meißen) ist auch im Pirnaer Raum wieder Besiedlung nachweisbar. Im Schutz einer wahrscheinlich schon im 11. Jahrhundert bestehenden (und 1269 erstmals urkundlich erwähnten) Burg kam es um 1200 im Rahmen des Landesausbaus zu einem festen Austauschplatz unter der Burg (suburbium). Dieser Platz erhielt schließlich von Markgraf von Meißen Heinrich dem Erlauchten (Wettiner) das Stadtrecht verliehen, nachdem Kaiser Friedrich II. 1229 in dem Vertrag mit den geistlichen Fürsten und 1233 im Vertrag mit den weltlichen Fürsten auf diese kaiserlichen Rechte zu Gunsten der Landesherren (dominus terrarum) verzichtet hatte. Bereits zu dieser Zeit war die Elbe ein wichtiger Handelsweg, so dass die Stadt Pirna auch sehr schnell das Stapelrecht erhielt. Zudem lag die Stadt an einer wichtigen Handelsstraße nach Böhmen über den Nollendorfpass.
Während am Fuß der Burg rund um die Kirche St. Marien ein unregelmäßiges Straßenmuster vorherrscht, wurde der andere Teil der Stadt, etwa auf der Höhe des Rathauses, erst später schachbrettartig angelegt. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Stadt nicht planmäßig gegründet wurde, sondern aus einem viel älteren Siedlungskern hervorgegangen ist.
1233 wurde Pirna erstmals urkundlich erwähnt. 1293 erwarb König Wenzel II. von Böhmen Stadt und Burg vom Meißner Bischof, wodurch Pirna bis 1405 zu Böhmen gehörte. 1307 wurde das Dominikanerkloster gegründet. Im Jahre 1325 bestätigte König Johann von Böhmen das für die Stadt einträgliche Stapelrecht. Pirna entwickelte sich zu einer bedeutenden Niederlassung im markmeißnisch-böhmischen Grenzgebiet. 1351 hielt König Karl IV. von Böhmen, der vier Jahre später Kaiser wurde, in Pirna einen Fürstentag ab, bei dem es um die Schlichtung von Streitigkeiten um die Mark Brandenburg ging. Gut 50 Jahre nach der Rückkehr Pirnas in die Mark Meißen bekam Kurfürst Friedrich II. von Sachsen im Vertrag von Eger den Besitz der Stadt bestätigt. Pirna blieb aber böhmisches Lehen.
Im Jahr 1317 wurde das erste Mal eine Schule in Pirna erwähnt.Vgl. Hofmann, Reinhold: Reformationsgeschichte der Stadt Pirna. In: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte Bd. 8, Leipzig 1893. S. 25 Man weiß aber nicht, in welchem Gebäude sie war. Spätestens seit 1465 gab es ein Schulhaus am Ort der heutigen „Mägdleinschule“. Die Knabenschule zog 1540 ins freigewordene Dominikanerkloster um und 1583 in die obere Burgstraße. Im Jahr 1409 erlaubte der damalige Landesherr, Markgraf Wilhelm II. zu Meißen, der Stadt Pirna, an jedem Sonnabend einen freien Wochenmarkt abzuhalten. Die Urkunde befindet sich im Stadtarchiv.
Mit dem Aufkommen des Eisenerzbergbaus im Osterzgebirge Mitte des 15. Jahrhunderts wurde die Stadt im Jahre 1472 Sitz der für das Pirnaer Revier zuständigen Eisenkammer, die bis 1686 bestand.
Die ersten bekannten Hochwasser in Pirna in den Jahren 1427 und 1432 zeichnete der Pirnaer Dominikanerpater und Chronist Johannes Lindner auf. Vom 16. bis 18. August 1501 wurde das Elbtal, verursacht von einem neuntägigen Regen in Böhmen, von einem besonders schweren Hochwasser heimgesucht. In Pirna erreichte das Wasser die Kanzel und die Kante des Taufbeckens der Klosterkirche und wurde mit einem roten Strich über dem Predigtstuhl markiert. Auch 1510 wurden bei einem Elbhochwasser weite Teile der Innenstadt überflutet, der Markt stand komplett unter Wasser.
