Der Chrysler Newport war ein Full-Size-Fahrzeug des US-amerikanischen Automobilherstellers Chrysler, das von 1961 bis 1981 in fünf Generationen in Großserie gefertigt wurde. Innerhalb der Marke Chrysler war der Newport zumeist das Einsteigermodell. In einigen Modelljahren erfolgte eine weitere Ausdifferenzierung in die Baureihen Newport Custom (1967 bis 1976) und Newport Royal (1971 und 1972). Vor 1961 war der Begriff Newport bereits als Zusatzbezeichnung für unterschiedliche Ausstattungslinien anderer Chrysler-Modelle verwendet worden. 1941 trug ein Aufsehen erregendes Showcar die Modellbezeichnung Chrysler Newport Phaeton.

Newport Phaeton mini|Chrysler Newport Phaeton (1941) Der erste Newport, offiziell Chrysler Newport Phaeton genannt, war ein reines Showcar. Entworfen und gebaut wurde es in Zusammenarbeit mit dem Karosseriehersteller LeBaron, der zu dieser Zeit bereits der Briggs Manufacturing Company gehörte. Verantwortlich für das Design des Newport war Ralph Roberts. Das Auto basierte auf dem verlängerten Fahrgestell des Serienmodells New Yorker. Interessant ist die moderne Interpretation der zu diesem Zeitpunkt bereits verschwundenen Karosserieform Dual Cowl Phaeton, zu der ein Stoffverdeck und separate Windschutzscheiben für jede Sitzreihe gehörten. Zusammen mit dem gleichzeitig entwickelten Prototyp Thunderbolt, der ein hydraulisch versenkbares Metalldach hatte, gehörte der Newport Phaeton zu den ersten Fahrzeugen mit versenkbaren Scheinwerfern. Das Konzept orientierte sich am Vorbild des Cord 810/812 (1935–37). Die Chrysler Corporation übernahm die versenkbaren Scheinwerfer 1942 für die Serienmodelle der Konzernmarke DeSoto, griff dieses Designelement aber nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst nicht wieder auf.

Der Newport Phaeton wurde 1940 bis 1941 in nur sechs – nach anderen Quellen: fünf – Exemplaren gebaut. Eine Serienfertigung war nicht vorgesehen. Zu einem freien Verkauf kam es nicht; die Wagen wurden stattdessen an besondere Interessenten vergeben. Ein Newport Phaeton ging an den Firmengründer Walter Chrysler, ein anderer an die Schauspielerin Lana Turner.

Einem Newport Phaeton diente 1941 als Pace Car beim 500-Meilen-Rennen von Indianapolis. Dies war das einzige Jahr in der Geschichte der Veranstaltung, in dem kein Serienmodell für diesen Zweck ausgewählt wurde.

Windsor Newport und New Yorker Newport mini|Chrysler Windsor Newport (1953) In den 1950er-Jahren war der Newport kein eigenständiges Modell. Von 1950 bis 1956 nutzte Chrysler den Begriff Newport als Zusatzbezeichnung für die zweitürigen Hardtop-Coupés verschiedener Baureihen. Die Positionierung der Newport-Version unterschied sich in den einzelnen Jahren erheblich.

1950 sowie von 1953 bis 1956 erschien die Bezeichnung Newport für Coupé-Versionen des Windsor, Chryslers preiswertester Baureihe. Innerhalb dieser Baureihe war das Newport Coupé das teurere der beiden angebotenen Coupé-Versionen. Sein Preis lag 1950 etwa 330 US-$ und ab 1954 etwa 120 US-$ über den als Club Coupé bzw. (ab 1956) Nassau Coupé bezeichneten Basismodellen.

Von 1950 bis 1956 bot Chrysler auch in den höheren Baureihen Saratoga, New Yorker und Imperial Newport genannte Coupé-Versionen an. Auch hier war die Newport-Version zunächst das teuerste Coupé; 1955 und 1956 allerdings war, nachdem das einfache Club Coupé entfallen war, der Newport der preiswerteste Zweitürer; die höherwertige Version hieß in diesen Jahren St. Regis. 1956 erschien in den Baureihen Windsor und New Yorker schließlich auch eine viertürige Limousine mit der Bezeichnung Newport. Ihr Preis lag in beiden Baureihen etwa 320 US-$ über dem Basis-Viertürer.

Nachdem Chrysler 1955 seine höchste Modellreihe Imperial zu einer eigenständigen Marke gemacht hatte, verwendete auch Imperial die Bezeichnung Newport für die Coupés der Modelljahre 1955 und 1956.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 204 f.

Mit der Einführung des von Virgil Exner entworfenen Forward Look zum Modelljahr 1957 entfiel die (Zusatz-)Bezeichnung Newport bei allen Konzernmarken.

Newport (1961–1964)

mini|Kombi mit Heckflossen Zum Modelljahr 1961 erschien der Name Newport wieder im Programm der Marke Chrysler. Anders als bisher, bezeichnete er nun eine eigenständige Modellreihe. Anlass für die Wiedereinführung des Namens war eine Umstrukturierung von Chryslers Modellpalette. Für die mittlere Baureihe ließ Chrysler den bisherigen Namen Saratoga fallen. Die mittlere Baureihe erhielt ab 1961 den Namen Windsor, der bislang für die Basis-Modelle verwendet worden war. Die einfachste und preiswerteste Chrysler-Reihe wurde daraufhin Newport genannt.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 192.

Technik und Design Technisch und stilistisch entsprach der Newport weitgehend dem Chrysler Windsor. Wie sein Schwestermodell ruhte der Newport auf einem Chassis mit 3099 mm Radstand, größer war lediglich Chryslers Spitzenmodell New Yorker, dessen Radstand um vier Zoll (10 cm) länger war, sowie die Fahrzeuge von Imperial, der Spitzenmarke des Konzerns. Der Newport hatte den kleinsten der drei von Chrysler angebotenen Motoren. Sein Hubraum betrug 5916 cm³ (361 Kubikzoll); er leistete 265 bhp (195 kW) bei 4400 min−1. Zur Newport-Baureihe gehörten ein zweitüriges Coupé, ein zweitüriges Cabriolet, eine viertürige Limousine sowie der als Town & Country bezeichnete Kombi mit sechs oder neun Sitzplätzen. Die Preise lagen etwa 300 US-$ unterhalb derer der mittleren Chrysler-Baureihe.

Modellentwicklung Die erste eigenständige Newport-Generation umfasst die Modelljahre 1961 bis 1964. In dieser Zeit nahm Chrysler kaum technische Modifikationen vor, allerdings änderte sich das Karosseriedesign in Details von Jahr zu Jahr. Die stilistische Entwicklung des Newport entsprach der der teureren Schwestermodelle.

Im Modelljahr 1961 hatte der Newport – wie der Windsor und der New Yorker – einen trapezförmigen Kühlergrill und schräggestellte Doppelscheinwerfer. Mit ihnen griff Chrysler die sogenannten Chinese Eyes auf, ein Thema, das der norwegische Designer Vilhelm Koren 1959 für die Park-Ward-Version des Bentley S2 Continental entwickelt hatte. Die Heckflossen waren extrem spitz ausgelegt, was nach Ansicht von Ralph Nader erhebliche Verletzungsgefahren mit sich brachte.Ralph Nader: Unsafe at any Speed – The Designed-In Dangers of the American Automobile. Grossman Publishers, New York 1965, .

1962 verlor der Newport seine Heckflossen, während seine Front unverändert blieb. Aufgrund der nun fehlenden Heckflossen wurde der Newport – wie Chryslers Schwestermodelle – als „gerupftes Huhn“ („plucked Chicken“) verspottet. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Absatz der Newport-Modelle um fast 50 Prozent an. Diese Verbesserung ist allerdings nicht nur durch die Veränderung des Heckdesigns zu erklären, sondern auch dadurch, dass der Konzern kurz zuvor die preislich vergleichbar positionierte Marke DeSoto eingestellt hatte.

Zum Modelljahr 1963 änderte sich die Frontgestaltung aller Chrysler-Modelle. Die bislang schräg eingesetzten Scheinwerfer wichen nebeneinander montierten Exemplaren. Die Gürtellinie setzte sich – inspiriert vom Chevrolet Corvair – an der Fahrzeugfront fort. Die runden Rücklichter des Vorjahresmodells wurden, wie auch der trapezförmige Kühlergrill, übernommen.

Auch 1964 gab es nur kosmetische Änderungen: Der Kühlergrill erhielt ein massives Kreuz aus Chromstäben mit einem Chrysler-Emblem in der Mitte. Die runden Heckleuchten des Vorjahres wichen rechteckigen Ausführungen.

Produktion Die erste Generation des Newport war in den Jahren 1961 bis 1964 jeweils die erfolgreichste Modellreihe innerhalb der Marke Chrysler. Sie bot – im Gegensatz zum Spitzenmodell New Yorker – sämtliche Karosserieversionen an. Das erfolgreichste Einzelmodell war in jedem Jahr die viertürige Limousine, während das Cabriolet das teuerste und zugleich am wenigsten nachgefragte Modell war. Innerhalb der vierjährigen Produktionszeit der ersten Newport-Generation war das letzte Baujahr das erfolgreichste.

Modelljahr Code ProduktionszahlenAngaben nach Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 206 f. Hardtop-Coupé Convertible Coupé Hardtop-Sedan Four Door Sedan Wagon 6-Sitze Wagon 9-Sitzer Summe 1961 RC-1-L 9405 2135 7789 34370 1832 1571 57102 1962 SC-1-L 11910 2051 8712 54813 3271 2363 83120 1963 TC-1-L 9809 2093 8437 49067 3618 2948 75922 1964 VC-1-L 10579 2176 9710 55957 3720 3041 85183

Newport (1965–1968)

Mit dem Modelljahr 1965 stellte Chrysler konzernweit die Full-Size-Modelle auf die neu entwickelte C-Plattform um; ausgenommen war davon nur die Marke Imperial. Ab 1965 basierten alle Modelle der Marke Chrysler auf dieser Konstruktion. Das galt auch für die zweite Generation des Newport, die weiterhin die preiswerteste Reihe innerhalb der Marke Chrysler unterhalb des 300, der den Windsor ersetzt hatte, und des New Yorker war. 1967 kam der Newport Custom als eigene Modellreihe hinzu.

Technik und Design Chryslers Modelle Newport, 300 und New Yorker waren technisch und äußerlich nahezu vollständig identisch; sie unterschieden sich nur durch die Motorisierung und das Ausstattungsniveau voneinander. Auch die Längen waren identisch. Hatten sich die Baureihen der Marke Chrysler bislang durch unterschiedlich lange Radstände voneinander unterschieden, so hatten ab 1965 alle Baureihen den gleichen, auf 3150 mm verlängerten Radstand. Eine Ausnahme waren nur die Kombimodelle aller Baureihen, die weiterhin den kürzeren Radstand von 3099 mm nutzten. Serienmäßig war der Newport mit der leistungsschwächsten Variante des 6276 cm³ (383 Kubikzoll) großen Achtzylinder-V-Motors ausgestattet, die anfänglich 270 und im letzten Jahr 290 SAE-PS leistete. Ab 1966 war eine 325 SAE-PS starke Version dieses Motors wahlweise erhältlich, 1967 dann für alle Karosserieversionen mit Ausnahme des Kombi zusätzlich noch ein 7,2 Liter großer Achtzylinder-V-Motor (440 Kubikzoll) mit einer Leistung von 375 SAE-PS. Die Kraftübertragung übernahm serienmäßig ein handgeschaltetes Dreiganggetriebe; eine Dreigangautomatik, die in den höherwertigen Modellen serienmäßig war, war beim Newport eine aufpreispflichtige Option. Die vorderen Räder waren einzeln aufgehängt und mit Drehstabfedern verbunden, hinten hatten die C-Bodies Blattfedern.Beschreibung der C-Plattform von Chrysler auf der Internetseite www.allpar.com (abgerufen am 4. April 2017).

Der Newport teilte sich die Karosserie mit den übrigen Chrysler-Modellen. Das Design war komplett neu. Es zeichnete sich durch niedrige, lang gestreckte Linien und eine waagerecht verlaufende Gürtellinie aus. Im Bereich der vorderen Stoßstangen griff Chrysler die eckigen Formen des zeitgenössischen Lincoln Continental auf. Die Wagenflanken waren konkav geformt, und die hinteren Räder waren teilweise durch Blenden verdeckt.

Innerhalb der Marke Chrysler bot der Newport die vielfältigste Karosseriepalette an. Neben dem zweitürigen Coupé und dem zweitürigen Cabriolet gab es eine viertürige Limousine mit vier Seitenfenstern sowie – 1965 und 1966 – eine Limousine mit sechs Seitenfenstern, die 1965 die Zusatzbezeichnung Town Sedan trug. Hinzu kamen wiederum die als Town & Country bezeichneten Kombis mit sechs und neun Sitzplätzen. Besonders markant war die Gestaltung der Dachabschlüsse. Der Aufbau der Limousine folgte streng der Trapezlinie; die C-Säule hatte die Form eines schräg stehenden, zur Windschutzscheibe hin geneigten Rechtecks. Im Fall des Coupés war die C-Säule in den ersten beiden Jahren unten an der Gürtellinie schmaler als oben am Dachbereich, hatten also die Form eines auf der Spitze stehenden Dreiecks. Zum Modelljahr 1967 wurde das Coupé neu gestaltet. Die C-Säule war wiederum dreiecksförmig; die beiden Ankatheten trafen sich allerdings oben am Dachabschluss.