Hayingen (schwäbisch Hoigna) ist eine Stadt im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Hayingen ist mit einem Großteil seiner Gemarkung (95,4 %) Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und ein staatlich anerkannter Luftkurort.
Geografie Lage Hayingen liegt auf der Schwäbischen Alb.
Die höchste Erhebung liegt bei Ehestetten im Norden der Gemarkung: Horn (802 m).
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Hayingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Reutlingen bzw. zum Alb-Donau-Kreis¹
Münsingen, Ehingen¹, Emeringen¹, Zwiefalten, Pfronstetten und Hohenstein.
Stadtgliederung Zu Hayingen mit den Stadtteilen Anhausen, Ehestetten, Indelhausen, Münzdorf und Oberwilzingen gehören außer der Kernstadt Hayingen 12 weitere Dörfer, Weiler und Höfe.
Siehe auch: Liste der Orte im Landkreis Reutlingen mini|500px|Panorama von Süden mini|Stadtmitte Hayingen von Süden Im Stadtgebiet liegen mehrere abgegangene, heute nicht mehr bestehende Siedlungen: die 1208 als Altmanshusen und 1217 als Altmannishusin erwähnte Siedlung Altmannshausen. Altmannshausen war in Besitz des Klosters Salem und wurde 1329 an die Stadion verkauft. 1437 war der Ort unbewohnt; das 817 als Polstetin und 1208 als Bolstetin erwähnte Bolstetten ging in Altmannshausen auf, ebenso das 1268 als Horne/Uffenhorn aufgeführte Horn, das zu dieser Zeit im Besitz des Klosters Salem war. Ebenfalls in Besitz des Klosters Salem befanden sich der 1208 als Wilervelt erwähnte Weilerfeld und das 1282 als oppidum Wineden erwähnte Winden (alle im Stadtteil Anhausen); die beiden Orte Ettenheim und das 1364 als Pflumersbuch erwähnte Pflummersbuch im Stadtteil Ehestetten; das nach 1329 abgegangene Gehöft Baldenstein, der Ort Bühlenfingen und die um 1100 erwähnten Siedlungen Leimgrube (als loco Leimgrube), Maisinhart (als Maisinhart), Schlechtenbuch (als Slehtinbuch), Wildsberg (als Wildisberc), das 1523 erstmals genannte Steinhausen (Stünhuser Feld) und der 1208 als Vainhusen genannte Ort Vainhausen. Vainhausen befand sich im Besitz des Klosters Heiligkreuztal, später im Besitz des Klosters Zwiefalten und ist im 15. Jahrhundert abgegangen (alle im Stadtteil Hayingen).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 93–96.
Nördlich von Münzdorf befinden sich die Reste der Gipfelburg Burg Weiler.
Klima Hayingen ist seit 1986 ein Luftkurort auf der Schwäbischen Alb.
Schutzgebiete
Nordwestlich der Stadt liegt das Naturschutzgebiet Digelfeld mit einer Fläche von etwa 111 Hektar. Es ist gleichzeitig Bestandteil des FFH-Gebiets Glastal, Großer Buchwald und Tautschbuch und des Vogelschutzgebiets Täler der Mittleren Flächenalb. Im Osten des Stadtgebiets hat Hayingen Anteil am Landschaftsschutzgebiet Großes Lautertal, das teilweise auch zum FFH-Gebiet Großes Lautertal und Landgericht gehört. Weitere Landschaftsschutzgebiete auf dem Stadtgebiet sind die Öde „Runder Burren“, die Öde in der Wanne, die Öde am Gleißenberg, das Glastal und die Sommerschafweiden auf Hohengreutter, auf Hochhalde, auf Hilbertswiese, am Krähenberg, auf Stallbuch, auf Sandberg, Silberberg und vor dem Brömes, in Buchhausen, hinter der Halde und auf Maiersberg.
Hayingen gehört überdies, bis auf einige Flächen um Oberwilzingen, zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|hochkant=0.7|Mittagsrast 1940 in Hayingen Frühe Geschichte Hayingen wurde anlässlich eines Gütertauschs im Jahr 785 erstmals mit Heinger marca (Gemarkung Hayingen) im Lorscher Codex erwähnt. Um 854 war der Ort Teil der Swerzenhuntare. Der Ritter Swigger von Gundelfingen gründete wahrscheinlich 1276 die Stadt. Aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses kam Hayingen im Rahmen der Mediatisierung vom Fürstentum Fürstenberg zum Königreich Württemberg.
Verwaltungszugehörigkeit Die Stadt gehörte zum Oberamt Münsingen. Bei den Verwaltungsreformen während der NS-Zeit in Württemberg wurde 1934 das Oberamt in Kreis Münsingen umbenannt und 1938 zum Landkreis Münsingen umgeformt. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Stadt Hayingen in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. Nach der Auflösung des Landkreises Münsingen im Rahmen der Kreisreform wurde Hayingen 1973 dem Landkreis Reutlingen zugeschlagen.
Eingemeindungen Die Eingemeindung der Stadtteile Anhausen, Ehestetten, Indelhausen und Münzdorf in die Stadt Hayingen erfolgte im Jahre 1975.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands Bd. 6, Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 276). 2. verbesserte und erweiterte Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 297.
Einwohnerentwicklung Die Zahlen der ersten Tabelle entsprechen der tatsächlichen Einwohnerzahl der Stadt Hayingen nach ihrem alten Gebietsstand ohne die Eingemeindungen der 1970er Jahre:Einwohner von Hayingen nach altem Gebietsstand bei Leo BW, abgerufen am 11. April 2021.
Jahr Einwohner 1852 792 1871 793 1880 834 1890 734 1900 712 1910 678 Jahr Einwohner 1925 614 1933 608 1939 580 1950 672 1956 758 1961 860 1970 1.140
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes (nur Hauptwohnsitze). Die nachfolgenden Zahlen von 1970 und davor geben die Einwohnerzahl nun jedoch nach heutigem Gebietsstand (inklusive sämtlichen Eingemeindungen der 1970er Jahre) an und entsprechen deshalb nicht der jeweils tatsächlichen Einwohnerzahl der damaligen Stadt Hayingen, die nach altem Gebietsstand jeweils deutlich niedriger war.
Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 1.806 1. Dezember 1900 ¹ 1.600 1. Dezember 1925 ¹ 1.519 17. Mai 1939 ¹ 1.380 13. September 1950 ¹ 1.656 6. Juni 1961 ¹ 1.849 27. Mai 1970 ¹ 2.114 Jahr Einwohner 25. Mai 1987 ¹ 2.034 31. Dezember 1990 2.125 31. Dezember 1995 2.164 31. Dezember 2000 2.149 31. Dezember 2005 2.224 31. Dezember 2010 2.127 31. Dezember 2015 2.206 31. Dezember 2020 2.196
Religionen Aufgrund der Zugehörigkeit der Stadt zu den Fürstenberger Besitzungen blieb Hayingen auch nach der Reformation katholisch. Noch heute gibt es vier römisch-katholische Kirchen, die zum Dekanat Reutlingen-Zwiefalten gehören.
Nach dem Übergang an Württemberg zogen seit dem 19. Jahrhundert auch evangelische Bewohner zu. 1884 wurde in Hayingen eine Filialgemeinde von Zwiefalten gegründet, deren Gottesdienste zunächst in einem Betsaal im alten Fruchtkasten am Karlsplatz stattfanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Gemeinde stark an. Die evangelischen Bewohner des Hayinger Stadtteils Ehestetten gehörten bis 1983 zur Kirchengemeinde Dapfen. Mit Wirkung vom 1. Dezember 1983 wurden sie in die Kirchengemeinde Hayingen umgegliedert. Die heutige evangelische Kirchengemeinde HayingenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Hayingen. umfasst somit die Stadt Hayingen und den Hayinger Ortsteil Ehestetten. Sie ist mit der evangelischen Kirchengemeinde ZwiefaltenWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Zwiefalten. zusammengeschlossen zur Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Zwiefalten-Hayingen.
Politik
Gemeinderat mini|Rathaus in Hayingen In Hayingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Hayingen besteht aus den gewählten 12 ehrenamtlichen Gemeinderäten (2019:13) und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem vorläufigen EndergebnisWahlinformationen auf komm.one.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wählervereinigung 41,67 5 35,31 5 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 35,14 4 31,36 4 BL Bürgerliste 23,19 3 33,33 4Gesamt 100 12 100 13Wahlbeteiligung 78,07 % 78,93 %
Bürgermeister Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. 1953–1975: Paul BurgerGemeindewahlausschuß: Bekanntgabe des Wahlergebnisses vom 26.04.1953. 1975–2015: Robert Riehle swp.de, abgerufen am 14. Mai 2015. 2015–2022: Kevin DornerBürgermeisterwahl Hayingen gea.de, abgerufen am 9. März 2015. seit 2022: Ulrike Holzbrecher
Ulrike Holzbrecher amtiert seit 2022 als Bürgermeisterin von Hayingen. Sie wurde am 6. März 2022 im ersten Wahlgang mit 70,5 Prozent der Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Ihr Vorgänger Kevin Dorner legte sein Amt frühzeitig zum 1. April 2022 nieder.Kevin Dorner kündigt Rücktritt als Bürgermeister von Hayingen an gea.de, abgerufen am 10. März 2022.
Wappen mini|90px|Flagge der Stadt Hayingen
Die Wappen der ehemaligen Gemeinden Die Stadt besteht aus Hayingen und den bei der Gemeindereform hinzugekommenen Ortsteilen (mit ihren Wappen): 80px|AnhausenAnhausen80px|EhestettenEhestetten80px|IndelhausenIndelhausen80px|MünzdorfMünzdorf
Kultur und Sehenswürdigkeiten Hayingen liegt am Schwäbische-Alb-Südrand-Weg, einem Fernwanderweg des Schwäbischen Albvereins.
Freiluft-Theater mini|Naturtheater Hayingen Das Naturtheater Hayingen ist eine 1949 gegründete Freiluftbühne mit überdachten Zuschauerrängen. Über eine Million Besucher haben hier vor allem Theaterstücke in schwäbischem Dialekt gesehen; die Spielzeiten sind jährlich von Juli bis September.
Vereine Hayingen verfügt durch seine Gliederung in viele Ortsteile über ein reiches Vereinsleben, das sowohl Sportvereine wie den Luftsportverein Hayingen, den TC Hayingen, den TSV Hayingen und den SV Ehestetten-Münzdorf einschließt als auch Narrenzünfte und Jugendclubs wie den Bauwagen Hayingen e. V., die Landjugend Hayinger Jugendtreff, den Jugendclub Ehestetten e. V. oder den Jugendclub P.U.G. e. V. der Ortsteile Indelhausen und Anhausen. Das musikalische Stadtleben gestalten neben den Kirchenchören beispielsweise auch der Liederkranz Hayingen mit seinem Chor Hay-Fidelity, die Stadtkapelle Hayingen, der Männergesangverein und der Musikverein Ehestetten oder der Gesangverein Münzdorf.
Bauwerke mini|Schloss in Ehestetten mini|Kappenturm mini|Rathaus Indelhausen
Die Stadt Hayingen besitzt in der Kernstadt eine Reihe mittelalterlicher Bauten, darunter das 1536 erbaute Alte Spital, das zu den ältesten Bauwerken der Stadt zählt. Der Kappenturm ist ein beliebtes Fotomotiv und noch erhaltener Bestandteil der früheren Stadtmauer. Die Stadtkirche St. Vitus im Ortskern aus dem 13. Jahrhundert trägt heute ein barockes Erscheinungsbild.
Zu den historischen Gebäude in den Ortsteilen zählen das Rathaus und das Pfründnerhaus in Indelhausen aus dem 16. Jahrhundert sowie das Schloss in Ehestetten.
Evangelische Katharinenkirche