mini|Epsilon

mini|Altgriechische Zimbel

„Wenn ich in Menschen- und Engelszungen spräche, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“

Auf diese Stelle aus dem 1. Brief des Paulus an die Korinther () des Apostels Paulus geht das geflügelte Wort „mit Engelszungen reden“ in der Bedeutung „eindringlich auf jemanden einreden“ zurück.

Paulus spricht hier vermutlich auf das so genannte „Zungenreden“ an. Wie das Reden in Engelszungen ist, führt Paulus nicht weiter aus, aber in der Bibel sprechen Engel durchaus die menschliche Sprache. Aber diese Zungenrede ist nur Lärm, wenn sie ohne Liebe erfolgt. Erz () ist zunächst einmal nur das Material, aus dem das Instrument besteht, meist Kupfer oder eine Kupferlegierung. Die Zimbel (), eine Art Becken, klingt nicht wirklich schön, sondern erregt in erster Linie Aufmerksamkeit. Liebloses Reden weckt Aufmerksamkeit, ist aber hohl und dient am ehesten der Wichtigtuerei.1 Kor 13,1-3 - Erster Korintherbrief - Der erste Brief des Paulus an die Korinther (Welt der Bibel, Auslegung und Bibliographie zur Bibel)

„Wenn du Wasser trinkst, sage nicht aus jedem Anlass, dass du Wasser trinkst.“

Mahnung im Handbüchlein der Moral des Philosophen Epiktet an selbstgerechte Abstinenzler:Epiktet (übersetzt von C. Hilty):

„Bürgschaft bringt Unheil.“

Diktum des Thales, eines der Sieben Weisen von Griechenland. Der Spruch ist, wie Kleomenes in seiner Schrift über Hesiod sagt, von Homer vorweg genommen mit einem Vers aus der Odyssee (8, 351): „Bürgschaft für einen Schlechten ist schlecht als Bürgschaft zu nehmen.“ „“

Lateinisch heißt dieser Satz: „“

Der Altphilologe Bruno Snell stellt fest, dass dieser und die meisten anderen delphischen Sprüche zeitbedingt sind:Bruno Snell: Leben und Meinungen der Sieben Weisen, ISBN 3-7765-2104-X

In der Schule des Aristoteles betrachtete man diesen Satz als Aussage des Chilon von Sparta und erzählte, dass Chilon bei seiner Ankunft in Delphi als Spende seines Verstandes für den Gott auf eine Säule diese drei Sätze geschrieben habe: „Erkenne dich selbst!“ – „Nichts zu sehr!“ – „Bürgschaft bringt Unheil.“ –

Siehe auch das Herodot-Zitat („Wer Schulden hat, muss auch notwendig lügen.“)

„Bald – und du hast alles vergessen. Bald – und alles hat dich vergessen.“

Zitat aus den Selbstbetrachtungen des römischen Kaisers Mark Aurel (VII, 21).

Lateinisch lautet dieser Satz: „“ Mark Aurel will damit ausdrücken, dass ein Menschenleben im Ganzen gesehen nur einen winzigen Augenblick ausmacht und selbst die Hoffnung auf Nachruhm belanglos ist. Unser Name, unsere Taten werden bald wieder vergessen sein. Aber das Bewusstwerden dieser Tatsache ist ein großer Schritt zum Verständnis der Welt.

mini|Pieter Bruegel der Ältere: Volkszählung zu Bethlehem

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“

Anfang der Weihnachtsgeschichte im Evangelium nach Lukas, die damit beginnt, dass Kaiser Augustus die erste Volkszählung der Geschichte durchführt und sich deswegen jede Familie in den Heimatort des Familienvaters begeben soll. Aus diesem Grund begibt sich Josef mit seiner hochschwangeren Verlobten Maria nach Bethlehem.

Ein Papyrusfund, den A. Deißmann in seinem Werk Licht von Osten publizierte, scheint zu belegen, dass Volkszählungen durchgeführt wurden:Hans Poeschel: Die griechische Sprache. München: dtv, 1975, ISBN 3-423-04174-9Englische Übersetzung:

Albert Schweitzer schreibt zu dieser Volkszählung:Albert Schweitzer: Gespräche über das Neue Testament. Esslingen: Bechtle Verlag, 1988, ISBN 3-7628-0480-X

mini|hochkant|Titelseite der „Encyclopédie“ von d’Alembert und Diderot, 1772

„umfassende Bildung“

Das Wort Enzyklopädie (gebildet aus „kreisförmig“ und „Bildung“) beschreibt ursprünglich universale Bildung oder die Propädeutik der Wissenschaft.

