mini|Delta
mini|hochkant|Daidalos und Ikaros
„Flügel (des) Daidalos“
Daidalos war ein attischer Erfinder, Baumeister, Künstler und Handwerker. Seine Künste waren weit bekannt, so dass sein Neffe Perdix zu ihm in die Lehre geschickt wurde. Der Junge stellte sich als so klug heraus, dass Daidalos ihn aus Neid eine Klippe hinunterstürzte. Athene rettete den Jungen und verwandelte ihn in ein Rebhuhn (moderner wissenschaftlicher Name: Perdix perdix). Der Areopag verbannte daraufhin Daidalos, dieser fand jedoch Asyl auf der Insel Kreta. Dort errichtete er auf Verlangen des Königs Minos ein Labyrinth, in dem das stierköpfige Ungeheuer Minotauros gefangen gehalten wurde.
Am bekanntesten ist die Geschichte seiner Flucht von der Insel. Daidalos hatte Ariadne den Hinweis gegeben, der später Theseus nach seinem Kampf gegen den Minotauros zugutekommen sollte: Theseus bediente sich eines abgewickelten Garnknäuels (des Ariadnefadens), um das Labyrinth wieder zu verlassen. Zusammen mit seinem Sohn Ikaros wurde Daidalos deswegen von Minos in das von ihm selbst errichtete Labyrinth oder an einem anderen Ort eingesperrt. Gefangen, schuf Daidalos aus Federn von Vögeln und dem Wachs der Kerzen Flügel für sich und seinen Sohn und flog mit ihm davon. Ungeachtet der Warnungen seines Vaters stieg Ikaros zu hoch und kam dem Sonnenwagen zu nahe. Das Wachs zwischen seinen Flügeln schmolz, und er stürzte in das Meer.
mini|hochkant|Richard Westalls: Das Schwert des Damokles
„Damoklesschwert“
Das Schwert des Damokles ist ein Begriff, der auf einen Günstling des Tyrannen Dionysios von Syrakus im 4. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht. Damokles beneidete den Tyrannen, der ihn deshalb seine Position verdeutlichen ließ, indem er Damokles anbot, seinen Platz einzunehmen. Zuvor ließ er jedoch ein Schwert aufhängen, das lediglich von einem Rosshaar gehalten wurde. Als Damokles nach dem Sinn des Schwertes über seinem Kopf fragte, erklärte ihm der Tyrann, dass das Schwert die ständigen Gefahren versinnbildliche.
Die Geschichte geht auf eine Erzählung Ciceros zurück, der sie bei Diodorus Siculus gelesen haben mag. Er führt sie in seinen Tusculanischen Streitgesprächen unter den Beispielen glückseligen und unseligen Lebens auf:Marcus Tullius Cicero: Tusculanae disputationes (Tusculanische Streitgespräche), V.61-62Damoklesschwert (heme.at)
Weiter erzählt Cicero:
„Untergegangen sind schon der Mond und die Plejaden.“
Anfang eines Gedichts94 D. der Sappho von Lesbos, das im äolischen Dialekt folgendermaßen lautet: Δέδυκε μὲν ἀ σελάννα καὶ Πληΐαδες· μέσαι δὲ νύκτες· παρὰ δ’ ἔρχετ’ ὤρα. Ἔγω δὲ μόνα κατεύδω.
Und in der Übersetzung von Max Treu:Max Treu: Sappho. München (Heimeran) 1963³, S. 72. Nun ist schon der Mond versunken und auch die Plejaden. Mitte der Nacht, und die Zeit des Wartens vorüber. Alleine schlaf ich.
Das Versmaß ist der sonst bei Sappho nicht vorkommende Enhoplios oder Paroimiakos.
Das Gedicht ist durch in vier Gedanken gegliedert und wurde zunächst anonym überliefert. In der ersten gedruckten Lyriker-Ausgabe (1560) wurde es vom Herausgeber Henricus Stephanus der Dichterin Sappho zugewiesen. Die Autorenschaft der Sappho ist aber auch heute noch umstritten.
mini|hochkant|Michail Wrubel: Pan
„panische Furcht“
Dem Pan zugeschriebener unbegründeter plötzlicher Schrecken. Pan ist der Gott des Waldes und der Natur. Die Hirten verehrten ihn, fürchteten sich aber vor seinem Anblick. Die Mittagsstunde ist ihm heilig und er kann sehr ungehalten werden, wenn man ihn zu dieser Zeit stört. Er jagt dann z. B. ruhende Herdentiere durch den „panischen Schrecken“ zu jäher Massenflucht auf. Erschreckende nächtliche Laute, deren Ursprung den Leuten nicht klar war, wurden Pan zugeschrieben. Daher stammt auch der Begriff Panik.
Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Schriften, Band 7. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1972.
Der Dichter Pindar schreibt, dass man es selbst mutigen Männern nicht übelnehmen dürfe, wenn sie in einer solchen Erregung fliehen:Pindar: 9. Nemeische Ode, 27; vergleiche Digitalisat Pindar, Nemean, Nemean 9 (Perseus Project)
Weiter schreibt Erasmus:
Andere Bezeichnungen:
(: „Lärm“) (: „Verwirrung“) lateinisch: „“ (: „Vorfall“)
mini|Die Marsmonde Deimos und Phobos
„Furcht und Schrecken“
Deimos und Phobos sind Söhne und Begleiter des Kriegsgottes Ares . Furcht (Phobos) und Schrecken (Deimos) spornten in der griechischen Mythologie die eigenen Kämpfer an, während sie die Reihen der Feinde durcheinanderbrachten.
Deimos und Phobos sind auch die Namen der beiden Monde des Planeten Mars, dessen Namen sich vom römischen Äquivalent für den griechischen Ares herleitet. Sie sind vermutlich nicht zusammen mit dem Mars entstanden, sondern eingefangene Planetoiden und haben deshalb auch keine Kugelgestalt. Ihre Entdeckung durch den US-Amerikaner Asaph Hall im Jahr 1877 war eine wissenschaftliche Sensation. Den Namen schlug der Engländer Henry Madan vor.
Hätte Edward Holden noch einen dritten Marsmond entdeckt, hätte dieser vermutlich den Namen Enyo, , bekommen, der Personifikation des Kampfgetümmels.
„Zehn Worte“
Die Zehn Gebote, der so genannte Dekalog (vom hebräischen „zehn Worte“), sind eine Zusammenstellung von Grundregeln des menschlichen Verhaltens im Tanach, der Hebräischen Bibel. Der Dekalog richtet sich nur an freie erwachsene männlichen Israeliten, die gegenseitig ihre Freiheit und Lebensgrundlage respektieren sollen. Frauen, Sklaven, Kinder und Nichtisraeliten werden nicht angesprochen.
Die Zahl Zehn hängt vermutlich mit der Merkbarkeit zusammen, was durch die Abzählbarkeit an den Fingern erleichtert wurde. Sie sind in ihrer Kurzform und mit Illustrationen, die Lucas Cranach der Ältere für das Rathaus von Wittenberg anfertigte:
Bild Nr. Anmerkungen 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 1. Gebot 1 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.Das Judentum folgt der Tora und behandelt die Selbstvorstellung des israelitischen Gottes als eigenständiges erstes Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Sklavenhaus Ägypten geführt hat.“ Der Folgesatz geht unmittelbar daraus hervor. Das Bilderverbot dagegen wird als zweites Gebot gezählt. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 2. Gebot 2 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.Den Namen Gottes missbrauchen heißt, ihn in leichtfertiger, oder unaufrichtiger Absicht zu gebrauchen. Damit werden nicht Eide untersagt, sondern der Meineid. Es verbietet jede Manipulation mit dem Gottesnamen wie Zauberei, Fluch und falsche Prophetie. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 3. Gebot 3 Gedenke, dass du den Sabbat heiligst…Der siebte Tag ist ein Ruhetag, der Gott geweiht ist, der in sechs Tagen die Welt erschuf und am siebten Tag ruhte. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 4. Gebot 4 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.Die Einhaltung dieses Gebotes ist eine wichtige Voraussetzung für sozialen Frieden. Es richtet sich an Erwachsene, nicht an Kinder. Das Ehren der Eltern bedeutete, dass sie Kleidung und Nahrung bis zum Tod und ein würdiges Begräbnis erhielten. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 5. Gebot 5 Du sollst nicht töten.Dieses Gebot verbietet den Mord. Er bezieht sich nicht auf unbeabsichtigten und entschuldbaren Totschlag. Töten ist erlaubt beim Vollzug der Todesstrafe und im Krieg. Dieses Gebot war eine Lebenssicherung unter Nachbarn. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 6. Gebot 6 Du sollst nicht stehlen.Das Recht auf Privateigentum ist zu respektieren. Diebstahl wird bestraft. Besitz war Grundlage für die Freiheit. Wer seinen Besitz verlor, musste in die Sklaverei. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 7. Gebot 7 Du sollst nicht ehebrechen.Die Gedanken und Begierden sind Gott nicht verborgen und fallen unter sein Gesetz. Hier ging es um den Schutz der Ehe, die Legitimität der Nachkommenschaft und damit auch um die Altersversorgung. Im katholischen Katechismus heißt es: „Du sollst nicht Unkeuschheit treiben.“ 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 8. Gebot 8 Du sollst nicht Falsches gegen deinen Nächsten aussagen.Dieses Gebot untersagt falsches Zeugnis vor Gericht, schließt aber auch üble Nachrede ein. Es soll verhindern, dass ein falscher Zeuge vor Gericht jemanden um sein Leben, seinen Besitz oder seinen guten Ruf bringt. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 9. Gebot 9 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.Katholiken und Lutheraner unterscheiden innerhalb des Verbotes, fremden Besitz zu begehren, zwei Gebote: Das neunte Gebot ist bezogen auf das Haus des Nächsten. 80px|alt=Lucas Cranach der Ältere, Die Zehn Gebote: 10. Gebot 10 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib.Das zehnte Gebot ist bezogen auf den sonstigen Besitz, Frau, Diener, Vieh. Verboten sind alle Machenschaften, den Nächsten um seinen Besitz zu bringen.
Die Zahl der Einzelforderungen lässt sich auf verschiedene Weise mit der Zahl Zehn zur Deckung bringen und wird von Juden und christlichen Konfessionen unterschiedlich eingeteilt.
„delphische Sprüche“
Die Sprüche der Sieben Weisen in Delphi wiesen den Menschen zunächst in seine Sterblichkeit ein.
Nach dem Prolog des (Das Spiel der Sieben Weisen) des römischen Dichters Ausonius tritt ein , eine lustige Person auf, der die bekannten Sprüche aufzählt.
Delphis Solonem scripse fama est Atticum: , quod Latinum est: nosce te. multi hoc Laconis esse Chilonis putant. Spartane Chilon, sit tuum necne ambigunt, quod iuxta fertur: , finem intueri longae vitae qui iubes. multi hoc Solonem dixe Croeso existimant. et Pittacum dixisse fama est Lesbium: ; tempus ut noris iubet. sed iste tempestivum tempus est. Bias Prieneus dixit: , quod est Latinum: plures hominum sunt mali: sed inperitos scito, quos dixit malos. , Periandri id est Corinthii: meditationem posse totum qui putat. esse dicit Lindius Cleobulus; hoc est: optimus cunctis modus. Thales sed protulit. Spondere qui nos, noxa quia praes est, vetat. hoc nos monere faeneratis non placet. dixi, recedam, legifer venit Solon.In Delphi, heißt's, schrieb Solon von Athen , zu deutsch: erkenne dich. Doch manche meinen, dies sei Chilons Wort. Spartaner Chilon, auch wird drum gestritten, Ob dein der andre Spruch sei: , den man dir zuschreibt, da du Befiehlst, das Ende eines langen Lebens Erst abzuwarten. Viele meinen auch, Daß Solon dies zu Kroisos einst gesagt. Doch Pittakos von Lesbos, heißt es, habe Gesagt: und ermahnt: Erkenn die Zeit, — ist 'rechte Zeit'. Und Bias von Priene sprach: , das heißt auf Deutsch: die meisten Menschen Sind schlecht; — versteh', die Toren nennt er schlecht. — Und Periander aus Korinth: ; Bedacht, meint er, vermöge alles. lehrte Kleobulos Aus Lindas, — deutsch: das Beste ist das Maß. Und Thales sprach: ; Er warnt vor Bürgschaft, da sie Schaden bringt. Dem, der entleiht, mißfällt zwar diese Mahnung. Ich hab' gesprochen, trete ab; und Solon, Der die Gesetze gab, tritt auf.
(Übersetzung: Bruno Snell)Bruno Snell: Leben und Meinungen der Sieben Weisen. München: Heimeran Verlag, 1952
Der Philologe Bruno Snell weist darauf hin, dass man bei den Sieben Weisen vor allem an ihre Aussprüche dachte, deren älteste und am meisten anerkannte Verteilung die Folgende zu sein scheint:
Weiser Original Übersetzung Thales von Milet Erkenne dich selbst! Solon von Athen Nichts zu sehr! Chilon von Sparta Bürgschaft, — schon ist Unheil da. Pittakos von Mytilene Erkenne den passenden Augenblick! Bias von Priene Die Meisten sind schlecht. Kleobulos von Lindos Maß ist das Beste. Periander von Korinth Habe das Ganze im Sinn.
mini|„Ich erhoffe nichts …“
„Ich erhoffe nichts.“
Anfang der Grabinschrift des griechischen Dichters Nikos Kazantzakis in seinen eigenen Schriftzügen, die er selbst gewählt hat. Der ganze Text lautet: Δεν ελπίζω τίποτα. Δε φοβʊ́μαι τίποτα. Είμαι λέφτερος. Den elpízo típota.