Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben V beginnende Phrasen.

150px|ohne|rahmenlos|Initiale V

Vade Vade ad formicam, o piger, et considera vias eius et disce sapientiam! „Geh zur Ameise, du Faulpelz, und betrachte ihre Wege und lerne Weisheit!“ – Zitat aus dem alttestamentlichen Buch der Sprichwörter (Sprüche 6,6 [, ]).

Vade mecum. „Geh’ mit mir!“

Vademecum ist eine Bezeichnung für ein Lehrbuch, Ratgeber oder Leitfaden.

Vade retro! „Geh zurück!“ – „Fort!“

Vade retro, Satana! „Weiche, Satan!“ oder „Zurück, Luzifer!“ – Eine imprekative Formel des römisch-katholischen Exorzismus.

Biblische Vorbilder sind die Versuchungsgeschichte Jesu im Evangelium nach Matthäus (4,10 [, ]) mit dem Befehl Jesu „Vade, Satanas!“ („Fort, Satan!“), worauf der Teufel von ihm abließ, und die Rüge Jesu gegenüber Petrus im Evangelium nach Markus (8,33 [, ]): „Vade retro me, Satana.“ („Geh weg von mir, Satan!“)

Vae Vae soli. „Wehe dem Einzelnen!“

Zitat aus dem alttestamentlichen Buch Ecclesiastes 4,10 (, ), wo es über die „Sinnlosigkeit des Lebens durch Unterdrückung, Eifersucht und Einsamkeit“ heißt (4,9f. [, ]): „Zwei sind besser daran als einer, weil sie eine gute Belohnung für ihre Mühe haben; denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen auf. Wehe aber dem einzelnen, welcher fällt, ohne dass ein zweiter da ist, um ihn aufzurichten!“

Vae victis! „Wehe den Besiegten!“

Diese Drohung sprach laut Livius, Ab urbe condita 5,48,8f., der keltische Fürst Brennus aus, der 390 v. Chr. Rom eroberte, als er zusätzlich zu den vereinbarten tausend Pfund Gold auch noch sein Schwert auf die Waage mit den Gegengewichten legte.

Siehe auch Additus ab insolente Gallo ponderi gladius.

Vanitas Vanitas vanitatum, omnia vanitas „Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist Eitelkeit.“ – Zitat aus dem alttestamentlichen Buch Kohelet 1,2 (, ).

Vapula Vapula Papyria „papyrische Prügel“

So nennt Erasmus von Rotterdam eine vergebliche Züchtigung. Der Ausdruck geht zurück auf eine von Aulus Gellius über Lucius Papirius Praetextatus berichtete Anekdote.

Vare Vare, redde legiones meas! „Varus, gib mir meine Legionen zurück!“

Siehe Quinctili Vare, redde legiones!

Varia Varia lectio „unterschiedliche Lesart“

Variatio Variatio delectat. „Abwechslung erfreut.“

Die Rhetorica ad Herennium empfiehlt dem Redner, eine immer gleiche Lautstärke zu vermeiden:De ratione dicendi ad C. Herennium III,22,3 (online, intratext.com). „Auditorem quidem varietas maxime delectat.“ („Dem Zuhörer jedenfalls macht Abwechslung größtes Vergnügen.“)

Varium Varium et mutabile semper femina. „Etwas Unbeständiges und immer Veränderliches ist die Frau.“ – Vergil, Aeneis 4,569f.

Vasa Vasa vacua maxime sonant. „Leere Gefäße tönen am lautesten.“

Vaticinium Vaticinium ex eventu „Prophezeiung aus dem Ereignis“

Scheinbar in Erfüllung gegangene Prophezeiung, die in Wahrheit aber erst nach dem darin „prophezeiten“ Ereignis ausgesprochen oder konstruiert wurde.

Veni Veni, creator spiritus. „Komm, Schöpfer Geist!“

Pfingsthymnus, mit dem die gläubige Gemeinde den heiligen Geist um Beistand bittet.

mini|Triumphzug Cäsars, auf der Standarte: „VENI VIDI VICI“ Veni, vidi, vici. „Ich kam, ich sah, ich siegte.“

Text einer Nachricht, die Julius Caesar an den Römischen Senat schickte, um seinen Blitzsieg über König Pharnakes von Pontus in der Schlacht bei Zela, 47 v. Chr., zu melden. Dieser konzise Ausspruch ist in den Caesar-Biografien Suetons (Divus Iulius 37) und Plutarchs (Caesar 50,2) auf Griechisch überliefert: ().

Venia/Veniam Venia legendi „Erlaubnis zu lesen“

Gemeint ist damit das in der Regel an eine Professur oder Privatdozentur geknüpfte Recht, an Hochschulen Vorlesungen zu halten.