In die Spätantike gehört das Bildungssystem der Sieben freien Künste (lateinisch ), ein Fächerkanon mit Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik.Boethius: De institutione arithmetica, 1,1 Sie konnten durch ein Philosophiestudium als Krönung der Ausbildung ergänzt werden.

Erst in der Neuzeit entsteht mit dem Werk der französischen Enzyklopädisten d’Alembert und Diderot der Begriff einer Allgemeinwissenschaft und die Darstellung der Totalität des Wissens.

Aufgrund der Methode der französischen Enzyklopädisten, das Wissen in der Form eines alphabetischen Nachschlagewerkes darzustellen, wurde der Begriff schon bald zur Abkürzung des Begriffs Enzyklopädisches Lexikon.

„Ich werde der erste meines Geschlechts sein.“

Angebliche Antwort des Athener Feldherrn Iphikrates, als ihm jemand seine niedrige Herkunft vorhielt. Sein Vater war Gerber.

„Ich habe dich jetzt gefragt, du aber antwortest mir wie zu Agamemnons Zeiten.“

Bemerkung des Philosophen Demonax zu einem Kollegen, der ihm in antikisierendem Attisch antwortete. Der so genannte Attizismus war eine literarische Mode, deren sich intellektuelle Snobs bedienten, indem sie eine übertrieben antik wirkende Sprache verwendeten.

Die Zeit des Demonax (2. Jahrhundert n. Chr.) war von der Zeit des Ilias-Helden Agamemnon immerhin schon ein Jahrtausend entfernt.

Das Attische des 5. Jahrhunderts v. Chr. gilt als klassische Form des Griechischen. Auf Attisch wurden die wichtigsten Schriften der klassischen Periode verfasst, unter anderem die Werke der Philosophen Platon und Aristoteles, der Geschichtsschreiber Xenophon und Thukydides sowie der Dramatiker Aischylos, Sophokles und Aristophanes.

Das antike Vorbild wurde die Norm der griechischen Hochsprache. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde eine ans Attische angelehnte Form des Neugriechischen (Katharevousa) als Staatssprache an Schulen gelehrt.

„Nationale Spaltung“

Der war ein Zerwürfnis zwischen König Konstantin I. und seinem Premierminister Eleftherios Venizelos über die Frage, ob Griechenland auf der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg eingreifen sollten. Die zwei Männer arbeiteten anfangs eng zusammen, aber ihre grundsätzlich verschiedene Auffassungen in außenpolitischen Fragen führte zu einer Konfrontation, die das politische Leben über mehrere Jahrzehnte prägte.

Aufgrund seiner deutschfreundlichen Haltung (er entstammte einem deutschen Adelsgeschlecht und war mit der preußischen Prinzessin Sophie verheiratet) wollte der König sein Land nicht in den Krieg hineinziehen lassen, während Venizelos, der sich zur Seemacht Großbritannien orientierte, dies befürwortete. Im Jahr 1915 entließ der König den Premierminister zweimal, löste das Parlament auf und übernahm selbst die Regierung, während Venizelos in Nordgriechenland eine Gegenregierung installierte und schließlich Konstantin 1917 zum Abdanken zwang.

„Du bist.“

Nach der Überlieferung Charmides sowie Plutarchs war dies die „dritte apollonische Weisheit“ in Delphi neben: „Erkenne dich selbst!“ Siehe und „Nichts im Übermaß!“ Siehe

Inwieweit es das Portal zierte, ist ungewiss. Nach Plutarch war sie vermutlich eine gesprochene Antwort der Besucher des Tempels auf die Inschriften. „“ war anfänglich möglicherweise das Begrüßungswort des Apollon an die Besucher. Hier schreibt der Geschichtsschreiber Plutarch:

Als Antwort darauf erwiderte der Besucher dem Gott „Du bist“.

Plutarch schreibt weiter:

„Wenn du vom Wolf sprichst.“

Sprichwort, das wohl auf den verbreiteten Aberglauben zurückgeht, man locke den Wolf (oder auch den Teufel) herbei, wenn man von ihm spreche. Im Deutschen drückt man damit sein Erstaunen über das unerwartete Erscheinen dessen aus, von dem man gerade spricht. Oft ausgedrückt als „Wenn man den Esel nennt, kommt er g'rennt.“

Oder: „Wenn man vom Teufel spricht.“

In dem Theaterstück Adelphi („Brüder“) des römischen Dichters Terenz sprechen der Sklave Syrus und der junge Ctesipho gerade von dem alten Demea, als Syrus plötzlich ihr Gespräch unterbricht.Terenz: Brüder (Adelphi) 537

Lateinisch: („Der Wolf in der Geschichte.“) Neugriechisch: („Beim Klang der Stimme erscheint auch der Esel.“)

mini|hochkant|Alexander:  – „Wäre ich nicht Alexander, wollte ich Diogenes sein.“(von W. Matthews)

„Wäre ich nicht Alexander, wollte ich Diogenes sein.“

Reaktion des Alexander, nachdem ihm Diogenes auf seine Frage, was er für ihn tun könne, geantwortet hatte:  – „Geh mir ein bisschen aus der Sonne.“

So berichtet es zumindest der Historiker Plutarch in seiner Alexander-Biografie Leben des Alexander (14).

