mini|300px|Zwickauer Mulde mini|hochkant=2|Panorama-Aufnahme mini|hochkant=2|Panorama-Aufnahme

Wilkau-Haßlau ist eine Kleinstadt im Landkreis Zwickau in Sachsen. Sie hat etwa 10.000 Einwohner.

Geographie Geographische Lage mini|Zwickauer Mulde mit Mündung des Rödelbachs (rechts) Die Stadt liegt am Fuß des Erzgebirges, in einem Talkessel, etwa 6 km südlich von Zwickau und wird durch die Zwickauer Mulde und den Rödelbach geteilt. Links der Mulde befinden sich die ehemaligen Gemeinden Haara, Neuhaara, Culitzsch und Wilkau, rechts des Flusses Oberhaßlau, Niederhaßlau, Silberstraße und Rosenthal, sowie der erst in den letzten Jahrzehnten besiedelte Sandberg, welcher aus der Gemeindeteilung des Ortes Bockwa hervorging.

Nachbargemeinden

Geschichte 1279 wurde Niederhaßlau (die niedere Hasel-Aue) erstmals urkundlich als ein zur Grafschaft Hartenstein gehörendes Vasallengut im Besitz des Reichsgrafen Meinher III., Burggraf zu Meißen aus dem Geschlecht der Meinheringer, erwähnt. 1332 war der spätere Jägerhof (ab 1625) das wichtigste Gebäude von Niederhaßlau.

Das kleine Dorf Wilkau wurde 1439 erstmals urkundlich erwähnt. Sein Name ist slawischen Ursprungs und beinhaltet das Wort für Wolf (vgl. Wappen). Im Jahr 1670 gab es im Ort lediglich 12 Begüterte und sieben Häusler. 1850 zählte Wilkau rund 200 Einwohner. Wilkau gehörte zum Amt Zwickau.

Nach Beginn des industriellen Steinkohlenbergbaus im Zwickauer Steinkohlenrevier und dem Aufschwung der Eisenindustrie durch die Königin-Marien-Hütte im benachbarten Cainsdorf, in deren Folge die Kammgarnspinnerei Heinrich Dietel entstand, stieg die Einwohnerzahl Wilkaus bis 1900 auf etwa 8000. Die erste sächsische Schmalspurbahn wurde 1881 für die Strecke von Wilkau nach Kirchberg errichtet.

Die Stadt Wilkau-Haßlau entstand am 1. Mai 1934 durch den Zusammenschluss von Wilkau und Niederhaßlau.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten hunderte Frauen und Männer aus von Deutschland okkupierten Ländern Zwangsarbeit leisten, zu der sie in Holzpantinen täglich in Zwickauer Rüstungsbetriebe marschierten. Als die US-Truppen Mitte April 1945 vor der Stadt standen, verhinderte der Arzt Dr. Kalle, dass die Stadt gewaltsam eingenommen wurde, indem er Panzersperren abbrechen ließ und die Sprengung der Muldenbrücke verhinderte.

Schulgeschichte

Niederhaßlau/Haßlau 1843 Erwerb eines Bauplatzes für ein Schulhaus am Kommunikationsweg nach Vielau (seit 1910 Kirchstraße) 1845 Bau des ersten Schulhauses mit Türmchen in Niederhaßlau. Türmchen und Glocke wurden durch freiwillige Gaben aufgebracht; das Gebäude musste aufgrund rasant steigender Schülerzahlen 1853 und 1859 erweitert werden. Bis 1845 mussten die Schulkinder nach Vielau in die Schule gehen. 1870–1871 Bau des zweiten Niederhaßlauer Schulhauses (alte Schule, heute Grundschule und Hort) 1895 sofort nach Ostern wurde das erste Schulhaus aus dem Jahre 1845 abgebrochen und mit dem Bau des dritten Niederhaßlauer Schulhauses (neue Schule) begonnen, welches 1900 und 1904 erweitert werden musste. Dieses Schulhaus, ab 1945 die Dittesschule nach Friedrich Dittes, wurde bis 2005 als Mittelschule genutzt. 1968 Einweihung der Polytechnischen Oberschule „Karl Marx“ mit Turnhalle im Wohngebiet Sandberg, ab 1993 Gymnasium „Am Sandberg“ 2008 im Juli beginnt der Umbau der Dittesschule zu einer modernen behindertengerechten Grundschule 2010 am 9. August erfolgte die feierliche Einweihung der Dittes-Grundschule

Wilkau 1853 erstes Schulhaus, vorher mussten die Schulkinder nach Culitzsch in die Schule gehen. zweites Schulhaus, das sogenannte Frankenhäusel, in der heutigen Schulstraße 1884 Anbau an zweites Schulhaus 1889–1890 Bau Schulhaus B, welches 1897–1898 erweitert wurde, ab 1945 die Pestalozzischule, das Gebäude wurde 1998 abgebrochen 1996–1997 Ersatzneubau der Pestalozzi-Mittelschule 1990 im November Einweihung der Oberschule IV Wilkau-Haßlau, die 1992 in „Comenius Grundschule“ umbenannt wurde und ab dem Schuljahr 1992/1993 als zwei- bis dreizügige Grundschule geführt wird, mit Klassen zur Förderung von Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwäche 2017 Einweihung der umfassend sanierten Comenius Grundschule am 3. März (nach Auslagerung der Schüler 2015/2016)

Oberhaßlau/Silberstraße 1864 erstes eigenes Schulhaus, vorher mussten die Schulkinder nach Vielau in die Schule gehen 1968 wurde die Grundschule geschlossen

Culitzsch 1560 Bau des ersten Schulhauses, welches später bei einem Brand vernichtet wurde 1861 Bau einer neuen Schule gemeinsam mit Wilkau, die ebenfalls abbrannte 1771 erneuter Schulhausbau 1900 Bau einer neuen Schule, das Gebäude wird seit 1981 nicht mehr als Schulhaus genutzt. Ein speziell gegründeter Verein bemüht sich um den Erhalt des Gebäudes. Die Immobilie wurde im Jahre 2013 an privat verkauft.

Eingemeindungen mini|Rathaus Wilkau-Haßlau Zum 1. Oktober 1924 wurde das Dorf Haara in die damals eigenständige Gemeinde Wilkau eingegliedert. Am 8. Februar 1910 erfolgte der Anschluss vom Dorf Rosenthal an die Gemeinde Niederhaßlau. Als nächster Höhepunkt in der Entwicklung von Wilkau-Haßlau war am 1. Mai 1934 die Vereinigung der Gemeinden Niederhaßlau und Wilkau zur Stadt Wilkau-Haßlau.

Eine Gemeindeteilung des Ortes Bockwa 1939 zwischen Zwickau und Wilkau-Haßlau brachte einen weiteren Ortsteil.

Zuletzt wurden am 1. Januar 1999 Culitzsch und Silberstraße durch eine Gemeindegebietsreform in die Stadt eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl: 1934: 13.465 1939: 13.729 1946: 13.455 1950: 14.917 1955: 14.338 1956: 14.154 1957: 13.976 1958: 13.833 1959: 13.825 1960: 13.826 1961: 13.996 1962: 14.232 1963: 14.533 1964: 14.567 1965: 14.429 1966: 14.401 1967: 14.287 1968: 14.092 1969: 13.923 1970: 13.781 1971: 13.778 1972: 13.416 1973: 13.166 1974: 12.801 1975: 12.540 1976: 12.232 1977: 11.952 1978: 12.028 1979: 12.276 1980: 12.076 1981: 11.885 1982: 11.667 1983: 11.426 1984: 11.108 1985: 10.810 1986: 10.558 1987: 10.470 1988: 10.376 1989: 10.144 1990: 10.157 1998: 12.639 1999: 12.565 2000 – 12.404 2001 – 12.273 2002 – 12.102 2003 – 11.977 2004 – 11.907 2007 – 11.448 2008 – 11.304 2009 – 11.127 2012 – 10.397 2013 – 10.244 2018 – 9.784 2019 – 9.656 2023 – 9.461 2024 - 9.599Die Stadt - Stadt Wilkau-Haßlau, abgerufen am 2. April 2025

Gedenkstätten mini|Grabstätte der Fabrikantenfamilie Dietel Eine Grabstätte mit Holzsäule als Gedenkzeichen auf dem Wilkauer Friedhof erinnert an die sozialdemokratische, später kommunistische Hitlergegnerin Liesel Stark, die nach Zuchthaus und Haft im KZ Ravensbrück an den Folgen der Haft starb.

Eine im Jahr 2008 sanierte Grabstätte auf dem Friedhof in Wilkau erinnert an die einflussreiche Fabrikanten- und Stifterfamilie Dietel.

Weiterhin sind auf den Friedhöfen Culitzsch, Wilkau, Haßlau und an der Bergstraße in Silberstraße Gedenkstätten für die Opfer der beiden Weltkriege errichtet. Eine weitere Gedenktafel für die Opfer des Ersten Weltkriegs ist im Feuerwehrhaus Wilkau-Haßlau angebracht.

Politik Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 17 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:https://www.wilkau-hasslau.de/wilkauhasslau/module/cms/obj_doku_popup.asp?id=335&rwfdp=0@1@2Vorlage:Toter+Link/www.wilkau-hasslau.de+(Seite+nicht+mehr+abrufbar,+festgestellt+im+Juni+2024.+Suche+in+Webarchiven) Datei:Pictogram+voting+info.svg Info:+Der+Link+wurde+automatisch+als+defekt+markiert.+Bitte+prüfe+den+Link+gemäß+Anleitung+und+entferne+dann+diesen+Hinweis.

CDU: 6 Sitze AfD: 6 Sitze BSW: 1 Sitz (ein Sitz bleibt mangels Kandidaten unbesetzt) LINKE: 1 Sitz Freie Wählervereinigung Culitzsch-Wilkau (FWCW): 2 Sitze SPD: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU634,2733,5943,4AfD633,7521,0––BSW112,4––––Freie Wählervereinigung Culitzsch-Wilkau e. V.28,818,218,7Linke14,2212,3422,3SPD14,1–3,514,8FDP–2,718,218,5Dorfclub Silberstraße e. V.––18,229,1Grüne––15,1–3,2Wahlbeteiligung65,7 %56,5 %42,3 %

Bürgermeister 1945–1948: Walter Lang 1948–1955: Bernhard Robert Hauschild 1956–1978: Rudolf Reichel 1978–1990: Horst Tautenhahn 1990–2005: Frank Lange (CDU; * 9. September 1940, † 7. März 2024)Stadtanzeiger Wilkau-Haßlau, 10. Mai 2024, S. 25 Seit 1. Oktober 2005: Stefan Feustel (CDU) Stefan Feustel wurde 2012 und 2019 als Bürgermeister im Amt bestätigt. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2026Wahl am 23. August (Stichwahl am 13. September)2019Stefan FeustelCDU85,4201294,2200547,82001Frank Lange71,3

Städtepartnerschaften Griesheim in Deutschland Bar-le-Duc in Frankreich Gyönk in Ungarn

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten mini|Talbrücke der Bundesautobahn 72 Das Ortsbild wird von der zweitlängsten Autobahnbrücke Sachsens bestimmt, die die Täler der Zwickauer Mulde und des Rödelbaches überspannt. Sie ist 671 m lang und bis zu 55 m hoch. Bis zum Jahr 2005 war sie die längste Autobahnbrücke Sachsens.

Das heutige Hotel „Schützenhaus“ wurde in den 1970er Jahren als Kreiskulturhaus „Ernst Thälmann“ errichtet.

Seit 17. Juni 2005 verbindet der so genannte WiHa-dukt die beiden Ortsteile Wilkau und Haßlau miteinander. Diese Fußgängerbrücke ist 145 m lang, 5,30 Meter breit, der Pylon hat eine Höhe von 34 m. Von der Hängebrücke gibt es auch eine Anbindung über Treppe und Fahrstuhl an den darunter liegenden Haltepunkt, der am 4. Mai 2007 eingeweiht wurde. Der Name WiHa-dukt leitet sich von Viadukt ab und soll bedeuten: Wilkau Haßlau – damit uns keiner trennt. mini|Haltepunkt Wilkau-Haßlau vom WiHa-dukt aus gesehen (2016)

Seit 2018 existiert im Ortsteil Culitzsch ein Oldtimermuseum.Verein Historische Technik Culitzsch, abgerufen am 11. Dezember 2022

Siehe auch Liste der Kulturdenkmale in Wilkau-Haßlau Liste der Naturdenkmale in Wilkau-Haßlau

Wasserspiele In Wilkau-Haßlau befinden sich ein Springbrunnen am Alten Markt, zwischen Schützenhaus und Musikpavillon, sowie der defekte Brunnen „De Spinn“ am Neuen Markt, der zurzeit mit einer Bepflanzung versehen ist.Frank Dörfelt: Aus dem "De Spinn" genannten Springbrunnen in Wilkau-Haßlau wird ein großes Beet, Freie Presse – Zwickauer Zeitung, 02. Juli 2021

Verkehr

Eisenbahn Am Haltepunkt Wilkau-Haßlau besteht Anschluss an die Bahnstrecke Zwickau–Schwarzenberg der Erzgebirgsbahn. Bis 1973 verkehrte ab hier auch die Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld.

Seit dem 4. Mai 2007 trägt ein Triebwagen der Erzgebirgsbahn den Namen „Wilkau-Haßlau“.

Busverkehr Die Regionalverkehrsbetriebe Westsachsen (RVW) betreiben seit 1997 eine Stadtbuslinie. Seit 2019 wird diese als TaktBus vermarktet, verkehrt auch am Wochenende und bedient unter anderem die zwei Ortsteile Silberstraße und Culitzsch.

Auch die Städtische Verkehrsbetriebe Zwickau bedienen mit der Linie 10 Wilkau-Haßlau in einem festen Takt, am Wochenende auch mit der Linie 13.

Außerdem verkehren Regionalbuslinien nach Zwickau, Kirchberg, Bärenwalde, Weißbach und Aue.

Wirtschaft In DDR-Zeiten waren im Ort Kammgarnspinnereien, die Süßwaren-, Papier- und Möbelindustrie präsent. Die Produktion des VEB Süßwarenfabrik Wesa Wilkau-Haßlau (bis 1990 im Kombinat Süßwaren) wurde von 1990 bis 2020 als Standort der Firma Haribo (mit Werksverkauf) fortgeführt. Im Jahr 2023 wurden die Haribo Fabrikgebäude an eine Logistikfirma verkauft, die zuvor bereits Lagerräume auf dem Gelände genutzt hatte.

mini|Wilkau-Haßlau, Haribo, Luftaufnahme (2018) Die im Gewerbegebiet Schmelzbach ansässige Firma IndiKar Individuall Karosseriebau GmbH erregte 2009 mit der auf der IAA vorgestellten Konzeptstudie für einen Trabant nT bundesweite Aufmerksamkeit.

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