Die Burg Neu-Dernbach, auch Burg Dernbach genannt, ist die Ruine einer Höhenburg auf einer Anhöhe bei etwa 480 m über NN in Dernbach, einem Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

„Neu Dernbach“, strategische Aufgabe Nach dem Ende der 100-jährigen Dernbacher Fehde (etwa 1230 bis 1336) verließen die Herren von Dernbach,Horst W. Müller: Dernbach und die 'von Dernbach'. In: Hinterländer Geschichtsblätter. Nr. 3 und 4, 2005 und Nr. 1 und 2, 2006, Biedenkopf unter dem Druck der Ereignisse ihren ehemaligen Stammsitz in Alt-Dernbach. Auch ihre umfangreichen Besitzungen und Rechte in der Herborner Mark mussten die Ganerben von Dernbach nach dem Ende der Fehden 1333 an die Grafen von Nassau verkaufen und erhielten dafür einen für die damalige Zeit recht stolzen Preis.Karl Nebe: Burgfahrten an der alten Grenze von Hessen und Nassau. Die Burgen: Dernbach, Bicken, Wallenfels, Hessenwald, Murstein-Tringenstein. Nickel, Straßebersbach 1914. Sie bauten dann die „Burg Neu-Dernbach“ nördlich von Wommelshausen, die ihnen 1350 vom Landgrafen verliehen wurde.

Die Burg Neu-Dernbach war gedacht als Vorposten gegen die Grafschaft Nassau und zur westlichen Absicherung der Burg Blankenstein (Gladenbach). Sie sollte das nach Ende der 100-jährigen Dernbacher Fehde (ca. 1230 bis 1333/36) neu gewonnene Gebiet, das sogenannte „Obergericht“ des Amtes Blankenstein, am Oberlauf der Salzböde gegen die „Grafschaft Nassau“ absichern.

Die Besatzung der Burg hatte außerdem den Auftrag zusammen mit der von „Burg Blankenstein“ die nördlich vorbeiführende wichtige Fernhandelsstraße, die Brabanter Straße im Auftrag der Landgrafen zu sichern und zu überwachen. Die Besatzung der Burg Wallenfels hatte den gleichen Auftrag. Sie sollte aber besonders den wichtigen Kreuzungspunkt der alten Fernstraßen im Schelderwald (Brabanter Straße, Westfalenweg und Herborner Hohe Straße) bei der Angelburg (Berg) in Nähe der Wilhelmsteine schützen.

Bedeutungsverlust infolge neuem südlichem Fernhandelsweg

Infolge der zahlreichen Fehden während der Dernbacher Fehde, die sich mit kleineren Scharmützeln und Überfällen noch fortsetzte bis in die zweite Hälfte des 14. Jh. (z. B. überfiel Nassau 1366 Lohra und plünderte es) und der damit einhergehenden Unsicherheit für den Handel verlagerte sich der Fernhandelsverkehr gegen Ende des 14. Anfang des 15. Jh. immer mehr von der bisherigen Trasse der Brabanter Straße auf einen neuen südlichen Weg. Der verlief von Herborn aus im Aartal über Bicken, Bischoffen, Niederweidbach und ab dann weiter im Tal der Vers (rechter Nebenfluss der Salzböde) über Seelbach, Rollshausen, Altenvers nach Marburg.

Damit verloren die Burgen „Wallenfels“, „Neu-Dernbach“ und „Blankenstein“ zunehmend ihre zugedachte strategische Bedeutung. Sie wurden nicht mehr ausreichend unterhalten und verfielen, mit Ausnahme von „Burg Blankenstein“, die als Amtssitz des neuen Amtes Blankenstein eine neue Bedeutung erhielt.

Burg Alt-Dernbach Alt-Dernbach, eine Burg der „Herren von Dernbach,“ war eine Hofsiedlung mit kleiner Wasserburg, vermutlich nur eine Motte, an der Aar (Dill) westlich von Herbornseelbach. Alt-Dernbach, das erstmals 1263 erwähnt wurde, lag an der Furt der vom Schelderwald kommenden und nach Herborn führenden Herborner Hohe Straße durch die Aar. Sie wurde im Verlauf der „Dernbacher Fehde“ zerstört und aufgegeben.

Burg Neu-Dernbach und ihre Besitzer Die Burg wurde vor 1350 von den Herren von Dernbach mit Unterstützung der Haincher Linie der Herren von Bicken erbaut und dem Landgrafen von Hessen zu Lehen aufgetragen, der sie 1350 gleich wieder an die „von Dernbach“ zurück verlehnte. mini|hochkant|Grundriss der Ruinen der Burganlage Dernbach (1850)

Kuno von Dernbach heiratete 1354 die Gräfin Margaretha von Solms und erhielt als Mitgift, mit Zustimmung des Landgrafen, die Dörfer Günterod und Krumbach, sowie vom Landgrafen die neue Ortschaft Dernbach, deren Gemarkung aus der von Wommelshausen herausgeschnitten wurde. Als Entschädigung erhielt Wommelshausen im Süden ein Teilgebiet der vor 1340 untergegangenen Ortschaft Seibertshausen, meist Wald mit zugehörigen Wiesen im Salzbödetal, genannt die Hessen (Fln.).Horst W. Müller: Wommelshausen 1336–1986 – Ein Dorfbuch. Hrsg. Heimat- und Verschönerungsverein Wommelshausen e. V. Bad Endbach. 2. Auflage. Marburg 1995, S. 30 bis 33.

Die Dernbacher erhielten ferner, nachdem das Gebiet des „Obergerichts“ des Amtes Blankenstein mit dem Vorort Hartenrod (deckungsgleich mit der heutigen Gemeinde Bad Endbach) endgültig an die Landgrafschaft Hessen gekommen war, viele Güter in den umliegenden Ortschaften (allein elf in Wommelshausen), die zuvor Gegnern des Landgrafen gehört hatten.

Ganerbenburg Neu-Dernbach mini|Die Wappen der Herren von Dernbach Die Burg war eine Ganerbenburg und gehörte zwei Familienzweigen, und zwar denen „von Dernbach“, die sich später von und zu Dernbach nannten, und denen von Dernbach genannt Graul (Grauel/Graul ist ein Genanntname).

Der Familienzweig „von Dernbach genannt Graul“ verlässt Dernbach

1540 verkaufte „Peter von Dernbach gen. Graul“ seinen Anteil an der Burg an den hessischen Landgrafen und zog nach Wiesenfeld zu seinem Verwandten, dem hessischen Stiftsvogt „Philipp von Dernbach“, der der Linie der landgräflichen Dernbacher Burgmannen in Marburg entstammte. Philipp von Dernbach hatte die ehemalige Johanniterkommende Wiesenfeld vom Landgrafen übernommen.

Der im Stammsitz in Dernbach verbliebene Familienzweig, die „von und zu Dernbach“, wohnte zu diesem Zeitpunkt bereits außerhalb im Burggut. Die Burg selbst, schon 1570 als „alt und verfallen“ bezeichnet, verfiel weiter.

Peter Philipp Friederich von und zu Dernbach, der letzte Vertreter seines Stammes in Dernbach Der letzte Vertreter seines Stammes, der auf dem Stammsitz in Dernbach wohnte, war „Peter Philipp Friederich von und zu Dernbach“ (1678–1729). Sein Taufpate war der Fürstbischof von Bamberg und Würzburg, mit dem Zusatztitel Herzog zu Franken, „Peter Philipp von Dernbach gen. Graul“.

„Peter Philipp Friederich von und zu Dernbach“ starb am 2. Januar 1729 nach einem Reitunfall an einem Genickbruch durch Sturz vom Pferd, das bei der Jagd über einen gefrorenen Maulwurfshügel gestolpert war (gem. Eintrag im Kirchenbuch Hartenrod).

Junker Hans

Peter Philipp Friederich von und zu Dernbach hinterließ nur einen unehelichen Sohn, Johannes Schneider (1706–1791), genannt „Junker Hans“, den er mit seiner Magd Margaretha Schneider gezeugt hatte. Junker Hans lebte als herrschaftlicher Förster in Dernbach. Seine Linie hat sich über seine Tochter Elisabetha Margaretha bis heute fortgepflanzt.

Aussterben des lehensberechtigten evangelischen Familienzweiges 1748 Mit dem erst 40-jährigen landgräflich-hessen-kasselschen Hauptmann der Garde „Friedrich Ludwig Christian von Dernbach“ starb 1748 der lehensberechtigte evangelische Familienzweig aus. Der Offizier war verheiratet mit „Amalie von Breidenstein“. Das Paar hatte keine Kinder.

Umwandlung in Staatsdomäne

Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt zog danach die Burg und die zugehörigen Ländereien (die gesamte Gemarkung Dernbach umfassend) als erledigtes Lehen ein, wandelte es in eine Staatsdomäne um, ließ 1750 ein neues Gutshaus erbauen und verpachtete die Ländereien. Die katholische Fuldaer Nebenlinie der Herren von Dernbach erhob dagegen Einspruch, wurde aber abgewiesen.

Das Gutshaus existiert nicht mehr. Es wurde wie die letzten Hofgebäude, die nordwestlich des Burgberges standen, Mitte des 19. Jahrhunderts abgebrochen, nur ein Kellergewölbe blieb erhalten.

Von der ehemaligen Burganlage sind noch kümmerliche Reste der Außenmauer und Rudimente von zwei Schalentürmen (Ecktürmen) in der Burgmauer erhalten.

Beschreibung der Burg Neu Dernbach Von der Nord-Süd ausgerichteten nahezu rechteckigen oder trapezförmigen Höhenburg, die schon in der Mitte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts als verfallen bezeichnet wurde, sind nur die Außenmauern im südlichen Bereich in größeren Teilen erhalten. Dabei sind die Reste der beiden Schalentürme in der südwestlichen und südöstlichen Ecke noch sichtbar. Burgmauerreste finden sich vom Westen aus gegen den Uhrzeigersinn umlaufend bis in den östlichen Bereich. An den größeren Schalenturm schloss sich auslaufend nach Süden ein Mauerstück an, so dass südlich der Anlage ein Zwinger oder eine kleine Vorburg gestanden haben könnte.Vgl. Tafel XXII in: C. F. Günther: V. Dernbach in: Bilder aus der hessischen Vorzeit

Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts muss noch ein größerer Hauptbau bestanden haben, der aber dann verfiel, so dass später jeder der beiden Ganerben einen kleineren Nachfolgebau auf seiner Hälfte baute.C. F. Günther: V. Dernbach in: Bilder aus der hessischen Vorzeit, S. 328 f.

Aus Urkunden ist bekannt, dass ein Junker „Albert von Dernbach zu Grauel“ einen kleinen Bau, den Graulen-Hof im sogenannten Samt-Hof auf der Burg besessen hatte, wie auch die „von Dernbach“ selbst. Der Hof selbst soll im Erdgeschoss die Küche und eine Stallung und im ersten Stock eine gute Stube und eine Kammer, das Schlafgemach, enthalten haben. Der Hof soll aber Ende des 18. Jahrhunderts schon verfallen gewesen sein. Urkundlich ist belegt, dass jeder der zwei Ganerben eine eigene Stallung hatte und es auch zwei getrennte Zugangspforten in der Burg gab.C. F. Günther: V. Dernbach in: Bilder aus der hessischen Vorzeit, S. 327 f. Scheune und Kuhstall müssen die Gebäude auf der Grauel' schen Seite ergänzt haben.C. F. Günther: V. Dernbach in: Bilder aus der hessischen Vorzeit, S. 329

Auf dem Burgplateau selbst waren 1850 noch an fünf Stellen Ruinenreste entsprechend der Grundrisszeichnung verzeichnet, deren Häufung von vier Mauerresten im Süden ein West-Ost ausgerichtetes Palasartiges Gebäude vermuten lässt, vermutlich der ältere Hauptbau. Die Burgruine selbst wurde bisher nicht archäologisch oder bauhistorisch untersucht, so dass sich keine weiterführenden Angaben machen lassen. Die Überreste der Burg wurden 1796 in verschiedene Hofstellen geteilt, die um 1850 schon mit sieben Häusern bebaut waren oder sich direkt an die Burgmauer anlehnten. Teiche, Wiesen, Äcker und eine Mahlmühle östlich der Burg im Tal am Dernbach (Bach) gelegen, waren teils Lehen, teils Allod der Dernbacher Ganerben.

In den 30er Jahren, kurz vor dem Zweiten Weltkrieg sollen Erzählungen von Anwohnern zufolge Ausgrabungen (durch den RAD ?) auf und am Burggelände stattgefunden haben. Man habe dabei Kellergewölbe gefunden, erzählt man. Über die Ergebnisse ist offiziell nichts bekannt, auch nicht ob sie dokumentiert wurden.

Bedeutende Familienzweige und ihre Mitglieder

Dernbacher Nebenlinien auf Burg Vetzberg Zu den Dernbacher Ganerben zählten auch die Dernbacher Geschlechterzweige, die auf der Burg Vetzberg wohnten. Sie nannten sich mal „von Dernbach“, mal „von Vetzberg“ ohne und mit Namenszusatz wie zum Beispiel: „Rode“, „Graul“, „Krig“, „Holzappel“, „Ruchschade“ oder „Mul“.Walther Möller: Die Wappengruppe mit den Seeblättern, Veröffentlichung der Familiengeschichtlichen Vereinigung Darmstadt, 4. Band 1935

Die „Marburger Linien“ der Dernbacher, Vertreter des Landgrafen in dessen Nebenresidenz Marburg, im „Land an der Lahn“