Bergrheinfeld (unterfränkisch: Berch) ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt.

Der südwestliche Vorort von Schweinfurt liegt am rechten Ufer des Mains. Typisch für den Ortskern des einstigen Straßendorfes sind die traufseitigen Natursteinhäuser. Bergrheinfeld liegt am Nordrand des Fränkischen Weinlandes. Überregional ist Bergrheinfeld als wichtiger deutscher Stromleitungsknoten und ein Ende von Suedlink bekannt.

mini|Katholische Kirche Mater Dolorosa mini|Traufseitiges Natursteinhaus,typisch für Bergrheinfeld

Etymologie

Der Name Rheinfeld wurde ursprünglich für Berg-, Grafenrheinfeld und Oberndorf verwendet. Bergrheinfeld liegt mit nur 2 Meter höher als Grafenrheinfeld, was aber bei der Gefahr durch Hochwasser einen maßgeblichen Unterschied ausmacht. Deshalb wurde zur Unterscheidung der gleichnamigen Ortschaften der Name Bergrheinfeld gebräuchlich.

Geografie Lage Bergrheinfeld liegt im waldarmen Westen des Schweinfurter Beckens, zwischen Main und Wern. Die Fluren werden von Ackerbau und Hochspannungsleitungen geprägt. Am östlichen und südlichen Rand des Gemeindegebietes liegen Auwälder und zahlreiche kleinere Seen (siehe: Schutzgebiete). Im Ortsteil Garstadt wird im kleinen Maße Weinbau betrieben (0,3 ha Rebfläche).0,29 ha bestockte Rebfläche nach Angabe der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau für das Jahr 2017

Bergrheinfeld liegt innerhalb eines wichtigen Infrastrukturknotenpunktes an der südwestlichen Peripherie Schweinfurts, wo Autobahnen, Straßen, Bahnlinien und Hochspannungsleitungen zusammenlaufen, mit einem Leitungsknoten von nationaler Bedeutung (siehe: Netzknotenpunkt Bergrheinfeld).

Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Bergrheinfeld (Pfarrdorf) Garstadt (Kirchdorf)

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Bergrheinfeld und Garstadt. Die Gemarkung Bergrheinfeld hat eine Fläche von 16,076 km². Sie ist in 4106 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3915,23 m² haben.

Nachbargemeinden Bergrheinfeld hat sechs Nachbargemeinden, von denen sich mit Ausnahme der kreisfreien Stadt Schweinfurt alle im Landkreis Schweinfurt befinden.

Bergrheinfelder Insel Der Main wurde im Bereich Berg-, Grafenrheinfeld und Oberndorf bei der Mainkorrektion von 1823 begradigt. Der alte Verlauf, mit seinen drei Schleifen, blieb abschnittsweise als Altwasser erhalten.

mini|links|Altmain (Rand der Bergrhein­felder Insel) im Jahr 2017. Hinten das ein­stige Kernkraftwerk Grafenrheinfeld mini|links|Bergrheinfelder Insel im Jahr 2015, kurz vor Stilllegung des Kernkraftwerks

Die Gemeindegrenze zwischen dem rechtsmainischen Berg- und dem linksmainischen Grafenrheinfeld folgt nicht dem heutigen Verlauf des Mains. Im Süden folgt sie der Altmainschleife Süd.

Das Gebiet, das hier fast vollständig vom Main und der östlich von ihm gelegenen Altmainschleife Süd umgeben ist, wird Bergrheinfelder Insel genannt. Zu ihr gehören die Flurabteilungen Im Sand und Im Waidig. Die Bergrheinfelder Insel ist, einschließlich des dort gänzlich zu Bergrheinfeld gehörenden Altmains, 2,15 km² groß.Gemessen im BayernAtlas Das brettflache Areal wird seit der Mainkorrektion von 1823 durch einen in den 1960er Jahren ausgebauten Deich entlang des begradigten Mains vor Hochwasser geschützt. Die Bergrheinfelder Insel (204 bis ) liegt 1 bis 2 Meter über dem Wasserspiegel des Mains bei normalem Wasserstand ( zwischen der Staustufe Schweinfurt und der Staustufe Garstadt). Sie ist unbewohnt, unbewaldet, wird ausschließlich landwirtschaftlich genutzt und ist trotz ihrer nahen Lage zum einstigen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld frei von Hochspannungsleitungen.

Siehe auch: Flutpolder Bergrheinfeld und Grafenrheinfeld, Gemeindegebiet

Geschichte Vorgeschichte Die früheste bekannte Besiedlung des Gemeindegebietes erfolgte 2900 bis 2200 vor Christus.

Mittelalter

Grafenrheinfeld entwickelte sich aus der einstigen Siedlungs- und Gemarkungseinheit, bzw. gemeinsamen Pfarrei Rheinfeld (siehe auch: Etymologie).

Mainkorrektion 1823

Der Main durchlief zwischen Berg- und Grafenrheinfeld mehrere Schleifen. 1823 wurde er dort durch die Mainkorrektion der Bayerischen Staatsregierung durch vier aufeinander folgende Durchstiche begradigt, wodurch die Mainschleifen zu Altwassern wurden (Altmain) und teilweise verlandeten. Ein Vorläufer des heutigen Maindeichs wurde an derselben Stelle angelegt, der dem begradigten Main folgte. Durch die Mainkorrektion wurden die linksmainischen Gebiete Bergrheinfelds vom Ort abgeschnitten.

Eingemeindungen mini|hochkant|Kirchsteig in Garstadt Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Juli 1971 die Gemeinde Garstadt eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Der Schweinfurter Vorort verzeichnet aufgrund eines begrenzten Wohnangebotes in Schweinfurt stetiges Einwohnerwachstum.

1961: 3790 Einwohner, davon 279 in Garstadt 1970: 4410 Einwohner, davon 299 in Garstadt 1991: 4701 Einwohner 1995: 4909 Einwohner 2005: 4976 Einwohner 2010: 5092 Einwohner 2015: 5334 Einwohner 2018: 5315 Einwohnerhttps://www.statistikdaten.bayern.de/genesis/online?sequenz=tabelleErgebnis&selectionname=12411-001

Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 4476 auf 5315 um 839 Einwohner bzw. um 18,7 %. Quelle: BayLfStat

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat hat (ohne Bürgermeister) 20 Mitglieder. Nach der Wahl zum Gemeinderat am 8. März 2026 ergab sich die im nebenstehenden Diagramm dargestellte Sitzverteilung.

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist Ulrich Werner (CSU). Er wurde erstmals am 12. März 2017 gewählt und trat das Amt am 1. Mai 2017 an. Bei der Kommunalwahl am 19. März 2023 wurde er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Die aktuelle Amtsperiode endet am 30. April 2029.

Interkommunale Allianz Die Gemeinde ist Mitglied in der Interkommunalen Allianz Oberes Werntal.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

Bergrheinfeld und seine Nachbarorte Grafenrheinfeld und Geldersheim waren die katholischen Orte des Hochstiftes Würzburg, die der protestantischen Region um Schweinfurt im Südwesten am nächsten lagen. In der Gegenreformation förderten die Würzburger Fürstbischöfe diese Vorposten aus Sorge vor der lutherischen Lehre auch durch den Bau prächtiger, barocker Dorfkirchen und die Aufstellung von zahlreichen Bildstöcken, Wegkreuzen, Prozessionsaltären und katholischen Heiligenfiguren, die Fluren und Ortsbilder im scharfen Gegensatz zur ehemaligen Reichsstadt Schweinfurt prägen.

Die katholische Pfarrkirche Mater Dolorosa (deutsch: Schmerzensmutter, 1688–93) von Christian Hermann ist ein hochbarocker Saalbau mit eingezogenem Chor und Turm mit Welscher Haube, der 1873 erneuert wurde. Das Rathaus (Hauptstraße 38; 1666–67) mit Fachwerkobergeschoss war eine Vogtei bzw. ein Rentamt des Juliusspitals Würzburg. Das Zehnthaus (Hauptstraße 36) ist im Kern von 1666 und beherbergt seit Renovierung und Umbau im Jahre 1986 die Gemeindebibliothek. Das Gartenhaus an der Straße Im Keilgarten mit Fachwerkobergeschoss stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die katholische Kuratiekirche (Quasipfarrei) St. Michael in Garstadt (1691–94) von Georg Baumann ist ebenfalls ein hochbarocker Saalbau mit eingezogenem Chor und Turm mit Welscher Haube. Der Gasthof zum Schiff in Garstadt stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Bodendenkmäler

Im Rahmen der Vorarbeiten für das Umspannwerk Bergrheinfeld West (siehe: Bergrheinfeld West und Suedlink) wurde das bisher zweitgrößte schnurkeramische Gräberfeld Bayerns ergraben. Insgesamt wurden Gräber von 26 Frauen, Männern und Kindern freigelegt, die zwischen 2800 und 2300 vor Christus bestattet wurden.

Schutzgebiete Auf Bergrheinfelder Gemeindegebiet befinden sich vier Naturschutzgebiete.

Im Süden der Altmainschleife Süd liegt das Naturschutzgebiet Alter Main bei Bergrheinfeld und Grafenrheinfeld. Mit seinen Röhrichtbeständen, Hochstaudenfluren, Weidengebüschen und Ufergehölzen ist es ein wichtiger Brut- und Rastplatz für Wasservögel. Weiter südlich am Main liegt das Naturschutzgebiet Garstadter Holz. Im Südosten schließen sich daran die Gartstädter Seen (Baggerseen) an, mit dem Vogelschutzgebiet Garstadt und der Erweiterung des Vogelschutzgebietes Garstadt, bei dem jedoch nur ein kleiner Bereich auf Bergrheinfelder Gebiet liegt.