Venia sit dicto. „Nachsicht sei dem Wort!“ – Plinius der Jüngere, Epistulae 5,6,46.

Freie Übersetzung: „Mit Verlaub“.

Veniam petimusque damusque vicissim. „Nachsicht erbitten und schenken wir einander.“ – Horaz, De arte poetica 11.

Venire/Venite Venire contra factum proprium „Zuwiderhandlung gegen das eigene frühere Verhalten“

Bezeichnet im deutschen Schuldrecht einen bestimmten Fall des Verstoßes gegen den Grundsatz von Treu und Glauben.

Venite, adoremus. „Kommt, lasset uns anbeten!“ – Aus Psalm 95,6 (), in der Vulgata 94,6 ().

Teil des Invitatoriums zum täglichen Stundengebet sowie Refrain des Weihnachtsliedes Adeste fideles („Nun freut euch, ihr Christen“ beziehungsweise „Herbei, oh ihr Gläubigen“): „Venite adoremus, venite adoremus, Venite adoremus Dominum!“ („O lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten, o lasset uns anbeten den Herrn.“)

Diese Gebetsaufforderung parodiert im Roman Gargantua und Pantagruel von Rabelais (1,41) ein Mönch in fehlerhaftem Latein: „Venite apotemus!“ („Kommt, lasset uns trinken!“)

Ver Ver, autumnus, hiems, aestas dominantur in anno. „Frühling, Herbst, Winter, Sommer herrschen im Jahr.“ – Hexameter aus dem „Regimen sanitatis Salernitanum“ („Mmedizinisches Lehrgedicht der Hohen Schule zu Salerno“) aus dem 13. Jahrhundert.Gundolf Keil: ‚Regimen sanitatis Salernitanum‘. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1224f.

Ver sacrum „heiliger Frühling“

Nach Hungerwintern gelobten die Römer die im darauffolgenden Frühjahr Geborenen den Göttern zu opfern. Die Tiere wurden getötet, die jungen Männer mussten beim Erreichen des Erwachsenenalters auswandern.

Vera Vera causa „der wahre Grund [von]“

Vera fides rara est. „Wahre Treue ist selten.“

Geht vermutlich auf Phaedrus, Fabulae 3,9 (Socrates ad amicos – „Sokrates über Freunde“), zurück, wo es in der vorangestellten moralischen Sentenz heißt: „rara est fides“ („selten ist die Treue“).

Dazu existiert die küchenlateinische Übersetzung (eine Stilblüte) „Vera ist selten treu.“

Vera redit facies, assimulata perit. „Das wahre Gesicht zeigt sich wieder, das vorgespielte verschwindet.“ – Petronius, Satyricon 80,9,8.

Dieser Pentameter ist das Ende eines kurzen Gedichts über die Falschheit von Freunden, die man nur hat, solange das Glück anhält („cum fortuna manet“); im Unglück zeigen sie ihren wahren Charakter, so wie die Schauspieler am Ende des Stücks ihre Masken ablegen.

Verba Verba docent, exempla trahunt. „Worte lehren, Beispiele ziehen.“

Deutsche Variante: „Ein Beispiel ersetzt tausend Worte.“

Verba ita sunt intelligenda, ut res magis valeat quam pereat. „Die Worte sind so zu verstehen, dass ihr Sinn deutlicher wird und nicht verdunkelt wird.“ – Juristenlatein.

Verba valent sicut numi. „Wörter haben ihre Geltung wie Münzen.“Friedrich Gedike: ‚Verba valent sicut numi‘; oder von der Wortmünze. In: Berlinische Monatsschrift 13 (1789), S. 253–273 (Digitalisat, Universitätsbibliothek Bielefeld).

Verba volant, scripta manent. „Gesprochenes vergeht, Geschriebenes bleibt.“

Verbatim Verbatim et literatimVerbatim et litteratim „wörtlich und buchstäblich“ – „Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe“

Die Schreibweise mit Doppel-T ist die ältere (vergleiche litterae).

Verbi/Verbis mini|Selbstbezeichnung des lutherischen Predigers und Konrektors in Aschersleben Leonhard Christoph Rühl als V[erbi] D[ivini] M[inister] (1726) Verbi divini minister „Diener am Wort Gottes“

Alte Bezeichnung für protestantische Prediger; offizielle Bezeichnung eines ordinierten Theologen der evangelisch-reformierten Landeskirchen der Schweiz, früher in allen reformatorischen Kirchen gebräuchlich; abgekürzt V.D.M.

