mini|Theta

mini|Meerwasser bei der Insel Samos

„Meerwasser ist das reinste und scheußlichste: für Fische trinkbar und lebenserhaltend, für Menschen untrinkbar und tödlich.“

Aussage des Philosophen Heraklit zum salzigen Meerwasser, das für die Menschen ungenießbar ist, aber gleichzeitig für die Fische Lebensgrundlage ist.Ref. haer. IX. 10, vergleiche Digitalisat (Bibliothek der Kirchenväter; „S. 243“ ist ein offensichtlicher Fehler)Fragment DK 22, B 61, vergleiche , dort auch Übersetzung (Hermann Diels).

Für ein weiteres Gegensatzpaar Heraklits siehe folgende Feststellung: („Der Name für den Bogen ist Leben, sein Werk aber Tod.“)

„Meer und Feuer und Frauen, drei Übel.“ Lateinisch:

Dieser frauenfeindliche Spruch beschreibt die drei gefährlichsten Dinge im Leben und gibt die schlechten Erfahrungen eines Seefahrervolkes mit dem Meer wieder.

In diesem Zusammenhang kann man auch die folgenden Sprichwörter sehen: „Feuer, Wasser und Weiber sind gute Diener, aber schlechte Herren.“ Dazu passt vielleicht das albanische Sprichwort: „Feuer, Wasser und Regierungen kennen keine Gnade.“ „“ („“) „Der Zorn des Meeres und der Frau sind gleich.“

In seinem Buch Misogynie (Geschichte des Frauenhasses) datiert der irische Autor und BBC-Journalist Jack Holland den Ursprung des Frauenhasses auf das 8. Jahrhundert v. Chr. und nennt auch den östlichen Mittelmeerraum als Entstehungsort. In einer Rezension dazu heißt es:

In Hesiods Schöpfungsmythologie Theogonie bringt Pandora, das schöne Übel, Unheil über die bis dahin glücklich lebenden Männer. Pandora und die biblische Eva brachten aus Neugier Verderben über die Menschheit und wurden zur Rechtfertigung für Geringschätzung der Frauen genutzt.

Noch negativer ist das Diktum des Epigrammatikers Palladas von Alexandria, mit dem Prosper Mérimée seine Novelle über die junge Zigeunerin Carmen einleitet: („Jede Frau ist wie Galle; sie hat nur zwei gute Seiten: die eine im Bett, die andere im Tod.“)

mini|Route des Xenophon und der Zehntausend mini|, Xenophon und die anderen Griechen erblicken das Meer (Radierung von Hermann Vogel, etwa 1880)

„Das Meer, das Meer!“

Berühmter literarischer und historischer Topos für eine Rettung nach langer Mühsal aus Xenophons Anabasis.Xenophon, Anabasis 4,7,24 Xenophon beschreibt, wie das Heer auf dem beschwerlichen Rückweg an der letzten Hügelkette vor der Küste bei Trapezunt in den Ausruf „“ (attisches Griechisch) ausbrach und sich alle Soldaten freuten, endlich das Meer wieder zu sehen:

Heinrich Heine verfasste ein Gedicht mit dem Titel Meergruß, in dessen erster Strophe es heißt:Heinrich Heine: Buch der Lieder – Die Nordsee, Zweiter Zyklus – Meergruß (staff.uni-mainz.de) Thalatta! Thalatta! Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer! Sei mir gegrüßt zehntausendmal, Aus jauchzendem Herzen, Wie einst dich begrüßten Zehntausend Griechenherzen, Unglückbekämpfende, heimatverlangende, Weltberühmte Griechenherzen.

Reisende aus moderner Zeit bestätigen, dass man von jener Stelle aus tatsächlich das Meer sehen kann, allerdings keine Wasserfläche, wie in Heines Gedicht, sondern einen Dunststreifen in der Ferne.

„Thales war zuerst nach Ägypten gekommen und brachte diese Disziplin mit nach Hellas.“

Feststellung, dass der Philosoph und Mathematiker Thales zuerst eine Zeit in Ägypten verbrachte und von dort die neue Disziplin der Geometrie in Griechenland bekannt machte.Procl. in Eucl. 65,3

Aus Thales’ Leben wird seine Reise nach Ägypten überliefert, bei der er sich mit der Geometrie vertraut gemacht haben soll. Anschließend reiste er an den Hof des Lyderkönigs Sardes. Dort betrieb er Sternenkunde. Bekannt wurde er, da er für den 28. Mai des Jahres 585 v. Chr. erfolgreich eine Sonnenfinsternis voraussagte. Anhand von Thales wird deutlich, dass der Weg des Wissens über Ägypten und Babylon ins griechische Kleinasien und von dort nach Griechenland gelangte.