Naherholung Eine Naherholungsanlage mit zwei Badeseen befindet sich auf der anderen Mainseite in der Altmainschleife Süd (siehe: Grafenrheinfeld, Altmainschleife Süd).

Durch Bergrheinfeld führt der 600 Kilometer lange Main-Radweg, der 2008 als erster deutscher Radfernweg vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) mit fünf Sternen ausgezeichnet wurde.n-tv.de: Main-Radweg ausgezeichnet – Fünf Sterne vom ADFC. 27. August 2008. Ferner der Main-Werra-Radweg von Meiningen über Schweinfurt nach Würzburg und der Wern-Radweg von Rottershausen unweit der Wernquelle nach Wernfeld an der Mündung der Wern in den Main.

Die Bocksbeutelstraße führt ebenfalls durch Bergrheinfeld. Ihr nächstes Etappenziel ist die nahe gelegene Volkacher Mainschleife, die Kernregion des Fränkischen Weinlandes.

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 1996 findet jährlich nach den Pfingstferien die Kulturwoche im und um das Zehnthaus statt.

Öffentliche Einrichtungen mini|Freiwillige Feuerwehr Garstadt

Kindergärten Kindertagesstätte St. Anton Kath. Kindergarten St. Bartholomäus

Schulen Grundschule Julius-Echter-Schule Mittelschule Holderhecke Musikschule Volkshochschule-Außenstelle

Bibliotheken Gemeindebibliothek Zehnthaus Kirchen Mater Dolorosa (kath.) St. Bartholomäus (kath.) St. Michael, Garstadt (kath.) Zum Guten Hirten (evang.)

Feuerwehren Freiwillige Feuerwehren in Bergrheinfeld und Garstadt

Parks Erholungsanlage Holderhecke Badeseen Taschsee: zwei Badeseen (Baggerseen) in der Altmainschleife Süd am Ortsrand von Grafenrheinfeld

Bootshafen In Garstadt befindet sich am Main ein Sportboothafen.

Sport Sportzentrum TSV Bergrheinfeld Tennispoint

Wirtschaft und Infrastruktur Die Gemeinde liegt an der überregionalen Entwicklungsachse Schweinfurt–Würzburg.

Industrie Industriegebiet Am Bahnhof

Verkehr Mainbrücke Bergrheinfeld

mini|Mainbrücke Bergrheinfeld zwischen Bergrheinfeld (li.) und Grafenrheinfeld, hinter nach ihrer Fertigstellung (2009) abgebrochenen Vorgängerbrücke

Berg- und Grafenrheinfeld werden seit 1901 durch eine Mainbrücke verbunden. 2008/2009 wurde die neue Stabbogenbrücke errichtet. Ursprünglich verkehrte 600 Meter weiter nördlich (mainaufwärts) eine Fähre über den Main in seinem ursprünglichen Verlauf (siehe: Mainkorrektion 1823). Hierauf weist heute dort noch der Name der Einzellage Fährhaus auf Bergrheinfelder Gebiet hin.

Straße Autobahnen: Bundesautobahn 70 (E 48 Schweinfurt–Prag) Schweinfurt–Bamberg–Bayreuth, mit direkter Anschlussstelle Nr. 5 Schweinfurt/Bergrheinfeld auf der A 70 nach 2 km Richtung Westen Anschluss an die Autobahn 71 Dreieck Südharz–Erfurt–Schweinfurt auf der A 70 nach weiteren 6 km Richtung Westen Anschluss an die Autobahn 7 (E 45) Kassel–Ulm Berlin ist über zwei nahezu gleichlange Autobahnrouten via A 70 und A 71 erreichbar

Mainbrücke: Seit 1901 verbindet die Mainbrücke Bergrheinfeld, die 2008/2009 als Stabbogenbrücke neu errichtet wurde, die Gemeinde mit Grafenrheinfeld.

Schiene Güterverkehr: Gleisanschluss an der Bahnstrecke Bamberg–Rottendorf im Industriegebiet Am Bahnhof

Personenverkehr: nächster Bahnhof ist Schweinfurt Hauptbahnhof (4 km)

ÖPNV Bergrheinfeld ist an das Busliniennetz der Stadtwerke Schweinfurt und des Omnibusverkehr Franken (OVF) der DB Regio angeschlossen.

Schiff Eine Schiffsanlegestelle an der Mainbrücke Bergrheinfeld am südmainischen Ufer (auf Grafenrheinfelder Seite) ist in Planung.

Gewässer mini|Schleuse Garstadt,im Hintergrund das 2015 stillgelegte Kernkraftwerk Grafenrheinfeld