mini|Portugiesische Fans Die Endrunde der 12. Fußball-Europameisterschaft (offiziell: UEFA EURO 2004) wurde vom 12. Juni bis zum 4. Juli 2004 in Portugal ausgetragen. Am Turnier nahmen 16 Nationalmannschaften teil, die in 31 Spielen zunächst in Gruppen und danach im K.-o.-System gegeneinander antraten.

Die Nationalmannschaft Griechenlands, die als Außenseiter angereist war, gewann das Turnier nach einem 1:0-Sieg über Gastgeber Portugal im Finale von Lissabon und wurde damit zum ersten Mal Fußball-Europameister. Mit dem Mittelfeldspieler Theodoros Zagorakis stellte Griechenland zudem den besten Spieler des Turniers. Die Niederlage Portugals stellt zugleich die erste Finalniederlage eines Gastgebers in der Geschichte der EM dar. Zuvor hatten Spanien (1964), Italien (1968) und Frankreich (1984) ihre Finalspiele als Gastgeber jeweils gewinnen können.

Der Vize-Weltmeister von 2002, Deutschland, scheiterte, wie auch vier Jahre zuvor, bereits in der Gruppenphase. Die Schweiz scheiterte ebenso in der Gruppenphase, Österreich bereits in der Qualifikation. Torschützenkönig wurde der Tscheche Milan Baroš.

Vergabe Portugal bekam die Austragung der Europameisterschaft 2004 am 12. Oktober 1999 in Aachen von der UEFA zugesprochen. Das Land setzte sich dabei unter anderem gegen Spanien und Österreich/Ungarn durch. Portugal hatte Spanien die gemeinsame Austragung des Turniers angeboten, die Spanier lehnten jedoch in der Hoffnung auf den Zuschlag für eine eigenständige Ausrichtung ab.

Spielorte Aveiro Braga Coimbra Estádio Municipal Estádio Municipal Cidade-Stadion Kapazität: 32.830 Kapazität: 30.286 Kapazität: 29.622 2 Vorrundenspiele 2 Vorrundenspiele 2 Vorrundenspiele 180px 180px 190px Guimarães Leiria Faro/Loulé Estádio D. Afonso Henriques Estádio Dr. Magalhães Pessoa Estádio Algarve Kapazität: 30.029 Kapazität: 29.366 Kapazität: 30.305 2 Vorrundenspiele 2 Vorrundenspiele 2 Vorrundenspiele1 Viertelfinale 180px 200px 180px Lissabon Porto Estádio José Alvalade XXI Estádio da Luz Estádio do Dragão Estádio do Bessa Século. XXI Kapazität: 50.095 Kapazität: 65.647 Kapazität: 50.033 Kapazität: 28.263 3 Vorrundenspiele1 Viertelfinale1 Halbfinale 3 Vorrundenspiele1 ViertelfinaleFinale 3 Vorrundenspiele1 Viertelfinale1 Halbfinale 3 Vorrundenspiele 180px 180px 200px 180px

In Aveiro im neu errichteten Estádio Municipal fanden zwei Spiele der Gruppe D der Europameisterschaft statt. Das Stadion fasst 30.000 Zuschauer und wurde am 15. November 2003 offiziell eröffnet. Im Ligabetrieb wird es vom Fußballklub SC Beira-Mar genutzt. Braga im Estádio Municipal des Fußballklubs Sporting Braga. Das Stadion, in dem zwei der Gruppenspiele stattfanden, wurde neu erbaut und besitzt eine Kapazität von 30.000 Sitzplätzen. Coimbra im Cidade-Stadion. In dem für die EM sanierten und modernisierten Stadion für 30.000 Zuschauer wurden zwei Gruppenspiele ausgerichtet. Heimatklub ist Académica de Coimbra. Faro-Loulé im neu gebauten, 30.000 Zuschauer fassenden Estádio Algarve. Die Spielstätte war Austragungsort zweier Gruppenspiele und eines Viertelfinalspiels. Die Heimatklubs sind SC Farense und SC Olhanense. Guimarães im Estádio D. Afonso Henriques – Heimstätte des Fußballklubs Vitória Guimarães. Das Stadion hat Platz für 30.000 Zuschauer und wurde für die EM neu gestaltet. Im Stadion von Guimarães fanden zwei Gruppenspiele statt. Leiria im Estádio Dr. Magalhães Pessoa des Fußballklubs União Leiria. Das renovierte und erweiterte Stadion für 30.000 Zuschauer war Austragungsort zweier Gruppenspiele. Lissabon im Estádio José Alvalade XXI des Fußballklubs Sporting Lissabon und im Estádio da Luz – Heimstätte von Benfica Lissabon. Im José-Alvalade-Stadion, das im Vorfeld der EM errichtet wurde und Platz für 52.000 Zuschauer bietet, wurden drei Gruppenspiele, ein Viertelfinale und ein Halbfinale ausgetragen. Das ebenfalls neu entstandene Estádio da Luz war mit einer Kapazität von 65.000 Sitzplätzen das größte Stadion dieser Meisterschaft. Hier wurden drei Gruppenspiele, ein Viertelfinalspiel und das Endspiel ausgerichtet. Porto im Estádio do Dragão – Heimstätte des FC Porto – und im Estádio do Bessa Século. XXI – Heimat von Boavista Porto. Das Estádio do Dragão, in dem die Eröffnungspartie, zwei weitere Gruppenspiele, eine Viertelfinal- und ein Halbfinalbegegnung stattfanden, wurde neu erbaut und bietet Platz für 50.000 Zuschauer. Im Bessa-Stadion wurden drei Gruppenspiele ausgetragen. Nach Modernisierung und Vergrößerung bietet es 30.000 Zuschauern Platz.

Reglement Turnierform Wie schon bei den letzten beiden Europameisterschaften zuvor wurde auch diesmal die Vorrunde in vier Gruppen zu vier Mannschaften bestritten. Die jeweils ersten beiden Mannschaften jeder Gruppe qualifizierten sich für das Viertelfinale.

Silver Goal Das einzige Mal bei einer Fußball-Europameisterschaft galt ab Viertelfinale die Silver-Goal-Regel: Sollte es in einem Spiel der Finalrunde nach der regulären Spielzeit unentschieden stehen, würden zunächst 15 Minuten nachgespielt. Nur bei einem erneuten Unentschieden käme es zu einer weiteren 15-minütigen Verlängerung. Danach würde ein Elfmeterschießen ausgetragen.

Das einzige Spiel, in dem ein Silver Goal erzielt wurde, war das Halbfinale zwischen Griechenland und Tschechien, welches die Griechen gewannen.

Entscheidungskriterien für die Gruppenphase Die Platzierung der Mannschaften in den Vorrundengruppen ergab sich nach den folgenden Kriterien in folgender Reihenfolge:

höhere Anzahl der Punkte aus allen Gruppenspielen höhere Anzahl der Punkte im direkten Vergleich bessere Tordifferenz im direkten Vergleich höhere Anzahl der erzielten Tore im direkten Vergleich bessere Tordifferenz aus allen Gruppenspielen höhere Anzahl der erzielten Tore in allen Gruppenspielen höherer UEFA-Koeffizient besseres Fairplay-Verhalten während der Endrunde Losentscheid

Falls sich am letzten Spieltag der Gruppenphase zwei Mannschaften gegenübergestanden hätten, die nach Ende der regulären Spielzeit Remis spielten und dieselbe Anzahl an Punkten und dieselbe Tordifferenz aufwiesen und es kein weiteres Team gegeben hätte, das ebenso viele Punkte verbuchen konnte, wäre die Entscheidung um die Platzierung in der Gruppe im Elfmeterschießen gefallen.

Teilnehmer mini|Teilnehmer

Die Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft 2004 fand von September 2002 bis Oktober 2003 in zehn Gruppen statt, in denen jeweils fünf Mannschaften spielten. Portugal war als Gastgeber automatisch qualifiziert. Die zehn Gruppensieger qualifizierten sich automatisch für die Endrunde. Unter den zehn Gruppenzweiten wurden fünf Relegationsspiele ausgetragen, deren fünf Sieger ebenfalls die Endrunde erreichten.

Auslosung der Endrunde Bei der Auslosung für die Europameisterschaftsendrunde am 29. November 2003 in Lissabon wurden die 16 Mannschaften entsprechend ihren Ergebnissen bei den Qualifikationen für die WM 2002 und die EM 2004 in vier Lostöpfe eingeteilt. Mannschaften aus den gleichen Lostöpfen konnten in den Gruppenspielen nicht aufeinandertreffen. Lostopf A bestand aus Frankreich (als Europameister 2000 als Gruppenkopf gesetzt), Portugal (als Gruppenkopf in Gruppe A gesetzt) Schweden und Tschechien. In Topf B fanden sich England, Spanien, Italien und Deutschland wieder. In Lostopf C befanden sich die Niederlande, Kroatien, Dänemark und Russland und in Lostopf D Bulgarien, Schweiz, Griechenland und Lettland. Die Auslosung ergab folgende Gruppeneinteilung: Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader) (Kader)

Vorrunde Gruppe A

mini|Eröffnungszeremonie Der Gastgeber Portugal startete mit einer Niederlage gegen Griechenland ins Turnier, wodurch die Mannschaft von Luiz Felipe Scolari früh unter Druck geraten war. Nach dem Sieg gegen Russland musste Spanien besiegt werden, was im letzten Gruppenspiel gelang.

Griechenland gewann das Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber Portugal, worauf im zweiten Spiel ein Unentschieden gegen Spanien folgte. Nach der Niederlage gegen das bereits ausgeschiedene Russland, die knapp zum Viertelfinaleinzug reichte, ging die Fachwelt davon aus, dass gegen Europameister Frankreich das Turnieraus kommen würde.

Spanien begann das Turnier mit einem Sieg gegen Russland. Nach dem Unentschieden gegen Griechenland hätte ein Unentschieden gegen Portugal zum Weiterkommen genügt. Die 0:1-Niederlage gegen den Nachbarn führte zum Aus, weil Griechenland nicht mit mehr als einem Tor Unterschied gegen Russland verlor. Somit hatte Spanien gegenüber Griechenland bei gleichem Torverhältnis weniger Tore erzielt.

Russland verlor die ersten beiden Spiele gegen Spanien und Portugal. Dies führte dazu, dass der Sieg gegen Griechenland im letzten Gruppenspiel nicht zum Einzug ins Viertelfinale reichte.

Im Spiel Russland gegen Griechenland wurde von dem russischen Spieler Dmitri Kiritschenko der Rekord für das schnellste erzielte Tor bei einer EM aufgestellt. Er traf 67 Sekunden nach dem Anpfiff. Erst 2024 wurde der Rekord beim Spiel Italien gegen Albanien von Nedim Bajrami (Albanien) auf 22 Sekunden verbessert.

Gruppe B

Frankreich gelang ein später Auftaktsieg gegen England, dem ein Unentschieden gegen Kroatien folgte. Im letzten Spiel gegen die Schweiz stellte Frankreich durch ein Tor von Zidane und einen Doppelpack von Henry den Einzug in die Viertelfinals sicher.

England verlor das erste Gruppenspiel gegen Frankreich, bei dem David Beckham seinen ersten Elfmeter bei dieser EM verschossen hatte. Frankreich drehte die Partie in der Nachspielzeit durch ein Freistoß- und ein Elfmetertor von Zinédine Zidane zum Endstand von 2:1. England hatte bis zur 91. Minute mit 1:0 geführt. Ein Sieg gegen die Schweiz und ein nach 0:1-Rückstand am Ende deutlicher Sieg gegen Kroatien ermöglichte das Weiterkommen. Der 18-jährige Wayne Rooney erzielte gegen die Schweiz und Kroatien jeweils zwei Tore und trug so zur Viertelfinal-Qualifikation der Engländer bei.

Kroatien war nach dem ersten Gruppenspiel gegen die Schweiz, das mit einem torlosen Unentschieden geendet hatte, in Rücklage geraten. Kroatien erzielte mit dem 2:2 gegen Frankreich einen Achtungserfolg, schied nach dem 2:4 im letzten Gruppenspiel gegen England jedoch aus.

Die Schweiz ging als Außenseiter in die Gruppe B und hatte nach dem Unentschieden gegen Kroatien keine großen Chancen mehr auf das Weiterkommen. Nach Niederlagen gegen England und Frankreich schied die Mannschaft aus.

Johan Vonlanthen wurde durch seinen zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer für die Schweiz zum jüngsten Torschützen der EM-Geschichte.

Gruppe C

mini|Italien gegen Bulgarien Schweden startete mit dem 5:0 gegen Bulgarien in das Turnier. Der in die schwedische Nationalelf zurückgekehrte Henrik Larsson, der unter anderem ein Tor durch einen Flugkopfball erzielte, sowie Zlatan Ibrahimović mit einem Elfmetertor waren die besten Spieler des mit der höchsten Tordifferenz im Turnier gewonnenen Spiels. Das 1:1-Unentschieden gegen Italien und das 2:2 gegen Dänemark reichten zum Weiterkommen als Gruppenerster.

Dänemark startete mit einem 0:0 gegen Italien ins Turnier. Der folgende Sieg gegen Bulgarien sorgte dafür, dass Schweden und Dänemark ein 2:2 im letzten Gruppenspiel reichte, um den Viertelfinaleinzug zu schaffen.

Italien begann die Euro 2004 mit zwei Unentschieden gegen Dänemark und Schweden. Trotz des späten 2:1-Erfolges gegen Bulgarien reichte es den Italienern nicht, da Dänemark und Schweden sich 2:2 trennten. Da schon im Vorhinein klar war, dass sich Dänemark und Schweden bei diesem Ergebnis beide für das Viertelfinale qualifizieren würden und der dänische Torwart in der 89. Minute noch den 2:2-Ausgleich der Schweden verursachte, kam in den italienischen Medien der Verdacht einer Absprache auf. Die ironisch gemeinte Äußerung des dänischen Trainers Morten Olsen („Natürlich machen wir einen Deal.“) heizte diese Spekulationen noch auf.