Reformation in Pirna Kirchliche Gegebenheiten vor der Reformation mini|Klosterkirche „St. Heinrich“(um 1400 entstanden)
In den meisten sächsischen Städten gab es um 1500 Niederlassungen der Bettelorden. In Pirna errichtete der Dominikanerorden etwa um 1300 ein Kloster, das 1307 erstmals urkundlich erwähnt wurde.Vgl. Hofmann, Reinhold: Reformationsgeschichte der Stadt Pirna. In: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte. Bd. 8. Leipzig 1893, S. 23. Bereits 1483/1484 beklagten sich die beiden Wettiner Ernst und Albrecht III. bei den Bischöfen von Merseburg und Meißen über den zerrütteten Lebenswandel der Bettelmönche.Vgl. Reinhold Hofmann: Reformationsgeschichte der Stadt Pirna. In: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte. Bd. 8. Leipzig 1893, S. 36. 1511 griff der Pirnaer Prediger Johann Styel den Prior des Pirnaer Dominikanerklosters wegen dessen Lebenswandel an.„Du bist ein Hochmuttiger monch, der Hochmuth ist mit dir in den Ordin gegangen; ess wer besser du hettest eyn gebundeleyn Dornes Jn die kappen geleget, vnd den Hochmuth hir aussin geloczin. Du bist eyn furfurer dess folcks etc. ich habe gepredigt, wie dass nicht mirackel, abloss vnd hiligtum furkundigen sall an orlawb bebstliches stules etc., dass das folk nicht geergert wurde und furfuret. Sich nutte zcu, dass es dir nicht gehe, wie deinen vetirn gangin hat, die da gebrant seyn wordin, die da auch Lester und schendir gewest seyn der juncfraw Marie, als du einer bist. Jhene seynt gebranth zcu Bern, die sich dem tewffel irgebin hattin, mit irem eigem Blutte furschriben ewigk seyn zcu seyn, er solt yn helffin ihr schalcheit furbrengin. Du predigest anderen Leuten, sie solle fastin, do hastu gesessen vnd hast gebrattin fische fur die gehatt, vnd zweyerley Weyn vndt bir, vndt gebrattin Hunner. Gehort das deinen geistlichen standt an, das du die Nacht off der gassin vmblauffin salst do sey schonin frawin gewest, wiltu sie schendin. Du thust mit deynem heyligthum gleich als einer, der da dreyackel fel hat, lofft zcu, lofft zcu, myss mit leffelin auss. Ich habe dir eyn riss Jn die Wunderzeichen gethan, Ich will dir auch eynen riss Jn den Ablass thun, wen du furkundigest vil ablass. Du lest brust bylde schnytzen heyligthum eynzcufassen, wo hastu das heyligthum genommen? Wer hats geheyliget. Wer eynen heller aber phennigk darzcu gebit, der thut eyn todt sundt.“ Zitiert nach: Reinhold Hoffmann: Reformationsgeschichte der Stadt Pirna. In: Beiträge zur sächsischen Kirchengeschichte. Bd. 8. Leipzig 1893. S. 37/38. Die Predigt zeigt auch, dass der reformatorische Gedanke 1511 weit verbreitet war.Vgl. Robert Dittrich: Das Ende des Klosters Pirna. Ein Beitrag zur Kirchenpolitik im nachreformatorischen Sachsen. In: Auslage im Stadtarchiv Pirna.
Die Bettelmönche hatten sich in den vorangegangenen Jahren bei der pirn’schen Bevölkerung nicht gerade beliebt gemacht. 1498 kam es zum Streit zwischen dem Kloster und der Witwe des Pirnaer Bürgers Dominikus Rudel um dessen Erbe. Die Frau weigerte sich, das Testament ihres Mannes anzuerkennen, der dem Kloster die Äcker der Familie vermacht hatte. Das Kloster reagierte mit der Exkommunikation der Frau auf deren Widerstand. 1502 musste Herzog Georg die Stadt schriftlich auffordern, dem Kloster keinen Widerstand beim Erwerb eines Gartens zu leisten. Zum Jahre 1516/1517 berichtete der sogenannte Pirnsche Mönch über eine Klostergründung auf dem Königstein, die aber schon 1524 „wegen der Flucht der Mönche“ gescheitert war.„Kunigstein, ein wonderlicher berg, frey allenthalben, an der Elben, […] Darauf (MVCXVI) der hochgeborner Furst Jorge czu Sachssen aus christlicher Andacht […] auf eigene cost ein closter czu bawen, dahin Celestiner bruder von Oybin gefoddiert. […] Aber (MVCXXIIII) worden die Munche vorgelt mit der Luterianischen secten, namen was sie konnten hinweg brengen, verliffen sich und namen die flucht ein kegen Wittenberg.“ Zitiert nach: Saxonica; Misnica et Thuringiaca ex monarchi pirnensis seu, vero nomine; Johannis Lindneri sive tillani onomastico autographo, quid exstat in bibliotheca senatoria Lipensi. In: JO: Burchardus Menckie NJJ.: Scriptores Rerum Germaniacum Praecipve Saxonicarum. Tomus II. Leipzig 1728, Fol. 1573.
Visitation und Reformation Inwieweit der reformatorische Gedanke schon vor 1537 in Pirna verwurzelt war, lässt sich schwer beurteilen. Obwohl sich Pirna zu Lebzeiten Georgs des Bärtigen noch treu katholisch gab, bemühte sich jedoch der Stadtrat seit spätestens 1537 insgeheim in Wittenberg um einen tüchtigen Pfarrer.Hofmann: Reformationsgeschichte der Stadt Pirna. S. 45 Den ersten Kontakt mit den Folgen der Reformation bekam die Pirnaer Bevölkerung ebenfalls 1537, als die restlichen aus dem Kloster Altzella vertriebenen Mönche im Kloster Pirna einquartiert wurden.
Kurz nachdem Herzog Georg am 17. April 1539 gestorben war, erschienen die Pirnaer Ratsherren Paul Arnold und Mathes Zschipchen bei Martin Luther in Wittenberg, um mitzuteilen, dass die Stadt den Magister und Diakon der Stadtkirche Wittenberg Antonius Lauterbach zum neuen Pfarrer gewählt habe.Hofmann: Reformationsgeschichte der Stadt Pirna. S. 27 Nach zwei Tagen Bedenkzeit stimmte Lauterbach zu. Am 25. Juli 1539, zwei Tage nach der ersten Visitation, wurde Lauterbach mit einem Willkommenstrunk vom Stadtrat willkommengeheißen und begann noch am selben Tage nach lutherischem Bekenntnis zu taufen. Als Superintendent bekam Antonius Lauterbach auch die Aufsicht über das Dominikanerstift.