Berühmt ist die Legende, wie Thales die Höhe der Pyramiden von Gizeh gemessen haben soll: Er nahm einen Stab und verglich diesen mit der Länge seines Schattens. Bei gleichem Sonnenstand stand die Länge des Schattens der Pyramide zur Höhe der Pyramide im gleichen Verhältnis wie der Stab zu seinem Schatten (Anwendung des Strahlensatzes).

„Der Tod unterscheidet sich nicht vom Leben.“

Thales sah keinen Unterschied zwischen Tod und Leben.

„Fasst Mut! Ich sehe Land.“

Bemerkung des Kynikers Diogenes von Sinope,Diogenes Laertios 6,38 als er einem langweiligen Vortrag zuhören musste und entdeckte, dass nur noch eine halbe Seite Text auf der Schriftrolle des Vortragenden zu sehen war. Das weckte in ihm die Hoffnung, dass der Vortrag nicht mehr lange dauern konnte.

mini|Schildrabe (Corvus albus)

„Eher finden die Raben sich weiß, Schildkröten geflügelt.“ Lateinisch:

Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Schriften, Band 7. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1972.

Erasmus ist der Ansicht, dass dieser Ausdruck auf Individualisten zutrifft, die sich nicht in den Rahmen der allgemeinen Anschauungen einfügen wollen.

Im Deutschen bezeichnet die idiomatische Wendung „weißer Rabe“ weniger einen seltenen Albino, sondern ist eine Bezeichnung für etwas, das sich durch seine Seltenheit auszeichnet. In diesem Sinne verwendete es bereits der römische Dichter Juvenal:

Ein weißer Rabe ist aber auch ein Mensch, der eine abweichende Meinung vertritt.

Dessen ungeachtet trägt der afrikanische Schildrabe den wissenschaftlichen Namen Corvus albus („Weißer Rabe“), er ist aber nicht völlig weiß, sondern hat eine elsterähnliche Zeichnung.

mini|Leonardo da Vinci: Das Abendmahl

„Göttliche Danksagung“

Griechische Bezeichnung für das Abendmahl, eine Handlung im Rahmen eines christlichen Gottesdienstes, die an das Sterben Jesu Christi erinnert. Das letzte Mahl Jesu und die urchristliche Mahlgemeinschaft werden im Neuen Testament in verschiedenen Fassungen dargestellt und verschieden bezeichnet: Die Orthodoxe, die Römisch-Katholische und die Anglikanische Kirche nennen es im Anschluss an den 1. Brief des Paulus an die Korinther (1 Kor ) Eucharistie. Die Evangelische Kirchen sprechen vom Abendmahl im Anschluss an („am Abend kam er mit den Zwölfen“) und („in der Nacht, da er verraten wurde“). Manche Freikirchen nennen es im Anschluss an die Apostelgeschichte () Brotbrechen und betonen den urchristlichen Rahmen einer Agapefeier.

Das Wort Eucharistie ist übrigens verwandt mit dem neugriechischen Wort für „danke“, .

„Freiheit braucht Tugend und Mut.“

Dieser in Großbuchstaben auf der Flagge von Zakynthos, der südlichsten der Ionischen Inseln, stehende Wahlspruch stammt von dem Dichter Dionysios Solomos, der auf der Insel lebte und 1823 das Gedicht Hymne an die Freiheit verfasste, das zur griechischen Nationalhymne wurde. Der Spruch ähnelt einem dem antiken Staatsmanns und Feldherrn Perikles zugeschriebenen Zitat:

Die auf der Flagge abgebildete sitzende Figur ist Zakynthos (), der mythische erste Bewohner der Insel, ein Sohn des Dardanos und Enkel des Zeus.

„Die Götter pflanzten die Vernunft dem Menschen ein als höchstes aller Güter.“

Zitat aus der Tragödie Antigone des Dichters Sophokles.Sophokles: Antigone, 683f. Haimon, der Verlobte Antigones und Sohn des Königs Kreon, versucht seinen Vater davon zu überzeugen, dass Antigones Handeln der Vernunft und dem Götterrecht entspricht.

Doch König Kreon, der ein selbstherrliches Regierungssystem ohne Kritikfähigkeit vertritt, will einen Präzedenzfall vermeiden. Antigone hat mit ihrem Verstoß gegen die verbotene Bestattung ihres Bruders Polyneikes ihre Strafe verdient, denn das größte Übel ist die Anarchie.

Haimon möchte die Richtigkeit von Kreons Worten nicht in Frage stellen, dennoch sagt er, es gäbe auch noch weitere Lösungen. Er verweist darauf, dass das Volk nicht mehr hinter ihm steht, sich nur nicht wagt, dies offen auszusprechen. Er bezeichnet Antigone als „die Unschuldigste aller Frauen“ und was Kreon als Gesetzesbruch bestrafen will, als „schönste Tat“, die einer „goldnen Ehrengabe“ wert sei.

mini|Atlas und Prometheus büßen ihre von Zeus auferlegten Strafen ab (schwarzfigurige Vase, ca. 550 v. Chr.)