In einer modernen Version soll Diogenes darauf bestürzt gesagt haben:

Was ist nun vom Wahrheitsgehalt dieser Anekdote zu halten? Auf der Website der Universität Göttingen heißt es:Das Bild Alexanders in antiker Literatur und Kunst (Virtuelles AntikenMuseum Goettingen)

mini|Der Fluss Halys heute (türkisch: Kızılırmak)

„Wenn du gegen die Perser in den Krieg ziehst, wirst du ein großes Reich vernichten.“

Zweideutige Weissagung des Orakels von Delphi für König Krösus.

Bei Aristoteles lautet die Formulierung:Aristoteles, Rhetorik 3,5,4 (1407a); vergleiche Ρητορική 3,5 (griechische Wikisaource)

Der bekannte doppelsinnige Ausspruch des Orakels von Delphi gegenüber dem lydischen König Krösus, er werde beim Überschreiten des Halys „ein großes Reich zerstören“, bezieht sich auf die Funktion des Flusses als Landesgrenze zwischen den Lydern und den Persern, die den Medern folgten: Krösus zerstörte sein eigenes Reich, als er gegen Kyros II. zu Felde zog.

„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“

Forderung aus dem 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher:2. Thessalonicherbrief 3,10Bibelwissenschaft.de: Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)

Dieser Satz wird heute immer noch zitiert, wobei meistens gar nicht bewusst ist, dass er aus der Bibel stammt.

Im Mai 2005 antwortete Franz Müntefering, zu dieser Zeit deutscher Bundesminister für Arbeit und Soziales, auf die Kritik seines SPD-Fraktionskollegen Ottmar Schreiner an Hartz IV mit dem Satz: „Nur, wer arbeitet, soll auch essen.“ In einem Interview mit dem ZDF sagte Müntefering zwei Monate später: (Google Books; der Text ist auf der Seite im unteren Kasten zu finden)

„Wir sind zwei, wir sind drei …“

Dies ist der vorletzte Vers des Liedes Wir sind zwei von Mikis Theodorakis, der zum Slogan der griechischen Linken wurde. Die letzten drei Verse lauten:Deutsche Übersetzung: Ο εκδικητής ο λυτρωτής είμαστε δυό είμαστε τρείς είμαστε χίλιοι δεκατρείς. Der Rächer, Erlöser Zwei sind wir, sind drei wir sind tausendunddreizehn.

In dem Liedtext wird von schlagenden Wächtern gesprochen und der Hoffnung, diesem Schicksal zu entgehen.

„Der Friede sei mit euch.“

Mit diesen Worten grüßte im Evangelium nach Lukas der auferstandene Jesus seine Jünger.Lukas, 24,36Bibelwissenschaft.de: Lukas 24,36 – Novum Testamentum Graece (NA28), Einheitsübersetzung (EUE) (griechisch, deutsch)

Um ihnen zu beweisen, dass er kein Geist sei, ließ Jesus seine Jünger seine Hände und Füße betasten und bat um etwas zu essen. Dann führte Jesus sie bis nach Bethanien und fuhr auf zum Himmel.

Die lateinische Version „“ wird in der Liturgie der katholischen Kirche von der Gemeinde mit „“ („Und mit deinem Geiste“) beantwortet.

„Einer sei Herrscher, einer König.“

Oft zitierte Stelle aus der Ilias.Homer, Ilias 2,204–205 In der Übersetzung von Johann Heinrich Voß heißt es in der Volksversammlung der Griechen vor Troja, in der über eine vorzeitige Abreise beraten wird:

Niemals frommt Vielherrschaft im Volk; nur einer sei Herrscher, Einer König allein, dem der Sohn des verborgenen Kronos Scepter gab und Gesetze, daß ihm die Obergewalt sei.

Dies sind die Worte, mit denen Odysseus die Soldaten überredete, wieder von den abfahrtsbereiten Schiffen auf den Versammlungsplatz zurückzukehren. In Gustav Schwabs Sagen des klassischen Altertums klingt das so:Gustav Schwab: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums

Es war allein der hässliche und schmähsüchtigen Demagoge Thersites, der gegen Agamemnon lästerte: