Leichtathletik bei denXXVI. Olympischen Spielen zentriert|80px|alt=|Olympische Ringe 80px|alt=|Leichtathletik Informationen Datum: 26. Juli bis 4. August Wettkampfort: Austragungsort: Centennial Olympic Stadium Entscheidungen: Männer: 24/Frauen: 20Official Report of the Centennial Olympic Games, v.3 The Competition Results, Resultate Leichtathletik: S. 67–108, englisch/französisch (PDF, 27.555 KB), abgerufen am 19. Januar 2022 ← Barcelona 1992 Sydney 2000 → 125px|alt=|Logo Olympische Spiele 1996Medaillenspiegel Leichtathletik Platz Mannschaft 16px|alt=|Goldmedaillen 16px|alt=|Silbermedaillen 16px|alt=|Bronzemedaillen Total 1 13 5 5 23 2 3 6 1 10 3 3 1 3 7 4 3 – 1 4 5 2 – 1 3 6 2 – – 2 7 1 4 3 8 8 1 3 2 6 9 1 2 1 4 10 1 1 2 4 11 1 1 – 2 1 1 – 2 13 1 – 3 4 14 1 – 2 3 15 1 – 1 2 1 – 1 2 17 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 25 – 4 2 6 26 – 2 3 5 27 – 2 2 4 28 – 2 – 2 – 2 – 2 30 – 1 1 2 31 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 – 1 38 – – 2 2 – – 2 2 40 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1 – – 1 1
Bei den XXVI. Olympischen Spielen 1996 in Atlanta fanden 44 Wettkämpfe in der Leichtathletik statt, 24 davon für Männer und 20 für Frauen.
Teilnehmer Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab es bei diesen Spielen anders als vier Jahre zuvor noch in Barcelona kein Vereintes Team ehemaliger Staaten der früheren Sowjetunion mehr. Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen waren bereits bei den letzten Spielen als eigenständige Nationen aufgetreten. Nun starteten auch die anderen Staaten, die vorher Teil der UdSSR gewesen waren, mit jeweils eigener Flagge und eigener Bezeichnung.
Sicherheit Das olympische Dorf und die Wettkampforte glichen Hochsicherheitstrakten. Überall waren Wachmänner, Polizisten und Sicherheitsleute präsent, ein drei Meter hoher Zaun umgab das olympische Dorf. Ganz im Gegensatz dazu war der Centennial Park als Begegnungsstätte gedacht, zu der jeder ohne Einschränkungen freien Zugang haben sollte. Niemand konnte ahnen, dass es dort am 27. Juli zu einem Anschlag mittels einer mit Nägeln bestückten Rohrbombe kommen sollte, die den Tod zweier Menschen und mehr als einhundert teilweise schwer Verletzter zur Folge hatte. Dieser Drahtseilakt zwischen Offenheit und Fröhlichkeit einerseits und der notwendigen Vorkehrungen von Sicherheit ist ein Dilemma, in dem sämtliche Großveranstaltungen standen und bis heute stehen.Gerd Rubenbauer (Hrsg.), Olympische Sommerspiele Atlanta 1996 mit Berichten von Britta Kruse, Johannes Ebert, Andreas Schmidt und Ernst Christian Schütt, Kommentare: Gerd Rubenbauer und Hans Schwarz, Chronik Verlag im Bertelsmann Verlag, Gütersloh / München 1996, S. 8
Stadion mini|hochkant=1.9| Das Centennial Olympic Stadium wurde mit Baubeginn im Jahre 1993 für die Olympischen Spiele in Atlanta mit einem Fassungsvermögen für 85.000 Zuschauer neu erstellt. Allerdings war von vornherein vorgesehen, die Sportanlage nach den Spielen als Stadion für Baseballveranstaltungen zu nutzen und wurde entsprechend erbaut. Nach Beendigung der Spiele und der Paralympics 1996 entfernte man die Leichtathletikwettkampfstätten und baute das Stadion für den von Beginn an vorgesehenen Zweck um.Former Centennial Olympic Stadium Bought, aroundtherings.com, englisch, abgerufen am 19. Januar 2022
Die Laufbahn bot einerseits ausgezeichnete Voraussetzungen für hervorragende Zeiten bei den Sprints und kürzeren Strecken, hatte andererseits Nachteile für die Langstrecken, weil sie sehr hart war. Das hatte negative Auswirkungen auf Sehnen und Gelenke. So musste der 10.000-Meter-Olympiasieger Haile Gebrselassie auf die Teilnahme am 5000-Meter-Wettbewerb verzichten, weil er sich aufgrund der Bahnhärte im 10.000-Meter-Lauf die Füße wundgelaufen hatte.
Wettbewerbe Im Wettbewerbsangebot gab es eine Erweiterung für die Frauen, neu ins olympische Programm wurde der Dreisprung aufgenommen. Außerdem betrug die Distanz der kürzeren Langstrecke nicht mehr 3000, sondern wie bei den Männern 5000 Meter.
Das Angebot für Frauen näherte sich damit dem für Männer immer weiter an. Im Bereich Laufen fehlte nur noch der 3000-Meter-Hindernislauf, der allerdings noch bis einschließlich 2004 den Männern vorbehalten bleiben sollte. Weitere Ergänzungen für die Zukunft in den Frauendisziplinen standen noch an im Bereich der Sprünge – 2000 kam der Stabhochsprung hinzu – und im Bereich Wurf – ebenfalls 2000 wurde der Hammerwurf ergänzt. Im Gehen stand 2004 die Veränderung der 10-km- in die 20-km-Distanz an.
Doping Offiziell gab es fünf Dopingfälle in der Leichtathletik bei diesen Spielen. Dean Capobianco, Australien – 200-Meter-Lauf (zunächst Vierter in seinem Vorlauf und Siebter in seinem Viertelfinalrennen)"Bad steak" doping defence is rejected. In: The Irish Times 16. März 1997 (englisch), irishtimes.com, abgerufen am 19. Januar 2022 Mary Slaney, USA – 5000-Meter-Lauf (zunächst Siebte ihres Vorlaufs)Mary Decker-Slaney: Medaille aberkannt. In: Der Spiegel 26. April 1999, spiegel.de abgerufen am 19. Januar 2022 Natalja Schechodanowa, Russland – 100-Meter-Hürdenlauf (zunächst Siebte). In ihrer Probe wurde das anabole Steroid Stanozolol nachgewiesen.Olympia: Die Dopingfälle bei Sommerspielen, Atlanta 1996, RP Online, abgerufen am 19. Januar 2022 Antonella Bevilacqua, Italien – Hochsprung (zunächst Vierte). Vor den Spielen von Atlanta hatte man bei ihr Ephedrin und Pseudoephedrin in Dopingproben festgestellt. Bevilacqua hatte daraufhin chinesische Schlankheitspillen verantwortlich gemacht. Der italienische Verband erteilte ihr eine Starterlaubnis für die Olympischen Spiele. In einem Sportgerichtsverfahren der IAAF wurde ihr die Erlaubnis nachträglich entzogen und ihre Resultate wurden gestrichen.Antonella Bevilacqua, FreeJournal 16. Mai 2020 (englisch), freejournal.info, abgerufen am 19. Januar 2022 Iwa Prandschewa, Bulgarien – Weitsprung (zunächst Siebte) und Dreisprung (zunächst Vierte). Sie wurde des Dopings mit Metandienon überführt und disqualifiziert. Noch vor den folgenden Spielen von Sydney wurde sie nach einer weiteren positiven Dopingprobe als Wiederholungstäterin lebenslang gesperrt.
Die ursprünglich gegen vier russische und einen litauischen Athleten ausgesprochene Dopingstrafen wurden anschließend durch den Internationalen Sportgerichtshof CAS wieder aufgehoben.
Außerdem gab es eine Dopingkontroverse um die US-Athletin Sandra Farmer-Patrick. Sie war bei den US-Olympiaausscheidungen im Juni 1996 der Einnahme von Testosteron überführt worden. Trotz des Resultates wurde sie zu den Olympischen Spielen in Atlanta zugelassen. Erst elf Monate nach dem Dopingnachweis wurde sie für vier Jahre gesperrt. Die Verzögerung zwischen Nachweis und Urteil erfolgte auf Grund der Handlungsunfähigkeit des Weltleichtathletikverbandes IAAF. Da die Mitgliedsverbände autonom waren, konnte die IAAF nicht entsprechend eingreifen. Somit wurde die Sperre für Farmer-Patrick erst im Mai 1997 gültig.
Allerdings wäre es naiv, davon auszugehen, dass die Dopingproblematik sich damit erledigt hätte für die Spiele in Atlanta. Die Kontrollsysteme waren wenig ausgereift, wenig systematisch und wurden von Staat zu Staat unterschiedlich gehandhabt. Auf dem Schwarzmarkt waren Unmengen verbotener Mittel auf einfachsten Wegen zu haben. Die Undurchsichtigkeit dieser Problematik, fehlende juristische Möglichkeiten sorgen für sehr realistisches und angebrachtes Misstrauen, ohne dass hier ein Generalverdacht gegen einzelne Athleten ohne Nachweise ausgesprochen werden kann.Doping. „Eine blöde Situation“. In: Der Spiegel 8. Juli 1996, H. 28/1996, abgerufen am 19. Januar 2022
Sportliche Erfolge Das Leistungsniveau bei diesen Olympischen Spielen war wie so oft zu Zeiten solcher Höhepunkte für die Sportler hoch. Eine Rekordflut, wie in der Vergangenheit bei solchen Veranstaltungen immer wieder erlebt, gab es allerdings nicht. In zwei Disziplinen wurden zwei Weltrekorde aufgestellt, darüber hinaus eine Weltbestleistung in einer Disziplin. In zwei neu ins Programm aufgenommenen Wettbewerben wurde der olympische Rekord jeweils neu aufgestellt und anschließend zweimal bzw. dreimal gesteigert. In weiteren zwölf Disziplinen wurde der Olympiarekord siebzehn Mal egalisiert oder verbessert. Weltrekorde im Einzelnen: 100-Meter-Lauf, Männer: 9,84 s – Donovan Bailey (Kanada), Finale bei einem Rückenwind von 0,7 m/s 200-Meter-Lauf, Männer: 19,32 s – Michael Johnson (USA), Finale bei einem Rückenwind von 0,4 m/s Weltbestleistung: 10-km-Gehen, Frauen: 41:49 min – Jelena Nikolajewa (Russland) Olympische Rekorde im Einzelnen: 400-Meter-Lauf, Männer: 43,49 s – Michael Johnson (USA), Finale 800-Meter-Lauf, Männer: 1:42,58 min – Vebjørn Rodal (Norwegen), Finale 10.000-Meter-Lauf, Männer: 27:07,34 min – Haile Gebrselassie (Äthiopien), Finale 110-Meter-Hürdenlauf, Männer: 12,95 s – Allen Johnson (USA), Finale bei einem Rückenwind von 0,6 m/s Hochsprung, Männer: 2,39 m – Charles Austin (USA), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,92 m – Igor Trandenkow (Russland), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,92 m (egalisiert) – Jean Galfione (Frankreich), Finale Stabhochsprung, Männer: 5,92 m (egalisiert) – Andrei Tivontschik (Deutschland), Finale Dreisprung, Männer: 17,99 m – Kenny Harrison (USA), Finale bei einem Gegenwind von 0,1 m/s Dreisprung, Männer: 18,09 m – Kenny Harrison (USA), Finale bei einem Gegenwind von 0,4 m/s Diskuswurf, Männer: 69,40 m – Lars Riedel (Deutschland), Finale 400-Meter-Lauf, Frauen: 48,25 s – Marie-José Pérec (Frankreich), Finale 5000-Meter-Lauf, Frauen: 15:15,80 min (erster OR) – Sonia O’Sullivan (Irland), Vorlauf 5000-Meter-Lauf, Frauen: 15:07,01 min – Pauline Konga (Kenia), Vorlauf 5000-Meter-Lauf, Frauen: 14:59,88 min – Wang Junxia (Volksrepublik China), Finale 10.000-Meter-Lauf, Frauen: 31:01,63 min – Fernanda Ribeiro (Portugal), Finale 400-Meter-Hürdenlauf, Frauen: 52,82 s – Deon Hemmings (Jamaika), Finale Hochsprung, Frauen: 2,03 m (egalisiert) – Stefka Kostadinowa (Bulgarien), Finale Hochsprung, Frauen: 2,03 m (egalisiert) – Niki Bakogianni (Griechenland), Finale Hochsprung, Frauen: 2,05 m – Stefka Kostadinowa (Bulgarien), Finale Dreisprung, Frauen: 14,75 m (erster OR) – Inna Lassowskaja (Russland), Qualifikation Dreisprung, Frauen: 14,98 m – Inna Lassowskaja (Russland), Finale Dreisprung, Frauen: 14,98 m (egalisiert) – Šárka Kašpárková, Tschechien, Finale Dreisprung, Frauen: 15,33 m – Inessa Krawez (Ukraine), Finale
Weitaus erfolgreichste Nation war mit dreizehn Leichtathletikolympiasiegen und 23 Medaillen insgesamt wieder einmal die USA. Keine andere Nation konnte da – wie früher teilweise die Sowjetunion oder die DDR – auch nur annähernd mithalten. Die Leichtathleten aus Russland stellten drei Olympiasieger und gewannen insgesamt zehn Medaillen. Ebenfalls jeweils drei Goldmedaillen errangen die Athleten aus Deutschland (sieben Medaillen in der Summe) und Frankreich (vier Medaillen insgesamt). Zwei weitere Nationen konnten je zwei Goldmedaillen für sich verbuchen, dies waren Äthiopien mit drei Medaillen in der Summe, und Kanada – ohne weiteren Medaillen. Für alle anderen Nationen gab es in der Leichtathletik höchstens eine Goldmedaille.
Bei den einzelnen Sportlern sind besonders folgende Leistungen zu nennen. Folgende Athleten errangen jeweils zwei Goldmedaillen bei diesen Spielen: Michael Johnson (USA) – 200-Meter- und 400-Meter-Lauf. Dabei verbesserte er über 200 Meter seinen eigenen Weltrekord um mehr als drei Zehntelsekunden und stellte über 400 Meter einen neuen olympischen Rekord auf. Es war bei den Männern der erste Doppelerfolg über diese beiden Distanzen. Marie-José Pérec (Frankreich) – 200-Meter- und 400-Meter-Lauf. Über 400 Meter verbesserte sie den olympischen Rekord um vier Zehntelsekunden. Die Französin war nach der US-Amerikanerin Valerie Brisco-Hooks 1984 die zweite Athletin, der es gelang, diese beiden Strecken zu gewinnen.