„Mir grollt wohl einer der Götter.“ Lateinisch:

Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia erläuternd zu diesem Zitat aus dem 5. Gesang der Ilias:

In der Antike wurde der Groll der Götter gegen große Personen und Familien gerne auf der Bühne vorgeführt.

Ein Verteidiger gegen den Groll der Götter ist Prometheus, der Freund und Kulturstifter der Menschheit. Zeus ließ Prometheus fangen und in den Kaukasus schleppen, wo er ihn an einen Felsen über einem Abgrund fesselte und den Adler Aithon von seiner Leber fressen lässt.

Johann Wolfgang von Goethe greift dieses Thema in seinem Hymnus Prometheus auf. Gleich vom ersten Vers an redet Prometheus Zeus mit einem rebellisch klingenden „Du“ an: Bedecke deinen Himmel, Zeus, Mit Wolkendunst, Und übe, dem Knaben gleich, Der Disteln köpft, An Eichen dich und Bergeshöhn;

mini|Fra Angelico: Der Englische Gruß, 1433–34

„Gottesgebärerin und Jungfrau, freue dich.“

Anfang des Ave Maria in der Ostkirche, das in der Westkirche in der lateinischen Form „“ („Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade.“) bekannt ist.

Den ersten Teil des Gebets bilden die Marienanreden des Erzengels Gabriel bei der Verkündigung sowie Elisabeths beim Besuch Marias. Der zweite Teil ist eine im 13. Jahrhundert hinzugefügte Bitte, die den Beistand in der Todesstunde zum Inhalt hat.

Das Ave Maria gehört nach dem Vaterunser zu den meistgesprochenen Gebeten der Christenheit und ist mit diesem Bestandteil des Rosenkranz-Gebetes.

„Gottesgebärerin“

Der Titel Gottesgebärerin (), deutsch auch Muttergottes (), ist ein Ehrentitel für Maria, die Mutter Jesu Christi. Er beinhaltet die christliche Glaubensüberzeugung, dass der als Sohn Gottes verehrte Jesus von Nazaret zugleich wahrer Gott und wahrer Mensch war.

„Sommer, Herbst, Krieg.“

Altgriechisches Sprichwort, das sich auf die Kriegsführung der Spartaner bezog.

„Das liegt im Schoß der Götter.“

Zitat aus der IliasHomer, Ilias 17,514; 20,435 und der OdysseeOdyssee, 1,267; 1,400; 16,129. Homer will damit ausdrücken, dass nur die Götter wissen, wie das Schicksal eines Menschen aussieht. In der Odyssee heißt es zum Beispiel:Homer: Odyssee 1. Gesang (deutsche Übersetzung v. J. H. Voß), Navicula Bacchi (Egon Gottwein) Wenn doch in jener Gestalt Odysseus den Freiern erschiene! Bald wär' ihr Leben gekürzt, und ihnen die Heirat verbittert! Aber dieses ruhet im Schoße der seligen Götter, Ob er zur Heimat kehrt, und einst in diesem Palaste Rache vergilt, oder nicht.

(„Im Schoß der Götter“) ist ein Song Freddie Mercurys, ein Beispiel für dessen charakteristischen, hohen Gesang.

mini|hochkant|Römischer Grabaltar mit der Darstellung des Mythos von Kleobis und Biton

„Für die Sterblichen ist nicht geboren zu werden das Beste.“

Es handelt sich dabei um eine Feststellung des Chorlyrikers Bakchylides, der die Daseinsverachtung des Theognis von Megara aufgreift (Übersetzung: Gerhard Fink):Gerhard Fink: Die griechische Sprache Von allem (ist) nicht geboren zu werden für die Erdbewohner am besten und nicht zu erblicken die Strahlen der hellen Sonne, Geboren aber möglichst schnell die Pforten des Hades zu erreichen und (im Grab) zu liegen, (nachdem man) viel Erde auf sich gehäuft (hat).

Der Geschichtenschreiber Herodot erzählt die inhaltlich ähnliche Geschichte von dem Brüderpaar Kleobis und Biton, den Söhnen einer Herapriesterin, die – weil die Stiere gerade auf der Weide waren – selbst den schweren Kultwagen der Mutter zum Tempel zogen. Stolz auf ihre Söhne, bat die Priesterin die Göttin Hera, den jungen Männern das zu gewähren, was für die Menschen das Beste sei. Die beiden legten sich im Tempel schlafen und erwachten nicht wieder. Dazu heißt es von Gerhard Fink: