mini|Die Altstadt von Berching vom Turm der Kirche St. Lorenz aus gesehen mini|Stadtmauer an der Uferpromenade
Berching (, ) ist eine bayerische Stadt im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz und eine Gemarkung.
Geografie Geografische Lage Berching liegt in der südwestlichen Oberpfalz, etwa 20 km südlich von Neumarkt in der Oberpfalz. Der Hauptort Berching befindet sich im Sulztal, in dem die Sulz von Nord nach Süd der Altmühl zufließt. Die Gemeindefläche erstreckt sich im Westen und Osten auf die Hochflächen der Fränkischen Alb. Seit 1992 verläuft der Main-Donau-Kanal von Westen kommend im Sulztal durch die Region und passiert dabei auch die Stadt Berching.
Geologie Der Weiße Jura (Malm) ist die bestimmende geologische Einheit im weiträumigen Gemeindegebiet von Berching. Formationen von Mergel-, Kalk- und Dolomitstein prägen das Hügelland. Daneben tritt Dogger (Brauner Jura) mit Eisensandstein-Formation in den Hanglagen entlang der Sulz an die Oberfläche. Die Auenbereiche entlang des Flusses weisen quartäre Talfüllungen auf.
Gemeindegliederung
Nachstehend die 46 Gemeindeteile mit Siedlungstyp und Einwohnerzahlen der Großgemeinde Berching:
GemeindeteilSiedlungstypEinwohner (06.07.2026)GemeindeteilSiedlungstypEinwohner (06.07.2026)AltmannsbergDorf79PollantenPfarrdorf901BerchingStadt3.351RaitenbuchKirchdorf190BiermühleEinöde2RappersdorfDorf373BreitenfurtEinöde11RitzermühleEinöde1ButzenbergAnstalt4RoßthalWeiler40DietersbergWeiler42RüblingDorf68EglasmühleKirchdorf115RudertshofenKirchdorf211EismannsbergWeiler32SchweigersdorfDorf162ErsasbachKirchdorf542SimbachKirchdorf31ErnersdorfKirchdorf92SollngriesbachKirchdorf517FribertshofenKirchdorf159StaudenhofEinöde6GrubachWeiler35StaufersbuchKirchdorf270GrubmühleEinöde6StierbaumDorf63GsöllnhofEinöde7ThannKirchdorf94HagenbergEinödeThannbrunnWeiler27HennenbergKirchdorf51WackersbergDorf73HermannsbergDorf87WallnsdorfKirchdorf190HolnsteinPfarrdorf377WattenbergWeiler40JettingsdorfDorf63WegscheidEinöde40MatzenhofWeiler8WeidenwangKirchdorf304NeuhausWeiler40WinterzhofenDorf156OeningPfarrdorf153WirbertshofenDorf60PlankstettenPfarrdorf901WolfersthalWeiler34 Rudersdorf zählt zum Gemeindeteil Holnstein.
Nachbargemeinden Im Süden wird die Gemeinde Berching von der Grenze zu Oberbayern und der Gemeinde Beilngries und im Westen von der Grenze zu Mittelfranken und der Stadt Greding flankiert.
Weitere Nachbargemeinden sind Mühlhausen, Freystadt, Deining, Seubersdorf, Breitenbrunn und Dietfurt.
Geschichte Älteste Zeugnisse Die ältesten Zeugnisse einer menschlichen Besiedelung der Region reichen bis in die Jungsteinzeit (5000 v. Chr.) zurück. Siedlungsreste aus der Urnenfelderzeit, Funde aus der Hallstatt- und Latènezeit, die spätkeltische Siedlung in Berching/Pollanten sowie ein ebenfalls in Pollanten aufgedecktes germanisches Gräberfeld aus dem 2. Jahrhundert nach Christus belegen darüber hinaus die Siedlungskontinuität in diesem Raum.
Erste Erwähnung Der Name deutet auf eine bajuwarische Gründung in der Zeit vom 6. bis 8. Jahrhundert hin. Urkundlich erwähnt wurde Berching als „Pirihinga“ erstmals in einer Urkunde von Kaiser Karl III. im Jahr 883.Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Oberbayern, Niederbayern, Oberpfalz. München 2006, Seite 36.
Noch vor 912 gelangte die Ansiedlung in den Besitz der Eichstätter Bischöfe. Unter deren Herrschaft entwickelte sich Berching bald zu einem bedeutenden Ämterzentrum. 1296 wurde Berching erstmals als „oppidum“ (befestigter Ort) bezeichnet und nur wenige Jahre später (1314) als „civitas“ (Stadt) genannt. Zu dieser Zeit existierte in Berching eine jüdische Gemeinde mit etwa 30 Mitgliedern, die am 27. Juli 1298 während des in Bayern tobenden Rintfleisch-Pogroms allesamt getötet wurden. Unter Bischof Wilhelm von Reichenau (1464–1496) wurden die Befestigungsanlagen erneuert und die Stadtmauer mit ihren 13 Türmen und 4 Toren in der vollständig erhaltenen Form ausgebaut.
Schon vor 1245 war dem Ort das Marktrecht verliehen worden. Wohltätige Stiftungen, die beiden großen Kirchen und zahlreiche imposante Bürgerhäuser zeugen vom Reichtum der Stadt. Namentlich die Familien Pettenkofer und Rumpf, im Weinhandel zu Wohlstand gelangt, waren im 17. und 18. Jahrhundert großzügige Mäzene ihrer Heimatstadt.
Während der Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt wurden mindestens zwei Frauen aus Berching als vermeintliche Hexen angeklagt und 1618 zum Tode verurteilt.
mini|Ehemaliger Bahnhof von Berching
Berching wird bayerisch Beinahe 900 Jahre hatte Berching unter der Herrschaft der Eichstätter Bischöfe gestanden, als 1802/03 nach den Napoleonischen Kriegen das Hochstift Eichstätt säkularisiert und die weltliche Herrschaft der Bischöfe beendet wurde. Nach einer kurzen Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Salzburg wurde Berching 1806 bayerisch. Mit der Übernahme der Verwaltung durch die bayerischen Behörden verlor Berching seine bisherige Stellung als wichtiges Verwaltungszentrum. Erst nach jahrelangen hartnäckigen Bemühungen konnten die Ratsherren 1822 einen regelmäßigen Viehmarkt und 1842 eine wöchentliche Getreideschranne nach Berching holen. Der Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals 1835 bis 1846 und der 1987 stillgelegten Lokalbahnstrecke Neumarkt – Berching – Beilngries (1888) brachten zwar wirtschaftliche Impulse, das gänzliche Fehlen von Behörden und Einrichtungen mit zentraler Funktion führte jedoch zu einer anhaltenden Stagnation in Berchings weiterer Entwicklung. 1902/03 wurde im Rachental das Stiftungskrankenhaus gebaut.
Am Ludwigskanal gab es eine Ladestelle (Anlände) für den Güterumschlag. 1950 wurde der Ludwigskanal wieder aufgelassen, jedoch sind die Lände und die drei im Gemeindegebiet liegenden Schleusen 23–25 als Baudenkmale erhalten geblieben.
Eingemeindungen In den 1970er Jahren wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform 19 Gemeinden nach Berching eingemeindet. Am 1. Januar 1972 waren das Oening, Raitenbuch, Wallnsdorf und Wattenberg. Am 1. Juli 1972 kamen Ernersdorf, Fribertshofen, Pollanten, Rudertshofen, Sollngriesbach, Staufersbuch, Stierbaum, Thann, Weidenwang und Winterzhofen hinzu. Am 1. Januar 1976 wurden Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Hermannsberg nach Berching umgegliedert. Die Reihe der Eingemeindungen wurde am 1. Mai 1978 mit der Eingliederung der bis dahin selbständigen Gemeinden Erasbach, Holnstein (mit dem am 1. Januar 1971 eingemeindeten Altmannsberg) und Plankstetten abgeschlossen.
Neuere Entwicklung mini|Landschaft bei Berching Von den seitherigen Entwicklungen sind insbesondere die Sanierung der Innenstadt, der Bau des Altenheimes St. Franziskus, der Umbau des ehemaligen Franziskanerklosters in ein Pfarr- und Jugendzentrum (Pettenkofer-Haus), die Sanierung des historischen Rathauses, der Bau der Europahalle, die Ausweisung neuer Baugebiete in nahezu allen Ortsteilen und die Erschließung eines Gewerbegebietes im Ortsteil Erasbach zu nennen. Weiterhin kamen das neue Ganzjahreserlebnisbad BERLE, die HELIOS-Klinik für geriatrische Rehabilitation und die Realschule Berching dazu.
Im März 2013 wurde Berching der Titel Citta Slow verliehen und die Stadt damit in die Internationale Vereinigung lebenswerter Städte aufgenommen.
Ortsname Gemäß den Forschungen der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften setzt sich der Ortsname aus dem bairisch-althochdeutschen Personennamen in der Koseform "pīrihho" (vgl. bair.-ahd. Kosename "Piricho") und dem althochdeutschen Suffix "ing" (-->Zugehörigkeit / im Nom. Pl. "-inga" oder im Dat. Pl. "-ingum, -ingun") zusammen, so dass sich die Namensbedeutung "(Siedlung) bei den Leuten des Pīrihho" oder "die Leute des Pīrihho" ergibt.
Einwohnerentwicklung und Gebäudezahlen Die Einwohner mit Hauptwohnsitz in der Stadt Berching mit allen Ortsteilen:
+Gebäude und Wohnungszahlen mit allen OrtsteilenBerichtsjahrWohngebäudeWohnungenWohnflächeFläche je Wohnung20132.4593.464422.754 m²122,0 m²20152.5083.614431.809 m²122,6 m²20202.6633.796469.480 m²123,7 m²20242.7424.009507.820 m²126,4 m² 1840–2007: 2010–2024:
Politik Stadtrat Der Stadtrat besteht aus dem Ersten Bürgermeister und 20 Mitgliedern. Seit der Kommunalwahl am 08. März werden die Mitglieder von folgenden Gruppierungen gestellt: CSU 8 Sitze Freie Wähler 5 Sitze Bürgerliste 5 Sitze Demokratisches Forum Berching 1 Sitz Die Linke 1 Sitz
Bürgermeister Berufsmäßiger Erster Bürgermeister ist Dietmar Zeller (Bürgerliste). Er ist seit 1. Mai 2026 im Amt und wurde im zweiten Wahlgang am 22. März 2026 mit einem Stimmenanteil von 72,2 % für sechs Jahre gewählt. Als Stellvertreter wurden am 19. Mai 2026 Christian Meissner (2. Bürgermeister) und Petra Merkert (3. Bürgermeisterin) gewählt.
Ehemalige Erste Bürgermeister 2008–2026: Ludwig Eisenreich 1996–2008: Rudolf Eineder 1988–1996: Albert Löhner
Wappen
Städtepartnerschaften Obernberg am Inn in Österreich ist seit 1973 Partnerstadt. Seit 13. Mai 1994 ist Savigny (Rhône) in Frankreich die Partnerstadt von Berching. Ursprung der Partnerschaft ist eine seit 1972 bestehende Freundschaft der beiden Pfarreien von Berching und Savigny. Seit dieser Zeit finden regelmäßige Austausche und Begegnungen von Jugendlichen und Erwachsenen aus beiden Gemeinden statt. Im August 2024 wurde das 30. Jubiläum der offiziellen Städtepartnerschaft in Savigny gefeiert. Gefördert wird die Städtepartnerschaft durch die Savigny-Freunde-Berching.Savigny-Freunde-Berching
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Die Stadt Berching nennt sich „Kleinod des Mittelalters“ und ist bekannt durch eine sehr gut erhaltene Altstadtmauer mit vier Stadttoren und dreizehn Türmen. Sehenswert sind der Chinesenturm, der Pulverturm und der Neumarkter Torturm im ältesten Teil, der sogenannten Vorstadt. Das Kloster Plankstetten im gleichnamigen Ort. Die dortige Abteikirche Mariä Himmelfahrt ist im romanischen Stil erbaut. Geburtshaus von Christoph Willibald Gluck im Ortsteil Erasbach. Jedoch ist umstritten, ob Gluck in Weidenwang oder Erasbach geboren ist. In beiden Orten befindet sich ein Geburtshaus. Historisches Rathaus. Der am Rathaus stehende Zunftbrunnen ist eine Hommage an die Leistungen, die ein aufblühendes, sich aus dem Bürgertum entwickeltes Handwerk in dieser Stadt vollbracht hat. Aufgebaut auf Traditionen, geschützt und gefördert von den weltlichen Herren, den Bischöfen von Eichstätt. Eine, das Handwerk repräsentierende Figur zeigt einen Kupferschmied mit einem Treibhammer in der Hand. Geschaffen wurde der Zunftbrunnen vom niederbayerischen Bildhauer Alfred Böschl (1949–2020)Alfred Böschl / online (Aufgerufen am 3. März 2023.) geschaffen, der von 2003 bis 2012 Vorsitzender des Kunst- und Gewerbeverein Regensburg war.Zunftbrunnen am Rathaus online (Aufgerufen am 3. März 2023.) Zehentstadel Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer „Alte“ Pfarrkirche St. Lorenz in der Vorstadt von Berching Wallfahrtskirche Maria Hilf am südlichen Stadtrand von Berching Die Stadt liegt am historischen Ludwig-Donau-Main-Kanal, der den Main mit der Donau verband. Einige Bauwerke sind in der Umgebung noch intakt und Teil des Radwegenetzes. In den Sommermonaten besteht die Möglichkeit, den Ludwig-Donau-Main-Kanal mit dem Treidelschiff Alma Viktoria wie vor 150 Jahren zu befahren. Das Museum Berching im Daumhaus aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts besteht seit 1979 und zeigt eine regionale Sammlung von Kunsthandwerk, Keramik, Handwerks- und Landwirtschaftsgeräten. Seit Dezember 2006 existiert eine moderne Multimedia-Ausstellung zu Leben und Werk des Komponisten und Opernreformators Christoph Willibald Gluck (Adresse: An der Johannesbrücke). Im Gemeindeteil Staufersbuch: Pfarrkirche St. Martin, Deckengemälde Glorie des heiligen Martin (um 1769) von Johann Michael Franz
Schutzgebiete Bei Pollanten befindet sich das etwa 24 ha große Naturschutzgebiet Albtrauf bei Pollanten.
Naturdenkmäler mini|Steinerne Rinne