Verbis castigare „mit Worten züchtigen“ – Zitat aus den Schriften des römischen Redners Cicero

Verbis parvam rem magnam facere „mit Worten eine kleine Sache zu einer großen machen“ – nach Cicero, Pro M. Caelio 36

Livius schrieb in Ab urbe condita 41,24,17: „Quid rem parvam et apertam magnam et suspectam facimus?“ („Warum machen wir aus einer geringfügigen und offenkundigen Angelegenheit eine große und zweideutige?“)

Derartige Formulierungen sind nicht selten, sie beziehen sich auf die von den Sophisten versprochene Leistung der Rhetorik, die schwächere Position zur stärkeren zu machen.

Verbum

Verbum Domini manet in aeternum. „Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit.“ – Nach Jesaja 40,8 (, ) und Erster Petrusbrief 1,25 (, ).

Das Bibelwort wurde, vor allem durch Friedrich den Weisen (vergleiche Schautaler Friedrichs des Weisen von 1522) und den Schmalkaldischen Bund zu einer Devise der Reformation.inschriften.net

Variante: „Verbum Dei manet in aeternum.“ („Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit.“)

Verbum hoc ‚si quis‘ tam masculos quam feminas complectitur. „Der Ausdruck ‚wenn jemand‘ umfasst ebenso männliche wie weibliche Personen.“ – Digesta 50.16.1.

Mit diesem in den Digesten enthaltenen SatzDigesta, Liber L. In: thelatinlibrary.com, abgerufen am 29. April 2013. gab Ulpian (in seinem Werk Ad edictum) einen Rat zur Auslegung römischer Gesetzestexte.Hildegard Cancik-Lindemaier: Der Diskurs Religion im Senatsbeschluß über die Bacchanalia von 186 v. Chr. und bei Livius (B. XXXIX) . In: Hildegard Cancik-Lindemaier: Von Atheismus bis Zensur. Römische Lektüren in kulturwissenschaftlicher Absicht. Würzburg 2006, S. 33–49, hier S. 39. Demnach umfassten unbestimmte Personalpronomen wie ‚niemand‘ oder ‚jemand‘ in der römischen Rechtssprache ausdrücklich beide Geschlechter. Bestimmungen, die sich an beide Geschlechter richteten, benutzten dementsprechend unbestimmte Personalpronomen oder nannten ausdrücklich beide Geschlechter. Der 16. Abschnitt des 50. Buches der Digesten ist überschrieben mit De verborum significatione („Von der Bedeutung der Wörter“). Ulpian antwortete mit dem Satz auf ein Rechtsverständnis, das Frauen nicht automatisch einschloss.Nikolaus Benke: Gender and the Roman Law of Obligations. In: Thomas A. J. McGinn (Hrsg.): Obligations in Roman Law: Past, Present, and Future. Ann Arbor 2012, S. 215–246, hier S. 224. Im Deutschen wird Ulpians Satz heute in bildungssprachlichen Zusammenhängen zitiert, um zu betonen, dass in einem Text bei grammatisch maskulinen Formulierungen Männer und Frauen gleichermaßen gemeint seien.Beispiel:

Siehe auch Hominis appellatione tam feminam quam masculum contineri non dubitatur.

Verbum sat sapienti. „Dem Weisen genügt ein Wort.“ – Nach Terenz, Phormio 541.

Bei Terenz heißt es abweichend „Ah dictum sapienti sat est.“ („Ah, das Gesagte ist für einen Weisen genug.“)Siehe Publius Terentius Afer, Phormio, Actus III (lateinische Wikisource).Freie Übersetzung: „Oh, g’nug gesagt für einen klugen Kopf!“ In: Des Publius Terentius Lustspiele. Deutsch von Johannes Herbst. Band 4: Phormio. S. 52 (). Die Ironie bei Terenz ist, dass hier der Sklave Geta, eine Hauptfigur der Komödie, gemeint ist.

Veritas Veritas Dei vincit „Die Gottes-Wahrheit siegt“ – siehe unten Veritas vincit.

Veritas odium parit. „Wahrheit erzeugt Hass.“ – Sprichwort.

Veritas temporis filia „Wahrheit, die Tochter der Zeit“

Wahlspruch von Maria I., von 1553 bis 1558 Königin von England, Irland und Frankreich.

Dieses Zitat geht auf den römischen Schriftsteller Aulus Gellius zurück (Noctes Atticae 12,11,7):Gellius: Noctes Atticae, Liber XII (lateinisch). „Alius quidam veterum poetarum, cuius nomen mihi nunc memoriae non est, Veritatem Temporis filiam esse dixit.“ („Ein anderer alter Dichter, dessen Name mir gerade nicht einfällt, sagte, die Wahrheit sei eine Tochter der Zeit.“)

Im lateinischen Text wird es in der Bedeutung von „Am Ende kommt die Wahrheit ans Licht“ gebraucht, heute jedoch oft im Sinn einer Relativierung aller Wahrheiten im Lauf der Geschichte verstanden.

Veritas vincit „Die Wahrheit siegt“ – Wahlspruch Tschechiens (tschechisch )